KategorieReisen & Ausflüge

Der letzte Morgen in Sillian

Unterwegs mit dem Ozeandampfer der Lüfte

Um einen energiegeladenen Vogel ins rechte Fotolicht zu rücken, starten der Sufi und ich zu einer luftigen Expedition.

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Was ich noch sagen wollte

Zum Beispiel wie völlig unbegreiflich & absurd es erscheint, wenn entliebte Elternteile sich die lieben Kleinen einfach unter den Arm klemmen und abhauen. I mean, can you imagine that?

Dann endet der Themenabend, und die müde Channelhopperin stolpert über einen Bericht zum Kennedymord unter besonderer Berücksichtigung von Jackie, und spätestens als der Name Onassis fällt, steigt das altgriechische Mondgesicht von Angelo hinter dem Fernseher auf & strahlt: “Oh yes, my good friend Onassis. One day he asked if I would trade my Villa for his Yacht, but I said no. So he said he has to build another Villa beside mine, you know? But we could never find out who the land belonged to. So he built a villa on [Name vergesen] instead.”

“But I can tell you, those Parties, on his Yacht. Fantastic. Fantastico. The girls. and the sun. And the drinks.” [langes sinnendes Lächeln.] “And he could dance, you know, that man could dance…” [Noch ein langes sinnendes Lächeln.]

Irgendwann die Frage, wieso er, Angelo, denn so gesund und so frisch sein kann, wo er doch angeblich im gleichen Jahr geboren ist wie der alte Aristotle S., der ja nun (damals) schon bald zwanzig Jahre tot ist.

Wieder dieses sinnende Lächeln (wie lang er wohl gebraucht hat um das zu perfektionieren vor dem Spiegel?), und dann, sehr intim und nahezu heimlich, eine Hand auf einer Schulter, die den Zuhörer – ich sass ja nur daneben – beinah unmerklich und doch sehr bestimmtend zum ewigen Rauschen des Meeres dreht – als könnte es nur hier, genau hier, diese Nacht, dieses Gespräch, dieses Meer mit diesen Erkenntnissen geben –  und die Stimme, meeresgeschwängert, sehnsuchtsschwer:

“You know, back then in Athens” [pause] “I was a broker, and there were not many brokers in my time. Not like today.” [pause] “Ah, the parties we had, these days, fantastico!” [pause] “back then in Athens, i knew a doctor. He was a costumer of my agency. And he said to me” [pause] “Angelo, he said, fish is good for you. And Retsina is good for you.” [Pause] “So, when I retired & built my Villa here, I remembered his words, and every day I eat fish, and every day I drink white wine. And I feel good. Fantastico!” [Pause]

“So, if want to get old & healthy, you eat fish & you drink white wine. Every day. My friend Onassis did not believe me. He didn’t do it. And he died. And I live. And I feel good. Fantastico!”

[Pause.] Und da sitzt Angelo, angeblich über 80 Jahre alt, aber rein optisch gibt man ihm keinen Tag mehr als 65, und strahlt wohlwollend und winkt den Kellner herbei und bestellt noch ein Glas “White Wine”. Und niemals etwas anderes. Für seine Gäste, für die Handvoll interessanter Gesichter aus dem Touristenstrom, zahlt er Ouzo und Metaxa, aber selbst trinkt er nie davon. Nur “White Wine”.

Und ob und wieviel von den Geschichten wahr war, habe ich nie hinterfragt, ist auch ganz egal. Aber jedesmal, wenn der Name Onassis fällt sehe ich Angelos strahlendes Gesicht vor mir und höre seine Stimme, die sagt: “But he is dead and I am alive. And you know why? Because every day i eat fish. And every day, I drink white wine. Fantastic. I feel fantastico.”

Und auch wenn’s unrealistisch ist (weil über 10 Jahre her) wünsch ich mir, dass er heute noch dort sitzt auf seiner Insel und ungefragt seinen Fisch und seinen Retsina serviert kriegt, jeden Abend knapp vor Sonnenuntergang, und andere nichtsahnend anreisende Touristen so unter seine Obhut nimmt wie uns damals, und seinen eigenen Heidenspass hat dabei.

Und wenn ich in meiner Altlastenaufarbeitung jemals so weit fortschreiten sollte, reich ich das Foto nach, von Angelos Mondgesicht, kurz nach der Aussprache des Wortes “Fantastico”.

A face in the Sky (Krems Flugplatz)

Wochenend-Zusammenfassung

Samstagwetter durchwachsen, grade richtig um sich im Baumarkt rumzutreiben und anschließend Unterholz auszuräumen und Reste abzufackeln. Nichtspringende Springer sind abends immer für ein Bier gut oder für ein Gläschen Wein und nette Worte dazu, bis spät, bis ziemlich spät.

Sonntagmorgen leicht bewölkt aber strahlend, Duschen sind jetzt auch da und warm, gemütlich 4 Mal gehupft & dazwischen einmal in den Stausee, großartig.

Zügig zügig zurück nach Wien und noch ein mediterranes Abendessen mitten in der Operngasse, auch Sufi recht müde & eine ordentliche Runde Schlaf.

