Die Zeit, die Veränderung und die Langeweile

Ich weiß nicht, ob es wirklich diese Tage gibt, an denen sich bestimmte Trigger häufen, oder ob das, wie der Sufi behaupten würde, nur selektive Wahrnehmung ist. Ich weiß auch nicht, ob mich das wirklich interessiert. Und vielleicht hat dieses Nicht-Interessieren ja auch mit all den Weblog-Einträgen zu tun, die ich in letzter Zeit nicht schreibe. Ich meine nicht die, die ich nicht schreibe, weil ich denke, dass jemand sie in den falschen Hals bekommen könnte, oder die, die ich nicht schreibe, weil ich nicht sicher bin, ob ich wirklich so viel von mir preisgeben will (als hätte ich in all den Jahren nicht schon reichlich genug von mir preisgegeben). Ich meine vielmehr die Einträge, die ich nicht schreibe, weil alles irgendwie irgendwann eh schon Mal dagewesen ist. Ich meine sowas wie:

Das erste Gewitter des Jahres pladdert auf meine Fensterbänke, als würde es hageln. Draußen am Gang riecht es nach Apfelkuchen. Ich lasse mir die Haare nassregnen auf dem Weg zum Supermarkt, und die Omi am Fenster sieht mich an, als wäre das ein Kapitalverbrechen.

Nun, dass alles hatten wir schon irgendwann einmal. Wir hatten Gewitter, sogar erste Jahresgewitter, den Kuchengeruch am Gang (obwohl das, ohne jetzt nachzuschlagen, damals glaube ich Schokokuchen war). Wir hatten nassgeregnete Haare und böse-schauende Omis, obwohl die, glaube ich, wiederum ohne nachzuschauen, bisher in keinem Zusammenhang miteinander standen. Ist ja auch egal.

Wozu also noch einen Chronik-Eintrag schreiben, wenn ohnehin nur altbekannte Elemente darin auftauchen? Früher habe ich das mehr wegen der Sprache gemacht, aber auch die langweilt mich. Meine Sprache, also. Wahrscheinlich hab ich einfach schon zu viel von mir gelesen.

Heute jedenfalls, kurz nachdem ich auf dem Weg zum Einkaufen den oben angerissenen Blogeintrag entworfen und wegen mannigfacher Beinahe-Wiederholungen wieder verworfen hatte, stolperte ich, unabsichtlich, aber offenbar nicht ohne Absicht des Schicksals (außer es handelt sich um die oben schon angesprochene selektive Wahrnehmung), in meine Profilseite auf einem Forum, indem ich seit ca. 5 Jahren regelmäßig schreibe. Und schwamm mit nicht ganz unsimentaler Verwunderung durch alle Einträge, die ich in dieser Zeit verfasst hatte, was ungefähr dreimal so viele waren, wie ich vermutet hätte, wenn ich je darüber nachgedacht hätte.

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