Kategorieweiberkram

Kleider machen… ja was?

Ich bin heute in einem roten Kleid Zug gefahren. Ich fahr selten im Kleid weg, ich bin Jeans-Zugfahrerin, ist praktischer, flexibler. Und überhaupt. Und wenn Kleid, dann halt auch ein praktisches, das dann halt auch irgendwie nach Hose aussieht. Ein flatterndes rotes Frühlingskleid, das  hatte ich im Zug wahrscheinlich überhaupt noch nie an. Vor allem, weil ich, wenn ich mich recht entsinne, seit drei Jahrzehnten gar kein rotes Kleid hatte, geschweige denn ein flatterndes rotes Frühlingskleid.

Heute, mit dem flatternden roten Frühlingskleid, passierte andauernd, was sonst vielleicht einmal im Jahr passiert: Bei jedem Ein-, Aus- und Umsteigen, im Langstrecken- wie im Nahverkehr, fand sich immer ein Kavalier, der mich fragte, ob er meinen Koffer ein- oder ausladen solle, ob er ihn ins Gepäckfach wuchten oder von da oben wieder runter heben sollte.

Ich lehnte dankend und zunehmend verblüfft ab, und die verhinderten Kavaliere, das muss man lobend erwähnen, traten zurück und ließen mich machen.

Wundersam. Alles höchst wundersam.

„Schatzi“, wir müssen reden!

Ich will nicht darüber spekulieren, ob oder wie sehr Peter Pilz schuldig ist, oder wie man das seltsame Timing einordnen sollte, das die Veröffentlichung der Vorwürfe betrifft.  Das tun andere zur Genüge. Was ich hingegen thematisieren möchte, ist der Umgang mit den Vorwürfen in den sozialen Medien und in den Kommentarspalten der Presse. Und über das vorgeblich harmlose „Schatzi“.

Von etwa 40 Übergriffen ist die Rede; sie reichen von übergriffigen Anreden wie „Schatzi“ über die Aufforderung, mit ihm auf Urlaub zu fahren und „das Höschen einzupacken“ bis zu unsittlichen Berührungen.

So steht es, wörtlich nahezu unverändert, in allen Publikationen. Und unter jedem Artikel finden sich Kommentatoren (und Kommentatorinnen leider auch), die Variationen des „Schatzi“-Themas posten, etwa so:

„Schatzi“ soll eine sexuelle Belästigung sein? So weit sind wir gekommen?

Das regt mich aus zwei Gründen auf. Zum einen: Lesekompetenz! „Schatzi“ war nur einer, und zwar, wie aus der Satzkonstruktion hervorgeht, der geringste der Vorwürfe.

Zum anderen, und das könnt man sich auf der Zunge zergehen lassen, wenn es nicht so grauslich wär, ist es für viele offenbar ganz normal, wenn ein Vorgesetzter zu einer Untergebenen „Schatzi“ sagt. Das mag „normal“ sein im Sinne von „vielerorts üblich“, in Ordnung ist es deshalb noch lange nicht. Ob das „Schatzi“ tatsächlich eine sexuelle Belästigung darstellt oder schlicht und einfach diskrimnierend ist, ist egal. Es ist inhaltlich ein Diminutiv, es ist im besten Fall sehr persönlich, im schlechteren ungut pickig, und es gehört einfach nicht in einen beruflichen Kontext.

Ein „Schatzi“ wäre allemal in einer Arbeitssituation akzeptabel, in der es genau so normal  und akzeptiert ist, dass die Angesprochene darauf mit „Wos is, Oida?“ antwortet. Und die sind, meines Wissens nach, eher rar gesät.

Darf man denn jetzt nichteinmal mehr flirten?

Schatzi, wenn du den Unterschied zwischen flirten und herablassender Misogynie nicht kennst, dann lass es. Ist besser für alle Beteiligten.


Und hier noch ein persönlicherer Beitrag zum Thema. 

Ein Schwank aus meiner Jugend, oder: warum frau es für sich behält (#metoo)

Ich war ungefähr 20, und es war einer meiner allerersten Jobs, in einer Import-und Großhandelsfirma eine Produktdatenbank zu konzipieren, aufzubauen und die MitarbeiterInnen im Umgang mit dem neuen System zu schulen. Eines schönen Tages stand ich also in beratender und beobachtender Funktion neben einem Außendienstmitarbeiter, der seinen neuen PC malträtierte, als der sich plötzlich umdrehte und verlangte: „Geh, Schatzi, machst ma an Kaffee?“.

Ich hatte den Typ am selben Tag zum ersten Mal gesehen, wir waren nicht per Du, der allgemeine Umgangston in der Firma war keineswegs flapsig. Noch bevor ich mich von meiner Verblüffung in irgendeine Reaktion retten konnte, setzte er hinzu: „Mit Milch, ohne Zucker“ und gab mir dazu einen Klaps auf den Hintern.

Es gehört zu den wenigen Dingen in meinem Leben, die ich wirklich bereue, nicht sofort mit einer ebenso kräftigen Ohrfeige geantwortet zu haben. Aber dazu war ich in dem Moment einfach zu schmähstad. ich ging, nicht in die Küche um Kaffee zu kochen, sondern ins Lager, um mich einem anderen Aspekt meiner Aufgabe zu widmen.