Montagmorgen. Es schüttet. Wunderbares Arbeitswetter.

Wirklich wahr

Der Bulli & sein Herrl

Schräg

 

Wochenend-Worte

Ist es etwa warm? Es ist tatsächlich warm! Schon früh am Freitagabend stellen wir das fest, der Sufi und ich, als wir zwischen hunderten (wenn nicht tausenden) anderen Stadtflüchtlingen Stoßstange an Stoßstange, Glas an Glas und Ehestreit an Ehestreit stehen.

Aber wir lassen uns nicht aufhalten, nicht lange, ab durch die Prärie! Oder doch fast, auf Schleichwegen geht’s nach ab nach Wiesen, wo eine Rocklegende aufs “Auchgesehenhaben” wartet. Genauer gesagt, wir warten, aber das macht nichts, schließlich ist genug zu schauen, zu essen und zu trinken auf dem Festivalgelände, und Freunde, ja Freunde trifft man auch.

Das Konzert, wiesollmansagen, erfüllte alle Erwartungen, im Guten wie im weniger Guten. Nachdem Pink Floyd im ersten Teil kräftig und ausführlich abgehandelt wurde, griff Herr Waters im zweiten Teil in die Solokiste, und daswar sehr von Vorteil.

Danach, spät, eine riesige Mondsichel am Himmel und eine erstaunlich leere Autobahn.

Der Samstag, der erfüllte die Erwartungen eher weniger, wir wollen hier nicht auf die Details eingehen: Es soll genügen, wenn wir sagen, dass unser Bulli plötzlich erstaunt eine ihm bislang unbekannte Flüssigkeit in seinen stählernen Innereien bemerken musste. Die Geistesgegenwart seines Herrls, das den Zündschlüssel nicht umdrehte, verhinderte Schlimmeres als die nicht zu umgehende 4-Stunden-Flüssigkeitsentfernungsodyssee.

 

 

Danach war immerhin noch Zeit zum Baden, das erste Mal Schotterteich heuer, Zeichen eines kühlen Frühlings & einer Menge verschlampter Zeit. Nach Krems schaffen wir’s nicht mehr, aber nach Brunn, dort warten ernüchternde Zahlen und ein sättigendes Grillfest. Und dieser Himmel mit all seinen Sternen! Wahrscheinlich bin ich ein bisschen seltsam, dem Gespräch rund um mich mit viel Schweigen zu begegnen und mit einem in den Nacken gelegten Kopf, weil ich die Sterne zähle, ganz sicher seltsam: Seltsam glücklich.

Sehr eigen beginnt der Sonntag, im Traum schwemmt eine Sintflut über Wien hinweg, steht das Wasser bis zu meinem Fenster im vierten Stock, paddle ich mit dem Sufi und anderen Lieben durch die überfluteten Straßen auf der Suche nach trockenem Land. Im Traum niest der Sufi, nein: Er hat wirklich geniest! Und dann spielt auch schon Schweden gegen Senegal: Ein unglücklicher Morgen.

Dazu hat es auch noch wirklich geregnet, und ob man diesen Tag nicht im Bett verbringen sollte? Aber nein, wir rollen schon wieder über Land.

Das war auch gut so, in Krems wartet nicht nur unser „Wochenendhaus“ und Trurls Loft, sondern auch eine startbereite Maschine. Ach ist das heiß. Zwei Sprünge später und die Lustlosigkeiten der letzten Tage sind überwunden, die Welt ist schön und klar und danach ein Bier und Nettmenschenworte, wunderbar.

Der Sufi hat derweil versäumten Schlaf nachgeholt & wir suchen & finden ein erstklassiges Restaurant, eine lustige Geschichte, wie wir dahingekommen sind: aber die muss – wenn, dann – der Sufi erzählen.

Wir nehmen Platz und lassen uns erst einmal eine Zwiebelsuppe mit Forellennockerln, dann Kartoffelteigtäschchen mit Pilzfüllung servieren, auch das Wildschweingulasch, ganz toll, aber erst die Bitterschokoladenterrine im Fruchtmark läßt uns vollends schwebend zurück.

Zwischen zwei Gängen seufzt der Sufi sinnig: “Das Leben ist so anstrengend. Dauernd schleppt man sich von einem Genuss zum anderen!” – Dann geht ein Regenguss nieder, das läßt einen die Nussbaumblätter so richtig riechen.

Draußen, danach, der schönste Regenbogen meiner Regenbogengeschichte, breit wie eine Autobahn mitten hinein in den vielschichtigen Wolkenhimmel, vielleicht ein Foto, morgen, wenn der Sufi gut gelaunt ist. Und als wär das noch nicht Geschenk genug, ein geradezu afrikanisch anmutender Sonnenuntergang; “Afrikanisch? Nicht ganz.” sagt der Experte.

Und der Himmel wird immer schöner, Schicht um Schicht färben sich die verirrten Wolkenfetzen rot und golden, und während der Bulli uns unvermeidlich wieder in die große Stadt trägt, schaue und staune ich Sonne und Himmel und Wolken an und denke, dass der Himmel für mich mittlerweile das geworden ist, was früher das Meer war: Das Schönste überhaupt!

