KategorieWeblife

Links der Woche

Heute Fotolastig, gelesen habe ich letzte Woche eher offline. 

Leseempfehlungen

„Wo Haschisch über den Weißkohl weht“, ein Zeit-Autor verbringt zwei Wochen auf einem BIO-Bauernhof in Oregon

Foto-Entzückungen

Jetzt ist es also wieder passiert…

…ich hab nicht nur an der Theme-Auswahl gedreht, sondern auch an den Eingeweiden des neuen gewählten Themes, wenn auch nur (ich schwörs!) ein ganz kleines bisschen – bevor ich auch nur die Hälfte meiner Content-Versprechen eingelöst habe. Aber manchmal muss es halt einfach sein.

Irgendwie gefällt es mir, ein Theme einzusetzen, von dessen Beschreibung ich nicht nur kein Wort, sondern nicht einmal einen einzigen Buchstaben verstehe (es stammt aus dem Iran, Link im Footer). Und außerdem gefällt mir, dass ich auf Mausklick entscheiden könnte, eine, zwei, drei oder vier Spalten Content zu haben. Fürs erste gibts mal zwei, so als Kompromiss.

Und in Sachen WordPress gefällt mir, dass die Links alle bleiben, wo sie sind. Das hätte ich zwar mit der Expressionengine auch machen können, aber ich dachte ja mit jedem Design-Update, ich wüsste es besser als beim letzten Mal. Archivistisch im Nachhinein ein Desaster, aber man muss auch mit Fehlern leben lernen.

Rein optisch hätte ich hier gern wieder mehr Text, aber was soll ich tun, ich denk halt zunehmend in Bildern. Chronistisch kann ich sagen, dass es voran geht, fast die Hälfte aller jemals geschriebenen Blogeinträge sind mittlerweile wieder online. Zudem einige nie veröffentlichte, die ich als längst vergessene Entwürfe wiedergefunden habe. Unsortierte Highlights der letzten Tage:

Ungelöste Fragen des Dauer-Umzugs stellen sich im Übrigen hinsichtlich der Kommentare. Die wunderbaren Worte, mit denen einige von euch meine mehr oder weniger intelligenten Beiträge aufgewertet haben, sind natürlich auch archiviert, aber darf ich die einfach so mitnehmen – von einer Domain zur anderen, von einer Inkarnation meines Web-Lebens zur nächsten? Input erwünscht.

Selber muss ich nach „soviel“ Webwork erstmal wieder ein bisschen stricken.

Lesefutter

Es ist ein Kreuz mit den RSS-Readern, seit der Google Reader nicht mehr ist. Meine Wahl seit ungefähr einem Jahr war Feedspot, das allerdings in letzter Zeit immer häufiger Nachrichten auslässt. Es scheint, als würden nur populäre Feeds, also solche, die von vielen Lesern abonniert sind, regelmäßig upgedatet; meine Nischen-News oder selbst zusammengestellte Digests kommen, wenn überhaupt, einmal in der Woche auf den Leseplan. Inakzeptabel und das Gegenteil von dem, was ich von einem RSS Reader erwarte. Nachdem ich alle Alternativen schon mehrfach durch habe und mit keiner wirklich glücklich war, bin ich zur selbstgehosteten Variante zurückgekehrt. Mit Fever weiß ich in Zukunft wieder alles. Hoffe ich. (Tiny Tiny RSS klingt auch hochinteressant, will aber auf meinem Server partout nicht. Warum auch immer, wenn man mehr Zeit mit Setup verbringt als man später sparen kann, sollt man es besser lassen.)

Schon wieder neu? Warum das jetzt?

Jenseits der üblichen Antworten („Warum nicht?“ und „Weil ich es kann!“) liegt der Grund für den Umzug vor allem darin, dass ich mit der Verteilung meiner Seiten zunehmend unglücklich war. An einem gewissen Punkt schien es logisch, webseitig Privates (Blog) von Beruflichem zu trennen, aber mit der Zeit schien mir diese Unterscheidung zunehmend künstlich und hinderlich. Als begeistert arbeitender Freiberufler schreibe ich durchaus auch auf einer samstäglichen Freizeitveranstaltung berufliche Mails, andererseits mündet so manche berufliche Veranstaltung in zuweilen unerwartetes Freizeitvergnügen („…die Burg wollte ich mir doch immer schon einmal ansehen…“). Die künstlerische Seite wiederum scheint ohnehin durch, wo immer sie will. Ich bin nur ein Mensch, ich muss nicht mehrere Online-Persönlichkeiten verwalten.
(Das Schlimmste, was dadurch passieren könnt‘, ist, dass manche Besucher von manchen Inhalten zu Tode gelangweilt werden. Ich empfehle: Rechtzeitig aufhören zu lesen!)

