KategorieChronik

Das Kurier-Hochhaus schaut gar nicht gut aus.

Wieder einmal Uni-Atmosphäre schnuppern

Alltagsbloggen

Falls sich jemand über den Kuschelkurs hier wundert: nachdem man momentan fast überall und fast mit jedem über Politik diskutieren muss, habe ich beschlossen, hier im Blog derweil einen Gegenkurs zu fahren. Durchgeschaltene Twitter-Meldungen ausgenommen, gibt es hier derzeit nur alltägliche Geschichten aus dieser wunderbaren Stadt, die ich mir von den Blaumiesen ganz bestimmt nicht schlecht reden lassen werde.

Der frühe Vogel…

...wäre lieber im Bett geblieben.

Als ich aus der U-Bahn steige, ist es noch immer viel zu früh. Der Tunnelwurm erstaunlich bunt besetzt, nicht nur die üblich grauen Auf-Dem-Weg-Zur-Arbeit-Blicke und Mütter mit Kindern auf dem Weg zur Schule, sondern auch eine Gruppe Emo-Punks, die nicht einmal übernachtig wirken, ein glücklich lächelndes älteres Pärchen mit Strohhut und Strandsandalen, und drei Hundebesitzer mit einer wohlerzogenen, aufmerksamen Dogge, einem schlafenden Dackel und einem sehr neugierigen kniehohen Mischling.

Auf der Straße dann ein schmächiger Typ mit Nadelstreif, der, als er sich umdreht, ein rotes Anarchisten-A in Stencil-Optik auf dem Jackett-Rücken offenbart. Es hätte mich sehr interessiert, ob es das in den Fashion-Tempeln zu kaufen gibt, oder ob es sich um ein handgemachtes Statement handelt, aber es ist deutlich zu früh, den Mund aufzumachen.

Abseits der Hauptstraße scheint alles noch zu schlafen, dabei ist es doch jetzt schon halb acht. Nur beim Bäcker und beim Türken am Eck ist die Tür schon offen. Aus der Tür der Bäckerei kommt die Frau, die beim Türken meistens an der Kassa sitzt, mit zwei Bechern Kaffee. Belebender Cappuccino-Duft hätte mich beinah selbst einkehren lassen, aber woanders wartet ja schon Kaffee auf mich.

Um die Ecke dann ein Schreck: Auf der mittlerweile vertrauten Gstätten, womöglich der letzten solchen im 5. Bezirk, stehen Lastwägen und ein Bagger. Sie werden uns doch nicht die wunderbare Wildwiese zubauen?

Natürlich werden sie. So ein großes unbebautes Areal mitten in der Stadt, das ist zu wertvoll, um es brach liegen zu lassen, auch wenn die Wiese den ganzen Sommer lang wunderbar duftet und die Grillen nachts einen Hauch von Mittelmeer-Feeling verbreiten. Der Bagger hat sein Werk schon begonnen, die Wiese ist weg, es duftet nach aufgewühlter Erde und frisch gemähtem Gras.

Zu Hause dann überlegt, wie lange die Gstättn denn jetzt Gstättn war, aber wozu hat man ein Weblog: Es sind tatsächlich etwas über 11 Jahre.

Septemberhimmel

An diesem Sonntag noch einmal ans Wasser, und diese Entscheidung war gut. Noch einmal den Alltag abblättern lassen, noch einmal in der 21 Grad warmen neuen Donau schwimmen, noch einmal den Abend verklingen lassen in Strandstühlen mit Blick auf das pastellige Jetzt. Als die Menschenwelt mich einholt, reagiere ich ungehalten. Dafür ist unter der Woche schließlich Zeit genug. 

Nochmal ins Blau schauen

Dem gestern weniger gut gelungenen Batik-Stück mit etwas Blau auf die Sprünge geholfen.

Das Knie zickt…

... aber das Wochenende schaut trotzdem ganz gut aus.

Neue Brille!

Der September zeigt grad, wie finster der November sein kann.

