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Unverhoffter Freiluft-Rock an der Ostbahnbrücke

Wolken klauen den womöglich letzten Sommertag heuer (2 Mal im Wasser war ich noch)

Ich wär dann bereit für einen langen Sommer …

Game of thrones, huh? Hätt ich auch früher drauf kommen können.

Heute geträumt, die Chinesen wären einmarschiert. Danach hat meine Nachbarin einen Wurf Katzen geboren. Hm. Vollmond istdoch schon vorbei?

Ich hab meine Sachen hier erledigt…

Naja, vielleicht nicht alle, und vielleicht nicht ganz, aber das hält mich nicht davon ab, fröhlich mitzusingen jodeln-gröhlen:

Nun mag sich ja der eine oder die andere wundern, hab ich doch bislang jeden Gedanken an eine Venedig-Reise immer verweigert (“In diesem Leben? Nicht mit mir!”), aber es gibt so Dinge, mit denen kann man mich überall hin locken. Flugzeuge zum Beispiel. Also in Venedig Urlaub machen, würd ich ja wirklich nie, aber das da hat mich gleich überzeugt.

Die Wettervorhersage ist hervorragend, der Koffer ist gepackt. Wenn dieses 3likeHome tatsächlich so tut, wie es soll, bin ich auch durchgehend voll handlungsfähig. Aber gleich neben unserem Quartier liegt ein Internetcafe. (So oder so hat sich einiges getan, seit ich 1999 meine erste Email über Psion/Nokia/Infrarot/TelefonModemRoaming versendet habe.)

Und bis morgen früh werd ich mich jetzt verzweifelt schlaflos im Bett wälzen und mich fragen, was ich vergessen habe einzupacken – denn dass ein Gepäckstück butterweich, ohne Flüche und ohne drauf-Herumhüpfen zugegangen ist, das hab ich bisher wirklich noch nie geschafft.

Das ist jetzt aber ein Scherz, oder?

Oder nicht? Laut diesem Artikel (schwedisch) müssen die weiblichen Angestellten von Lidl (der jetzt nach Osteuropa offenbar auch Skandinavien erobern will) in Tschechien und Polen während ihrer Periode ein rotes Stirnband tragen. Dieses Stirnband soll, so der Artikel, keineswegs der negativen Diskrimination dienen, sondern es den so gekennzeichneten Angestellten erlauben, auch außerhalb der gesetzlich festgelegten Pausen die Toiletten aufzusuchen, was sonst allerstrengstens verboten ist. (via Steffanie)

Ähem. Nun ist die berichtende Zeitung Kvällsposten nicht gerade für ihre seriöse Berichterstattung bekannt. Man könnte sie eher als nordische Verwandte der Bild-Zeitung bezeichnen. Jedenfalls berufen sie sich auf UNI Commerce als Quelle – eine mir bislang unbekannte Webseite der “global trade union for commercial workers”. UNI Commerce wiederum beruft sich auf die Quelle Lebensmittelzeitung, deren Archiv-Artikel allerdings nur für Abonnenten zugänglich sind. Kann das irgendjemand verifizieren oder – noch besser – falsifizieren?

Warholism?

Nein, nur ein schräger Blick auf gesammelte Phone-Cards.

Die Zeit verfliegt

Yes, and here’s to the few
Who forgive what you do
And the fewer who don’t even care []

Leonard Cohen ist 70. Falls ich schon mal wusste, dass der Geburtstag des jungen Manns zwei Tage hinter meinem liegt, dann habe ich es vergessen.

Erinnere mich aber an einen eigenen Geburtstag, 11 Jahre ist das her, an dem ich an einem Strand in Elba oben zitiertes Lied wieder und wieder in meinem klapprigen Walkman abspielte und dachte, das ist das Zitat meines Lebens, mehr braucht man über mich auch nicht zu sagen, außer vielleicht

I needed so much
To have nothing to touch

und das stammt aus demselben Song.