Am nächsten Tag wurde ich zum Chef zitiert; der Mitabeiter hatte sich über meine Unfhöflichkeit beschwert, weil ich ihm nicht einmal einen Kaffee machen wollte. Den Chef immerhin brachte ich zum Nachdenken: Mit der Frage, ob ich meine Zeit, mit merkbar höherem Stundenlohn als der Beschwerdeführer, tatsächlich aufs Kaffeekochen verwenden sollte. Er kam zu dem Schluss, ich sollte nicht.

Den Klaps auf meinen Hinten hab ich nicht thematisiert, bis zu diesem Blogeintrag nicht. Weder dem Chef noch dem Klapser gegenüber, und auch später, wann immer ich die Geschichte vom Kaffeekochen erzählte, ließ ich den Klaps weg. Zu widerwärtig war das Gefühl schon beim Gedanken daran. Das Gefühl von ohnmächtiger Wut, von Erniedrigung und Hilflosigkeit hätte die Geschichte, in der ich ja letzendlich „gesiegt“ hatte, unweigerlich unschön befleckt.

Und, ich bin doch kein Opfer!

Es war das erste Mal, dass ich zu spüren bekam, was es heißt, sich als Frau in einer Männer-Arbeitswelt zu behaupten, aber es war bei weitem nicht das einzige Mal. Die Skala reicht vom Chef der ohnehin nur wenige Monate lang erfolgreichen Software-Klitsche, der meinte, ich könnte mir ja doch einmal etwas Hübscheres anziehen (als meine schwarze Jean mit Bluse, während die Jungs dort alle mit Cargohosen und T-Shirts herumliefen) über den Auftraggeber in meiner Freelance-Zeit, der die Forderung nach mehr Honorar bei einem ausgeuferten Projekt mit einem süffisanten Grinsen und der Meldung „Da müssen Sie sich aber schon etwas Besonderes einfallen lassen“ beantwortete, bis hin zum „Kollegen“, der mir im Lift übergangslos die Zunge ins Ohr steckte und auf meine wenig erfreute Reaktion meinte, ich solle doch froh sein, wenn jemand so ein schiaches Luder pudern will.

Alle diese und weitere unerzählte Vorfälle haben zwei Dinge gemeinsam: Zum einen fehlte den ausübenden Männern jegliches Unrechtsbewusstsein, sie fanden ihr Verhalten normal und vergnüglich. Zum anderen  behielt ich, immer, mein Unbehagen und meine Gefühle für mich, konterte höchstens mit einer „frechen“ Meldung, die ich so harsch formulierte, wie ich in dem Moment konnte,

weil, ich bin doch kein Opfer!

Mit der Zeit kam zu diesem rein emotionellen Grund auch noch die Erfahrung. Die Erfahrung zu sehen, was Frauen aushalten müssen, wenn sie das Problem thematisieren. Die Schlampe, hätte sich halt anders anziehen wollen, will nur abcashen, es ist ja eh nie passiert, sie macht das eh nur aus Rache, weil eben nicht passiert ist, was sie gerne wollte.  Es war einfacher, die Übergriffe wegzustecken, als sich einem solchen Spießrutenlauf auszusetzen.

Und mit jedem Mal, wenn so etwas passiert, wird es ein bisschen normaler. Irgendwann überschreitet man selbst die Grenze. Formuliert, wenn auch nur in Gedanken,  ein abgeklärtes „was hast du denn erwartet?“ wenn eine Kollegin das Angebot annimmt, sich nach Hause chauffieren zu lassen und feststellen muss, dass der Chauffeur sie nur ungern aussteigen lässt. Denkt sich ein „No, sei ned so empfindlich“, wenn nach einem vorgeblich unabsichtlichen Busengrabscher die Tränen fließen. Hat frau schließlich alles selbst schon erlebt, und frau hat danach nicht geweint.

Und nicht zuletzt deshalb ist es ganz ganz wichtig, sich immer wieder daran zu erinnern: Alle diese Dinge sind nicht normal. Sie sind nicht in Ordnung.

Nichts davon ist in Ordnung. 

Der wirre Kampf ums Binnen-I

Einen Sommerloch-Stopfer nennen es die einen, eine Verwirrung der feministischen Trittbrettfahrer im Windschatten des Volks-Rock’n Hollers die anderen – Fakt ist, seit den 80ern wurde nicht so viel um weibliche Formen in der Sprache gestritten wie letzte Woche im Internet.

In der lebendigen gesprochenen Sprache ist mir das Gendern eigentlich ziemlich egal, und dasselbe gilt für persönlich geschriebene Sprache wie Briefe, Emails und Ähnliches. Ich werde auf die Frage „Sie sind Journalist?“ mit genau so freundlichem Nicken reagieren wie auf die Frage „Sie sind Journalistin?“. Vermutlich würde es mir in einem Gespräch nicht einmal auffallen, außer Feminismus ist als Thema vorgegeben. Selbstverständlich ist (ich erwähn“s nur, weil die Diskussion dermaßen ideologisch aufgeheizt geführt wird) die Kunst von jeglicher Forderung nach Sprachnormen ausgenommen, das gilt nicht nur, aber eben durchaus auch für Gendering. Anders sehe ich die Lage in der Gesetzessprache, und in allen Formen der offiziellen Kommunikation, die nicht momentan und nicht spontan ist. Dort erwarte ich, dass die weibliche Form explizit genannt wird, in welcher Form auch immer. Wer das unterlässt, ist entweder faul oder gender-reaktionär.