Und das ist gut so, denn ans Meer muss man fahren, aber der Himmel, der ist überall.

 

So here I am Again

Foto (c) Markus Reithofer
Verwirrt und müde und ganz ich und doch wieder anders. Was haben wir gelacht. Zwischen Himmel und Erde, im Sand und in der Bar. Was haben wir gelebt. Nach 14 Tagen in der Luft über der Wüste noch ein schneller Blick aufs Meer in Sidi Bou Said. Aber was bin ich müde, wir sind alle müde, der Flug aus der Wüste um halb 5 nach einer halben Nacht voll Abschiedsfeiern. Erst ist es dunkel, dann, in der Zweipropellrigen, zeigt sich mit dem ersten roten Streifen am Horizont eine Wüste unter uns, was ist denn das, Sand? Wasser? Es wird heller, und es sind Wolken. Später die ersten Terrassenbeete. Dann mehr grün. Wir landen in Tunis. Müde, lachend, laut. In einem Fenster geht die Sonne auf. Taxifahrer geschnappt und ab zum großen Blau. Da sitzen wir, still und lachend und laut, erst in einem Cafe dann am Meer dann in einem anderen Cafe, keiner will noch etwas kaufen, und dann ist es wirklich soweit. Der große Flieger wartet und schluckt uns alle, und es geht ab nach Wien. Was gibt es da zu lachen? Jede Menge. Dezimierter Haufen unterhält ansonsten stilles Flugzeug. Wie gut, wenn man jemandem in die Arme fallen kann, damit das heimkommen nicht nur traurig ist. Far off, wirklich far off. Im Restaurant muss man plötzlich zu mir “pst” sagen. Das war doch immer mein Text. Versuche, nicht zu vergessen, dass mich hier ja alle verstehen. Gelingt nicht immer. Kurz noch Duty-Free-Beute verkosten. Alles andere muss bis morgen warten. Scheiße, ist das kalt hier!

 

Ein Tag in Tozeur

hg-146_400x300[Anläßlich des zweiten Pink-Wüstenboogies. Die Fotos sind mit einer Fuji-Wegwerf-Kamera gemacht, deren Objektiv teilweise starke Verzerrungen produziert, und die Belichtung ist in der Mitte stärker als am Rand. Very authentic trashy.]

6 Uhr

Der Gesang des Muezzins weckt mich. Im warmen Bett höre ich die Stimme mit der fremden Intonation, die mittlerweile so vertraut ist wie der eigene Radiowecker. Dann schlafe ich wieder ein.

7:58 Uhr
Minuten vor dem Fiepen meines Weckers werde ich wach, statte dem Bad einen Besuch ab und ziehe mich an. Irgendwo in diesem Prozess fallen Sätze wie: „Der blöde Sand ist auch überall“ oder „Wo hab ich bloss gestern…“ oder „Vielleicht hätte ich das letzte Bier doch nicht trinken sollen…“. Da ich ein Einzelzimmer habe, antwortet niemand.

8:20
Ich verlasse das dunkle, warme Zimmer und trete hinaus in den kühlen, grellen Morgen. Der etwa so warm ist wie ein warmer Maimorgen bei uns. Alles ist relativ. Bevor ich die Tür schliesse, greife ich in die Tasche nach dem Schlüssel. Der ist da. Also auf zum Frühstück.

8:22
Ich betrete den Speisesaal. Die meisten Tische sind leer. Ein paar Schurken sitzen in einer Ecke, Diana und Marion als einzige am Tisch der „ersten Wüstenkinder“. Ein Blick auf die gedeckten Tische enthüllt, dass die meisten erst kommen werden. Ich hänge meine Jacke über den Sessel und stelle fest, dass das Buffet sich seit dem gestrigen Tag nicht wesentlich verändert hat. Heute gibt es roten Saft, der ist nicht so gut wie der gelbe aber besser als der giftgrüne. Nach kurzer Überlegung entscheide ich mich für Cornflakes mit Milch.

8:35
Der Kaffee ist immer noch nicht besser geworden. Trotzdem trinke ich eine dritte Tasse. Nach gemurmelten Guten-Morgen-Grüßen, Eintreffen weiterer Wüstenkinder und einigen halblauten Sätzen steigt das erste Kichern von unserem Tisch auf. Ich suche zum zweiten Mal das Buffet auf, um meine Tagesjause zusammenzustellen. Dann eine Zigarette.

8:50
Ich kehre ins Zimmer zurück, putze mir die Zähne und stecke die Orange von gestern Abend, mehr Zigaretten, den ProTrack und etwas Klopapier ein. Mit der Wasserflasche in der Hand und der Sonnenbrille im Haar bin ich bereit, dem Tag gegenüberzutreten. Als ich die Tür von außen schließen will, fällt mir ein, dass der Schlüssel noch im Bad liegt. Gerade noch rechtzeitig. Auf dem Weg zum Parkplatz begegnen mir verschlafene Wesen, die versuchen, sich an den Weg zum Speisesaal zu erinnern.

