KategorieSprache & Wörter

Ein neues Wort

Biosphärenreservat. Auch wenn es eher nach Raumschiff Enterprise klingt, ist es in einer Dokumentation über das Donaudelta gefallen. “Öko-Agenten” gibt es dort auch.

Besser Schweigen

Jemandem mitteilen wollen: “Manchmal bist du zum knutschen!” und es dann nicht tun, weil es ja völlig falsch ankommen könnte; der Inhaltswandel des Wortes “Knutschen” von teenagermäßig bedeutungsschwangerer Hoffnung zu zielloser Sympathiebekundung muss ja nicht bei jedem vollzogen worden sein. Minutenlang nach einem anderen Wort gesucht; “drücken” drängt sich auf, wohl wegen der vielen dämlichdeutschen Fernsehfilme, aber abgesehen davon dass ich dieses Wort in dem Kontext ohnehin hasse, hat es so einen Beigeschmack von Ernsthaftigkeit und Schmerzlinderung, der in meine Mitteilung nicht hineingehört; “knutschen” ist zwar auch ein nicht sonderlich schönes Piefke-Wort, würde aber immerhin den das übermütige Grinsen ausdrücken, das ich angesichts des überschwenglichen Auslösers im Gesicht hatte. Zumindest für mich würde es das ausdrücken; aber für jemand anders drückt es wahrscheinlich ganz etwas anderes aus; es ist ein Kreuz mit den Wörtern, vor allem mit den jüngeren. Mit den anderen aber auch, für mich zumindest; da oben nach neuer Rechtschreibung “überschwänglich” zu schreiben, konnte ich mich einfach nicht überwinden, weil das mit dem “ä” so üppig & vulgär aussieht, ungefähr wie Schunkeln auf dem Oktoberfest, während dasselbe Wort mit “e” eher an Scarlett O’Hara denken läßt, die sich ihrem Rhett wohlfrisiert und elegant an den Hals wirft; aber das nur am Rande. Jedenfalls dann beschlossen, gar nichts mitzuteilen und das auch nicht schade zu finden.

Schicksal

Gerade beim Rumprogrammieren “kalender.fateheader” getippt anstatt “kalender.dateheader”. Kurz das Anlegen einer Rubrik namens “sinnvolle Tippfehler” überlegt.

“Die Fans lieben die komplexe Trivialität der Rhythmen”

Aha.

[Ein ORF-Reporter über die fantastischen Vier]

Worte, die die Welt nicht braucht

Dynamic Stopf-Express”, auf die Seite eines Schienenbaufahrzeugs hingewerbungt, hätte mich beinahe dazu gebracht, mich an meinem Kaffee zu verschlucken.

Später in global-fauna-strotzendem Garten fremde und eigene Musik. Noch später ein sich rundender Mond, der sich hinter dem einzigen Wölkchen weit und breit zu verstecken sucht, und nochmals das beruhigende Klackern von Stahlrädern auf Schienen.

Dabei ständig das Gefühl, dass ich ein paar Schritte weiter gehen sollte.

Sprachcodes

“Er ist beim letzten Termin hängengeblieben” übersetzt sich vordergründig als “Er spricht gerade mit jemandem, der wichtiger ist als Sie” – die unbeantwortete Frage ist, ob der solchermaßen als unwichtig klassifizierte Termin in die zweite Verständnisebene übertritt, in der die ganze schreckliche Wahrheit zu Tage kommt: “Wir haben keine Ahnung, wo er gerade ist, und warum er diesen Termin, der uns eigentlich ziemlich wichtig erscheint, offenbar völlig ignoriert.”

