Eingewöhnen, Mobil werden, Strand, Musik

Der nächste Morgen graute nicht, er sonnte. Was uns durchaus recht war. Nach einem stärkenden Frühstück (hätte beinahe in Stress ausgeartet, da nur bis 11h erhältlich) machte sich der Sufi auf, um einen fahrbaren Untersatz zu besorgen. Ich hatte ein wenig Mühe, ihn davon zu überzeugen, dass ich nicht an ihn geklammert mit dem Roller über die Insel donnern wollte, aber ich war ganz sicher, dass ich das nicht wollte. Mir wurde daher ein Fahrrad zugedacht, was ich angesichts der Ausdehnung der Insel auch nicht ganz einsah. Ich bin immer gern gewandert. Man sieht mehr, hat mehr Zeit zum Fotografieren, und überhaupt. Aber an irgendetwas, das Räder hat, führte offenbar auch für mich kein Weg vorbei. Ich zog mich (zur Arbeit, nicht zum Vergnügen) ins Internetcafe zurück, um darüber nachzudenken.

Als ich wieder auftauchte, präsentierte der Sufi stolz seinen temporären fahrbaren Untersatz. Knallrot und mit etlichen PS ausgestattet, bereits mit Hängematte (von der noch die Rede sein wird) beladen und quasi zu allem bereit. Des Sufis Grinsen sagte mir, dass er das auch war, brachte mich aber trotzdem nicht zum Aufsteigen. Standhaft machte ich mich auf den Fussweg nach Es Pujols (von unseren Freunden mehr oder weniger liebevoll “Puschelsdorf” genannt), um das Fahrrad zu holen, von dem ich immer noch nicht wusste, ob ich es eigentlich wollte.

Denn man konnte von der Hauptstraße aus problemlos das Meer sehen, es war nicht allzu weit weg. Und zu Fuss hätte man sicherlich auch kleine Wege gefunden, auf denen einem nicht pausenlos Mopeds, Roller, Motorräder, Buggys und Leihautos um die Ohren fuhren. Der Verkehr wirkte wirklich nicht sehr nett, aber immerhin gab es einen Fahrradweg. Und die Sonne schien. Und, habe ich das überhaupt schon erwähnt? – warm war es auch. Also, im Prinzip alles andere nicht so wichtig.

Am Ortseingang von Es Pujols holte mich knatternd und stinkend der Sufi ein. Nun, genaugenommen war es nicht er, der stank und knatterte, sondern sein fahrbarer Untersatz. Aber das machte nicht allzuviel Unterschied, weil die beiden für den Rest des Urlaubs ziemlich unzertrennlich waren. Er zeigte mir den Weg zum empfohlenen Fahrzeugverleih, und 35 Euro später saß ich auf einem Mountainbike, 7 Gänge, Rücktritt.

Der Sufi hatte schon so eine Idee, wo er hin wollte, und es ging erstmal bergauf. In langsamem Tempo hatte ich Zeit genug, zu beobachten, dass mein Vorderrad eigentlich gar kein Profil mehr hatte, und zu hören, wie das Gestell bei jeder Pedaldrehung laut knackste. Uhm… naja egal, ist ja schließlich Urlaub.

Die Straße, die ungefähr in die Richtung führte, wo wir hinwollten, endete in einem Gewirr von Ferienbauten. Na gut, dann erstmal einen Kaffee. Wir stellten die Fahrzeuge ab und schlenderten die Pujols-Hafenpromenade ab. Boote und Boots-Slips und dann ein Strand. Mir war klar, ich muss sofort ins Meer. Der Sufi war überraschenderweise einverstanden. Das Meer war überraschend warm, und überhaupt: das Meer!

Anschließend ins nächste nette Strandlokal, dort ein Snack (Muscheln gratiniert, verzichtbar) und dann langsam wieder zurückgeschlendert. Warum wir von da aus nach Nordosten fuhren, hab ich vergessen (das kommt davon, wenn man unterwegs kein Tagebuch führt). Es war sonnig, aber mit angenehm leichtem Wind. Mein Fahrrad und ich gewöhnten uns langsam aneinander. Dass mich so ziemlich alles überholte, was Räder hatte, war mir egal – schließlich war ich zum Vergnügen da. Ab und zu wartete an einer Wegkreuzung der Sufi, um das weitere Vorgehen zu besprechen; ansonsten war es angenehm still. Zumindest, bis der Herr des knallroten Mopeds eine nicht nur unasphaltierte, sondern auch sandige und überaus löchrige Straße zur weiteren Route erkor. Auf selbiger hörte man mich nämlich lauthals fluchen, oder besser: man hätte mich gehört, wenn jemand dagewesen wäre. Dass niemand da war, war immerhin etwas.

Noch besser war, dass am Ende dieser Straße ein wunderbarer Strand mit wunderbaren Wellen wartete, der zum Bodysurfen einlud. Das taten wir dann auch, ich etwas ausführlicher als der Herr Sufi.

Bevor der Sonnenbrand eine Chance hatte, war es aber auch schon Zeit, nach San Ferran zurückzukehren. Schließlich galt es, die Abendgestaltung wohl zu überlegen – und das lässt sich am besten in Sichtweite der Möglichkeiten erledigen. Ein kurzer Spaziergang im Ort brachte (köstliche) Blätterteigtaschen, die mit einem frischen Bier aus der Kneipe schon eine gewisse Grundzufriedenheit schafften.

Nicht nur die Katze, sondern auch wir waren übrigens absolut verblüfft darüber, was so ein harmlos wirkendes Moped alles tragen kann – wenn man sich traut. Langsam füllte sich der Platz, und zwar deutlich mehr als am Tag zuvor – am Abend sollte es Livemusik geben. Wir waren gespannt.

Zuvor noch Abendessen. Wir wählten diesmal die “Fonda Pepe”, wo das berühmte Menü (für das man traditionell auch Schlange steht) aus einer dicken Suppe und Kotelett bestand. Satt und zufrieden dann wieder auf den Platz zurück. Die letzte Anstrengung des Tages bestand darin, sich einen strategisch günstigen Platz für das Konzert zu suchen. Der Sufi suchte und fand eine Bank auf der er auch liegen konnte, ich suchte und fand die Videokamera. Ein wirklich feiner Bluesabend…

Es wurde sehr nett, und irgendwann auch Mitternacht. Happy Birthday, Erwin!

Google Earth File vom 14.9. (mit Bonusfotos!)
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