Aber, im Grunde ist das eine akademische Diskussion, und solche lasse ich bevorzugt links liegen. Was mich hingegen immer wieder ganz real aufregt, sind die hanebüchernen Argumente, mit denen man uns Frauen – huschhusch! – zurück in die sprachliche Unsichtbarkeit treiben will. Die Argumente, aufgedröselt:

  1. Ja, aber… es gibt doch viel Wichtigeres!
    Dieser Satz ist, egal in welcher Diskussion, egal zu welchem Thema, ein Möchtegern-Shutup-Argument – und jedesmal wieder mein meistgehasstes. Aus 2 Gründen:
    – Es impliziert, dass sich ein Mensch nur zu einem Thema engagieren kann. WTF? Ich kann gleichzeitig gleichen Lohn für gleiche Arbeit fordern und trotzdem ein Fan der weiblichen Sprachform sein, übrigens kann ich außerdem noch gegen den Krieg und für ein bedingungsloses Grundeinkommen argumentieren.
    – Egal worüber man redet, es gibt immer irgendetwas Wichtigeres. Sollen wir jetzt alle dauerhaft den Mund halten? („Mist, ich hab im Supermarkt keine unbehandelten Zitronen für die Bowle bekommen!“ – „Hör mal, es gibt Wichtigeres. Die Kinder in Afrika hungern!“)
  2. Die Frauen sind in der männlichen Form ja eh mitgemeint
    Herzlichen, wenn auch sehr ironischen Dank. Ich existiere, und ich darf mir erwarten, auch direkt gemeint und angesprochen zu werden. Wenn das zu mühsam ist, was soll dann erst aus anderen legitimen Forderungen der Frauenbewegung werden?
  3. Die männliche Form ist grammatikalisch geschlechtsneutral
    Das ist zwar inhaltlich dasselbe wie 2.), aber argumentativ etwas komplexer: Spicht man etwa von „Studierenden“, dann ist die Annahme korrekt, das Wort ist geschlechtsneutral anwendbar. Spricht man hingegen von „Studenten“, dann ist die beschworene „Geschlechtsneutralität“ das klassische Beispiel eines gesellschaftlichen Konstrukts – die Frauen sind, siehe oben, „mitgemeint“. „Der Student“ ist nun einmal ganz eindeutig männlich, da beißt die Maus (hoffentlich!) nix ab.
    Im Plural: „Die Studenten“ – nun ja. Es ist der Plural der männlichen Form. Im Französischen gibt es dafür eine explizite Regel: Sobald einer aus der gemeinten Gruppe männlich ist, ist die männliche Form des Wortes anzuwenden. In der deutschen Sprache gibt es eine solche Regel nicht. Das könnte man als Chance sehen!
  4. Das Binnen-I ist hässlich!
    Kein Problem, man darf auch „Studenten und Studentinnen“ schreiben!
  5. Ich schreibe, wie“s mir passt!
    Finde ich voll OK – außer natürlich, du schreibst Gesetzestexte, amtliche Schriftstücke oder anderes Offiziöses. Siehe Einleitung! Im Journalismus wäre es in Sachen Vorbildwirkung natürlich wünschenswert, dass sich mehrgeschlechtliche Formulierungen durchsetzen, aber auch da würd ich dem oder der Einzelnen nichts vorschreiben.

Abschließend (ist ja eh schon fast ein Roman) – ich war viele Jahre lang auch der Meinung, dass Gendering in der Sprache völlig irrelevant ist – ungefähr genau so lange, wie ich „stolz“ darauf war, viele „unweibliche“ Dinge genau so gut oder besser zu beherrschen wie/als ein Mann(TM). Aber irgendwann stören die fehlenden Selbstverständlichkeiten:

  • Warum muss ich ständig BEWEISEN, dass ich mit Computern umgehen kann, wenn ich das seit 20 Jahren erfolgreich TUE?
  • Warum muss sich ein Freund von mir ständig hüscherln lassen, weil ER strickt wie ein/e Weltmeister/in?

Sprache ist ganz eng verwandt mit Bewusst-Sein, und ich bin mittlerweile überzeugt davon, dass die konsequente Verwendung einer Sprache, die explizit beide Geschlechter mit einschließt, für die Gleichberechtigung essentiell ist.

Nur mal so als Gedankenexperiment: Wie würden sich die Männer fühlen, wenn wir die grammatikalisch männliche Form aus der offiziellen Sprache streichen? Immerhin war die ja jahrhundertelang Standard, als Ausgleich könnten wir die nächsten hundert Jahre lang die weibliche Form als Standard verwenden?

Na, liebe Leserinnen, was haltet ihr davon?

(Und, liebe Leser, habt ihr euch gerade eben „mitgemeint“ gefühlt?)