9:02
Fünf etwas bettwarm aussehende Gestalten auf dem Parkplatz und noch immer kein Jeep. Ich verschicke meine Guten-Morgen-SMS. Dann rauche ich noch eine. Ich bin froh, dass ich meine Sonnenbrille habe, es ist sehr hell. Ah, da kommt der Jeep.

9:03
Der Jeepfahrer will nicht fahren, bevor der Jeep voll ist. Erfreulicherweise erscheinen in derselben Minute noch zwei Springer. Einer setzt sich beinahe auf das Joghurt in meiner Jackentasche. Zum Glück nur beinahe. Wir fahren die neue zweispurige Straße zum Flughafen, vorbei an frühmorgens gelangweilt aussehenden Ladenbesitzern. Der Jeepfahrer murmelt leise arabische Beschimpfungen vor sich hin, sobald ein anderes Auto in Sichtweite kommt. Wir bleiben stehen, um eine Schafherde über die Straße zu lassen. Dann der Flughafen. Die Jumbos stehen noch da. Wir steigen aus.

9:09
Ich habe meinen Pass vergessen. Die diensthabende Wache zeigt sich gnädig und akzeptiert stattdessen meinen Führerschein.

9:11
Ich hole meinen Schirm aus dem Schuppen und bereite ihn auf den ersten Sprung vor. Dann ziehe ich die Kombi an. Dabei stelle ich fest, dass mein Knie von der gestrigen harten Landung ziemlich blau ist. Was solls. Den Besen holen und den Sand von der Matte kehren. Der Sprungtag kann beginnen.

9:13
Die Relativspringer üben für den ersten Sprung. Diana und Marion haben beschlossen, dass es viel zu kalt ist, um jetzt schon einzusteigen. Jürgen hat sein Gear schon an. Markus schaut zweifelnd, zieht aber nach dem 5-Minuten-Aufruf doch die Karte durch den Leser und steigt auch in die Gurten.

9:23
Das Brummen der ersten Load hängt in der Luft. Die Maschine ist fast voll, der Platz fast leer. Wer so früh aufgestanden ist, will auch gleich einsteigen. Wer nicht gleich einsteigen will, schläft normalerweise ein Stündchen länger. Am Manifest herrscht gepflegte Fadesse. Das ist den männlichen und weiblichen Manifest-Tussis nach dem Stress der letzten Tage gar nicht unrecht.

23a-1479:25
Ich liege auf der Matte, rauche und warte auf die zweite Load. Der Wind stimmt. Alles stimmt. Dass ich nicht in die erste Load eingestiegen bin, ist plakativer Aberglaube. Solche kleinen Macken wollen kultiviert werden. Die Männer auf der Baustelle nebenan arbeiten und schauen zu uns herüber, wie sie jeden Tag arbeiten und zu uns herüber schauen.
Pavel sagt, er möchte jetzt eigentlich schon nach Hause. Ich nicht. Die Männer auf der Baustelle zünden ein Feuer an, dort wo später wohl die Eingangstür sein wird. Obwohl die meisten die meiste Zeit mehr schauen als arbeiten, ist das Gebäude seit unserer Ankunft um ein Stockwerk gewachsen. Das Feuer im Sonnenlicht erscheint seltsam durchscheinend. Dass der Ruß Beton und Ziegel schwärzt, stört niemanden.

9:27
Aus der nostalgisch-futuristischen Soundbox tönt 80er Revival Musik. Nicht einmal das stört mich. Mir ist, als wäre ich geboren worden, um genau jetzt genau hier zu sein. Nichts fehlt und nichts ist zuviel.

18a-1459:29
Ich beschliesse, das Klo aufzusuchen. Drei Flughafenangestellte sitzen auf der Bank hinter dem Gebäude in der Sonne und singen arabisch vor sich hin. Leise und relaxt. Auf dem Holz klopfen sie den Rhythmus dazu. Erstaunlich schön.

9:35
Ich liege wieder auf der Matte und schaue in die Luft. Als sich das Brummen der Skyvan absetzverdächtig verändert, rapple ich mich auf und schlendere nach vorne zum Mäuerchen, um die ersten Landungen zu betrachten. Die Luft so klar, man sieht bis zu den fernen Bergen, man sieht sogar die Strukturen der Hänge. Ich lege mich auf die Mauer, die ist erschreckend kühl gegen die schon fast kurzelärmelwarme Luft, und entdecke nach kurzem Suchen den Flieger. Im Morgenlicht sieht man die Gruppen gut beim Aussteigen. Ich verfolge die erste, die größte, bis ich das Freifallsausen deutlich hören kann.

9:36
21a-142Im tiefblauen Himmel entfalten sich nach und nach 21 bunte Blüten. Sie tanzen und kommen näher, der Windrichtung wegen alle auf mich zu. Ich denke verzückt, dass das zu den schönsten Anblicken gehört, die ich kenne.

9:37
11a-143Das Rauschen von Wuzis wagemutigem Landeanflug tönt zum ersten Mal an diesem Tag über den Platz. Wie üblich halte ich die Luft an, als er mit einem Fuss auf dem Asphalt die Strasse entlang surft, und atme auf, als er grinsend dasteht und den Schirm einsammelt. Das gleiche wiederholt sich kurz darauf bei Wolfs Landung.

