Etwas muss sich ändern

Und wenn es nur die Haare sind, die will ich jetzt nicht mehr in dem von Anfang an suspekten Blutrot, das in den letzten Tagen immer mehr zu einem grindigen ausgelutschten Zuckerlrosa verblasst ist. Henna drauf, vielleicht wird das wieder. Vielleicht werd ich wieder. Also: Das grünliche Pulver in eine Keramikschale, und dabei tief einatmen, ich liebe diesen Geruch, fremd und verheissungsvoll und trotzdem vertraut vom Anbeginn der Zeit. Und dann Wasser darüber, leicht warm, der Geruch wird stärker. Gut so. Nein danke, keinen Eidotter dazu und kein Bier, das würde nur den Duft verderben, wir nehmen es so wie es ist.

Ein bisschen stehenlassen, derweil ich im Spiegel die Grundlage betrachte. Dieses blonde, dieses kindisch rosarot gewordene Purple, was daraus bloss wird? Es kann nur besser werden.

Natürlich keine Handschuhe zu Hause, natürlich misslingt wie gewöhnlich der Versuch, mit Hilfe von Löffel und Kamm die Hände aus der Sache rauszuhalten, und da es dann ohnehin schon egal ist, verteile ich die erdige Masse mit beiden Händen in den Haaren, langsam und gründlich, nur keine Wurzelspitze auslassen, und dann noch hier ein bisschen und dort…

Und dann die Plastikfolie darüber, und warten. Dabei läßt sich gut ein Buch lesen, ein leichtes, womöglich, und die Wärme genießen, die sich auf dem Kopf ausbreitet. Nur leicht beunruhigt von den Horrorstories, die als Resultat von gebleichten Haaren im Zusammenspiel mit Henna mit Grünlich-Graue Färbung oder gar Haarausfall prophezeien. Und in Gedanken all die Badezimmer abklappern, in denen ich schon eine Spur grünen Pulvers oder bräunlicher Paste hinterlassen habe, glücklich, unglücklich, immer dann, wenn eine Änderung fällig war in meinem Leben hat sie an den Haaren begonnen. Mal sehen ob’s auch diesmal klappt.

Dann, nach einer guten Stunde, den Kopf auswickeln und ab unter die Dusche, erdig rinnt es den Abfluss hinunter und ich widerstehe der Versuchung, jetzt schon den Kopf hinauszustrecken und in den Spiegel zu schauen, erst die Haare mit Shampoo gewaschen und mit dem Handtuch vorgetrocknet, und dann …

… ein warmes Flammenmeer auf dem Kopf, in drei Schattierungen, erstaunlich strahlend und trotzdem nicht grob: Das entspricht mir, das bin endlich wieder ich, und zumindest damit bin ich

zufrieden.

Ja, genau. Ich wollte eigentlich ganz andere Dinge schreiben. Aber davor habe ich mich wieder einmal erfolgreich gedrückt.

Und: Nein, ich werde morgen nicht springen, und: nein, ich werde den genialen Will Oldham morgen nicht live sehen, weil ich nämlich ganz woanders hinfahre, wo ich mich um Dinge kümmern muss, um die mich zu kümmern mir nicht sehr liegt.

Aber dafür werde ich morgen oder übermorgen abends eine liebe alte Freundin treffen, und wir werden das eine und aller Wahrscheinlichkeit nach auch das andere Bier trinken und tratschen, bis die Wände wanken.

 

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