Ein Tag in Tozeur

hg-146_400x300[Anläßlich des zweiten Pink-Wüstenboogies. Die Fotos sind mit einer Fuji-Wegwerf-Kamera gemacht, deren Objektiv teilweise starke Verzerrungen produziert, und die Belichtung ist in der Mitte stärker als am Rand. Very authentic trashy.]

6 Uhr

Der Gesang des Muezzins weckt mich. Im warmen Bett höre ich die Stimme mit der fremden Intonation, die mittlerweile so vertraut ist wie der eigene Radiowecker. Dann schlafe ich wieder ein.

7:58 Uhr
Minuten vor dem Fiepen meines Weckers werde ich wach, statte dem Bad einen Besuch ab und ziehe mich an. Irgendwo in diesem Prozess fallen Sätze wie: „Der blöde Sand ist auch überall“ oder „Wo hab ich bloss gestern…“ oder „Vielleicht hätte ich das letzte Bier doch nicht trinken sollen…“. Da ich ein Einzelzimmer habe, antwortet niemand.

8:20
Ich verlasse das dunkle, warme Zimmer und trete hinaus in den kühlen, grellen Morgen. Der etwa so warm ist wie ein warmer Maimorgen bei uns. Alles ist relativ. Bevor ich die Tür schliesse, greife ich in die Tasche nach dem Schlüssel. Der ist da. Also auf zum Frühstück.

8:22
Ich betrete den Speisesaal. Die meisten Tische sind leer. Ein paar Schurken sitzen in einer Ecke, Diana und Marion als einzige am Tisch der „ersten Wüstenkinder“. Ein Blick auf die gedeckten Tische enthüllt, dass die meisten erst kommen werden. Ich hänge meine Jacke über den Sessel und stelle fest, dass das Buffet sich seit dem gestrigen Tag nicht wesentlich verändert hat. Heute gibt es roten Saft, der ist nicht so gut wie der gelbe aber besser als der giftgrüne. Nach kurzer Überlegung entscheide ich mich für Cornflakes mit Milch.

8:35
Der Kaffee ist immer noch nicht besser geworden. Trotzdem trinke ich eine dritte Tasse. Nach gemurmelten Guten-Morgen-Grüßen, Eintreffen weiterer Wüstenkinder und einigen halblauten Sätzen steigt das erste Kichern von unserem Tisch auf. Ich suche zum zweiten Mal das Buffet auf, um meine Tagesjause zusammenzustellen. Dann eine Zigarette.

8:50
Ich kehre ins Zimmer zurück, putze mir die Zähne und stecke die Orange von gestern Abend, mehr Zigaretten, den ProTrack und etwas Klopapier ein. Mit der Wasserflasche in der Hand und der Sonnenbrille im Haar bin ich bereit, dem Tag gegenüberzutreten. Als ich die Tür von außen schließen will, fällt mir ein, dass der Schlüssel noch im Bad liegt. Gerade noch rechtzeitig. Auf dem Weg zum Parkplatz begegnen mir verschlafene Wesen, die versuchen, sich an den Weg zum Speisesaal zu erinnern.

9:02
Fünf etwas bettwarm aussehende Gestalten auf dem Parkplatz und noch immer kein Jeep. Ich verschicke meine Guten-Morgen-SMS. Dann rauche ich noch eine. Ich bin froh, dass ich meine Sonnenbrille habe, es ist sehr hell. Ah, da kommt der Jeep.

9:03
Der Jeepfahrer will nicht fahren, bevor der Jeep voll ist. Erfreulicherweise erscheinen in derselben Minute noch zwei Springer. Einer setzt sich beinahe auf das Joghurt in meiner Jackentasche. Zum Glück nur beinahe. Wir fahren die neue zweispurige Straße zum Flughafen, vorbei an frühmorgens gelangweilt aussehenden Ladenbesitzern. Der Jeepfahrer murmelt leise arabische Beschimpfungen vor sich hin, sobald ein anderes Auto in Sichtweite kommt. Wir bleiben stehen, um eine Schafherde über die Straße zu lassen. Dann der Flughafen. Die Jumbos stehen noch da. Wir steigen aus.

9:09
Ich habe meinen Pass vergessen. Die diensthabende Wache zeigt sich gnädig und akzeptiert stattdessen meinen Führerschein.

9:11
Ich hole meinen Schirm aus dem Schuppen und bereite ihn auf den ersten Sprung vor. Dann ziehe ich die Kombi an. Dabei stelle ich fest, dass mein Knie von der gestrigen harten Landung ziemlich blau ist. Was solls. Den Besen holen und den Sand von der Matte kehren. Der Sprungtag kann beginnen.