Ich hätte Physik studieren sollen. Das ist eine sehr lyrische Wissenschaft:

„Der Ereignishorizont spannt sich wie eine nur in eine Richtung durchlässige Membran um das schwarze Loch. Er stellt eine Demarkatiosnlinie zwischen Vergangenheit und Zukunft dar.“

 

Aua

Auszug aus der Bedienungsanleitung einer Samsung VEGA 170 (Okt. 2000, Seite 40):

“Sie aufnahmen besser unter schräge Linien – Bereich, wenn den Tele Über – Macro (0,9 ~ 1m) aufnahmen. Denn das Blick-feld nach die Augenlage von dem Photo – graph unterschieden sein”

Spruch drauf

Angesichts der gestrigen U-Bahn-Panne ist mir ein Jahre alter U-Bahn-Fahrer-Ausspruch wieder eingefallen, der mich damals in seiner sprachlichen Wucht beinahe unter die Bänke gefegt hätte.

Es war die U6, Station Niederhofstrasse. Die U-Bahn-Garnitur stand lange, sehr lange. Schliesslich entschloss sich der Fahrer, den Fahrgästen etwas Information zukommen zu lassen. Die Lautsprecheranlage schaltete sich mit einem heftigen Knacken ein. Dann ein kräftiges Räuspern, eine spannungsfördernde Pause, und schliesslich eine Stimme, die sich bemühte, ihren zutiefst wienerischen Slang zu verbergen:

Sehr geehrte Fahrgäste. Damen und Herren. Wegen einem defekten Vorderzug, der wo gekuppelt werden muss – Pause – gekuppelt werden wird, kommt es auf unserem Zug zu – lange Pause – kommt es auf unserem Zug zu verzögerter Fahrzeit und verlängerten Stationen – Pause – verlängertem Stationsaufenthalt.

Wir blieben noch eine ganze Weile stehen, aber wo immer sich zwei Passagieraugenpaare trafen, entstand verhaltenes Gekicher. Als Sammler von mehr oder weniger gepflegten Stilblüten habe ich diese wahre Orchidee natürlich sofort in meinem Notizbuch festgehalten.

Weitere Auszüge aus der Sammlung könnten folgen.

der Sonn

In den Kommentaren des Henso-Logs, Verzeihung, der Henso-Website, zitiert Piefke 3000 Rainer Maria Rilke:

Ich denke immer im Sinne von ‘le soleil’ und ‘la lune’, das Umgekehrte in unserer Sprache ist mir konträr, so daß ich immer machen möchte ‘der große Sonn’ und ‘die Möndin’ so geht es einem oft, daß man mit dem äußerlichen Benehmen der Sprache uneins ist und ihr Innerstes meint.

Also, in diesm Sinne: Die Möndin ist voll, und auch wenn der Sonn zur Zeit nicht scheinen will, reicht das doch, um ziemlich seltsam drauf zu sein. Wie? Nein, ich bin nicht die Möndin. Und voll bin ich auch nicht. Noch nicht.

 

Unverhoffte Alltagslyrik

Aus dem Reich der Botanik: Dort gibt es den Schlupfstengeligen Sterbeschön (und so sehr ich mich auch bemüht habe, ich konnte keinen Link dazu auftreiben).

Mythos?

amantes_teruel
Die Liebenden von Teruel: 2 Marmorfiguren auf Särgen. Auf ewig Hand in Hand.

D: Ich musste mich endlich von diesem Mythos befreien.

Mythos:

Nicht das Gefühl ist der Mythos, sondern der Wunsch, es behalten zu wollen. Ist fast wie der Wunsch nach einem Dasein ohne Zeit und Raum. (Mutterleibssehnsucht?) – Aber: Nur, weil etwas nicht ewig dauert, muss ich es mir doch nicht verwehren?

Wäre die richtige Antwort gewesen, ist mir aber natürlich erst viel später eingefallen, nach dem Gespräch.

Coupland schreibt: Bei einigen von uns ist die Verbindung zwischen Liebe und Sex vor Jahren zerbrochen. Und wenn sie einmal zerbrochen ist, kann sie nie mehr wiederhergestellt werden.

 

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