9:41
Die Sonne brennt schon im Gesicht, aber der Boden ist kühl. Die Pink landet und wird abgestellt. Ist noch zu früh für Folgeloads, die letzten Barschwärmer von gestern Abend haben sich noch nicht blicken lassen.

10:05
Da ist der Aufruf für die zweite Load. Ich ziehe mein Gear an, nehme Helm, Brille und Höhenmesser und stelle mich in den Schatten. Jürgen und Markus sind auch wieder drin, Marion und Diana frieren noch.

10:10
24a-148.previewIch frage Jürgen, ob er mir zeigen kann, wie er das mit dem Sitzen macht. Er will das gleich richtig angehen, mit einem gelinkten Sitzexit. Ich nicht. Er wird trotzdem mit mir springen, tratscht aber noch mit den Relativen.
Markus und ich schlendern als erste zur Skyvan, sind uns aber einig, dass das bei weitem nicht so cool aussieht wie die Flyboyz am Anfang von Crosswind. Und das nicht nur wegen der fehlenden Zeitlupe.

10:12
Die meisten sitzen schon. Pilot Dieter kommt und meint, man möge ihn informieren, wenn Gregi am Horizont erscheint, damit er die Motoren zum richtigen Zeitpunkt anlassen kann. Gurte werden geschlossen, Exitreihenfolgen festgelegt. Wir warten. Ich spreche mit Jürgen noch einmal unseren Sprung durch.

10:16
Gregi erscheint am Horizont. Die Motoren werden angelassen.

lastyear-14010:18
Die Skyvan rollt, beschleunigt und hebt ab. Ein Schüler fingert neben mir nervös an seinem Gear herum, und ich denke an mich im Vorjahr und bin froh, dass ich nicht mehr zittere. Wir steigen auf 300m, in etlichen Helmen piepst ein Protrack. Abschnallen und den Helm abnehmen. Ich lehne mich zurück und schließe die Augen, konzentriere mich auf unser Programm.

10:23
Andrea singt zum ersten Mal heute: This ain’t a song for the broken hearted…

10:28
Wir erreichen 3700m, Brillen und Helme werden aufgesetzt, die ersten stehen auf.

10:30
Alle stehen. Die RelativGruppe rund um Skip hat heute einen besonders unverständlichen Schlachtruf (Hört sich an wie Gulu-Gulu-Go. Hm.). Wir anderen brüllen „Haha Schurke“. Kurz darauf wird deutlich, dass jemand gestern zu viel Zwiebelkartoffeln gegessen hat. Zum Glück erreichen wir gleich darauf 4200m, das rote Licht geht an, die Tür wird aufgemacht, und alle kriegen wieder Luft.

10:31
Ich versaue den Exit vor Lachen, weil Jürgen tatsächlich das gestern im Scherz vorgeschlagene „Oh-Du-Scheiße“ zum Einzählen verwendet. Wir überschlagen uns kurz, werden dann aber stabil. Ich krieg zum Sitzen zwar die Beine nach unten, die Hände aber nicht weit genug nach hinten. Jürgen streckt mir die Zunge raus. Ich ihm auch. Danach schaffen wir noch drei relativ-Punkte und trennen uns zufrieden auf 1500m.

10:33
Der brave Schirm geht auf, wie er bis jetzt noch immer aufgegangen ist. Alles im grünen Bereich. Ich finde, dass die Landschaft im Sonnenlicht zu schön ist um sich schnell hinunterzuschrauben, und drehe langsame weite Kreise. Der Salzsee gleißt in der Sonne, und die Stadt schaut von hier oben so gutorganisiert angelegt aus, dass ich an SimCity denken muss.

10:35
Jemand fliegt in mein ausgeklügeltes Landing Pattern. Ich kurve vorsichtshalber andersrum und grummle leise: „Mist, schon wieder ein Stück zu laufen“.

10:36
Wegen des blauen Knies und des Ziehens im Oberschenkel lande ich extra vorsichtig auf den Zehenspitzen und versuche nicht, im Sand dahinzusurfen. Der Schirm fällt vor mir auf den Boden, ausgerechnet dort, wo ein großer Dornenbusch steht.

10:39
Ich habe den Schirm aus dem Dornenbusch befreit und beschlossen, heute packen zu lassen. Auf dem Weg dahin fällt mir auf, dass ich vor mich hin grinse. Offensichtlich geht es mir gut.