9:13
Die Relativspringer üben für den ersten Sprung. Diana und Marion haben beschlossen, dass es viel zu kalt ist, um jetzt schon einzusteigen. Jürgen hat sein Gear schon an. Markus schaut zweifelnd, zieht aber nach dem 5-Minuten-Aufruf doch die Karte durch den Leser und steigt auch in die Gurten.

9:23
Das Brummen der ersten Load hängt in der Luft. Die Maschine ist fast voll, der Platz fast leer. Wer so früh aufgestanden ist, will auch gleich einsteigen. Wer nicht gleich einsteigen will, schläft normalerweise ein Stündchen länger. Am Manifest herrscht gepflegte Fadesse. Das ist den männlichen und weiblichen Manifest-Tussis nach dem Stress der letzten Tage gar nicht unrecht.

23a-1479:25
Ich liege auf der Matte, rauche und warte auf die zweite Load. Der Wind stimmt. Alles stimmt. Dass ich nicht in die erste Load eingestiegen bin, ist plakativer Aberglaube. Solche kleinen Macken wollen kultiviert werden. Die Männer auf der Baustelle nebenan arbeiten und schauen zu uns herüber, wie sie jeden Tag arbeiten und zu uns herüber schauen.
Pavel sagt, er möchte jetzt eigentlich schon nach Hause. Ich nicht. Die Männer auf der Baustelle zünden ein Feuer an, dort wo später wohl die Eingangstür sein wird. Obwohl die meisten die meiste Zeit mehr schauen als arbeiten, ist das Gebäude seit unserer Ankunft um ein Stockwerk gewachsen. Das Feuer im Sonnenlicht erscheint seltsam durchscheinend. Dass der Ruß Beton und Ziegel schwärzt, stört niemanden.

9:27
Aus der nostalgisch-futuristischen Soundbox tönt 80er Revival Musik. Nicht einmal das stört mich. Mir ist, als wäre ich geboren worden, um genau jetzt genau hier zu sein. Nichts fehlt und nichts ist zuviel.

18a-1459:29
Ich beschliesse, das Klo aufzusuchen. Drei Flughafenangestellte sitzen auf der Bank hinter dem Gebäude in der Sonne und singen arabisch vor sich hin. Leise und relaxt. Auf dem Holz klopfen sie den Rhythmus dazu. Erstaunlich schön.

9:35
Ich liege wieder auf der Matte und schaue in die Luft. Als sich das Brummen der Skyvan absetzverdächtig verändert, rapple ich mich auf und schlendere nach vorne zum Mäuerchen, um die ersten Landungen zu betrachten. Die Luft so klar, man sieht bis zu den fernen Bergen, man sieht sogar die Strukturen der Hänge. Ich lege mich auf die Mauer, die ist erschreckend kühl gegen die schon fast kurzelärmelwarme Luft, und entdecke nach kurzem Suchen den Flieger. Im Morgenlicht sieht man die Gruppen gut beim Aussteigen. Ich verfolge die erste, die größte, bis ich das Freifallsausen deutlich hören kann.

9:36
21a-142Im tiefblauen Himmel entfalten sich nach und nach 21 bunte Blüten. Sie tanzen und kommen näher, der Windrichtung wegen alle auf mich zu. Ich denke verzückt, dass das zu den schönsten Anblicken gehört, die ich kenne.

9:37
11a-143Das Rauschen von Wuzis wagemutigem Landeanflug tönt zum ersten Mal an diesem Tag über den Platz. Wie üblich halte ich die Luft an, als er mit einem Fuss auf dem Asphalt die Strasse entlang surft, und atme auf, als er grinsend dasteht und den Schirm einsammelt. Das gleiche wiederholt sich kurz darauf bei Wolfs Landung.

9:41
Die Sonne brennt schon im Gesicht, aber der Boden ist kühl. Die Pink landet und wird abgestellt. Ist noch zu früh für Folgeloads, die letzten Barschwärmer von gestern Abend haben sich noch nicht blicken lassen.

10:05
Da ist der Aufruf für die zweite Load. Ich ziehe mein Gear an, nehme Helm, Brille und Höhenmesser und stelle mich in den Schatten. Jürgen und Markus sind auch wieder drin, Marion und Diana frieren noch.

