AutorAndrea

wolkiges Schweigen

Der Himmel aber hüllt sich in wolkiges Schweigen. Das ist gut so, das ist nur gerecht. Geküßt, diesen Himmel, geliebt und gefürchtet, und immer wieder immer wieder umarmt. Da ist ein Lächeln, das immer da ist, hinter dem Blau, unter dem Schweiß und zwischen den Tränen. Nie habe ich mich so sicher gefühlt, nie so verloren. Was gibt es jetzt noch zu sagen, zu denken, zu tun? Vorsichtig sage ich es, ich sage:

Danke!

Und du lachst nur und hebst dein blutendes gesicht in den wind. (isore)

Kurz erzählt

Musik: Vienna Orient Project. Bier. Fein, Spät. Nacht. Viel kalte Landschaft. Schöne Farben. Sprünge. Wein. Nette Menschen. Viele Worte. Spät. Nacht. Frühstück im Bett. Kultur, lange. Kaffehaus. Heim. Kalt. Müde.

Sound. Track.

Dass ich Starsailor absolut heiss finde, habe, ich ja schon einmal erwähnt. Letzte Nacht hat sich gezeigt, dass sie auch live außerordentlich gut sind. Warum gibt’s denn da in Österreich keine Konzerte? Schnell mal nach München fahren? Oder nach Köln? Hm.

Das hat mich inspiriert, endlich den ganzen Stapel aufgenommener Videos zu beschriften, der sich in den letzten Jahren gebildet hat. Da hat sich unter anderem das gemeinsame Konzert von Konstantin Wecker und Hannes Wader gefunden. Auf der Suche nach dem richtigen Datum zum Beschriften der Kassette hat es mich auf die Wecker-Homepage verschlagen. Und siehe da, was findet sich dort? Ein Online-Tagebuch.

Oh, und Bob Dylan hat “Girl from the North Country” wieder ausgegraben. Wie das 2001 klingt, würde ich gerne wissen.

Und wenn ich jetzt noch erwähne, dass Hollywood von Marylin Manson auf meiner Einkaufsliste steht, habe ich meine Leser wahrscheinlich endgültig musikalisch verwirrt.

Österreich-Special

Ist da draußen irgendjemand, der De Luca witzig findet? Ich frag nur so, weil ich in Erwartung der Musiknacht die letzten 5 Minuten dieser… wie? Comedy Show? … na meinetwegen, dieser “Comedy Show” ertragen musste. Noch 5 Minuten länger und ich hätte auf die Musik auch verzichtet. Echt. (Aber, unter uns gesagt, eine Nation die auf Frau Knackal steht hat vermutlich nichts besseres verdient.)

Doppelconference

die sonne scheint aber der regen an den fensterscheiben perlt senkrecht nach oben jemand ruft nach mir und die musik ausnehmend schlecht man sollte diese plastikmusiker nach afghanistan schicken um minenfelder zu räumen das war aber nicht politisch korrekt ein gesicht presst sich an die scheibe es ist zu kalt um nachzusehen wer es ist du kannst nicht den ganzen tag im bett bleiben warum eigentlich nicht und in welchem trümmerfeld war ich spazieren die ganze nacht

welt? fremd. — weltfremd.

Nacht

Ich fühle mich leer. lose. Ich schlafe nicht, ich döse: halbstundenweise. Könnte genau so gut aufstehen. Es ist egal.

Mein Herz wie ein Tennisball in einer Waschtrommel. Es ist kalt. Mir ist heiß. Jedes Geräusch lebensbedrohlich. Die Stille noch gefährlicher.

Meine Höhle ist sehr fremd geworden. Ich sitze im Dunkeln. Ich rauche und warte. Auf das Licht. Auf das Leben.

Smokie [Datum ungefähr]

Zulassen (II)

Jetzt habe ich verstanden. Wurde aber auch Zeit.

 

ring of fire

zu stolz um zu flüchten

zu feig um hindurchzugehen

paralysiert

sicher

in bildschirmtrancen

gedankenfrei luftgeborgen

geh jetzt, geh

sonst bleibst du für immer

dein eigener feind

Virtuelle Kopfschmerzen

Tolle Party war das!

