Bahnhofsgeschichten

Fehring. Welke Blätter tanzen zwischen den Autos im Kreis. Einheimische Passanten schauen irritiert auf meine nackten Füße neben den Schuhen, die ich ausgezogen habe. Die weniger Einheimischen scheinen damit kein Problem zu haben. Die S-Bahn stellt den Motor ab und es ist ganz still. Nur ein seltsamer Vogel in der Föhre macht ab und zu ein Geräusch irgendwo zwischen Krächzen und Grunzen.
Eine ungefähr 8-köpfigeFamilie aus einem französisch Sprechenden afrikanischen Land steht ratlos vor dem Ticket-Automaten und ersucht mich um Hilfe. Dass die Einzeltickets viel zu teuer sind und ein Family-Ticket viel besser ist, weiß aber dann die Dame aus (vermutlich) Bulgarien, die trotz der kombinierten Sprachkenntnise aller Anwesenden (mindestens sechs) keiner verbalen Verständigung fähig ist. Stattdessen tippt sie resolut und zielsicher am Automaten die Daten ein und zeigt auf die wesentlichen Elemente am Schirm. Völkerverständigung durch Technik.

Am Bahnsteig draußen erzählt mir dann eine ungarische Dame, dass die Ticket-versierte Nichts-Bekanntes-Sprecherin täglich aus Graz anreist, um vor dem Spar-Markt zu betteln, in dem sie, die längst Eingebürgerte, arbeitet. Seltsame Universen globaler Ex-Pats.

Auf der Bank liegt ein Zettel mit den üblichen FPÖ-Lügen zum Thema Asylwerber, der längst als Fake enttarnte Vergleich mit der Österreichischen Arbeiterfamilie. Ich werf ihn weg und zwei Typen auf der Nebenbank schauen mich sehr böse an.

Unterwegs dann Kürbisse und Mais. Und dann Mais und Kürbisse. Der Himmel graut.
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