Die Technik

Der Umstieg von Expressionengine zu WordPress ist mir nicht leicht gefallen, und das meine ich jetzt gar nicht technisch. Es ist der Schritt von einem weitgehend offenen Content Management Framework in das relativ starre Gerüst eines Standard-CMS. Ich fand diesen Wechsel für mich deshalb nötig, weil ich immer wieder bemerkte, wie sehr mich die vielen theoretischen Möglichkeiten an der Content-Erstellung hinderten. Kaum setzte ich mich an einen Text, schon überfielen mich 1000 Ideen, wie ich meine Beiträge noch schlauer organisieren, noch besser trennen und noch intelligenter präsentieren könnte. Und schon sass ich wieder in den Templates, bis die Text-Idee vergessen war. Ich hatte immer öfter Sehnsucht nach den Urzeiten des Bloggens: Schreiben, vielleicht ein Bild dazu, publizieren, fertig. Das hätte ich in EE zwar auch tun können, aber dort kann man halt noch so viel mehr tun… zu viel.  Ich machte mich auf die Suche nach Begrenzung. Beschränkung. Online-Askese, sozusagen.

Der Umstieg

Zwei Dinge waren klar: Zum einen muss das Ding auf eigenem Webspace laufen. Zum anderen mit einer Datenbank, denn sollte ich meine Meinung jemals ändern, möchte ich den gesammelten Content möglichst simpel übertragen können. Eigentlich ein No-Brainer, ich habe aber trotzdem verschiedene Systeme betrachtet, recherchiert & getestet, bevor ich mich für WordPress entschieden habe.

Die Installation war denkbar simpel. Templates gibt es wie Sand am Meer. Dazu noch ein paar Plugins, und schon ist man fertig. Theoretisch. Weil, dem passionierten Webbastler kommen dann natürlich zum einen zusätzliche Ideen, zum anderen einige Codezeilen seltsam vor, aber das lässt sich ja leicht ändern, und…

…als ich wieder zu mir kam, steckte ich bis über beide Ellenbogen im unvertrautren php-Code und murmelte unter wirrem Haar unzusammenhängende Funktionsnamen vor mich hin, während in einem zweiten Fenster das Stylesheet wuchernd vor sich hin wuchs.

Das war nun wirklich nicht der Sinn der Sache.

Ich klopfte mir auf die eigenwilligen Finger, suchte mir ein neues Template und schwor hoch und heilig, zumindest 6 Monate lang die Finger aus den Eingeweiden des Systems herauszuhalten.

Die Daten

Zu den unveränderlichen Credos der Chronistin gehört ja, dass nichts verloren gehen darf. Kein noch so unbedeutender Satz, kein uraltes Bild. Das zu garantieren, war erstaunlich leicht: Einfach in EE ein RSS-Template geschrieben, und dann die Beiträge per Feedwordpress in 200er-Blöcken importiert. Die Bildverzeichnisse kopiert, die Verlinkungen per search-and-destroy, äh, -replace geändert. Das meiste davon bleibt vorläufig offline, aber – verloren ist es nicht.

Fazit

It’s all so new and shiny. Und nicht ganz perfect. Das Jucken in den Fingern, das mich in die Tiefen des Code-Bergwerks locken will, ist durchaus vorhanden. Aber ich hab mir für 2015 versprochen: Das wird das Jahr des Contents. Mal sehen, ob ich mein Versprechen halte!

Neues Musik-Paradies

Es ist ja noch gar nicht so lange her, dass ich das akribische Musiksammeln aufgegeben habe und zur gläubigen Spotify-Anhängerin mutiert bin. Und ich könnte nicht behaupten, dass ich jemals unglücklich gewesen wäre mit dem Dienst oder mit meiner Entscheidung, alle meine musikalischen Bedürfnisse in die schwedisch-grüne Wolke zu legen. Deshalb habe ich auch nie nach Alternativen gesucht, sondern ähnliche Services von fern mit einem freundlichen Kopfnicken begrüßt: “…aha, noch ein Streaming Dienst!”