Mach es zu deinem Projekt!

(Nein, ich war nicht beim Hornbach)

Es war, das gebe ich zu, eine Schnapsidee. Eine stocknüchterne Schnapsidee, aber doch eine Schnapsidee. Und die kam so:

Ich hatte meine zwei alten, abgesessenen Studentensofas durch ein neues gebrauchtes ersetzt, auf dem, so hoffe ich, es sich im kommenden Winter wieder gemütlicher stricken lassen wird. Das war eine Aktion im Affekt, mit der ich aber überaus zufrieden bin, nicht nur wegen des Sofas, sondern auch, weil die zwei bärenstarken Sofa-Lieferanten (nach einigen, durchaus angenehmen, orientalischen Verhandlungsplaudereien), im Gegenzug deutlich mehr mir nicht mehr nützlichen Zeugs mitnahmen, als im Vorfeld verhandelt. 

In dem so wieder angenehm geräumig wirkenden Zimmer schob ich ein paar Sachen herum, das neue Sofa zurecht, und stellte fest, dass der Tisch im Eck, der vor allem Träger der Lampe für die Sofa-Ecke war, da nun eindeutig nicht mehr hinpasst. 

Der bisherige Licht-Tisch war 50×50. Die neu freibleibende Fläche war 30×40. Ich spazierte also durch den Bezirk und besuchte alle einschlägig verdächtigen Geschäfte, doch unter 35 cm gab es nichts geeignetes. Etwas unzufrieden wieder zu Hause, fiel mein Blick auf das Altpapierkistl, einst Gemüsekiste für Avocados beim Hofer. Die müsste doch…? Bingo! 30×40.

Zwei Tage lang wälzte ich die Idee, bevor ich zur Tat schritt. Derweil stellte ich fest, dass es ein Billy von IKEA auch in 30 cm Tiefe gäbe, aber das hätte dann die Regalöffnungen in die falsche Richtung gehabt. Ich sammelte also bei mehreren Besuchen noch ein paar Avocadokisteln, bis ich die 6 hatte, um die gewünschte Höhe zu erreichen. Dann war ein Besuch im Baumarkt angesagt. 

Der furchtsame Blick an der Kassa ließ mich nicht an meinem Vorhaben zweifeln. 

Erst einmal galt es, ein paar Löcher zu bohren, durch die nachher das Sisalseil zum einfachen Hin- und Herstellen des Kastls laufen sollte. Dann ging es an die Farbe. 

Die extra gekaufte graue Sprühfarbe reichte allerdings nicht soweit wie gedacht, sodass ich in die Acryl-Lade griff. Wo schwarz unerwartet auch aus war. Ich ergab mich in mein Schicksal und mixte ein lindes Grün zurecht, das Resultat sollte ja ohnehin in die grüne Ecke. Dann ging ich daran, den Turm zusammenzusetzen und zu -kleben. Erstmal war Schönheit zweitrangig, ich wollte ja nachher ohnehin noch mal mit Farbe drüber.

Im Wiederstreichen erwies sich das „1x grau, 1x grün“ als unpraktisch. Stattdessen ging ich mit Grün über alles und setzte mit vorsichtigem Weiß noch ein paar Akzente in Richtung „verwittert“.

Blöd nur, dass ich mich bei den Löchern erst einmal verrechnet hatte. Aber hej, wozu ich vor langer Zeit die Goldfolie gekauft hatte, hatte ich mich schon seit Jahren gefragt. Passt! Jetzt nur noch das Seil durchziehen… 

… und schon kann ich wieder bei wunderbarem Licht stricken. 

Farbe, Seil und Tape eingerechnet, ist das Ding übrigens gerade mal 50 Cent billiger als das 30cm-Billy. Aber, es ist meins! Und hat die Öffnungen in die richtige Richtung. 

Eye in the sky

Oh, ist es schon soweit?