10:10
24a-148.previewIch frage Jürgen, ob er mir zeigen kann, wie er das mit dem Sitzen macht. Er will das gleich richtig angehen, mit einem gelinkten Sitzexit. Ich nicht. Er wird trotzdem mit mir springen, tratscht aber noch mit den Relativen.
Markus und ich schlendern als erste zur Skyvan, sind uns aber einig, dass das bei weitem nicht so cool aussieht wie die Flyboyz am Anfang von Crosswind. Und das nicht nur wegen der fehlenden Zeitlupe.

10:12
Die meisten sitzen schon. Pilot Dieter kommt und meint, man möge ihn informieren, wenn Gregi am Horizont erscheint, damit er die Motoren zum richtigen Zeitpunkt anlassen kann. Gurte werden geschlossen, Exitreihenfolgen festgelegt. Wir warten. Ich spreche mit Jürgen noch einmal unseren Sprung durch.

10:16
Gregi erscheint am Horizont. Die Motoren werden angelassen.

lastyear-14010:18
Die Skyvan rollt, beschleunigt und hebt ab. Ein Schüler fingert neben mir nervös an seinem Gear herum, und ich denke an mich im Vorjahr und bin froh, dass ich nicht mehr zittere. Wir steigen auf 300m, in etlichen Helmen piepst ein Protrack. Abschnallen und den Helm abnehmen. Ich lehne mich zurück und schließe die Augen, konzentriere mich auf unser Programm.

10:23
Andrea singt zum ersten Mal heute: This ain’t a song for the broken hearted…

10:28
Wir erreichen 3700m, Brillen und Helme werden aufgesetzt, die ersten stehen auf.

10:30
Alle stehen. Die RelativGruppe rund um Skip hat heute einen besonders unverständlichen Schlachtruf (Hört sich an wie Gulu-Gulu-Go. Hm.). Wir anderen brüllen „Haha Schurke“. Kurz darauf wird deutlich, dass jemand gestern zu viel Zwiebelkartoffeln gegessen hat. Zum Glück erreichen wir gleich darauf 4200m, das rote Licht geht an, die Tür wird aufgemacht, und alle kriegen wieder Luft.

10:31
Ich versaue den Exit vor Lachen, weil Jürgen tatsächlich das gestern im Scherz vorgeschlagene „Oh-Du-Scheiße“ zum Einzählen verwendet. Wir überschlagen uns kurz, werden dann aber stabil. Ich krieg zum Sitzen zwar die Beine nach unten, die Hände aber nicht weit genug nach hinten. Jürgen streckt mir die Zunge raus. Ich ihm auch. Danach schaffen wir noch drei relativ-Punkte und trennen uns zufrieden auf 1500m.

10:33
Der brave Schirm geht auf, wie er bis jetzt noch immer aufgegangen ist. Alles im grünen Bereich. Ich finde, dass die Landschaft im Sonnenlicht zu schön ist um sich schnell hinunterzuschrauben, und drehe langsame weite Kreise. Der Salzsee gleißt in der Sonne, und die Stadt schaut von hier oben so gutorganisiert angelegt aus, dass ich an SimCity denken muss.

10:35
Jemand fliegt in mein ausgeklügeltes Landing Pattern. Ich kurve vorsichtshalber andersrum und grummle leise: „Mist, schon wieder ein Stück zu laufen“.

10:36
Wegen des blauen Knies und des Ziehens im Oberschenkel lande ich extra vorsichtig auf den Zehenspitzen und versuche nicht, im Sand dahinzusurfen. Der Schirm fällt vor mir auf den Boden, ausgerechnet dort, wo ein großer Dornenbusch steht.

10:39
Ich habe den Schirm aus dem Dornenbusch befreit und beschlossen, heute packen zu lassen. Auf dem Weg dahin fällt mir auf, dass ich vor mich hin grinse. Offensichtlich geht es mir gut.

12a-13910:41 – 16:43
Ich fliege. Ich schaue. Ich springe. Ich packe. Ich rauche. Ich tratsche. Ich jausne. Ich springe. Ich lasse packen. Ich springe. Ich geh spazieren. Ich springe. Ich liege herum. Ich liebe jede Minute davon. (Sprungdetails hier und hier)