‚paar Links dazu:
Bastian Sicks dahingeschwurbeltes Interview und die hervorragende Antwort des Sprachlogs
A bisserl polemisch im Standard, aber samma sich uns ehrlich, die andere Seite hält sich ja auch nicht zurück

Im Fitnesscenter (jaja)

Als ich heute so friedlich trabend auf dem Cross-Trainer stand, bereits am Abkühlen, Schweiß am Trocknen, hörte ich eine Stimme. “Hopp hopp hopp!” – Ich fühlte mich erst nicht angesprochen, es war voll wie immer montags, Geräusche und Gespräche aus allen Richtungen, aber der Stimmeninhaber trat von links in mein Blickfeld und übertönte jovial mein Hörbuch. “So wird das aber nix mit der Traumfigur. Schneller treten!”

Ich war erst Mal verblüfft, noch nie hat mich hier jemand angesprochen, höchstens angelächelt, und auch das nur im Frauenraum, wenn sich Blicke ungewollt und unerwartet im Spiegel trafen. Ich schaute auf das kurze, kugelrunde Männchen, dem die Stimme gehörte, versuchte, es wegzublinzeln, konnte mich aber dem auffordernden Blick nicht entziehen, ohne das Treten vorzeitig abzubrechen. Ungewöhnlicherweise fiel mir eine schlagfertige Gegenfrage ein. “Warum sollte ich mich für deine Traumfigur interessieren?” – Das erwirkte eine seltsame Mischung aus überraschtem Brauenhochziehen und gewolltem Grinsen in seinem Gesicht, aber er erholte sich schnell. “Mit Größe 46 kriegst jedenfalls keinen Mann.”

Die doppelte Fehleinschätzung schmerzte zwar, was mich nach einem Moment des Nachdenkens viel mehr schmerzte, war mein dringendes Bedürfnis, sie zu korrigieren. Anders ausgedrückt: Wäre ich nicht etwas außer Atem gewesen, hätte ich sofort erklären müssen, dass ich
a) Größe 42, nur selten obenrum 44 trage, und
b) bereits einen wunderbaren Mann habe, vielenherzlichendank.

Zum Glück für mein späteres Selbstbewusstsein fehlte die Luft zum sofortigen Widerspruch, der Moment des Sauerstoffsparens geriet zur Nachdenkphase, und ich antwortete schließlich betont lässig (aber durchaus wahrheitsgemäß): “Ich bin nicht zum Abnehmen hier, sondern für die Ausdauer.” – “Jaja”, grinste er, “wird schon” und legte einen Flyer über mein Display, auf dem ein Schlankheitsmittel beworben war, dessen Namen ich auch in meinem Email-Spam regelmäßig lese. Mit einem ekelhaft anzüglichen Zwinkern trat er den Rückzug an, offenbar um sich ein neues Opfer zu suchen.

Die restlichen 2,5min Countdown auf der Maschine waren begleitet von multiplen WTFs in meinem Kopf. WTF wie in “WTF bildet der Typ sich ein”, “WTF hat das mit mir zu tun”, und sogar “WTF mach ich eigentlich hier?”

Zumindest letzteres kann ich mir, geduscht und abgekühlt, eindeutig und zweifelsfrei beantworten: Ich will nächsten Sommer keine 3 Tage Muskelkater mehr kriegen, falls ich wieder in die Lage kommen sollte, 500 Meter rudern zu müssen (oder zu wollen). Ich will nicht mehr schweißgebadet und außer Atem sein, nur weil ich 100 Meter zur Straßenbahn sprinte. Ich will meinen Zwei-Wochen-Urlaub-Rucksack wieder nach Hause in den 4. Stock tragen können, ohne dass ich auf jeder Etage kniezitternd und schnaufend Pause mache. Das sind die drei Gründe, warum ich mich im Fitnessstudio angemeldet habe (na schön, wenn sich dabei das eine oder andere Kilo verabschiedet oder in ansehnlichere Regionen verschiebt, hätte ich nichts dagegen, aber Abnehmen allein wär keine Motivation), und entgegen meinen Erwartungen läuft es bisher ziemlich gut. Mein Körper nimmt die tägliche Bewegung überrascht, aber wohlwollend zur Kenntnis, und obwohl der Entschluss (und der Vertrag) noch kein ganzes Monat alt ist, fehlt mir etwas, wenn der grausame Arbeitsalltag mir diese körperlichen 90 Minuten verwehrt. Aber die innere Erfahrung der neuen Körperlichkeit wär eigentlich Stoff für einen ganz eigenen Eintrag.

Zum Glück für mich und das Fitnesstudio war die Tante an der Rezeption sofort ganz Ohr, als ich ihr von dem unverschämten Eindringling erzählte. “Was, der hat doch längst Hausverbot!” schimpfte sie und griff nach dem Telefon, um die Security auf den Giftzwerg anzusetzen. Gut so; jede andere Reaktion hätte mich wahrscheinlich für immer vertrieben.

Zum Nachdenken blieb trotzdem reichlich Stoff, zB:

Warum, wie, und aus welcher seltsamen Geisteshaltung heraus fällt es einem wildfremden Menschen ein, ein Urteil über meinen Körper abzugeben? – Seine Motivation ist klar, er will sein Mittelchen verkaufen. Warum aber glaubt er, selbst mit einer Rundlichkeit weit jenseits der Norm ausgestattet, mir (oder jeder anderen Frau jenseits von Größe 36) mit zwei, drei unverschämten Sätzen einen Bedarf nach einem künstlichen und vermutlich gesundheitsschädlichen Schlankmacher vermitteln zu können? Warum (und das ist jetzt ein bewusst naives Warum) glaubt er, voraussetzen zu können, dass ich an einem angeblichen Normkörper interessiert sein könnte?