Und dann lasst mich keiner schlafen. Der Nachbar, der mit der Vorliebe für kinolaute Actionfilme, ist um halb vier nach Hause gekommen. Als der Lärm vorbei war, ist es schon hell geworden. Draußen der Autosattelschlepper beim VW-Händler hat mich bald darauf wieder geweckt. Und dann ist die Müllabfuhr gekommen. Seufz.

Mufti auf Knie [Datum ungefär]

“Halt mich!” – “Nein.”

Es ist ein Flugplatz ein Campingplatz eine WG, sehr groß, Gemeinschaftsräume in Zirkuswägen aus dunklem Holz. Wir sind viele: Alle sind da. Es ist sehr viel Geschirr schmutzig, wir werden ein Spiel spielen, und wer verliert, wird abwaschen. Wir können kein Spiel spielen, denn der eine, der einmal Lukas Resetarits ähnlich sieht, dann wieder einem gewissen Wolfgang, zieht jede Frage ins Lächerliche. “Wo ist der Ursprung der Gurke, Zentralasien, Amerika, Europa oder Nordafrika?” – “Ich würde sagen, der Ursprung der Gurke ist in der Erde.” Derweilen der andere, der früher einmal Zirkusdirektor war, die Speisekarte studiert und verkündet: “Ich glaube, ich nehme ein Rumpsteak als Vorspeise, ein Pfeffersteak als Hauptspeise und ein Steak Hawaii als Nachspeise.”

Vor den Zirkuswägen ist ein großes Wasser, wohl eine Meeresbucht, die Nacht ist nicht warm und nicht kalt, ein künstliches Wetter, und jemand vermutet, auch die Sterne könnten künstlich sein. Die Nebelwand auf der anderen Seite des Wassers, die diesen Teil der Stadt verdeckt, ist jedenfalls künstlich, menschengemacht, damit man darauf Filme projezieren kann.

Eine Hand streift wie absichtslos an meiner Schulter entlang, und der Handbesitzer grinst ein Ichwarsdochnicht-Grinsen. Ich schaue schnell weg, und wieder landet mein Blick auf dem schmutzigen Geschirr. Auf der Suche nach dem Klo durchstreife ich den Zirkuswagen, der ist innen viel größer als außen, da gibt es Garderoben, an deren dunklen Holzwänden vergessene Federboas hängen, Riesenspiegel und daran geheftet vergilbte Fotografien, Zeitungssauschnitte. Telefone, die nur dazu da sind, sich von Garderobe zu Garderobe zu unterhalten.

“Die Klos sind am Parkplatz”, sagt das Mädchen, das nett ist. Gemeinsam gehn wir dorthin, mit Handtüchern und Waschbeuteln, denn Samstags sind auch die Duschen dort, wie ein Schild verkündet: “First-Class-Waschräume, am Samstag auch für Economy-Class Besucher geöffnet”. Wir finden die Duschen nicht, aber immerhin die Klos, blaue Kabinen, der ganze Parkplatz ist voll mit Ihnen. Hinter dem Parkplatz ein Streifen Asphalt, auf dem Flugzeuge stehen, kleine Cessnas, riesige Jumbos, alles dazwischen. Aus manchen Fliegern scheint Licht, hört man Musik oder Fernsehgeräusche, wie aus Wohnmobilen auf einem Campingplatz anderswo.

Dann gehen wir zurück und weiter, ein paar andere schließen sich an, in die Stadt, wir wollen etwas essen. Ein Hafen, Kopfsteinpflaster, Schiffe, aber niemand außer uns. Da vorne ist ein Lokal, der Kellner steht vor der Tür. Wir steuern es an und der Mann mit der weißen Schürze murmelt: “Zirkusvolk” und schlägt uns die Tür vor der Nase zu. Niemand ist sauer, wir sind das gewöhnt.

Jetzt fängt der Film an, auf der Nebelwand, es ist mehr eine Computeranimation, Menschen und Pferde tanzen, fliegen, schwimmen auf dem Nebel, genau angepaßt an dessen Unregelmäßigkeiten, und ich sage: “Das möchte ich von der ersten Reihe aus sehen, das muss toll sein, wenn diese Bilder das ganze Blickfeld füllen.” Und das Mädchen, das nett ist, sagt: “Ja, genau so haben sie die Menschen gekriegt, verstehst du, eingefangen, gefügig gemacht, zeig ihnen das täglich und sie wollen nichts anderes mehr, das ist der Trick.”