16:44
Ich schreibe in mein kleines Buch: Die Welt ist voller Zeichen und ich male Zeichen in den Sand. Schriftzeichen, Denkzeichen. Alle sind gut. An manchen Tagen kann ich gar nicht schnell genug packen, um in die nächste Load zu kommen für den nächsten Sprung, für diese eine, immer einzigartige Minute der Freiheit.
000a-149Dann wieder sitze ich lange auf der Mauer und schaue hinaus in die Wüste, hinüber zu den Bergen, ob man sie nun klar sieht oder verschwommen oder gar nicht, und ich denke, ich könnte für immer so sitzen bleiben und in den Sand hinaus schauen, regelmäßig erblühen die bunten Schirme aus dem ewigen Blau und füllen die beruhigende Leere für zwei oder drei kurze Minuten mit Leben, verläßlich wie Ebbe und Flut, aber auch ohne diese Blüten könnte ich hier sitzen bleiben und schauen, bis ich alt werde und zu Staub zerfalle, und ich hätte nichts versäumt.
Dann lese ich mir durch, was ich geschrieben habe, und finde es seltsam pathetisch und gleichzeitig nichtssagend verglichen mit dem wirklichen Gefühl.

22a-14416:49
Uschi sagt durchs Megaphon, dass die Sunset-Load nach Chebika geht. Ich denke, wie schön es dort ist und greife nach meiner Magnetkarte. Dann denke ich ans Packen ohne Packmatte und an die Stromleitung und an den aufgefrischten Wind und bleibe sitzen. Ich frage mich, ob das feige oder vorsichtig ist, und dann noch, warum jetzt schon wieder von der Sunset-Load die Rede ist, es war doch eben erst Mittag.

16:55
Die Außenlander haben ihre Sprünge geprobt und suchen langsam ihr Zeug zusammen. Ich räume meinen Schirm weg und schlendere in Richtung Parkplatz. Neben mir unterhalten sich zwei, der eine sagt: „Heute war ich faul, das waren nur 7 Sprünge.“. Ich grinse und denke, dass ich noch nie mehr als 5 gemacht habe. Ist ja schliesslich Urlaub.

16:56
12 Leute auf dem Parkplatz. Mit ein paar anderen beschließe ich, das heuer neu eröffnete Buffet aufzusuchen, bis der Jeep seine Runde beendet hat.

17:10
Der Kaffee ist leer, der Jeep kehrt zurück. Heute kein neuer Rekord, wir sind nur 10 Leute. 13 samt Gepäck in einem Wagen gestern war schon ganz gut.

bier-13817:17
Ich erreiche mein Zimmer, werfe einen Blick auf den Laptop voller wartender Arbeit, einen zweiten auf mein spannendes Buch und beschließe, zuerst schnell ein Bier trinken zu gehen.

17:49
Mein Bier geht dem Ende zu. Geschichten und Gerüchte sind ausgetauscht, jetzt könnte ich eigentlich arbeiten. Da tauchen die ersten mit einem Handtuch um die Hüften auf. Der Hammam ist eröffnet.

17:57
Ich tauche mit einem Handtuch über der Schulter im Hammam auf. Die Arbeit wird leichter fallen, wenn ich erst einmal sauber bin.

18:20
Der Sand ist aus den Poren gedampft, und ich geh kalt duschen. Und weil es so schön war, zurück in den heißen Dampf.

18:40
So, jetzt bin ich ganz sauber.

18:42
Zurück im Zimmer, Zeit für die Pflege der vom Packen aufgerissenen Finger. SMS schreiben. Was ziehe ich morgen an?

18:55
Jetzt könnte ich wirklich endlich arbeiten. Moment mal, müßten nicht die Außenlander schon wieder da sein? Was die wohl zu erzählen haben? Vielleicht hat jemand ein Video gemacht? Also nochmal zur jetzt deutlich vergrößerten Runde vor der Bar. Arbeiten kann ich auch nach dem Abendessen.

19:05
Coole Videos. Vielleicht hätte ich doch mitfliegen sollen. Noch 25 Minuten bis zum Abendessen. Jemand zahlt eine Runde Bier.

19:08
Der Kellner bringt Erdnüsse und Kichererbsen. Noch 22 Minuten bis zum Abendessen. Wolf schreibt unter allgemeiner Beteiligung einen Tagebucheintrag.

19:11
Prost! Noch 19 Minuten bis zum Abendessen. Thomas erzählt einen schmutzigen Witz.

19:15
Noch 15 Minuten bis zum Abendessen. Alle sind froh, dass Andrea nicht im Gefängnis ist.

19:19
Noch 11 Minuten bis zum Abendessen. Wolf wird mit Kichererbsen beworfen. Verzweifelte Kämpfe um die letzten Erdnüsse brechen aus. Jemand zahlt eine Runde Bier.

19:23

Noch 7 Minuten bis zum Abendessen.

19:25
Noch 5 Minuten bis zum Abendessen.