– – –

Auf einer anderen Ebene ähnlich meine Erfahrung mit Chello, die mir seit Monaten einen Umstieg auf Digital-TV schmackhaft machen wollen. Das aktuelle Angebot ist unverschämt günstig, also rief ich die angegebene Nummer an, um “ja” zu sagen. Den angebotenen Techniker (kostenpflichtig) lehnte ich ab und entschied mich für die zugeschickte Selbstinstallations-Variante. Antwort in der Auftragsannahme: “Na, haben Sie wenigstens einen Freund, der Ihnen beim Installieren helfen kann?”

Es ist übrigens, das sei auch einmal ganz deutlich angemerkt, ein durch und durch schönes Gefühl, einen Sufi zu “haben”, der zum Bericht des Telefonats herzlichst lacht und anmerkt: “Du hättest sagen sollen, ‘wenn ich ihm genau sage, was er wo anstecken soll, dann wird es schon klappen’.” Herzerfrischend, aber gesellschaftlich leider wenig relevant.

Mädchen, Frauen oder gar – Damen?

Schluss mit Süss! heisst der Artikel im SZ-Magazin, der sich über den bis in die hohen 30er anhaltenden Kindlichkeitswahn von bestimmten Frauen beschäftigt. Sicher, auch ich schaue bei Teddybärchen am Rucksack oder bunten Glitzerarmbändern ab einem gewissen Alter des Gegenübers entnervt weg, und so wollte ich gleich in den Zustimmungschor (Kaltmamsell und Melody – mit sehr schöner Illustrationsgeschichte)  einfallen. Dummerweise habe ich dann den vorher nur überflogenen Artikel nochmal genau gelesen. Schon die Einleitung geht gut ab.

Liebe Frauen über 25: Wollt ihr sein wie Grace Kelly oder wie das ewige Girlie? Also zieht euch anständig an, verdreht nicht die Kulleraugen und werdet endlich erwachsen. Das Mädchengetue nervt.
von Fred Grimm, Illustrationen: Dirk Schmidt

Na gut, wir wissen alle, dass man mit dem ersten Satz die Aufmerksamkeit der LeserInnen fesseln muss, der darf nach den Regeln des Journalismus schon mal etwas plakativer sein, damit man am Rest überhaupt erst interessiert wird.

Trotzdem muss ich, als Vertreterin der angesprochenen Altersgruppe “zwischen 25 und 40” (danach fällt man offenbar übergangslos ins Koma) auf die erste Frage antworten: Lieber Fred Grimm, um ganz ehrlich zu sein: Weder Grace Kelly noch das ewige Girlie sind als Role-Model sonderlich attraktiv für mich. Und was bitteschön heißt “zieht euch ordentlich an”? “Ordentlich” angezogen ist man immer nur situationsadequat.  Oder darf ab 25 der Bauch nicht mehr rausschauen? Warum? (ob der Bauch überhaupt jemals rausschauen sollte, ist ein ganz anderes Thema.) Sollte die Farbwahl ab der genannten Altersgrenze ausschließlich in Pastell- und Beige-Tönen erfolgen? Steigt die angemessene Rock-Länge zentimeterweise mit den Jahren? Oder was?

“verdreht nicht die Kulleraugen” – sorry, je länger ich an diesem Artikel lese, desto mehr verdrehe ich meine (allerdings nicht Kuller-)Augen:

[in irgendwelchen alten Filmen] spielen Lauren Bacall, damals 22, oder Ava Gardner, 24, aufregende Fabelwesen, die es heute im Kino kaum noch gibt: geheimnisvolle, intelligente, gänzlich unhysterische junge Frauen, die niemand »Mädchen« nennen würde.
[…] Heute stapfen Moppeltrottel wie Bridget Jones auf der Jagd nach dem Mann fürs Leben über die Leinwand. Trotzblöde, in Frauenkörper katapultierte Kleinkinder, die andauernd stolpern und stottern und viel zu enge Pullover tragen.

Vielleicht liegt es ja an meinem desillusionierten Weltbild, vielleicht auch an der demaskierenden Verwendung des Wortes “Fabelwesen”, aber plötzlich sehe ich vor meinem inneren Auge einen Mann im kritischen Männeralter zwischen 35 und 45 (keine Ahnung, wie alt Herr Grimm tatsächlich ist), der weinerlich raunzt: “Ich hab genug von den ganzen Girlie-Moppeltrotteln auf meiner Bettkante – ich will jetzt endlich meine geheimnisvolle intelligente unhysterische Frau fürs Leben haben!”

“Das Mädchengetue nervt.” Ja, mich auch. Aber es ist, genau wie die “geheimisvolle”, dabei aber unbedingt “unhysterische” Frauengestalt, nichts als ein Versuch, männliche Projektionen zu erfüllen. Frauen, “echte Frauen”, sind weder rotzige Girlies noch elegante Fürstinnen. Die sind was sie sind. (Ähnliches gilt, natürlich, für den Unterschied zwischen Männer-Stereotypen und Männern.)

