Kategorie2007 Formentera

Das Kap der Barbaren, Strand-Hopping und ein ruhiger Abend

Man kann nicht immer nur rumhängen”, beschloss unser Kölner Freund morgens, und bevor ich die Katzen als malerisches Gegenbeispiel anführen konnte, war der Ausflug zum Kap der Barbaren auch schon beschlossen. So etwas bedarf natürlich einiger Vorbereitung – oder sagen wir, einer gewissen Vorbereitung. Zumindest – ein bisschen Vorbereitung. Na, um ehrlich zu sein, ohne Wasser sollte man möglichst nicht losfahren.

Mir fehlte zudem die sonnenschützende Kopfbedeckung. Es traf sich also gut, dass San Francisco auf dem Weg lag. Dort fand der Sufi zwar keine coole, rote Hose, aber ich nach einigem suchen doch eine Kappe, auf der noch nichtmal etwas draufstand. Wunderbar. Jetzt konnte es losgehen. Ich winkte dem knatternden, stinkenden Sufi und trat dann in die Pedale. 11km, also keine wirkliche Strecke, nur sollte es größtenteils bergauf gehen. Ganz so war es nicht. Es ging erstmals abwechselnd bergauf und wieder bergab, sodass mir der in Aussicht gestellte rollende Rückweg eher unwahrscheinlich schien.

Kaum zwei Kilometer später, ich war gerade richtig in den Tretrhythmus gekommen, pfiff der Sufi aus einem Lokal am Wegesrand. Es lag direkt gegenüber vom Supermarkt mit dem geheiminisvollen Wein (der Supermarkt hatte allerdings zu), hatte einen palmenblattgedeckten Garten und war vorwiegend von Einheimischen besucht. Nett. Da hätte man auch bleiben können, aber wir wurden ja erwartet.

Also weiter auf der Straße. Langsam wurde der Verkehr weniger und das Radeln um so netter. Langsam ging es auch mehr bergauf als bergab. Mit zwei Zwischenstopps (1x Sonnecreme nachlegen, einmal Wasser tanken) kam ich irgendwann oben an, nur um festzustellen, dass es da nochmal bergab – und dann natürlich nochmals bergauf ging. Aber immerhin, von da aus war der Leuchtturm schon in Sicht.

Im Schatten lungerten ein paar seltsame Typen herum.

Ich überlegte kurz, beschloss aber dann, sie doch noch zu kennen. Wir rasteten kurz und zogen dann los, um die berühmte Höhle zu besichtigen. Die sah von oben aus wie ein Loch im Boden, war innen dunkel und eng genug, um sich kräftig den Kopf zu stoßen, und öffnete sich dann weit Richtung Meer. Ideal, um hinaus- und hineinzufotografieren. Andere (spanische und italienische) Besucher schlichteten kleine Steinchen zu Pyramiden auf – ob das wohl Glück bringt? Fruchtbarkeit? Oder…?

Gerade hatte ich noch gedacht, wie nett es wäre, hier ein Fest bis in den sicherlich fulminanten Sonnenuntergang hinein zu feiern, da kamen schon die ersten Gäste. Mit Wein, Wasser und Brotkorb beladen, fröhlich italienisch zwitschernd und beneidenswert jung.

Wir alten Knacker waren nicht eingeladen und trollten uns.

Wir spazierten in die andere Richtung, westlich. Dort ein Steinbau mit Gitarren und Fahrrädern dran. Im Schatten ließ sich gut jausnen. Andrea hatte an Schinkensandwiches für uns alle gedacht, und spanischer Schinken bei Meeresrauschen und leichtem Wind war die beste Mahlzeit langem. Ich begann, ernsthaft über’s Auswandern nachzudenken. Kleine Eidechsen besuchten uns und kriegten ihren Anteil ab.

Nach der Stärkung wanderten wir noch die Klippen entlang. Alle waren sich einig, dass man in jüngeren Jahren selbst auch locker bis zum Meer hinuntergeklettert wäre. Ich wär da sicher nie hinuntergeklettert… (ein Boot tut’s auch!)

