Kategorie2004 Göttingen Hannover

Letzte Woche in Göttingen, in irgendeinem Lokal

A: Deine Party, am Samstag, wie wird denn die?
B: Ach, der weiße Flieder blüht, da hängen wir dann einfach Schwarzlicht rein.

2 Hippie-Musiker auf dem Weg nach vorgestern

D: Und, was geht heute mit den Studenten so ab?
A: Ach, gar nichts. Die interessieren sich hauptsächlich dafür, wie sie möglichst viel Kohle verdienen, damit sie in den Ferien nach Mallorca abhauen können.
D: Ach, Shit. Wozu haben wir uns früher eigentlich so viel Mühe gegeben?
A: Hab ich gar nicht!

[Göttingen]

Nordsplitter

Hannover ist eine lange Fussgängerzone mit viel Vorstadt drumherum. [ungerecht!]


Dass es noch immer Mädels gibt, die mit Kugelschreiber Herzchen und Sinnsprüche auf ihre Stofftaschen malen, ist irgendwie rührend.


Der erste fremde Mensch hier, der mich nicht irritiert und auch durch mich nicht irritiert wirkt, ist die chinesische Bedienung beim Mövenpick, die kaum ein Wort deutsch spricht.


Menge alter Leute hier in der Stadt.


Aber die Tauben, die sind überall gleich. Ob Tauben auch reisen? Dann hätten sie Tauben-Reiseführer, in denen die Parks mit den sympathischsten brotkrümelnden Damen gelistet sind, und die Denkmäler, auf die man als Taube von Welt unbedingt mal geschissen haben muss.


Schönes Bild: Wie im Waterloo Biergarten, in der allerletzten Abendsonne, deren Farbe wärmer scheint als sie ist, eine Freundin der anderen die Haare zum Zopf bindet, langsam, schwatzend, lachend, und immer wieder ins Gegenlicht der Sonnenstrahlen blinzelnd.

Also dann

Montagmorgen in Berlin, auch kein großer Unterschied, jedenfalls draußen in Schmöckwitz nicht; Herr P. fährt mich zur S-Bahn und wir plaudern noch, nett wie die ganzen Tage, überhaupt bin ich erstaunt, wie leicht mir das von der Hand geht hier, oder sollte ich sagen von der Zunge, meinen Ruf als große Schweigerin würde ich hier in Berlin nicht lange behalten, denke ich, freundlich gewunken, auf Wiedersehen, da kommt sie schon, die Bahn.

PICT0001Noch geholfen, zwei armen Touristen, die keine der versammelten verständlichen Sprachen sprechen, zu erklären, wo sie sind auf dem Plan und wie sie ins Center kommen; weitere Nachfragen bringen nichts, also beschließen wir ohne Diskussion, dass für die beiden erstmal der Alexanderplatz das Zentrum ist, was solls, sie lächeln freundlich und steigen ein, und was sie untereinander sprechen, kann ich nicht nur nicht verstehen sondern nicht einmal einordnen.

Ich dann zum Bahnhof Zoo und das Ticket gekauft, ICE, muss man ja auch mal gefahren sein; muss man natürlich nicht, im Gegenteil, ich glaube ich bin die einzige der so etwas auffällt, zum ersten Mal ICE, wen interessiert das schon.

Ich könnte auch gleich einsteigen, sollte ich auch, werde ja erwartet, will ich aber nicht: diese gar nicht mehr so fremde (wenn auch bei weitem nicht vertraute) Stadt verlassen, in der ich mich, da bin ich ungewöhnlich sicher, wohlfühlen könnte, eine Seltenheit, bei der Sache mit mir und den Städten, naja, Wien ist ja ganz OK, aber man ist doch jedesmal froh, wenn man rauskommt; hier aber, hier müsste man gar nicht raus, weil schon alles drin ist, so fühlt sich das an.

PICT0008Aus Mangel an sonstigen in dieser kurzen Zeit umsetzbaren Ideen zu Fuss nochmals zum Potsdamer Platz marschiert; von der anderen Seite diesmal, am Tiergarten vorbei, Botschaften, noch mehr Grün als von der anderen Seite, Wasser auch, dazu Mannschaftswagen voller Polizei (Was denn nun schon wieder???) aber freundlich und, besonders in einem Fall, mehr am Rumalbern miteinander als mit der potentiell feindlichen Umgebung beschäftigt; dann, nach einer Weile (knapp 45 Minuten) schimmert Glas durch die Baumkronen, und jetzt kann es nicht mehr weit sein, und da ist er ja.

Den Platz umrundet, kein zweites Mal nach oben gefahren, obwohl ich eigentlich genau das wollte, aber man soll sich ja immer etwas aufheben fürs nächste Mal, worauf man sich richtig freut, so sagt man; Was auch irgendwie Unsinn ist, wer sagt denn, dass es ein nächstes Mal gibt? – Stattdessen am sprechenden Mistkübel vorbei (“Danke Kumpel, dat find ick echt dufte von dir!”) hinein und nochmal unter dem Zeltdach gesessen, ein Süppchen und ein Nachmittagsbier, ist ja auch nicht meine Art aber heute schon egal; dann noch ein paar Jellybeans als Reiseproviant aus dem Automaten geholt und zurück gehts, nicht mehr zu Fuss.

Der ICE kommt dann auch, auf die Minute pünktlich, Horden stürmen den Zug, auf den nicht reservierten Sitzplätzen steht nicht etwa nichts, sondern “ggf. freigeben”, das findet der Typ wohl auch seltsam, den ich frage, ob hier denn noch frei sei, “gegebenenfalls” sagt er und wir lachen beide, und er schläft schon bevor der Zug fährt und ich lese endlich den “Herr Lehmann”, und der Zug fährt gar nicht wirklich schnell, aber er bleibt nur einmal in Wolfsburg stehen und dann schon in Hannover, und ich komme an.

Hier ist kühler, außen wie innen, und obwohl ich Berlin nicht als “schnell” im eigentlichen Sinne empfunden habe, muss ich einen Gang zurückschalten, um nicht laut oder speedig zu wirken; schwer fällt mir auch das nicht, aber ich habe im Moment eigentlich keine Lust drauf; die kühle Sonnenscheibe, die endlosen Vorstadthäuschen an denen wir vorbeifahren, ein bisschen unangenehm wie eine unerwartete kalte Dusche; aber die Menschen, die zu treffen ich hier bin, die sind noch immer in Ordnung. Immerhin.

Hannover Hauptbahnhof: Das teuerste Klo meines Lebens. Mit Schranke.

klo

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