“Die Frauen gehören in die Kuchl, sollen die Kinder erziehen und aus.”

Obiger Satz stammt weder aus einem Kabarett noch aus einer Sammlung historischen Unsinns – er stammt aus einem Interview, das der Ehegatte unserer neuen Innenministerin (oder heißt das: Frau Innenminister?) dem Falter gegeben hat. Vor allem sprachlich schön ist die Reaktion des Ministeriums: “Gunnar Prokop ist der Ehemann der Ministerin, nicht ihre Meinung”. (ORF-Ticker)

Das mag wohl stimmen – aber einen Träger solcher Meinung zu heiraten sagt ja auch was aus.

“Wann erreiche ich denn ihren Mann?”

Wenn ich solche Geschichten lese, bedauere ich sehr, dass ich beim Kauf meines neues Schnurlostelefons nicht auf eine integrierte Fern-Leitungs-Selbstschussanlage geachtet habe. Das wär doch einmal ein Feature. (Via Notizblog, wo man die Sache pragmatisch betrachtet. Es stimmt ja, ärgern hat keinen Sinn. Aber man tut’s ja trotzdem immer wieder, irgendwie.)

Ich weiß nicht, ich weiß nicht…

Wie «Manns» kann eine Frau sein und trotzdem als Frau geliebt werden? Wie viel Stärke und Selbstbewusstsein, wie viel Klugheit sowie Witz kann der Mann in einer Frau ertragen, ohne dass er sie fliehen muss? Wenn Freund Dietmar Recht hat, dass, «wenn der Schwanz steht, der Verstand schweigt», gilt dann das Gegenteil erst recht? Wenn eine Frau den Verstand eines Mannes zu reizen versteht, bringt das seinen Schwanz zum Erliegen? Längst bin ich versucht, es zu glauben. […Weltwoche, via malorama]

Auch ich habe schon früh die Mädchenkleider liegen lassen und mir bei diversen Unternehmungen die Knie unter den Jeans blutig geschlagen. Ich habe mit fünf Jahren darauf bestanden, mir die langen Haare abzuschneiden, weil das doch beim Schwimmen viel praktischer ist. In der Volksschule habe ich einen der schlimmsten Großmäuler niedergerungen, weil er der Klasse verkündet hatte, was “Weiber” alles nicht können (die Handarbeitslehrerin stand übrigens kichernd in der Tür und meinte erst nach Minuten, als ich mein Knie endlich fest auf seiner Schulter hatte und ihm gleichzeitig den anderen Arm schmerzhaft verdrehte, dass es jetzt langsam genug wäre). Ich versteh zwar nichts vom Schreinern, aber der Großteil meiner männlichen Bekanntschaft hat keine Probleme, mich um Rat zu fragen, wenn es darum geht, eine TV- oder Stereoanlage zu verkabeln oder in die tieferen Schichten der Computerkonfiguration vorzudringen. Cowgirl war ich auch nie, aber sobald mir jemand zu irgendeinem Ort erklärte, dort könne eine Frau nicht alleine hingehen, war ich schon auf dem Weg.

Als es Zeit war, sich um die erste Beziehung zu kümmern, war ich nie mit den anderen Mädels auf dem Häusl, um Makeup und Lippenstift zu tauschen. Ich stand stattdessen mit den Jungs an der Bar und übte Rauchringe blasen und Schnaps trinken. Zwar ließ ich mich manchmal hinreißen, mich zu Hause vorbereitend anzumalen (einmal hatte ich – ohmeingott – sogar eine Dauerwelle!), aber sobald man wirklich unterwegs war, ging’s um andere Dinge. Wichtige Dinge, wie Musik, Autos oder Philosophie. Ich habe auch nie mehr als einmal darüber nachgedacht, jemanden auf ein Date oder mehr anzusprechen, wenn er mir gefiel.

Und niemals, zu keiner Zeit, war irgendetwas davon ein Problem in meinen Beziehungen, in den langen nicht, in den kurzen nicht, und in den ganz kurzen schon gar nicht. Nicht, dass ich in meinen Beziehungen keine Probleme gehabt hätte, aber solche Probleme hatte ich nie. Nie war ich einem Mann zu selbständig, nie zu gescheit, nie habe ich zu viel verdient und nie war ich zu stark: Ausgesprochen nicht und unterschwellig auch nicht (außer vielleicht ein einziges Mal, da bin ich nicht ganz sicher, aber das hätte aus ganz anderen Gründen ohnehin nicht geklappt). Niemals fand es einer meiner Männer komisch, dass ich manchmal kuscheln will, obwohl ich meine Probleme durchaus selbst lösen kann.

Ich weiß auch nicht. Entweder habe ich mir instinktiv immer gleich die richtigen ausgesucht, die, deren Selbstbewusstsein auch so eine Frau aushält (und ich hab sie mir alle, bis auf einen vielleicht, selbst ausgesucht) – oder ich hatte einfach nur Glück – oder manche Probleme sind wirklich self-fulfilling prophecies.