19:26
Noch 4 Minuten bis zum Abendessen. Die ersten stehen hoffnungsfroh vor der verschlossenen Tür des Speisesaals.

19:27
Noch 3 Minuten bis zum Abendessen. Jemand zahlt eine Runde Bier.

19:28
Noch 2 Minuten bis zum Abendessen.

19:29
Noch 1 Minute bis zum Abendessen.

19:30
Warum ist der Speisesaal noch nicht offen?

19:32
Die Tür zum Speisesaal geht auf. Die hungrige Meute verteilt sich an die Tische. Das Buffet hält auch heute wieder, was keiner je versprochen hat.

20:48
Die Töpfe sind leergeräumt, die Springer gesättigt, alle anderen Gäste völlig eingeschüchtert. Die Kellner gehen von Tisch zu Tisch und erklären: „Wir jetzt zahlen Wein und Bier und Wasser“. Das heißt natürlich, dass wir zahlen sollen, weil sie kassieren wollen.

21:07
Eine Orange fliegt quer durch den Raum und Jürgen fängt sie, wobei sie aufplatzt und ihren Saft im Umkreis von 1 1/2 Quadratmetern verteilt. Die Kellner schwärmen aus, um die Schuldigen zu bestrafen. Nach eingehenden Befragungen stellen wir fest, dass es sich um eine Flugorange handeln muss, denn geworfen hat niemand.

21:15
Die Kellner haben kassiert, was es zu kassieren gibt, und freiwillige wie unfreiwillige Trinkgelder eingesteckt. Seltsam, dass nie Kleingeld da ist, wenn man es herausgeben sollte… Jetzt gehen sie von Tisch zu Tisch und verlangen unerbittlich den Rückzug aus dem Speisesaal. Auch gut, da kann ich endlich ein bisschen arbeiten.

21:16
Jemand fragt: „Aber wir gehen schon noch kurz in die Bar?“ Ich denke an meinen Laptop und an mein Buch und nicke dann zustimmend.

21:18
Alles trifft sich in der Bar. Die ersten haben schon ihr Bier in der Hand. Der Flipper ist noch immer kaputt. Die Kugelausgabe beim Billardtisch klemmt. Der Barmann zuckt die Schultern.

21:19
Ich hole mir ein Bier. Jemand bittet den DJ, den Arab-Techno durch Rockmusik zu ersetzen. Alle warten gespannt, was man morgen für Gerüchte verbreiten kann.

21:20
Aus den Lautsprechern tönt This ain’t a song for the broken hearted…

21:21
Alle singen mit.

21:45
Mein Bier ist leer. Ich stelle die Flasche weg und beschliesse, heute früh schlafen zu gehen.

21:46
Auf dem Weg zum Ausgang drückt mir jemand ein volles Bier in die Hand. Der DJ spielt „Wake up“ von RATM.

21:49
Hardrock continued. Es findet sich sogar ein Headbanger. Peter beschimpft die Umstehenden.

03b-14121:54
Dagi hat unvorsichtigerweise erzählt, dass sie heute ihren 500sten Sprung gemacht hat. Obwohl sich die Meute vollständig versammelt, wird sie nicht versohlt, sondern geküßt. Sie kann ihr Glück nicht fassen, bis sie feststellt, dass Wuzi und Mike nicht mehr loslassen. Das verzweifelte „Nein, bitte net in den Swimmpingpoooooool!!!!“ endet in einem kräftigen Platsch.

22:05
Mein Bier ist halbvoll. Jemand drückt mir ein volles Bier in die Hand. Aus den Lautsprechern kommt „This ain’t a song for the broken hearted…“.

22:20
Ich hab heute soviel Bier gekriegt, ich sollte der Gerechtigkeit halber auch eine Runde zahlen. Ich drücke den Umstehenden je eine volle Flasche Bier in die Hand.

23:15
Alle halten Ausschau nach Gesprächsstoff für den nächsten Tag, also nach eventuellen Knutschereien oder Alkoholleichen. Leider ist heute keins von beiden zu sehen. Aus den Lautsprechern tönt This ain’t a song for the broken hearted…. Alle singen mit.

23:20
In einem unbeobachteten Moment stelle ich meine fast volle Bierflasche auf der Fensterbank ab und flüchte. Noch in der Tür versucht jemand, mir eine volle Flasche Bier in die Hand zu drücken, aber ich umlaufe ihn elegant.

23:21
Ich erreiche mein Zimmer und atme auf.

23:24
Leises Schnarchen dringt aus Zimmer 111.

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