Eingewöhnen, Mobil werden, Strand, Musik

Der nächste Morgen graute nicht, er sonnte. Was uns durchaus recht war. Nach einem stärkenden Frühstück (hätte beinahe in Stress ausgeartet, da nur bis 11h erhältlich) machte sich der Sufi auf, um einen fahrbaren Untersatz zu besorgen. Ich hatte ein wenig Mühe, ihn davon zu überzeugen, dass ich nicht an ihn geklammert mit dem Roller über die Insel donnern wollte, aber ich war ganz sicher, dass ich das nicht wollte. Mir wurde daher ein Fahrrad zugedacht, was ich angesichts der Ausdehnung der Insel auch nicht ganz einsah. Ich bin immer gern gewandert. Man sieht mehr, hat mehr Zeit zum Fotografieren, und überhaupt. Aber an irgendetwas, das Räder hat, führte offenbar auch für mich kein Weg vorbei. Ich zog mich (zur Arbeit, nicht zum Vergnügen) ins Internetcafe zurück, um darüber nachzudenken.

Als ich wieder auftauchte, präsentierte der Sufi stolz seinen temporären fahrbaren Untersatz. Knallrot und mit etlichen PS ausgestattet, bereits mit Hängematte (von der noch die Rede sein wird) beladen und quasi zu allem bereit. Des Sufis Grinsen sagte mir, dass er das auch war, brachte mich aber trotzdem nicht zum Aufsteigen. Standhaft machte ich mich auf den Fussweg nach Es Pujols (von unseren Freunden mehr oder weniger liebevoll “Puschelsdorf” genannt), um das Fahrrad zu holen, von dem ich immer noch nicht wusste, ob ich es eigentlich wollte.

Denn man konnte von der Hauptstraße aus problemlos das Meer sehen, es war nicht allzu weit weg. Und zu Fuss hätte man sicherlich auch kleine Wege gefunden, auf denen einem nicht pausenlos Mopeds, Roller, Motorräder, Buggys und Leihautos um die Ohren fuhren. Der Verkehr wirkte wirklich nicht sehr nett, aber immerhin gab es einen Fahrradweg. Und die Sonne schien. Und, habe ich das überhaupt schon erwähnt? – warm war es auch. Also, im Prinzip alles andere nicht so wichtig.

Am Ortseingang von Es Pujols holte mich knatternd und stinkend der Sufi ein. Nun, genaugenommen war es nicht er, der stank und knatterte, sondern sein fahrbarer Untersatz. Aber das machte nicht allzuviel Unterschied, weil die beiden für den Rest des Urlaubs ziemlich unzertrennlich waren. Er zeigte mir den Weg zum empfohlenen Fahrzeugverleih, und 35 Euro später saß ich auf einem Mountainbike, 7 Gänge, Rücktritt.

Der Sufi hatte schon so eine Idee, wo er hin wollte, und es ging erstmal bergauf. In langsamem Tempo hatte ich Zeit genug, zu beobachten, dass mein Vorderrad eigentlich gar kein Profil mehr hatte, und zu hören, wie das Gestell bei jeder Pedaldrehung laut knackste. Uhm… naja egal, ist ja schließlich Urlaub.

Die Straße, die ungefähr in die Richtung führte, wo wir hinwollten, endete in einem Gewirr von Ferienbauten. Na gut, dann erstmal einen Kaffee. Wir stellten die Fahrzeuge ab und schlenderten die Pujols-Hafenpromenade ab. Boote und Boots-Slips und dann ein Strand. Mir war klar, ich muss sofort ins Meer. Der Sufi war überraschenderweise einverstanden. Das Meer war überraschend warm, und überhaupt: das Meer!

Anschließend ins nächste nette Strandlokal, dort ein Snack (Muscheln gratiniert, verzichtbar) und dann langsam wieder zurückgeschlendert. Warum wir von da aus nach Nordosten fuhren, hab ich vergessen (das kommt davon, wenn man unterwegs kein Tagebuch führt). Es war sonnig, aber mit angenehm leichtem Wind. Mein Fahrrad und ich gewöhnten uns langsam aneinander. Dass mich so ziemlich alles überholte, was Räder hatte, war mir egal – schließlich war ich zum Vergnügen da. Ab und zu wartete an einer Wegkreuzung der Sufi, um das weitere Vorgehen zu besprechen; ansonsten war es angenehm still. Zumindest, bis der Herr des knallroten Mopeds eine nicht nur unasphaltierte, sondern auch sandige und überaus löchrige Straße zur weiteren Route erkor. Auf selbiger hörte man mich nämlich lauthals fluchen, oder besser: man hätte mich gehört, wenn jemand dagewesen wäre. Dass niemand da war, war immerhin etwas.

Noch besser war, dass am Ende dieser Straße ein wunderbarer Strand mit wunderbaren Wellen wartete, der zum Bodysurfen einlud. Das taten wir dann auch, ich etwas ausführlicher als der Herr Sufi.