 

Was man zu Cohen noch alles erinnert, schummrige Beleuchtung, hoffnungsfroh sabbernde Jünglinge, hoffnungslose Gitarrenschrammler: Dafür kann Herr Cohen wirklich nichts. Daher rufen wir dem jahrelangen Wahlgriechen zu: Polla chronia! Viele Jahre soll er uns noch mit seinen Songs erfreuen und verdammt, einmal würde ich ihn gerne richtig live hören – und nicht so wie damals am Grazer Schlossberg dreifach verhallt in einen finsteren Graben gekuschelt, weil wir uns die Karten nicht leisten konnten.

Spannend

Da ist etwas Hübsches im RSS-Reader, das hätte sich zu linken gelohnt, aber ein Blick auf das urhebende Weblog zeigt, dass der Eintrag gar nicht dort ist – premium-Content für RSS-Abonnenten? Teaser für neugierige? Oder ist einfach jemandem das passiert, was mir auch schon 2-3 Mal passiert ist – falscher Knopf, und der Content, der gar nicht für die Welt bestimmt war, steht plötzlich im Feed? ZWei drei Minuten nur, dann ist er wieder weg, hoffentlich ist derweil kein Bot vorbeigekommen… Aber das kann man nur hoffen, nicht wissen, und vielleicht treibt sich der Content auch in zig Sammel-Inboxen herum. Und wie kann man überhaupt wissen, wie viele RSS-Abonnenten man hat da draußen, das kann eine/r sein oder 100, irgendwie subversiv und ungezählt, ganz im Gegensatz zu den Webseiten-Klickern. Leser aus der Unterwelt.

Ich mach mir den dritten Kaffee und das Fenster auf; geht gerade noch, auch wenn der heuer ohnehin so schüchterne Sommer deutlich vorbei ist. Der Wind, der mir ins Gesicht bläst, riecht gar nicht nach Großstadt, sondern mehr nach verregnetem Hochland, und das erinnert mich an einen Traum, den ich verloren hatte seit dem Aufstehen; Nachthemden sollte ich kaufen, für den Sufi, die sind im Angebot in dem Großmarkt, in den mein Unterbewusstsein mich verschlagen hat: drei Stück in Flanell und drei Stück in Baumwolle, und 70cm lang. Haben wir nicht, sagt die Verkäuferin, der Textilteil unseres Imperiums ist in Konkurs gegangen, leider, sie lächelt bedauernd. Als ich insistiere, führt sie mich durch Katakomben zu einer vergitterten Toreinfahrt, öffnet dort von innen die hölzernen Flügeltüren, und von draußen kommt genau so ein Windhauch wie eben in der Wirklichkeit, herbstschwer, feuchtkühl; und dann winkt sie mir, ihr zu folgen, und geht einen langen hohen Bogengang hinunter.

Das waren wohl einmal Pferdeställe? frage ich, Kann sein, antwortet sie gleichgültig. Die Fenster sind hoch oben, und unter jedem Fenster ist eine Nische, und in den Nischen stehen Kunstobjekte. Im Weitergehen sehe ich, dass die Farbe an den Wänden nicht alt und abgeblättert ist, sondern kunstvoll abgeblättert aufgetragen.

Am Ende des langen Ganges ist ein eisernes Tor, das sie aufschließt, dahinter ein riesiger, hallenartiger Raum voller Kisten und Kleidergestelle. An den Wänden rußige Fackeln, keine Fenster. Sehen sie sich ruhig um, sagt die Verkäuferin, ich komme dann in einer halben Stunde wieder. Ob ich etwas dagegen habe, dass sie mich einschließt, fragt sie, Ja, sage ich. Sie zuckt die Schultern, läßt die Tür offen und geht.

Mitten durch die Halle läuft ein Kanal, in dem fröhlich Wasser plätschert. Ich sehe etwas huschen und hoffe, dass es keine Ratte war.  Wie soll ich hier jemals etwas finden denke ich, und fixiere die erste Kiste, die daraufhin mit metallischer Stimme zu sprechen beginnt. “Jeans, Größe 28 bis 34, blau” wiederholt sie mehrmals, bis ich woanders hinschaue. Wow. Ich schaue eine andere Kiste an. “Porzellansets 36-teilig, weiß mit Goldrand, 10 Stück” robotert die Kiste.