12a-13910:41 – 16:43
Ich fliege. Ich schaue. Ich springe. Ich packe. Ich rauche. Ich tratsche. Ich jausne. Ich springe. Ich lasse packen. Ich springe. Ich geh spazieren. Ich springe. Ich liege herum. Ich liebe jede Minute davon. (Sprungdetails hier und hier)

16:44
Ich schreibe in mein kleines Buch: Die Welt ist voller Zeichen und ich male Zeichen in den Sand. Schriftzeichen, Denkzeichen. Alle sind gut. An manchen Tagen kann ich gar nicht schnell genug packen, um in die nächste Load zu kommen für den nächsten Sprung, für diese eine, immer einzigartige Minute der Freiheit.
000a-149Dann wieder sitze ich lange auf der Mauer und schaue hinaus in die Wüste, hinüber zu den Bergen, ob man sie nun klar sieht oder verschwommen oder gar nicht, und ich denke, ich könnte für immer so sitzen bleiben und in den Sand hinaus schauen, regelmäßig erblühen die bunten Schirme aus dem ewigen Blau und füllen die beruhigende Leere für zwei oder drei kurze Minuten mit Leben, verläßlich wie Ebbe und Flut, aber auch ohne diese Blüten könnte ich hier sitzen bleiben und schauen, bis ich alt werde und zu Staub zerfalle, und ich hätte nichts versäumt.
Dann lese ich mir durch, was ich geschrieben habe, und finde es seltsam pathetisch und gleichzeitig nichtssagend verglichen mit dem wirklichen Gefühl.

22a-14416:49
Uschi sagt durchs Megaphon, dass die Sunset-Load nach Chebika geht. Ich denke, wie schön es dort ist und greife nach meiner Magnetkarte. Dann denke ich ans Packen ohne Packmatte und an die Stromleitung und an den aufgefrischten Wind und bleibe sitzen. Ich frage mich, ob das feige oder vorsichtig ist, und dann noch, warum jetzt schon wieder von der Sunset-Load die Rede ist, es war doch eben erst Mittag.

16:55
Die Außenlander haben ihre Sprünge geprobt und suchen langsam ihr Zeug zusammen. Ich räume meinen Schirm weg und schlendere in Richtung Parkplatz. Neben mir unterhalten sich zwei, der eine sagt: „Heute war ich faul, das waren nur 7 Sprünge.“. Ich grinse und denke, dass ich noch nie mehr als 5 gemacht habe. Ist ja schliesslich Urlaub.

16:56
12 Leute auf dem Parkplatz. Mit ein paar anderen beschließe ich, das heuer neu eröffnete Buffet aufzusuchen, bis der Jeep seine Runde beendet hat.

17:10
Der Kaffee ist leer, der Jeep kehrt zurück. Heute kein neuer Rekord, wir sind nur 10 Leute. 13 samt Gepäck in einem Wagen gestern war schon ganz gut.

bier-13817:17
Ich erreiche mein Zimmer, werfe einen Blick auf den Laptop voller wartender Arbeit, einen zweiten auf mein spannendes Buch und beschließe, zuerst schnell ein Bier trinken zu gehen.

17:49
Mein Bier geht dem Ende zu. Geschichten und Gerüchte sind ausgetauscht, jetzt könnte ich eigentlich arbeiten. Da tauchen die ersten mit einem Handtuch um die Hüften auf. Der Hammam ist eröffnet.

17:57
Ich tauche mit einem Handtuch über der Schulter im Hammam auf. Die Arbeit wird leichter fallen, wenn ich erst einmal sauber bin.

18:20
Der Sand ist aus den Poren gedampft, und ich geh kalt duschen. Und weil es so schön war, zurück in den heißen Dampf.

18:40
So, jetzt bin ich ganz sauber.

18:42
Zurück im Zimmer, Zeit für die Pflege der vom Packen aufgerissenen Finger. SMS schreiben. Was ziehe ich morgen an?

18:55
Jetzt könnte ich wirklich endlich arbeiten. Moment mal, müßten nicht die Außenlander schon wieder da sein? Was die wohl zu erzählen haben? Vielleicht hat jemand ein Video gemacht? Also nochmal zur jetzt deutlich vergrößerten Runde vor der Bar. Arbeiten kann ich auch nach dem Abendessen.

19:05
Coole Videos. Vielleicht hätte ich doch mitfliegen sollen. Noch 25 Minuten bis zum Abendessen. Jemand zahlt eine Runde Bier.

19:08
Der Kellner bringt Erdnüsse und Kichererbsen. Noch 22 Minuten bis zum Abendessen. Wolf schreibt unter allgemeiner Beteiligung einen Tagebucheintrag.

19:11
Prost! Noch 19 Minuten bis zum Abendessen. Thomas erzählt einen schmutzigen Witz.

19:15
Noch 15 Minuten bis zum Abendessen. Alle sind froh, dass Andrea nicht im Gefängnis ist.

19:19
Noch 11 Minuten bis zum Abendessen. Wolf wird mit Kichererbsen beworfen. Verzweifelte Kämpfe um die letzten Erdnüsse brechen aus. Jemand zahlt eine Runde Bier.

19:23

Noch 7 Minuten bis zum Abendessen.

19:25
Noch 5 Minuten bis zum Abendessen.

19:26
Noch 4 Minuten bis zum Abendessen. Die ersten stehen hoffnungsfroh vor der verschlossenen Tür des Speisesaals.

19:27
Noch 3 Minuten bis zum Abendessen. Jemand zahlt eine Runde Bier.

19:28
Noch 2 Minuten bis zum Abendessen.

19:29
Noch 1 Minute bis zum Abendessen.