Bevor der Sonnenbrand eine Chance hatte, war es aber auch schon Zeit, nach San Ferran zurückzukehren. Schließlich galt es, die Abendgestaltung wohl zu überlegen – und das lässt sich am besten in Sichtweite der Möglichkeiten erledigen. Ein kurzer Spaziergang im Ort brachte (köstliche) Blätterteigtaschen, die mit einem frischen Bier aus der Kneipe schon eine gewisse Grundzufriedenheit schafften.

Nicht nur die Katze, sondern auch wir waren übrigens absolut verblüfft darüber, was so ein harmlos wirkendes Moped alles tragen kann – wenn man sich traut. Langsam füllte sich der Platz, und zwar deutlich mehr als am Tag zuvor – am Abend sollte es Livemusik geben. Wir waren gespannt.

Zuvor noch Abendessen. Wir wählten diesmal die “Fonda Pepe”, wo das berühmte Menü (für das man traditionell auch Schlange steht) aus einer dicken Suppe und Kotelett bestand. Satt und zufrieden dann wieder auf den Platz zurück. Die letzte Anstrengung des Tages bestand darin, sich einen strategisch günstigen Platz für das Konzert zu suchen. Der Sufi suchte und fand eine Bank auf der er auch liegen konnte, ich suchte und fand die Videokamera. Ein wirklich feiner Bluesabend…

Es wurde sehr nett, und irgendwann auch Mitternacht. Happy Birthday, Erwin!

Google Earth File vom 14.9. (mit Bonusfotos!)

Wien – Palma – Ibiza – Formentera

 

Die Wahl des diesjährigen Reiseziels war mir, um ganz ehrlich zu sein, etwas suspekt. Formentera? Formentera liegt doch gleich neben Ibiza, und Ibiza ist bekanntlich… inakzeptabel. Der Herr Sufi wollte aber unbedingt, nicht zuletzt wegen der Erzählungen seines ethnologischen Lieblingskollegen, der dort schon seit 30 Jahren immer wieder Mal hinfährt. Oder waren es 35 Jahre? Egal. Ich ließ mich also überzeugen, nicht zuletzt weil “Meer” und “Süden” immer recht gute Argumente sind, besonders in einem Frostseptember wie diesem.

Wir sprangen daher beherzt in den Flyniki-Airbus (im Hintergrund die Baustelle vom neuen Wiener Terminal), was dank vorherigem Web-Checkin tatsächlich beinahe so schnell ging, wie es hier klingt. 2 Stunden, ein Gourmetmenü und eine außergewöhnlich sanfte Landung später stiegen wir in Palma de Mallorca aus, um umzusteigen. Der erste Schritt aus dem Flieger nach einem Flug von kalt nach warm ist ja ein Gefühl, das ich sehr mag. Die erste Rückmeldung des Körpers “hmmmm… hier ist irgendetwas seltsam!” – und die Rückmeldung des Gehirns, ein paar Sekunden später: “Warm, Meeresluft, alles bestens!”

Ein Gefühl, das wir allerdings nicht lange genießen konnten, denn der Flugplatz von Palma ist luftdicht, schlecht klimatisiert und auch sonst nicht besonders. In welcher seltsamen Welt waren wir gelandet?  Bild am Sonntag warb mit riesigen Ständern Abonnenten, eine deutsche Pensionsversicherung versuchte sich im Urlaubermarketing. Das gläserne Raucherghetto regte den nichtrauchenden Sufi deutlich mehr auf als mich; wir waren aber beide sehr froh, als sich die 2 Aufenthaltsstunden dem Ende zuneigten. Die Durchsagen kommen zwar in allen Sprachen, aber so leise, dass man sie nur hört, wenn man zufällig gerade unter einem Lautsprecher steht. Es war also nur der Weltgewandtheit des Sufi und meiner gewohnt schnellen Informationsverarbeitung zu verdanken, dass wir das heimlich geänderte Gate noch rechtzeitig erreichten. Was uns auch nichts half, denn die anderen Passagiere brauchten deutlich länger. Aber irgendwann war es soweit, und wir verließen den Flughafen des Grauens.

Der Flug nach Ibiza ist so kurz, dass der Flieger (Air Berlin diesmal) sofort nach dem Steigflug wieder in den Sinkflug übergeht. An Bord gab es dementsprechend nur Apfelzuckerln. Dem Sufi schmeckten sie. Bei der Landung gab der Pilot nochmal plötzlich ordentlich Schub – wir rechneten kurz mit einem Go-Around – es waren aber wohl doch nur die berüchtigten Ibiza-Crosswinds. Alles bestens, Gepäck auch da, kurz anstellen an der Taxi-Schleife und nichts wie ab in den Hafen. Die nächste Fähre in 10 Minuten. Es hätte schlimmer kommen können.