Immer wieder allerdings – aber das ist ja eigentlich ein ganz anderes Thema – hatte ich ein Problem mit Frauen, denen meine Verhaltensweise ganz und gar nicht geheuer war. Mit Freundinnen, denen es gar nicht recht war, wenn ich die ausgefallene Glühbirne in ihrem Wohnzimmer wechselte – das wäre doch ein Grund gewesen, das bislang nichtsahnende Herzblatt anzurufen (was mir dann, Jahre später, unter Kichern und Zagen “gestanden” wurde – himmelnochmal, hättest du doch gleich sagen können, ich hätte die Birne auch wieder rausgedreht!). Mit Mädels, die mich nach einem interessanten Gespräch mit einem Typen beiseitenahmen und augenzwinkernd meinten, da hätte ich ja einen schönen Fang gemacht – und weiß ich eigentlich, dass er eine Freundin hat? – und um nichts in der Welt davon zu überzeugen waren, dass ich ebengerade ein spannendes Gespräch über Videoschnittsoftware geführt hatte: und nichts weiter.

Manche Dinge wären bestimmt viel weniger Problem, wenn man sie unproblematisch betrachten würde. Und das gilt für beide Seiten.

[Edit][PS] Natürlich habe ich auch genug Männer erlebt, die so ihre Probleme mit selbständigen Frauen hatten. Angefangen vom Mediamarkt-Verkäufer, der mir kein 3-poliges Cinch-Kabel für die Videoanlage verkaufen wollte, weil “alle modernen Geräte mit Scart besser funktionieren” bis zu meinem wiederkehrenden Trauma an der PC-Hotline, als Anrufer immer wieder nach “dem Techniker” verlangten, ohne mich auch nur zu Wort kommen zu lassen. Aber hej, solche Typen hätte ich weder beziehungsmäßig noch sexuell jemals in Betracht gezogen. Vielleicht liegt mein “Glück” ja an der selektiven Vorauswahl?

Knapp daneben

…würde ja noch angehen. Aber bei den 10 Zutaten, die angeblich zu einem attraktiven Mann/einer attraktiven Frau gehören (also insgesamt 20) muss ich mich doch fragen, ob ich ein 50er-Jahre Revival verpasst habe. Gruselig, das.

Frauen, funktioniert!

Da surf ich einmal so während des Essens nicht durchs Netz, sondern die Fernsehkanäle entlang, und schon ist mir der Appetit verdorben: Ein nicht gerade sympathischer Gynäkologe preist eine derzeit im Versuchsstadium befindliche Pille an, die die Monatsblutungen auf vier pro Jahr reduzieren soll.

Das angebliche Wunderding soll nicht nur die lästigen monatlichen Begleiterscheinungen (von PMS bis zum teuren Tamponverbrauch) auf ein Minimum reduzieren, sondern auch das Krebsrisiko verringern (das glaub ich frühestens in 30 Jahren) und, hört und staunt, durch die selteneren Eisprünge die Funktionsdauer der Eierstöcke verlängern, so dass auch 60-jährige in Zukunft auf natürlichem Weg Kinder kriegen können.

Sehr glatt, das alles, und sehr funktionabel.

 

[Alte Kommentare rübergerettet]

Re: Frauen, funktioniert!

so wird die frau zur eierlegenden wollmilchsau.

katatonik, 08.01 19:52

Re: Re: Frauen, funktioniert!

ja, irgendwie befürchte ich das auch… klingt eher nach langzeit-legehenne denn als menschliches wesen… brave new world.

vaporops, 09.01. 05:38

Re: Re: Frauen, funktioniert!

…und Langzeit-Arbeitsbiene, die dann als Hausmutti zur Verfügung steht, wenn sie für den Arbeitsmarkt zu alt ist.

Irene, 09.01. 08:41

Jawohl. multifunktional und ohne wirtschaftliche Beeinträchtigung.

Chronistin, 09.01. 16:27

Die Evolution

läßt sich nich besch…

Was diese Mediziner/Pharma-Fuzzies immer erzählen, wie toll und gesund das alles ist… die haben doch noch nicht mal ein funktionierendes Schnupfenmittel gefunden, aber an der Fortpflanzung rumpfuschen.

seewolf, 09.01 08:45

hebammen meinen…

…jede menstruation sei in gewissem sinne eine vorbereitung auf die schwangerschaft und geburt. man kann sicher sein, dass alles gut funktioniert, und das gewebe ist auf abstossung und rückbildung trainiert. wenn man das aber unterbricht, könnte es durchaus zu problemen kommen.

aber alles weitere möchte ich den mitlesenden herren dann doch ersparen ;)

tera, 09.01 12:38

Wieso?

Herren müssen auch trainieren, für das Hardcore-Zugucken bei der Geburt. Wer da schon wegen ein bißchen Menstruationstext umkippt, soll zur Geburt besser wen anders mitgehn lassen :o)

(Was red ich eigentlich? Ich will eh kein Kind und such auch keinen geburtsfesten Mann….)

Irene, 09.01. 12:46

Geburtsfest muss er nicht sein

Aber wenn er beim Wort Menstruation o.ä. schon umkippt, ist er wahrscheinlich ohnehin nicht zu gebrauchen. ;)

Chronistin, 09.01. 16:25

Re: Frauen, funktioniert!

Sicher ist, dass, wenn das Zeug funktioniert, der Mann reicher wird als Carl Djerassi.