Vermutlich hätte ich noch jahrelang genau so zufrieden weiter gespotified, hätte mich nicht jemand gefragt, was ich von Google Play Music halte. Manchmal macht’s mich durchaus froh, wenn man mich als kompetente Ansprechpartnerin in allen digitalen Bedürfnissen betrachtet, und um den guten Ruf zu bewahren, kann man natürlich keine Empfehlung abgeben (“Wozu Google Play Music!? – Nimm doch einfach Spotify!”), ohne das hinterfragte Ding getestet zu haben. Ich begab mich also in die glitschigen Arme des gefürchteten Datenkraken und testete. Premium-Kosten, Song-Verfügbarkeit und Streaming-Qualitäten der beiden Kontrahenten standen einander um nichts nach. Ich hatte nach wie vor eine deutliche Sympathie für die nördliche Indie-Variante, aber da war noch ein Button im Eck des Google Players, der… irgendwie interessant war. “Musik hinzufügen”. Was’n das?

Ich googelte rum, las ein bisschen was und war fasziniert. Die eigene Sammlung hochladen und jederzeit überall verfügbar haben? Nicht mehr zwei verschiedene Player brauchen, um aktuelle Bedürfnisse und alte Sound-Liebschaften abzuspielen*? Nicht mehr entscheiden, welche und wie viele der online nicht verfügbaren Sound-Schmuckstücke auf den neuen Player/das neue Telefon müssen, dürfen oder sollen? Eigene Aufnahmen, obskure 70er-und 80er-Juwelen nicht nur auf händisch erstellten Medien, sondern einfach automatisch und immer und überall abspielen können? Mit fehlen die Worte, in Neusprech: Boah, ey!

Oder aber auch: Ned bled, wie der g’lernte Wiener sagen würde. Ich warf alle etwaigen Privacy-Bedenken (ich hab eh kaum welche) über Bord und dem Kraken alle meine Musik-Dateien zum Frass vor. 15.236, um genau zu sein (bis zu 20.000 frisst er, da hat meine Sammlerleidenschaft Glück.). Dann tat ich ein bisschen was Arbeitsames, bevor ich mich auf einen Sonntagsspaziergang begab. Mit Fon und Kopfhörer natürlich. Und, was soll ich sagen? Sie waren alle da. Die Musikschätze, an die ich manchmal gedacht habe in den letzten Jahren, die ich aber kaum gehört habe, weil: Man ist halt grad in einem Interface und will nicht ins andere wechseln, eh klar, der Mensch ist (ich bin) faul. Zumindest so lange es eigentlich nix zu meckern gibt. Und zu meckern gab es bei Spotify, wie gesagt, eh nix.

Aber das: Nach einem Künstler suchen, und nebeneinander die neuesten Releases und die alten, nicht in online-Diensten verfügbaren Alben sehen? Die offizielle Album-Version eines Songs und das allererste Demo desselben Songs (in befreundetem Studio aufgenommen) untereinander gelistet sehen?

Excuse me for a while, I am in music heaven.

* Der Fairness halber sei erwähnt, dass Spotify schon auch lokale Dateien abspielt. Leider aber ist es nach all den Jahren immer noch ein Problem, wenn die auf einer externen Festplatte liegen… schade eigentlich.

Liebeserklärung

Darling,

ich weiß, man hat dir in letzter Zeit schwer zugesetzt. Nicht immer ganz zu unrecht, ich sage nur: Privacy. Mobbing. Security. Aber auch wenn unsere Beziehung im Detail durchaus noch Entwicklungspotential hat, darfst du dir sicher sein: Ich liebe dich. Mit wem sonst könnte ich auf der Suche nach derkünstlerisch wertvollen Umsetzung des für Österreich vielleicht wichtigsten Fussballspiels aller Zeiten über eine schwedische Punkrockdokumentation aus den 80ern stolpern, in voller Länge, und dann mit wenigen Klicks auf die möglicherweise* beste Cannabis-Doku aller Zeiten umschalten – aus Graz? Während ich durch das faszinierte Zusehen zwar verlässlich an eigener Produktivität gehindert werde (an manchen Tagen ist das ganz einfach wunderbar), aber trotzdem per Mail-, IM- und Facebookklingeln verlässlich über jeden möglicherweise zeitkritischen Kontaktversuch informiert werde? Ach du mein wunderbares, mittlerweile auch nicht mehr ganz junges Internet – was täte ich nur ohne dich? Immer die gleichen alten Videos anschauen, vermutlich. Die natürlich auch nicht schlecht sind. Aber Abwechslung ist definitiv besser!