19:30
Warum ist der Speisesaal noch nicht offen?

19:32
Die Tür zum Speisesaal geht auf. Die hungrige Meute verteilt sich an die Tische. Das Buffet hält auch heute wieder, was keiner je versprochen hat.

20:48
Die Töpfe sind leergeräumt, die Springer gesättigt, alle anderen Gäste völlig eingeschüchtert. Die Kellner gehen von Tisch zu Tisch und erklären: „Wir jetzt zahlen Wein und Bier und Wasser“. Das heißt natürlich, dass wir zahlen sollen, weil sie kassieren wollen.

21:07
Eine Orange fliegt quer durch den Raum und Jürgen fängt sie, wobei sie aufplatzt und ihren Saft im Umkreis von 1 1/2 Quadratmetern verteilt. Die Kellner schwärmen aus, um die Schuldigen zu bestrafen. Nach eingehenden Befragungen stellen wir fest, dass es sich um eine Flugorange handeln muss, denn geworfen hat niemand.

21:15
Die Kellner haben kassiert, was es zu kassieren gibt, und freiwillige wie unfreiwillige Trinkgelder eingesteckt. Seltsam, dass nie Kleingeld da ist, wenn man es herausgeben sollte… Jetzt gehen sie von Tisch zu Tisch und verlangen unerbittlich den Rückzug aus dem Speisesaal. Auch gut, da kann ich endlich ein bisschen arbeiten.

21:16
Jemand fragt: „Aber wir gehen schon noch kurz in die Bar?“ Ich denke an meinen Laptop und an mein Buch und nicke dann zustimmend.

21:18
Alles trifft sich in der Bar. Die ersten haben schon ihr Bier in der Hand. Der Flipper ist noch immer kaputt. Die Kugelausgabe beim Billardtisch klemmt. Der Barmann zuckt die Schultern.

21:19
Ich hole mir ein Bier. Jemand bittet den DJ, den Arab-Techno durch Rockmusik zu ersetzen. Alle warten gespannt, was man morgen für Gerüchte verbreiten kann.

21:20
Aus den Lautsprechern tönt This ain’t a song for the broken hearted…

21:21
Alle singen mit.

21:45
Mein Bier ist leer. Ich stelle die Flasche weg und beschliesse, heute früh schlafen zu gehen.

21:46
Auf dem Weg zum Ausgang drückt mir jemand ein volles Bier in die Hand. Der DJ spielt „Wake up“ von RATM.

21:49
Hardrock continued. Es findet sich sogar ein Headbanger. Peter beschimpft die Umstehenden.

03b-14121:54
Dagi hat unvorsichtigerweise erzählt, dass sie heute ihren 500sten Sprung gemacht hat. Obwohl sich die Meute vollständig versammelt, wird sie nicht versohlt, sondern geküßt. Sie kann ihr Glück nicht fassen, bis sie feststellt, dass Wuzi und Mike nicht mehr loslassen. Das verzweifelte „Nein, bitte net in den Swimmpingpoooooool!!!!“ endet in einem kräftigen Platsch.

22:05
Mein Bier ist halbvoll. Jemand drückt mir ein volles Bier in die Hand. Aus den Lautsprechern kommt „This ain’t a song for the broken hearted…“.

22:20
Ich hab heute soviel Bier gekriegt, ich sollte der Gerechtigkeit halber auch eine Runde zahlen. Ich drücke den Umstehenden je eine volle Flasche Bier in die Hand.

23:15
Alle halten Ausschau nach Gesprächsstoff für den nächsten Tag, also nach eventuellen Knutschereien oder Alkoholleichen. Leider ist heute keins von beiden zu sehen. Aus den Lautsprechern tönt This ain’t a song for the broken hearted…. Alle singen mit.

23:20
In einem unbeobachteten Moment stelle ich meine fast volle Bierflasche auf der Fensterbank ab und flüchte. Noch in der Tür versucht jemand, mir eine volle Flasche Bier in die Hand zu drücken, aber ich umlaufe ihn elegant.

23:21
Ich erreiche mein Zimmer und atme auf.

23:24
Leises Schnarchen dringt aus Zimmer 111.

Grummel

Nach mehreren Tagen hektischer Versuche, das Laptop-Handy-Gespann zur Mitarbeit zu ueberreden, habe ich erfahren, dass die Tunesier einfach keine Data-Calls mehr durchlassen. Mittlerweile bin ich zum dritten Mal im Netzcafe, und heute scheint es endlich zu funktionieren. Unter Umstaenden. Vielleicht.

Mir geht es ausgezeichnet, Sonne Himmel und ein Flugzeug. Sand, uebrigens, jede Menge Sand. Und nette Menschen. Aeh. Jetzt habe ich mich so auf die Technik konzentriert, dass ich gar nicht mehr weiss, was ich sagen wollte. Am besten ihr vergesst mich bis 15.2. und ich bring dann viele schoene Texte mit.

glücksorange

diese sonne. feuerball und glücksorange. groß wie ein wagenrad und größer, noch viel größer. aus der luft und vom boden aus. und dazwischen. dieser himmel. blau und rot und zart wie ein lächeln. wenn du dich nicht umgedreht hättest, weg von mir. dann wäre alles anders gewesen. im himmel über der wüste. und auf dem boden. dort auch. und die musik nicht auszuhalten, hier wie dort. verloren, ein winzigkleines staubkorn unter milliarde anderen. schön zu wissen, wie wenig unterschied man bedeutet: für die welt. und für dich.