Trurl, 09.01 16:07

 

The good wife’s guide

Sollte sich 1955 eine Ehefrau wirklich an diese Regeln gehalten haben (1955! Wir sprechen hier nicht vom finsteren Mittelalter!), dann hätte ich gerne gewusst, wie sie nach all den anderen Dingen auch noch Punkt acht erledigen konnte.

 

[Altkommentare, gerettet:]

Finsteres Mittelalter?

Nach meinem bescheidenen Informationsstand hatten Frauen im Mittelalter zeitweise größere Handlungsspielräume als zuhause mit dem Essen zu warten…..

Irene, 03.10 10:52

najanaja

vermutlich lassen sich für jede zeitepoche beispiele finden, warum es frauen in derselbigen besser/schlechter ging als in der davor / danach. zb könnte ich jetzt sagen, in den fünfziger jahren wurden zumindest keine heilerinnen mehr als hexen verbrannt. aber das ist ja nicht der punkt. sondern die völlige absurdität der vorstellung, die (ehe)frau als dienerin zu betrachten. und, noch schlimmer, dass die (ehe)frau sich selbst als solchige betrachtet. das zieht sich natürlich quer durch alle epochen (inklusive unserer eigenen), aber so klar und ungeniert ausgeschrieben habe ich es noch nirgends gesehen.

Chronistin, 03.10. 11:19

Die öden Fünfziger des Goldenen Westens

In der BRD hatten Männer laut BGB bis Ende der fünfziger Jahre das Recht, die Arbeitsverträge ihrer Ehefrau zu kündigen, und dergleichen mehr. Da paßt doch der Zeitschriftenausschnitt perfekt dazu.

(War mir schon klar, was Du gemeint hast, ich hab halt eine Allergie gegen die Slogans vom finsteren Mittelalter, der steinzeitlichen Brutalität und der alttestamentarischen Härte. Das sind meist Klischees. Hexenverbrennung war zu Beginn der Neuzeit, denke ich.)

Irene, 03.10. 11:34

grundsätzlich stimme ich zu, was die slogans angeht

aber manchmal sind sie ganz praktisch, wenn man mit einem Schlagwort die Konstruktion eines Gedankengerüsts abkürzen kann. Dummerweise wird das häufig missverstanden =8-}

(ist zwar fast schon haarspalterei, aber hexenverbrennungen sind auch aus dem 13. jh. überliefert.)

Chronistin, 03.10. 13:02

Wie auch immer:

Ab jetzt heißt es finstere Fünfziger – klingt auch schlagworttechnisch besser ;-)

Irene, 03.10. 13:29

finstere Fünfziger

klingt gut. obwohl, im kühlschrank war schon licht ;)

Chronistin, 03.10. 14:59

Re: The good wife’s guide

ohne mir das jetzt genau angesehen zu haben: ist es so viel anders?

meine mutter brachte früher frauenzeitschriften kiloweise nach hause und lebt heute noch deren eher inoffiziellen regeln. mich hat das geprägt, leider. ähnliches beobachte ich bei den “jungen mädchen” meiner umgebung, auch daß die prägung sich in z.t. unverhältnismäßigem trotz äußert.

aelis, 03.10 20:17

die wirkung ist wahrscheinlich ähnlich

die message ist eine andere: Die ganzen “Frauenzeitschriften” behaupten doch, die Frauen würden glücklich durch den Schrott, den sie verbreiten (und dann könnten sie auch einen Mann glücklich machen und werden dann noch glücklicher weil er glücklich ist, oder so). Wohingegen obenstehende Anleitung sich den Zwischenschritt des weiblichen Glücks erspart und ehrlich und kurz und bündig gleich das männliche Wohlergehen zum Ziel erklärt, und zwar zum alleinigen Ziel.

Chronistin, 04.10. 09:56

stimmt

da hab ich mehr gelesen als an worten dasteht.

hoffentlich hattest du noch eine gute nacht letzte nacht.

aelis, 05.10. 07:09

 

Doch logisch

Dass in unserer less than perfect World einen Mord manchmal notwehrnötig oder in Einzelfällen auch ohne Notwehr nachvollziehbar ist, macht ihn noch lange nicht “richtig”.

Abtreibung aber ist kein Mord. Eine Handvoll sich teilender Zellen in meinem Körper ist kein Mensch.

Doris Lessing und der Feminismus

Der dieStandard-Artikel ist schlecht und polemisch übersetzt. Im Original steht:

Lessing claimed that much of the “great energy” whipped up by feminism had “been lost in hot air and fine words when we should have been concentrating on changing laws.“

dieStandard übersetzt:

[Lessing] suchte Distanzierung vom Komplex Feminismus, dessen “große Energie in heißer Luft und schönen Worten verloren gegangen” sei, wie sie in Edinburgh betonte.

The Guardian zitiert:

“It has become a kind of religion that you can’t criticise because then you become a traitor to the great cause, which I am not.”

dieStandard übersetzt:

[nichts]

The Guardian schreibt:

Lessing also revealed she is not going to write a third volume of her autobiography because she did not want to offend so “many great and eminent people by reminding them of their silliness. I just can’t be bothered, to be honest”.

dieStandard übersetzt:

Schreiben will Lessing künftig nicht mehr, zumindest nicht den dritten Teil ihrer Autobiografie. Es kümmere sie nicht mehr.

Ein Lehrstück zum Thema sinnentstellendes Weglassen.

 

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