Mit herzlichen Grüßen und einem dicken Kuss, beglückt,
Sturmwarnung.

PS: Einenganz besonderen Gruss an deinen Cousin, das WLAN. Auch wenn ich mich lange dagegen gewehrt habe, dass er bei mir einzieht (wer braucht schoin WLAN auf 28 m2?): dass ich diesen Eintrag jetzt schreibe, liegt nur daran, dass er meinen Laptop mit der großen weiten Welt verbindet, während am Hauptbildschirm immer noch schwedischer Punkrock tobt.

* [um das zu verifizieren, bräuchte ich Zugriff auf die seltsamerweise immer noch verbotene Substanz, die ich schon verdammt lange nicht mehr “in echt” gesehen habe]

Heimatnetz, ich hab dich wieder. <3

RT @Christiane: Nooooo! RT @TheNextWeb: Google to axe Google Reader on July 1 as part of larger round of app closures

Unsortierte Links

Interessantes, das ich auch gern ausführlicher kommentiert hätte, wozu mir aber leider die Zeit fehlt.

Spreeblick: 2013: Das Web zurück erobern – Gute Vorsätze, die sich mit meinen decken

Michel Reimon: Urheberrechtsdiskussion – Zeit für Offensive Schon etwas älter, aber lesenswert, und verwandt mit meinen Gedanken, wenngleich differenzierter.

Zeit.de: Soziales Experiment: Maria und Josef in Neukölln – Keine Weihnachtsgeschichte, sondern die (überraschende?) Erkenntnis, dass Wohltätigkeit nicht unbedingt von oben kommt.

Die Asozialisierung “sozialer” Netzwerke

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(c) Olly /Veer

Angefangen hat Facebook. Mit der Abschaffung des RSS-Feeds und dem Auseinanderklaffen von Timeline und per API gelieferten Updates will Facebook seine User dazu zwingen, die Seite aktiv zu besuchen. Ich hasse das und tue es doch immer wieder. Warum? Weil eine Handvoll Leute, die ich mag, halt nur dort netzen. Echt nervig.

Google+ und Diaspora haben übrigens mit sowas “altmodischem” wie RSS-Feeds gar nicht angefangen, Google+ bietet auch kein sinnvolles API an. Ob Diaspora eines anbietet, weiß ich nicht – in jedem Fall wird Diaspora von keiner der 3rd-Party Apps angeboten, die ich kenne. Jetzt ratet mal, welche Netzwerke ich am wenigsten frequentiere? Ja, die beiden. Weil es eben außer den Original-Webseiten bzw. -Apps keine Möglichkeit gibt, darauf zuzugreifen.

Twitter war lange Zeit die letzte aufrechte Bastion der Connectivity. Mit einem weitreichenden API und sinnvollen RSS-Feeds schien es, als könnten die Zwitschervöglein der dunklen Seite der Macht entkommen. Aber auch das ist vorbei. Das API wurde zurückgestutzt, die RSS-Feeds abgeschafft.

Wenig überraschend ist, dass Instagram nach dem Verkauf an Facebook seine Twitter-Interaktionen zurückfährt.

Und warum jammere ich darüber gerade jetzt rum? – Ganz einfach, weil das jahrelange Network-Integrations-Tool meiner Wahl, Yoono, immer unzuverlässiger wird und einen aus manchen Netzen schneller wieder raushaut, als man sich einloggen kann. Hootsuite scheint die Alternative der Wahl für Hardcore-Netzer zu sein, aber das Interface ist fürchterlich, und eine einheitliche Timeline für alle (oder zumindest die wichtigen) Services gibt es auch nicht.

Ich habe in den letzten Wochen so ziemlich alles probiert, was im Netz an Alternativen besprochen wird. Nachdem ich nichts Sinnvolles finden konnte, spare ich mir (und euch) die Links. Klar, Tweetdeck wird hochgelobt, aber das kann grade mal Facebook und Twitter. Wo bleibt Google+, Flickr, Instagram, Foursquare, etc? Bringt also (mir) nix. Mein Desktop bleibt öde und leer.