Back in Town…

…aber warum nur?

die wärme von havanna
noch auf der haut
und den sound
von santiago überall

tiefschlaf im flieger,
diesem wunderwerk der technik
nur 10 stunden zwischen
dort und hier.

warum schauen denn alle
so seltsam wenn meine finger
auf der neuen trommel klopfen
und wenn der sufi seinen
weissen hut zurechtrückt,
oh, sind wir schon daheim?

eigentlich sollten hier
als erstes bilder stehen,
aber irgendwer streikt
und unser gepäck
ist noch in paris.

so what. bald mehr.

erst mal wundern
warum es so still ist
hier

und so kalt

herbst

viele biere später und erinnerungen, bilder aus der zeit da alles möglich schien, die welt für mich gemacht und die gitarren noch gelb waren, viele biere später und die nacht ist ein brunnen in schwarzem samt.

und morgens sonne, eiskalte strahlen auf meinem höhlenkopf, die jungs gehen spielen mit dem ding mit den vier rädern und ich rede mit der katze nach dem erlösenden kaffee.

dann die landschaft, die nachmittags vorbeizieht, hat sich die nebeldecke umgelegt gegen die kälte, aber das nützt nichts, die decke ist zu feucht.

fluss schlängelt sich durch landschaft, das ist schön und frei, alles lebt vom wein hier, das sieht man an den augen, aber das essen ist gut und der tag halb schön. und weinberge, weinberge weinberge: wellenförmig über das land laufen die stöcke, wo ist denn bloss die kamera, wer hat die schon wieder nicht mit?

die frachter auf dem fluss lassen ihr tiefes horn hören, wir sind da heisst das wohl. ab und zu ein leuchtturm. verlassene anlegestellen.

von keller zu gaststube zu keller, und der wein wird nicht besser. zu wenig zeit, um sich mit den hunden anzufreunden, und das kaninchen in seinem stall sieht traurig aus. aber gut.

fremdartig die architektur und mediterran die pflanzen in den unwirklich idyllischen innenhöfen. hier war ich noch nie, kann gar nicht glauben, dass das wirklich hier ist, vielleicht nur ein traum nach dieser viel zu langen nacht, als wären die bilder durcheinandergeraten, hier ein stück spanien, dort ein italienisches eck, dazwischen ein traktor von steyr.

überall kürbisse und eine handvoll maiskolben, hier arbeitet man auch am feiertag, wenn grade zeit ist, aber weinbauern wollen keine bauern mehr sein und heißen weingärtner. wahrscheinlich ist deshalb der wein so teuer, kostet das dreifache wie im 50km entfernten kamptal und ist doch nicht besser, aber was verstehe ich schon von weisswein. roten gibt es hier kaum.

alles hier ist sehr apres, obwohl angeblich alle zimmer ausgebucht sind wegen des feiertags, keine menschenseele weit und breit, oder doch: tag der offenen kellertür, da stehen sie beisammen, alle sehr fachmännisch, auch die frauen, und das schmalzbrot gibts gratis.

dann die nacht, die kriecht fast hinterhältig herein, versteckt sich im nebel um dann plötzlich zuzuschlagen, lichter verschwommen und in der stadt ist es still, noch nicht spät aber sehr still, man könnte meinen, mitternacht wäre vorüber.

trotzdem ist es hell auch im dunkeln, den ganzen berg hinauf zur festungsruine, dramatisch gekonnt angestrahlt von den scheinwerfern und plötzlich wandern wir als schatten über die gemäuer, gut sichtbar auch vom tal aus, ganz oben nach den vielen stufen.

eine geisterstadt bleibt es auch nach dem abstieg, niemand zu sehen. nur einer, der einen kürbis ins fenster stellt mit einer kerze drin, halloween.

und dann noch eine andere stadt, wo es um 9 uhr abends schwierig ist, noch etwas zu essen zu kriegen, schon bekannt aus anderen ausflügen aber immer noch schwierig zu begreifen. schließlich erbarmt man sich und serviert dem sufi ein gulasch und mir eine suppe, während im großen saal eine tanzband aus den schlimmsten alpträumen für den entlaufenen pensionistenverein spielt. genaugenommen spielt das keyboard ganz alleine, und zwei singen ziemlich falsch dazu.

der kellner ist tscheche und auch nicht begeistert von der musik, zwei worte nur und er will uns fast nicht mehr gehen lassen, erzählt von seinen highlights im gastgewerbe mit 6000 besuchern und viel, viel besserer musik, woanders.

aber dann rollen wir wieder, die welt ist kalt und unfreundlich und auch die große stadt ist dunkel und winterlich, da bleibt nur die bettdecke als trost, jetzt ist die schöne zeit wieder einmal vorbei. bis zum nächsten jahr.

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