Bilder

Als ich gestern Hensos Plädoyer für Bilder zugestimmt habe, hatte ich noch nicht gesehen, was ich mittlerweile gesehen habe.

Ich bin nicht besonders empfindlich. Ich bin überzeugte Vertreterin des Bachmann-Ausspruchs “Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar”.

Aber wenn ich jemals jemanden dabei erwische, wie er mit der einen Hand die Plane über einer verstümmelten Leiche hochhebt, um mit der anderen ein Foto von den menschlichen Überresten zu schießen, dann werde ich mit Sicherheit versuchen, diesen Jemand fürchterlich zu verprügeln.

I just don’t get it.

Ich weiß, dass das widersprüchlich klingt. Ist mir egal.

Vor ein paar Jahren, in einer Situation, die bei weitem nicht mit diesen Ereignissen zu vergleichen ist, aber trotzdem das Bedrohlichste war, was ich jemals persönlich erlebt habe, habe ich begriffen, wo diese Bilder herkommen. Momente, in denen es keine Sicherheit gibt, in denen es keine Hilfe gibt, nur Angst und Chaos. Und die einzige Strategie, um damit umzugehen, erscheint es, sich selbst beschäftigt zu halten. Wenn es andere gibt, die die tatsächlich notwendigen Dinge tun, medizinisches Personal ausreichend vorhanden ist, dann bleibt nur noch die Kamera. Wenn sie zur Hand ist.

Die Bilder. Nein, keine verstümmelten Leichen, damals. Ein bisschen Blut, aber hauptsächlich Tränen und Chaos.

Ich habe den Film weggeworfen, ohne ihn entwickeln zu lassen.

Dass es Leute gegeben hat, die Geld dafür bezahlt hätten, habe ich erst später erfahren. Aber ich glaube nicht, dass das etwas geändert hätte.

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This article was written by Andrea

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