Aber halt – sagte ich Desktop? Ja, sagte ich. Am Smartphone und Tablet geht’s nämlich durchaus, zumindest für die Netze, die mir wichtig sind: Flipboard ist eine der meistverwendeten Apps auf meinem Tablet. Mit Cross-Sharing und all-in-one-Feed. Und sogar der Google Reader ist mit drin. Mehr braucht der soziale Netzmensch nicht, also zumindest ich.

Wenn ich mir also was wünschen dürft, vom Universum, vom Salzamt, oder meinetwegen sogar vom nichtvorhandenen Christkind, dann wär das ein Flipboard für den Desktop. Als eigenes Programm, nicht im Browserfenster. Dann würd ich vielleicht auch wieder aktiver netzen. Vielleicht.

Vernetzt, verwirrt, verlinkt – Ich? Hier? Wo?

In unregelmäßigen Abständen befällt mich tiefe Unzufriedenheit über meine Netzpräsenz und damit das drängende Bedürfnis, ganz einfach alles zu ändern – und das natürlich möglichst sofort. War das früher einfach (ein neues Template ist schnell programmiert, wenn man erst einmal eine optische Idee hat), haben sich mittlerweile die Seiten ebenso wie deren Verlinkungen vervielfacht, und man muss an so viele Kleinigkeiten denken, dass mir schon in der ersten Planungsphase (im Kopf) die Lust vergeht. Und so bleibt oft alles so, wie es ist – und ich habe keinen Spass mehr daran, Inhalte zu erstellen, weil Form wie Function des zur Verfügung stehenden einfach nicht meinem momentanen So-Sein entspricht. Dazu kommt, dass in den “sozialen” Netzen die Entscheidung einer Änderung gar nicht bei mir liegt – denn ob die Facebook-Timeline gestern oder übermorgen aktiv wird, ob ich beim Twitter-Besuch die aktuelle oder die vorletzte Version sehe, kann ich selbst nicht beeinflussen.

Ein erstaunliches Merkmal dieses Luxusproblems ist, dass es immer nur dann auftritt, wenn ich bis über beide Ohren mit Arbeit eingedeckt bin, also im Grunde eh keine Zeit hätte, alles das umzusetzen, was mir vorschwebt. Eine andere Konstante ist seit ein paar Jahren der Gedanke: ‘Facebook geht mir so auf den Arsch Geist, ich lösch jetzt meinen Account. Aber wirklich. Sofort.’

Anyway. Insgesamt sind meine momentane Netz-Unzufriedenheit im allgemeinen und die Skepsis zu sozialen Netzwerken im besonderen Grund genug, mich Konstantin Klein und Don Dahlmann anzuschließen und eine Bestandsaufnahme meiner digitalen Identitäten in diversen Netz- und Werken zu versuchen.

Twitter – Twitter ist für mich ein seltsam schizophrenes Ding. Während ich mich aktiv auf Befindlichkeitsmeldungen beschränke (ergänzt durch automatische Posts über sonstige Netzaktivitäten), ist es mir passiv längst zu einem der wichtigsten Nachrichtenmedien geworden. Alles, was “breaking” sein könnte, suche ich erstmal auf Twitter, bevor ich die üblichen Verdächtigen (ORF, Standard, ZDF) aufrufe. Zudem macht es einen Höllenspass, auf Twitter “gemeinsam” fernzusehen. Ob das nun der Tatort ist oder eine hochpolitische Talkshow – ohne die Tweets dazu fehlt einfach etwas.

Facebook – Facebook kriegt meinen persönlichen Preis für ‘längstmöglichstes Aufrechterhalten der breitestmöglichen Ambivalenz’. Anders ausgedrückt – Facebook ist das Ding im Netz, was ich seit jeher wenigsten mag, aber unterm Strich trotzdem extrem vermissen würde – wenn es plötzlich weg wäre. Der Hauptgrund dafür ist, dass sehr viele Kontakte einfach nirgends sonst zu finden sind. Alte Heimat, alte Musiker, alte Freundschaften – das alles finde ich nur dort. Ich wünschte, alle diese Menschen hätten Blogs mit RSS-Feeds, die ich abonnieren könnte. Oder Twitter-Accounts. Oder wenigstens, verdammtnochmal, einen lächerlichen altmodischen Email-Newsletter. Haben sie aber nicht. Und deshalb, genau deshalb und nur deshalb, komm ich aus Facebook nicht raus – egal wie sehr mich policies und politics dieser irgendwie doch sehr suspekten Firma nerven.