Ich gehe durch den Saal, die Kleider an den Gestellen sind verschimmelt, teilweise zerrissen, und die Roboterstimmen begleiten mich, in vielfacher Ausführung. “Komm mit!” sage ich zu einer Kiste, die als Inhalt “Bücher aus dem Nachlass von Peter Handke” angibt. Aber der ist doch noch gar nicht tot? Die Kiste folgt mir brav, nur über den Wassergraben muss ich sie heben.

Draußen in dem langen Gang setze ich mich auf ein Hängestuhlartiges Kunstwerke und zünde die Kerze an, die praktischerweise Teil des Kunstwerks ist. Die Kiste lässt sich zu meinen Füßen nieder und öffnet sich. Ich beginne zu lesen… bis ein Feueralarm ohrenbetäubend durch das ganze Gebäude schrillt. Was soll hier brennen, ist doch alles Stein? 5 Mann in voller Montur traben durch den Gang und spritzen mit dem Schlauch meine kleine, harmlose Kerze aus. “Hören sie auf, sie machen ja die Bücher nass!”, schimpfe ich. Der Alarm schrillt noch immer, aber nein, das ist mein Wecker; vielleicht sollte ich doch mal einen anderen Weckton einstellen…

Auch das so ein Herbstzeichen, dass die Schulter der weckerabstellenden Hand es recht eilig hat, wieder zum Rest von mir unter die Decke zu kommen… Es ist die Zeit der morgendlichen Fünfminuten-Nochs, die Zeit des Ichwärejaschonwach-Aberunterderdeckeistessoschönwarm-Jammerns. Hilft nichts, die Arbeit ruft, und dann gibt es ja auch noch schöne Aussichten, heute undoder morgen, netter Besuch und, achja, stehenwirhaltauf, meine Schulter und ich, und begeben uns an den PC.

#275

Krems – Cessna Grand Caravan/3750m – Solo
Öffnung: 0675 | Freifall: 54s
avg: 203km/h | max: 259km/h

Zwei Sprünge lang kräftig satt gesehen an der Gegend & jetzt kann man mal wieder sitzen, so wie es sich gehört. Und auch ein bisschen experimentieren mit Armen & Beinen & dabei kräftig über die Landschaft purzeln, ja das auch.

Dann beim letzten Luftraumcheck direkt unter mir jemand gesehen & noch ein Stück weggetrackt, daher etwas tiefer geraten. Nicht weiter tragisch.

Addieren wir dazu ein wunderschönes Vorabendlicht & eine dritte wunderbare Landung, und der Sprung ist gelungen.

Die Sunsetload, mit beinahe gelungenem 10er-Stern & einer glücklich strahlenden Erst-Tandem-Passageuse (Bilder folgen); leider auch mit einer recht schmerzhaften Landung für jemand ganz anderen [wir wollen hier keine Namen nennen… aber herzlichst gute Besserung!], die Sunsetload springe ich nicht mehr mit, weil ich mir Boden-Videodienst aufgetragen habe. Auch gut. Ich mag eh keinen taunassen Schirm packen.

#274

Krems – Cessna Grand Caravan/4000m – Solo
Öffnung: 0700 | Freifall: 60s
avg: 201km/h | max: 258km/h

#273

Krems – Cessna Grand Caravan/3900m – Solo
Öffnung: 0875 | Freifall: 59s
avg: 193km/h | max: 235km/h

Dieses Wetter! Sonne & 30° sagt der Wetterbericht, bei uns gemessen nur 28, aber was will man denn mehr Mitte September?

Samstags schon auf der Dropzone, aber wegen Rotäugigkeit keine Linsen tragen können & mit Brille nicht springen wollen. Sonntags immer noch leicht rotäugig, aber deutlich besser.

Nach ausführlichem Frühstück hält mich nichts mehr. Erste Überraschung: Die Load ist voll. (Und so bleibt es den ganzen Tag. Nix mit 3-Minuten Entscheidungen…)

Anyway. Die nächste krieg ich. Es wird wieder mehr RW gesprungen, aber die Freeflyer finden sich auch zusammen. Gute Laune an Bord; ich etwas müde aber sonst auch gut drauf.

