AutorAndrea

Seltsamer Herbst

Die Blätter fallen nicht von den Bäumen, sie schießen senkrecht nach oben. Ganz schöner Sturm heute da draußen.

schlafe nicht

die nacht ist dunkel und unbequem und ich schlafe nicht. unter der decke ist es warm, aber nicht warm genug. die dunkelheit ist nicht mehr freundlich.

mir ist als wäre ich hellwach, und dabei träume ich schon. träume, die sich für gedanken halten. helle blitze unter der haut.

dann endlich versunken.

der morgen kommt, ungestüm und stürmisch. man sollte meinen, so ein junges ding hätte hitze, doch weit gefehlt. die letzten blätter frieren auf den bäumen.

das ruft nach etwas nettem, einem kleinen trost. einem feuerchen im kamin vielleicht, oder einer heißen tasse kakao, mit der Zeitung serviert.

stattdessen stehe ich auf.

herbst

viele biere später und erinnerungen, bilder aus der zeit da alles möglich schien, die welt für mich gemacht und die gitarren noch gelb waren, viele biere später und die nacht ist ein brunnen in schwarzem samt.

und morgens sonne, eiskalte strahlen auf meinem höhlenkopf, die jungs gehen spielen mit dem ding mit den vier rädern und ich rede mit der katze nach dem erlösenden kaffee.

dann die landschaft, die nachmittags vorbeizieht, hat sich die nebeldecke umgelegt gegen die kälte, aber das nützt nichts, die decke ist zu feucht.

fluss schlängelt sich durch landschaft, das ist schön und frei, alles lebt vom wein hier, das sieht man an den augen, aber das essen ist gut und der tag halb schön. und weinberge, weinberge weinberge: wellenförmig über das land laufen die stöcke, wo ist denn bloss die kamera, wer hat die schon wieder nicht mit?

die frachter auf dem fluss lassen ihr tiefes horn hören, wir sind da heisst das wohl. ab und zu ein leuchtturm. verlassene anlegestellen.

von keller zu gaststube zu keller, und der wein wird nicht besser. zu wenig zeit, um sich mit den hunden anzufreunden, und das kaninchen in seinem stall sieht traurig aus. aber gut.

fremdartig die architektur und mediterran die pflanzen in den unwirklich idyllischen innenhöfen. hier war ich noch nie, kann gar nicht glauben, dass das wirklich hier ist, vielleicht nur ein traum nach dieser viel zu langen nacht, als wären die bilder durcheinandergeraten, hier ein stück spanien, dort ein italienisches eck, dazwischen ein traktor von steyr.

überall kürbisse und eine handvoll maiskolben, hier arbeitet man auch am feiertag, wenn grade zeit ist, aber weinbauern wollen keine bauern mehr sein und heißen weingärtner. wahrscheinlich ist deshalb der wein so teuer, kostet das dreifache wie im 50km entfernten kamptal und ist doch nicht besser, aber was verstehe ich schon von weisswein. roten gibt es hier kaum.

alles hier ist sehr apres, obwohl angeblich alle zimmer ausgebucht sind wegen des feiertags, keine menschenseele weit und breit, oder doch: tag der offenen kellertür, da stehen sie beisammen, alle sehr fachmännisch, auch die frauen, und das schmalzbrot gibts gratis.

dann die nacht, die kriecht fast hinterhältig herein, versteckt sich im nebel um dann plötzlich zuzuschlagen, lichter verschwommen und in der stadt ist es still, noch nicht spät aber sehr still, man könnte meinen, mitternacht wäre vorüber.

trotzdem ist es hell auch im dunkeln, den ganzen berg hinauf zur festungsruine, dramatisch gekonnt angestrahlt von den scheinwerfern und plötzlich wandern wir als schatten über die gemäuer, gut sichtbar auch vom tal aus, ganz oben nach den vielen stufen.

eine geisterstadt bleibt es auch nach dem abstieg, niemand zu sehen. nur einer, der einen kürbis ins fenster stellt mit einer kerze drin, halloween.

und dann noch eine andere stadt, wo es um 9 uhr abends schwierig ist, noch etwas zu essen zu kriegen, schon bekannt aus anderen ausflügen aber immer noch schwierig zu begreifen. schließlich erbarmt man sich und serviert dem sufi ein gulasch und mir eine suppe, während im großen saal eine tanzband aus den schlimmsten alpträumen für den entlaufenen pensionistenverein spielt. genaugenommen spielt das keyboard ganz alleine, und zwei singen ziemlich falsch dazu.