Google + – Ist in meiner Wahrnehmung mausetot. Und das, obwohl sich dort – wenn ich dann doch einmal reinschaue – die spannendsten Links, die durchdachtesten Diskussionen und die interessantesten Standpunkte finden. Der Grund dafür ist höchst trivial: Ich müsste eine eigene Seite/App aufrufen, um G+-Einträge wahrzunehmen. Und das mache ich nicht. Wenn ich am Desktop arbeite, steht yoono auf der linken Seite meines Bildschirms, und egal, was ich mache – die Einträge meiner Twitter-, Facebook-, Flickr- und Youtube-Kontakte laufen automatisch vorbei. Unterwegs bringt mir Tweetdeck immerhin noch Facebook und Twitter in einem aufs Phon. Extra eine Seite ansurfen? – Nein, wirklich nicht.

Google Reader – ist immer noch das wichtigste Werkzeug für die Informationsbeschaffung jenseits der Daily News. Die Share-Funktion vermisse ich schmerzlich, sowohl aktiv als auch passiv. Diverse Experimente zum Nachbau dieser Funktion – über Bookmarking-Dienste, ifttt und halbhändische Sammlungen in diversen haben lange nicht zum gewünschten Erfolg geführt. Mittlerweile habe ich eine für mich akzeptable Lösung, und die läuft auf:

Soup.io. Ehrlich, ich hab nie verstanden, wieso die Wiener Suppenküche so ein Schattendasein in der Netzwahrnehmung fristet – im Grunde ist sie nämlich deutlich cooler als Tumblr und Posterous zusammengenommen. Und wird daher auch weiterhin meine bislang liebste Annäherung an den “Lifestream” bleiben. Wobei – Mal sehen, was die Suppenzukunft bringt!

Path – könnte mir gefallen und in meiner Social-Hitliste ganz schnell ganz nach oben steigen – wenn, ja wenn – zum einen mehr meiner Kontakte dort wären und es zum anderen ein Webinterface hätte.

Last.fm Hat bei mir mit der Entdeckung von Spotify eine Renaissance erlebt, weil es die Songlisten aus Facebook raus bringt.

Google, Plus-Minus

Nun ist Google+ ja schon ein paar Wochen alt, und es hat so ziemlich jeder schon so ziemlich alles darüber gesagt, aber mir fällt gerade auf, dass ich noch gar nichts dazu gesagt habe. Und so geht’s dann auch nicht, vor allem weil ich ja geradezu um eine Einladung gebettelt habe, als die noch rar waren. Technisch, philosophisch oder netz-soziologisch haben schon die anderen, ich mach hier einen auf persönlich.

Google Plus ist schick. – Das war das erste, was mir aufgefallen ist, überraschend angesichts der Tatsache, dass Google oft genug mit dem Design auf Kriegsfuss steht (Reader, Buzz). Wunderbare Balance aus Text und Whitespace, übersichtlich, aufgeräumt. Und schau sich erst einmal einer diese Fotoalben an, die machen richtig Spass. (Alte Fotos, weil neue habe ich nicht auf Picasa). Und, apropos Fotos: Das Feature das einem erlaubt, Fotos vom Andoid-Phone automatisch hochzuladen und dann nach Lust und Laune downzuloaden oder freizugeben, ist eigentlich unschlagbar.

Google+ ist böse. Der Zwang zu Klarnamen ist im Grunde eher lächerlich, vor allem weil Google-Sprecher in diversen Foren bereits erklärt haben, es würde reichen, einen “echt klingenden” Namen zu verwenden. Viel Lärm um nichts, möchte man meinen, vor allem, weil Facebook ebenso theoretisch auf den echten Namen besteht und fake-Konten ebenso löscht. Allerdings – wenn Facebook weg ist, dann ist es halt weg. Wenn ein Google-Konto weg ist, tendiert das für stetige Benutzer in Richtung Identitätsverlust. Sowas geht gar nicht.