Selber im Flugzeug noch sehr überzeugt, jetzt heftig an meinen Freefly-Künsten zu üben, finde ich nach dem Exit ein unglaubliches Panorama vor. Trotzdem brav hinsetzen wollen – schwerer als geplant. Mit einer Handbewegung, die eigentlich eine Drehung bringen sollte, sofort wieder überschlagen & dann erstmal am Rücken liegengeblieben, mit Blick auf den Flieger, wo gerade eben Eli & Claus mit ihrem Schüler aussteigen. Dann wieder hingesetzt & nachlässig zum Horizont hinübergeschielt, wo die Sonne auf dem Hügelnebel so herbstmäßig schimmert; schnell auf den Bauch gedreht & langsame Kreise gezogen, Herbstfarben & Donauglitzern, wunderschön.

Wie immer viel zu schnell Zieh-Höhe, und plötzlich in dieser kleinen Ewigkeit zwischen Bällchenwurf & Öffnung komplett überzeugt davon, dass er diesmal nicht aufgehen wird.

Was er natürlich doch tut, brav & weich. Mich gefragt, wie ich immer auf solche Ideen komme, & dann gemütlich heimgekurvt; schöner kanns fast nicht mehr werden; oder doch: Mit einer hübschen Nullwind-2-Schritt-Landung. Perfekt.

#228

Sillian – Skyvan/3850m – Solo
Öffnung: 0825 | Freifall: 60s
avg: 198km/h | max: 216km/h

Der letzte hier heuer. Thomas und die halbe Relativgruppe springen auf die Alm, und ich hab einen Pullover zu wenig an, vor allem weil die Tür derweil offen bleibt. Ach, da ist ja unser Spot. Die andere halbe Relativgruppe und noch zwei andere Zweier; dann Walter, dann ich. Betont langsam das weiche Skyvan-Exitgefühl, gestreckter Überschlag und noch ein halber, kurz stabil im Standup und über der Alm hängen bunte Schirme, dann Arme und Beine rausgestreckt um diesen Sprung möglichst lang zu machen & nochmal die Berge zwischen Fernwolkn & die Drachenflieger & Paragleiter; ist wirklich schon Zeit zum Aufmachen? Wirklich? Schaaade…

Und nochmal gemütlich runtergeschwungen, Schnellkurven wären hier wirklich Verschwendung! Zwischen den Bergen ringsum hängen die Wolken, nur unser Tal ist blau. Fast ein Wunder. Zum ersten Mal überhaupt beneide ich die Paragleiter, würde mich gern noch einmal hochschwingen um noch einmal runterkommen zu können… und nochmal… und nochmal…

Stattdessen auch zum letzten Mal sauber und sanft gelandet. Und noch ein gemütliches Bier. Und dann ist der Boogie, für mich, leider, vorbei.

#227

Sillian – Skyvan/3700m – Solo
Öffnung: 0800 | Freifall: 46s
avg: 264km/h | max: 378km/h

Da wollt ich doch eigentlich sitzen, aber nach meinem obligatorischen Weichüberschlag lieg ich so gut mit dem Kopf nach unten, dass ich gleich liegen bleibe. Huch! Das fühlt sich schnell an, verdammt schnell. Kurzer Blick zum Höhenmesser, wobei es mich natürlich sofort überwürfelt, dann nochmal kopfunter. Unglaublich. Diese ganze Headdown-Geschichte kriegt einen eigenen Reiz, wenn links und rechts die Berge gleich hoch und höher sind als die eigene Fallhöhe.

Nach dem letzten Abdränger darauf bedacht, genau zu schauen, sehe ich, dass aufgrund der vielen Kleingruppen, der Weg zum Platz ein langer ist. Mit Kraft in die hinteren Riser gehängt und noch gut an der Fabrik vorbei, dann schnell abgezweigt um der Pink-Landung Platz zu machen. Die vielen Kleingruppen machen das naürlich aus – und mein Nitro sorgt dafür, dass ich – im Gegensatz zu ein paar andern – doch noch sauber auf den Platz komme. Tja.

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