Beziehungen

Früh auf. Alles tut weh. Wann bin ich das letzte Mal 20 Kilometer, an einem Tag? Kann mich nicht erinnern.

Dafür verspreche ich mir heute Erholung. Leider bin ich schon gegen 8 hellwach vom Herumgetanze der Nachbarn. Ich will die heute nicht sehen; zumindest nicht zum Frühstück: Daher das Wichtigste in den Rucksack geworfen & mich selber ins Gwand. Dann ab ins Dorf.

Unten alles zu, alles verschlafen. Die ersten Segler klettern aus den Kajüten. Ich spaziere im Kreis, habe das Gefühl, wertvolle Zeit zu verlieren. Gebe derweil die Ansichtskarten auf.

Endlich macht jemand auf, das Marina, die ersten Sonnenstrahlen kommen um die Ecke. Kaffee, Orangensaft, Toast, Butter, Marmelade, und dabei den Hafen erwachen sehen. Ein Modefotograf mit einem Schwarm Models nutzt die morgenklare Luft für eine Reihe Aufnahmen.

Dann langsam Richtung Busstation, noch Orangen gekauft und Brot und Käse; Wasser habe ich schon. Dann auch gleich der Bus Richtung Media Almud.

Hartes Morgenlicht die Straße entlang, wie überhaupt die Farben der Landschaft hier extrem mit dem Licht wechslen, viel mehr als anderswo, kommt mir zumindest vor – man könnte meinen, man wäre morgens in einem ganz anderen Land als Abends…)

Flut ist es, und außer mir noch kaum jemand da. 1 Auto & 3 Leute, auf der “anderen”, der Sandseite. Handtuch ausgebreitet und nichts wie ab ins Wasser, das heute zart und fast glatt erscheint.

Ein Tag zur Erholung; schwimmen, lesen, essen, planschen. Gegen Mittag kommt W. & gemeinsam erkunden wir sein neues Handy, erschwert dadurch, dass er kaum Empfang hat. Dann getratscht & der Tag vergeht viel zu schnell. C. ruft an & erzählt, dass es 0 Grad hat in Wien, während ich gerade wieder dem Wasser zustrebe, um Abkühlung zu finden. D. ruft auch an, später; ist nicht so gut drauf. Ich schon. Die Sonne so stark, dass ich mithilfe von etwas Treibholz mein Allzwecktuch als Sonnenschirm aufspanne, das sieht wunderbar robinsonesk aus vom Meer aus und ist gemütlich zum Drunterliegen.

W. erzählt, dass ein ganzer Küstenstrich hier Julio Iglesias gehört, der – angeblich mit dem Geld der New Yorker Mafia – ein Hotel nach dem anderen baut. Und von den anderen Inseln, und davon, wie & wovon man hier lebt. Mir selbst erscheint nichts mehr großartig am kalten, steinernen Wien; selbst die “europäische Schwere”, die zu vermissen ich mir eingebildet habe, ist plötzlich sehr entbehrlich. (…)

Immer seltsamer auch erscheint mir, dass dieser Anblick von Felsen und Meer schon in ein paar Tagen nicht mehr selbstverständlich sein soll.

“Zu Hause” in Pto Mogan duschen & am Balkon langsam trocknen. Dann runter & die übliche Hafenrunde; bewundere wieder einmal die Boote, besonders das elegant-hölzerne hinter “the big American”. Alles redet über, alles sammelt sich um “the big American. “Galileo” heißt sie und misst 52 meiner Schritte. Ich bin unentschlossen, weiß nicht wohin, mag nicht in die Touristenmassen, die spanischen Ecken aber liegen verlassen.

Schließlich aufgegeben und fürs “Grand Bleu” entschieden; etwas fehl am Platz trotz köstlicher Seezunge & sehr freundlicher Bedienung. Plötzlich ganz klar, was ich D. sagen will, kann, muss: “Tu das, was du mit ganzem Herzen tun kannst!” – eine Message auch an mich, übrigens. So einfach, so schwer.

Die Seezunge, wie gesagt, köstlich; mit der Rechnung kommt ein Stamperl Honigrum: Hier mit Schlagobershaube.

Dann, schon auf dem Heimweg, höre ich Gitarrenklang aus der spanischen Kneipe & bin noch unschlüssig, aber der mexikanische Sailor erspäht & ruft mich. Wie sehr mich nach Gesellschaft dürstet, merke ich an meinem Aufatmen, als ich mich wirklich dazusetze.

Die Werftgemeinschaft begrüßt mich kollektiv freundlich, der Wirt auch, und obwohl ich von Gesprächen und rumfliegenden Witzen nur Bruchstücke verstehe, fühle ich mich recht zu Hause.

Als ich gehen will, schenkt mir der Wirt (Antonio) noch ein Glas Wein ein; viel besseren diesmal, und brav setze ich mich wieder. Wunderbar, nur dass die Jungs von der Werft dann gleich gehen (der Sailor schlägt mir auf die Schulter zum Abschied, und mir fällt auf, dass ich auf diese Berührung gewartet habe seit ich hierhergekommen bin. Verdammt. Auch das noch. Aber das war’s auch schon).

Antonio lädt mich zu einem anderen Tisch ein, zu seinen Freunden, den Iren (und Irinnen), die sehr nett und sehr locker sind. Mir ist schon klar, worauf das hinausläuft, aber noch ist alles harmlos, vor allem weil die Iren darauf bestehen, dass Antonio & seine freunde noch einmal die Gitarren rausholen.

Dann müssen wir aus dem Lokal raus, weil drinnen die Kakerlaken vernichtet werden (meine hübschen braunen Käfer! Na, Biologie ist wohl nicht meine Stärke).

Als die Iren aufbrechen, versuche ich, mich unauffällig anzuschließen, aber natürlich gelingt es mir nicht, Antonios Annäherungsversuchen zu entgehen, die galant und nicht bedrohlich, aber durchaus insistierend sind.

Hartnäckiger bleibe ich, und müde finde ich heim.

Teilen? Tweet about this on TwitterShare on Google+Share on FacebookEmail this to someone

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.