Google+ ist rund. Die Kreise sind zwar nur eine optisch und mental pfiffige Umsetzung von Tags, aber das Prinzip ist aus Informations-Filter-Sicht schon richtig. Ich seh da allerdings den Haken des Overfiltering, denn wenn ich nur mehr Informationen sehe, die meine Kern-Interessen betreffen, fehlt doch auch irgendwo was. (Das Thema wäre eine ganz eigene Betrachtung wert, hier ein guter Artikel dazu.).

Google+ ist langweilig. Vielleicht liegt es ja an “meinen Kreisen” (höhö), aber die Hälfte meiner Timeline bestehen aus Links & Diskussionen zu sozialen Netzwerken, die andere Hälfte aus Photos, Videos, Links & Texten, die ich anderswo längst gesehen habe. (Letzteres Problem könnte man natürlich umgehen, indem man zuerst nach g+ schaut.). Und die restliche Hälfte sind irgendwelche Marketingmenschen, die ich irrtümlich in den Kreis “Mal Schauen” gezogen habe.

Das Social-Google-Universum ist redundant und inkonsistent. Google+, Google Buzz und Google-Reader bedienen die gleiche Klientel mit weitgehend gleichen Inhalten. Das bewirkt, dass viele Leser den gleichen Inhalt drei mal lesen müssen – und dass sich an drei Stellen Diskussionen zu ein und demselben Artikel zwischen den gleichen Leuten bilden können. Ohne Hinweis aufeinander.

Dennoch: Google+ ist sypmpathisch. Die Sympathie beruht nicht nur darauf, dass es gut aussieht; auch inhaltlich hat man viel von den bestehenden Netzwerken gelernt. Dass Trollköpfe und sonstige Spassverderber noch nicht (oder kaum) dort angekommen sind, trägt natürlich zum Vergnügen bei.

Google+ läuft bei mir nebenher. Meine Online-Kommunikation läuft weiterhin primär über Email, Twitter, Facebook und Skype (letzteres erstaunlicherweise wieder zunehmend). Bei den meisten Kontakten natürlich deshalb, weil sie noch nicht bei g+ angekommen sind, bei einigen aber auch aus Gewohnheit. Die Möglichkeiten, die ich in den Kreisen sehe, werde ich so bald nicht wirklich nutzen können – weil die, die davon profitieren würden, sich mit Händen und Füßen gegen “noch ein Login” wehren. Wäre es anders, würde ich Facebook mit Freuden kübeln, Twitter als Wortferienhaus behalten, (die “Diaspora” unter “netter Versuch” ablegen), und mich fortan vorwiegend dem großen PLUS widmen.

Aber Kommunikation findet eben dort statt, wo die Leut’ sind. Und daher ist Facebook noch lange nicht erledigt, auch wenn es dort bisweilen virtuell so müffelt wie seinerzeit real aus den römischen Gemeinschaftsklos über der Cloaca Maxima.

(und übrigens, falls jemand tatsächlich noch nicht drin sein sollte, ich hab hier reichlich Einladungen.)
(für g+, nicht für die Cloaca Maxima)

Warum ich dir nicht folge

Liebe/r Mailer/in mit der Zahlenkombination in der bouncenden Email-Adsresse, du hast gefragt, warum ich dir nach deiner Freundschaftsanfrage nicht ebenfalls folge, hast aber nicht erwähnt, in welchem System. Hier sind mögliche Gründe:

Auf Twitter: Wahrscheinlich hast du deinen Stream auf privat gestellt. Ich requeste keinen Zugang für private Streams, grundsätzlich nicht. Das geht mir gegen die Natur von Twitter. Wenn dein Stream nicht privat ist, dann habe ich ihn entweder als Werbe- oder SEO-Scheiße eingestuft – oder aber er ist sehr sehr langweilig.

Auf Facebook: Kennen wir uns? Auf Facebook adde ich nur Menschen, die ich a) tatsächlich kenne oder b) schon seit gefühlten Jahrhunderten aus dem Netz kenne. Sollten wir uns kennen, gibt es drei Möglichkeiten: Entweder ich kann mich nicht erinnern (gegebenenfalls sorry, werde auch langsam alt), oder du hast ein unerkennbares Profilfoto samt geändertem Namen, oder aber ich will mich nicht erinnern (letzteres gilt allerdings nur theoretisch für ca. 3 lebende Menschen, die bislang alle 3 nicht auf Facebook sind).