Auf der Fähre guter Seegang und erster Foto- und Film-Enthusiasmus, wie immer, wenn man endlich das Meer erreicht. Die Reling meersalzverkrustet. Ich leckte glücklich meine Finger ab, der Sufi war entsetzt. Bald darauf kamen wir an. Drüben warteten wie gehofft die Freunde. Ein Taxi war bald gefunden; mehr als die erst etwas vage erscheinenden Anweisungen brauchte es auch nicht. Und so saßen wir bald darauf in der Fußgängerzone von San Ferran de ses Roques (auf spanisch auch San Fernando genannt), hinter uns die Casa Pepe, über uns ein abendwerdender Himmel, und vor uns die Fonda Pepe, aus der “Born to Be Wild” herüberschallte. Ich blickte sinnend auf die (gut genährte) Katzenherde ringsum, auf das Bier, das wie hingezaubert in meiner Hand erschienen war, auf die aus Temperaturgründen ausgezogenen Schuhe – und kam zu dem Schluss, dass des Sufis Idee so schlecht doch nicht gewesen war.

Während Lucas mit Erwin und Andrea am Poolrand die erste Flasche Wein köpfte, sprang ich als erstes gleich in den Swimmingpool. Der war leicht salzig und gut erfrischend nach dem langen Tag. Etwas später ein Abendessen, das mit Aioli begann und satt und zufrieden endete.

Danach wurden wir mit der traditionellen Abendgestaltung vertraut gemacht, die darin besteht, sich in kleinen oder auch größeren Grüppchen in der Fußgängerzone zusammenzufinden und unter Vernichtung von mehr oder weniger (je nach Kondition und Vorliebe) alkoholischen Getränken einfach nur anwesend zu sein. Der Anblick von Menschen mit einem Plastikstuhl in einer und einem Getränk in der anderen Hand, die suchend umherblicken oder mehr oder weniger zielgerichtet den Platz überqueren, wirkte an diesem Abend noch seltsam. Wir wurden als neue Gäste zuerst mit dem Inselschnaps Hierbas vertraut gemacht. Der erste schmeckte ziemlich eigenartig.

Während rings um uns ein kleines “Köln-gegen-Düsseldorf”-Wortscharmützel stattfand, verspannten sich des Sufis bislang sehr zufriedene Gesichtszüge zunehmend. Irgendetwas stimmte ganz und gar nicht. “Hier wird viel zu viel Deutsch gesprochen!”, stellte er schließlich fest, “wenn ich auf Urlaub bin, dann will ich doch die Leute um mich herum nicht auch noch verstehen!”.

Ich schlug zur Entspannung einen Spaziergang vor, Erwin schloss sich an (nicht ohne für flüssigen Proviant zu sorgen), und so wanderten wir durch die Nacht bis hin zum Meer. Da wurde dann zwar auch deutsch gesprochen, aber unter Freunden geht das ja. Die Musik waren die Wellen an den Klippen, weit draußen blinkten ein Leuchtturm und ein Fischerboot, die Weinflasche leerte sich viel schneller als die Wasserflasche, und als wir gegen zwei Uhr früh wieder in den Ort zurückkehrten, spielten am Kirchplatz ein paar einheimische Hippies Gitarre. Die Welt war wieder in Ordnung, und zwar sehr.

Google Earth File vom 13.9. (mit Bonusfotos!)

Urlaub!

Seltsames Wort, eigentlich. Was haben ein paar freie Tage mit prähistorischen Rindern und Baumbegrünung zu tun? (Nagut, nagut.) Jedenfalls habe ich nachgesehen und festgestellt, dass meine letzte Abwesenheit, die mehr als ein verlängertes Wochenende dauerte und nicht mit Arbeit im weitesten Sinn (Flugzeuge fotografieren…) verbunden war, im Frühjahr 2004 war. Ups! Da wollen wir doch Mal wieder…

Gebucht hat der Sufi, ich bin also unschuldig – und befürchte Schlimmstes. Sollte ich nicht wie geplant am 24. wieder da sein, könntet ihr ungefähr hier anfangen zu suchen (also, falls mich jemand vermisst, was ja auch nicht so sicher ist):

View Larger Map

© 2018 sturmpost

Theme von Anders Norén↑ ↑