der kellner ist tscheche und auch nicht begeistert von der musik, zwei worte nur und er will uns fast nicht mehr gehen lassen, erzählt von seinen highlights im gastgewerbe mit 6000 besuchern und viel, viel besserer musik, woanders.

aber dann rollen wir wieder, die welt ist kalt und unfreundlich und auch die große stadt ist dunkel und winterlich, da bleibt nur die bettdecke als trost, jetzt ist die schöne zeit wieder einmal vorbei. bis zum nächsten jahr.

Ah ja…

…das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen:

STANDARD: Das heißt, man kann im Ausland keinen Erstantrag auf Asyl mehr stellen?

Strasser: So ist es.

STANDARD: Wo kann man dann noch Asyl beantragen?

Strasser: Bei der entsprechenden Behörde in Österreich.

STANDARD: Und wie soll der Flüchtling herkommen – außer mit einem Schlepper?

Strasser: Das ist eine internationale, kriminelle Organisationsform geworden, die wir bekämpfen müssen.

Logik aus der Sicht des Innenministers. (aus dem Camp)

Versäumt?

Der montägliche Radioabend eingestimmt mit Songs Depeche Mode, Cypres Hill und Fettes Brot… mir scheint, ich hab da was verpasst? Kann das sein, dass da grade ein 80er Revival stattfindet?

Oh verdammt, nichts wie weg hier.

[Später, aber]

Montagsmusik

Paul Weller. Ja, ich gebe zu, mein erster Gedanke war: Was, der lebt noch? Dank Eva Umbauer weiß ich nicht nur, dass er noch lebt, sondern auch, dass er ein erstklassiges Livealbum produziert hat. Steht ganz oben auf der Einkaufsliste.

Losing my Mind

Ist jetzt Oktober oder ist es warm? Scheint etwa gar die Sonne strahlend an einem Montagvormittag? Natürlich. Montagvormittag.

Muss ich mir das anhören, dass da eine hysterische Soulstimme in aller Früh schon hektisch etwas von “Losing my Mind” in die Landschaft posaunt?

Wo fange ich bloss an? So viel zu tun, und so unschlüssig über die Prioritäten.

Ich geh erstmal einkaufen. Vielleicht setz ich mich im Park in die Sonne.

Kultursonntag

Weit bis in den Tag hinein zu schlafen, erscheint trotz langer Samstagnacht und freier Lebensgestaltung etwas frivol. Der Morgen, der ein mittlerer Nachmittag ist, lächelt sonnig auf dem Weg nach Klosterneuburg. Endlich einmal wollen wir in den lange links liegen gelassenen Tempel österreichischer Gegenwartskunst eindringen: Die Sammlung Essl. Guter Zusatzanlass: Die Ausstellung Reisen ins Ich – Künstler / Selbst / Bild.

Mich besonders beeindruckend: Elke Krystufek (Leopard Lily), Lüpertz (Standbein, Spielbein), Christian Ludwig Attersee (Freund Attersee grüßt Karl Valentin), Günther Brus (Die Ratlosigkeit der Selbstflüchtlinge), Judith Zillich (Stuhlkörper),  Valie Export (Windshields).

Übliche Enttäuschung bei Ausstellungen: Dass es die Bilder, die mir wirklich gefallen, weder als Postkarten noch als Poster zu kaufen gibt. Und auch online nicht und auf der CD-ROM der Sammlung Essl nicht. Schade.

Keine Manieren…

…haben die Webdesigner von heute. Just for the record: Eine Seite mit Hintergrundmusik ist etwas Fürchterliches. Eine Seite, die eine (oder mehrere) Zusatzseiten aufmacht, ohne mich zu fragen, sei es beim Aufruf oder beim Schließen, ist unerträglich grob. Eine Seite, die mir einen JS-Requester vor die Nase setzt, in dem gefragt wird: “Wollen Sie diese Seite zu ihrer Startseite machen?” ist unangenehm frech (und dann steht auch noch die Default-Antwort auf “Ja”!). Eine Site, deren Index nichts als eine Grafik/einen Flash-Film enthält, an deren Ende etwas wie “Eingang” steht, ist nervtötend.

Und alle diese und noch ein paar andere Unarten breiten sich aus wie Fußpilz.