Auf Flickr: Direkt auf flickr mache ich seit einiger Zeit nur noch wenig. Was mich interessiert, abonniere ich im allgemeinen als rss-Feed.

Auf Buzz: Entweder habe ich deinen Stream gesehen und für langweilig befunden, oder ich habe die Benachrichtigung nicht bekommen. Beides kommt vor. (Dass Google seine eigenen Benachrichtigungen manchmal in den Spam schickt, hat eine ganz eigene Ironie.)

Auf iStock: Ich habe mir dein Portfolio, deine Profilseite und deine Forumposts angeschaut, festgestellt, dass wir nichts gemeinsam haben – und dich daher als Rating-Sammler eingestuft. Das ist nicht mein Spiel.

Auf Soup.io oder auf Tumblr: Habe ich wahrscheinlich festgestellt, dass ich deine Updates längst woanders lese. Redundanz ist vermeidbar!

Auf Xing, Plaxo, cliqset, lifestream.fm: Die Profile sind nur geparkt. Das Profil steht dort, falls sich das jeweilige System noch entwickelt, wird aber nicht gepflegt.

Auf LinkedIn: Komme ich leider nicht mehr an mein Passwort und kann daher gar nichts machen. (Nicht, dass mir irgendetwas abginge.)

Irgendwo anders: Du hast einen Test-Account gefunden, den ich selbst wahrscheinlich schon längst vergessen habe.

Ich hoffe, damit alle Klarheiten beseitigt zu haben und empfehle, für solche Anfragen in Zukunft eine Mail-Adresse zu verwenden, die Antworten annimmt.

Animated gifs, next generation

Das liebste rote Tuch von ernst (?) zu nehmenden Webdesignern erlebt eine Renaissance auf Senor Gif. Ein Onlinetool zum Erstellen der geschmähten Bewegtbilder ist Gickr – und, so schwer es auch fällt, das zuzugeben – es macht irgendwie Spass.

No Future, no Zone

Ich bedauere, dass die Futurezone so unverhältnismäßig in den Mittelpunkt gerückt wird. Sie wird zwar abgedreht, aber: Na, und? Es geht schließlich um die Inhalte und diese werden wir anders auch bringen.

…Alexander Wrabetz gegenüber derStandard.at. Mir fehlen ein bisschen die Worte angesichts einer derartigen Dosis von Netz-Unverständnis.

Mit der Futurezone hat sich der ORF ein kräftiges Bein weggesäbelt, aber auch das Hirn bleibt nicht ganz. Nur sieben Tage sollen die Inhalte (alle Inhalte!) künftig zur Verfügung stehen dürfen. Permalinks, die ihren Namen verdienen, wird es also künftig auch dort nicht mehr geben, wo sie bisher verlässlich waren. Weniger schmerzhaft das Verbot von Spielen und anderen Kleinigkeiten und das Verbot der “Schaffung eigens für mobile Endgeräte bestimmter Angebote”; (mir) rätselhaft das Verbot von Links auf soziale Netzwerke. Vollends absurd und nachrichtenlagenfremd die Beschränkung auf 80 Beiträge pro Woche in der Bundesländerberichterstattung. Zusammenfassung der Änderungen: Kurier und Heise (unterschiedliche Gewichtung).

Und der folgende Absatz macht das online-Angebot des ORF vollends überflüssig, wenn es tatsächlich so umgesetzt werden sollte (Hervorhebungen von mir):

„Sendungsbegleitende Angebote dürfen kein eigenständiges, von der konkreten Hörfunk oder Fernsehsendung losgelöstes Angebot darstellen und nicht nach Gesamtgestaltung und -inhalt dem Online-Angebot von Zeitungen und Zeitschriften entsprechen; insbesondere darf kein von der Begleitung der konkreten Hörfunk- oder Fernsehsendungen losgelöstes, vertiefendes Angebot in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Chronik, Kultur und Wissenschaft (einschließlich Technologie), Sport, Mode- und Gesellschaftsberichterstattung bereitgestellt werden.“

Na dann. Abschaffen und bestenfalls noch die Worte des Nachrichtensprechers abtippen.

Lesenswert dazu:
Die Zeit
Jacqueline Godany im Datum
Christoph Chorherr

Lesenswert-Nachtrag:
zurPolitik.com

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