Augustlust

Es ist etwas Trotziges daran, wie etwas in mir darauf besteht, ans Wasser zu fahren, solange es noch geht. Während die Stadt heiß ist wie eh und je, merkt man unten am Fluss, dass der Sommer nachlässt. Schwimmen und Schritte, das ist alles, was an diesen Halburlaubsnachmittagen zählt,  dazu ein bisschen lesen und kommunizieren. Man muss auch mal Routinen ändern, deshalb schwimme ich heute in die andere Richtung. Dort sitzen drei Enten auf drei Ufersteinen, als würden sie eine Sportveranstaltung verfolgen. Das Wasser kühl, die Bewegung leicht und frei. Es wird kühler ab halb sieben, um halb acht zieht man sich gerne wieder an.

Heute am Mosquito vorbeigegangen und viele Schritte und einen fast schon gewohnt schönen Sonnenuntergang später an der U-Bahn-Station auch.

Ein Abendbier am Vienna City Beach, dann noch bis zur Reichsbrücke zu Fuß. Es ist schon dunkel, und die Kids kudern in vielen Sprachen, während die Fischer still ihre LED-Angeln im Auge behalten. In der U-Bahn ist es viel zu hell nach der Ufer-Dunkelheit. 

Der heißeste Tag

Nach dem Ventilator-Unglück vou gestern musste natürlich ein neuer her. Es wunderte mich nicht, dass in allen umliegenden Baumärkten und Elektrogeschäften nur bedauerndes Schulterzucken vorrätig war. Fast schon hätte ich mich damit abgefunden.in den restlichen Tropennächten des Jahres keinen Schlaf mehr zu finden, da lachte mich am Eck eine ganze Reihe von Ventilatoren an. Es war die Straßen-Auslage eines Allround-Grafflgeschäfts, das verzweifelte Stadtbewohner wie mich mit heroischen Importen aus der Türkei vor stickiger stehender Luft bewahrte. „Heute reingekommen“ sagte der Geschäftsmann und freute sich über meine erleichterte Begeisterung.

Ich zahlte 29,90, 2 Jahre Garantie, und schleppte das relativ schwere Packl heim. Auf den vielleicht 300 Metern redeten mich tatsächlich 4 Leute mit begehrlichen Blicken darauf an, wo man denn jetzt noch so ein möglicherweise lebensrettendes Gerät kaufen könnte. Ich wies allen den Weg.

Ich stellte das Ding in der Wohnung ab, nahm noch eine dringend benötigte kalte Dusche und fuhr… ausgerechnet am angeblich heißesten Tag des Jahres nicht zu meinem verlässlich kühlschattigen Stammbaum, sondern zu meinem Lieblingskünstler, um Ideen für den Herbst zu wälzen. Das Pläuschchen auf der Terrasse, das üblicherweise der Studioarbeit vorangeht, fiel heute kurz aus: Selbst unter dem Sonnenschirm drückte die Hitze wie eine physische Masse auf Körper und Gemüt.

Ich war ausnahmsweise ganz dankbar für klimatisierte Züge, auch wenn die Temperatur abends auf gemütliche 30 Grad abkühlte.

Die Wohnung hatte allerdings 33 Grad. Wieder war eine kalte Dusche fällig, ohne die ich der intellektuellen Herausforderung des Ventilator-Zusammenbaus nicht gewachsen gewesen wäre. Das Dinge hatte mehr Schrauben als eine durchschnittliche IKEA-Küche, und die notdürftig übersetzte Gebrauchsanweisung war wenig hilfreich.

Schließlich stand aber da, in voller Pracht, und ein Druck auf die Stufe eins brachte nicht nur schlagartig angenehme Luftbewegung, sondern auch die Erkenntnis, dass er ein viel angenehmeres Geräusch macht als mein bisheriger Luftquirl. Stufe zwei hob das Tischtuch am zwei Meter entfernt stehenden Tisch bedenklich an. An Stufe drei traute ich mich vorerst nicht heran, zum Schluss hebt das Ding noch samt meiner Wohnung ab.

Na super, der Ventilator ist kaputt.

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