Aber es ist doch so schön, ich stehe und schaue, und eine Hand greift nach meiner Hand. Ich weiß genau, wenn ich jetzt schaue, wer das ist, wird die Hand weg sein, aber es ist egal, ich muss es gar nicht wissen, vor diesen Bildern auf der Nebelwand hab ich sie alle lieb, das ganze Zirkusvolk, und zu den Bildern auf dem Weiß kommt jetzt noch ein Feuerwerk an den Rändern, innendrin, ich hätte nie gedacht, dass ein Feuerwerk im Nebel so schön sein könnte. Unter mir klatscht das Wasser an die Kaimauer und die Bilder aus dem Nebel spiegeln sich darin, und ich denke an mein knarrendes Holzbett im Zirkuswagen und dass es schön wäre, wieder einmal zu zweit darin zu liegen.

Wochenend und Sonnenschein

So ein Feiertag ist hervorragend geeignet zum Arbeiten. Dann, Freitags, ein bisschen in die Stadt. Alte Freunde wollen besucht werden, und anschließend locken dort feine Whiskys. Das ist nicht das reine Vergnügen, sondern harte Arbeit. Findet der Sufi. Ich dagegen habe mich vor allem blendend unterhalten. Man trifft nicht alle Tage Leute, mit denen man über Musik reden kann.

Der Samstag soll dem Draußen gewidmet sein, was sich als schwierig erweist, weil wir erst einmal in den Tag hinen schlafen. Kein Wunder. Dann aber, sozusagen als Aufwärmrunde, eine Donau, mehr silbrig als blau, und die Ausflugsboote, ziehen sehnsuchtsgetrieben flußaufwärts. Ich würde jetzt gerne von der Musik erzählen, die am Ufer unsere Seelen rührte, während auf den Decks die Menschen tanzten und flanierten, aber leider, die Motoren waren zu laut. Wußte gar nicht, dass Sehnsucht soviel Lärm macht.

Unsere Füße auch, in den Blättergedichten auf dem Weg, gelb und rot und dann ganz schnell erstaunlich dunkel, was soll man da machen, da hilft nur heim und warm.

Sonntagsträume und endlich wieder fliegen, so richtig und nicht nur im Kopf. Wenn dieser Traum nicht wäre, der nicht wahr sein darf, aber so einfach ist das nicht, nicht so einfach zu erfahren. Bleib ruhig, bleibe ruhig mein Kind und spring, hinein in dieses Licht das dich trägt, das Licht aus Gold und Blau und Weiß, nichts anderes zählt und das ist gut.

Zu früh, viel zu früh wird aus der Honigfeuersonne eine Dunkelheit, und die erträgt sich leichter wenn man schwitzt. Das tollste an der Sauna aber ist der Swimmingpool, der kalte, im Freien, in den man sich auch im November gerne wirft. Wenn dann später auch noch ein Feuer im Kamin brennt und sich die nackten Zehen in der Wärme räkeln, kommt dieses Buch gerade recht.

Und heimkommen ist gut, auch wenn der elektrische Kamin erst angeheizt werden muss, ist heimkommen gut, wenn man empfangen wird davon und davon und davon*.

So kann der Winter bleiben, meinetwegen.

*[obsolete links are intentionally left in]

Mondtage

Als wäre ich der Traum eines Entdeckers: So schwebe ich durch die Welt. An Schlaf ist nicht zu denken. Das liegt an dem großen runden, ja, aber auch an dem Sturm vor dem Fenster. Dass die Nachbarn wieder laut sind, fällt da kaum noch ins Gewicht.

Dinge zu tun, bedenken, abwägen. Logisch, denk logisch! Aber wie denn, wenn die Mondsucht die Oberhand gewinnt? Hier die Aufgabe, die Arbeit, meine Wahl. Dort die Anderswelt, die zieht und zerrt an mir.

Das Stückchen Welt, das dazwischen kommt, kommt aus dem Fernseher. Alte Filme, besser als die neuen. Diskussionen und Nachrichten. Aber weit weg, alles so seltsam weit weg.

Vlemma tou Odyssea

Ja, das war der richtige Film für diese Vollmondnacht.

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