Seufz.

Back Home

Ich gehe durch das Dorf. Will einen Bus erwischen. Ein Begräbnis ist gerade im Gang, Massen von Menschen gehen hinter dem Sarg her. Der ist in knallroten Samt gehüllt, und zwei verschiedene Bands spielen, was die Instrumente hergeben. Gegeneinander, sozusagen.

Dann endlich zerstreut sich die Menge, und ich kann den Weg zur Bushaltestelle nehmen. An der anderen, der Posthaltestelle stehen ein paar freundliche Postler und wundern sich, dass es auch noch andere Busse hier gibt. Dann lassen sie mich vorbei, und ich erreiche endlich die Haltestelle am Waldrand. Es ist unklar, wann der Bus kommt, und jemand bittet mich, noch schnell eine Webseite zu designen. Also sitze ich im Büro vor dem Computer und sehe aus dem Fenster vor mir, dass auf der Hauptstraße bergauf das Flugzeug startet.

Der Bus kommt erst morgen, sagt jemand. Und den Flieger habe ich auch versäumt, denke ich.

Frühschoppen

Gestern wieder erstklassige Musik im FM4 Heartbeat. Na, dann drehen wir doch eine Runde und schauen, was wir so im Netz finden. Da hätten wir als erstes Starsailor (Flash Alarm!), Das Album “Love is here” ist zwar ohnehin schon auf der Einkaufsliste, aber hier kann man ja einstweilen schon mal vorhorchen.

Auf der Suche nach weiteren Soundclips über die Alternativ-Musik-Seite der BBC gestolpert, wo es zwar kein Starsailor-Livekonzert gibt, aber dafür eine Show mit Nick Cave Performance mit einer ungewohnt sanften klavierlastigen Liveversion von “Mercy Seat” – Gleich mal weitersuchen, was man dort sonst noch für Juwelen findet.

Hmmm, so früh am morgen so sanfte Musik… das ist müdigkeitsgefährdend. Da hilft garantiert ein Schwenk zu Marilyn Manson (schon wieder Flash). Wie? Ja, ich hab mich auch gewundert. Aber “Nobodies” kommt wirklich erstaunlich gut.

Immer klappt das leider nicht mit den hingekritzelten Textschnipseln. Zu “Keep your chin up, for God’s sake try” spuckt das Netz absolut gar nichts aus. Hat da jemand einen Tipp, wer oder was das gewesen sein könnte? (Vielleicht beim nächsten Mal besser hinhören, jaja, man sollte nicht 3 Dinge auf einmal tun).

Was hätten wir da noch… No one is more happy than you | even the sky is feeling blueClem Snide? Noch nie gehört… Immerhin gibt’s Tracks von ihnen auf mp3.com, nicht den, den ich suche… Moment in the sun hört sich eher durchschnittlich an, Your favorite Music hat da mehr.

Der Rest muss warten. Erstmal gibt’s was zu tun.

Love, and love again

So it’s love, and love again, she thinks
lying in the warm October sun
in the grass
multicolored birds flying around

Not just a fading memory, she thinks
I still love this fucked up world
with all the strange and stranger people in it

I love it all

She smiles, a little bit
ashamed of her happiness
in a time like this

But maybe, she thinks,
maybe, if a few more people
could feel what I feel
know what I know
maybe this world would be
better, more tender and
less violent, just maybe

she thinks

this world, these people, these skies
it’s love and love again, she thinks
and then it’s time to fly – again

Rainbow Colors

zurück

Sonnenverbrannt und unverschämt glücklich melde ich mich aus dem Wochenende zurück. Ich versuche mich zu erinnern, wann mir das letzte Mal mitten im Oktober im T-Shirt zu warm war – hier in Mitteleuropa. Ich glaube, das war noch nie so.

Die neue alte Enterprise

Pilotfilm gesehen… Besser als ich dachte. Gute Gags. Gut spannend. Nette Crew, noch ausbaufähig. Aber die Titelmelodie! Was ist ihnen da bloß eingefallen???

Doch logisch

Dass in unserer less than perfect World einen Mord manchmal notwehrnötig oder in Einzelfällen auch ohne Notwehr nachvollziehbar ist, macht ihn noch lange nicht “richtig”.

Abtreibung aber ist kein Mord. Eine Handvoll sich teilender Zellen in meinem Körper ist kein Mensch.

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