Festplattenabgabe – Nein Danke!

Auch mir sind, von durchaus wohlmeinenenden Mitkünstlern, etliche Mails ins Postfach gewandert, die mich zum Mitmarschieren bei der Demo für die Festplattenabgabe animieren wollten. Das erstaunliche dabei ist, dass die meisten dieser Mails von Menschen kamen, die von einer solchen Maßnahme genau so viel hätten wie ich – nämlich ausschließlich den Nachteil, in Zukunft mehr für die Festplatten zahlen zu müssen. Die Hälfte der Erlöse aus einer solchen Abgabe gehen an die (bei Verwertungsgesellschaften registrierten) Künstler und werden erfolgsanteilig ausegschüttet, das heißt bei Musikern etwa nach dem berühmten Air-play: Wer öfter im Radio gespielt wird, erhält ein größeres Stück vom Kuchen. Anders ausgedrückt: Der Künstler, der ohnehin schon gut verdient, kriegt noch “ein bisschen” mehr. Wer in den Medien nicht vorkommt, kriegt gar nichts. (Und wer sich, wie ich, aus guten Gründen von der AKM verabschiedet hat, kriegt sowieso nix.)

Wie die andere Hälfte verteilt wird, die an “Kulturinstitutionen und Vereine” geht, weiß ich nicht – aber ich weiß, dass die Locations, die mir und meinen künstlerischen Freunden eine Auftrittsmöglichkeit bieten, noch nie etwas davon gesehen haben. Es liegt also die Vermutung nahe, dass auch hier die bereits etablierten, großen Institutionen bevorzugt werden.

Ein Argument der Befürworter der Abgabe ist der Rückgang der Einnahmen aus der Leerkassettenabgabe. Die erinnert mich an einen alten Running Gag in meinem Musiker-Freundeskreis. Jedesmal, wenn der Tonmann in dem kleinen Studio eine leere Kassette in den 8-Spur-Rekorder legte, um etwas aufzunehmen, hielt er die zuvor hoch in die Luft und verkündete: “Eine kleine Spende für unsere notleidenden Künstler Ambros, Fendrich und Konsorten!”

Ohnehin ist der Vergleich ein sehr absurdes Argument. Während man bei den Kassetten immerhin noch vermuten konnte (eine repräsentative Erhebung ist mir nicht bekannt), dass diese hauptsächlich zum Aufnehmen von Musik aus dem Radio oder von CDs und Platten verwendet wurden, ist das bei Festplatten völlig anders. Darauf liegen Programme, Arbeitsdiokumente, eigene Fotos und vieles vieles andere. Wenn dann dazwischen auch Musik und vielleicht e-Bücher liegen, sind die häufig ohnehin schon bezahlt. Die Prozentsätze diesbezüglicher Studien über die Anzahl legaler vs. illegaler Mediendateien variieren je nachdem, von wem sie in Auftrag gegeben wurden, zwischen 70% und 10% legalen Anteils (Quelle: schnelle, unsystematische Google-Befragung). Vor allem Verwertungsgesellschaften legen dabei völlig unsinnige Maßstäbe an. So wurde ich bei einer Umfrage (die mich zufällig als Teilnehmer ausgewählt hatte) gefragt, welchen Prozentsatz meiner Musikdateien ich online erworben hatte. Im Resultat wurde die Fragestellung dann so verdreht, dass in der Grafik nur online erworbene Dateien als legal gezeichnet wurden. Aber natürlich ist es völlig und hundertprozentig legal, eine einstmals gekaufte CD für sich selber zu digitalisieren. Für gute Freunde übrigens auch.

Das alles ist, und das möchte ich auch noch festhalten, erstmal kein Argument für die allseits beschworene “Gratiskultur”. Auch ich will und kann meine Texte, Fotos und Tonträger nicht verschenken – zumindest so lange, bis mir mein Vermieter ein Dach über dem Kopf und der Supermarkt wöchentlich einen Lebensmittelkorb schenkt. Die Produktion von Kunst und Kultur ist Arbeit, kostet Zeit und sollte auch entsprechend bezahlt werden.

Aber die Idee, dass der Nummer-1-Hitparadenstürmer einen Anteil vom Preis der Festplatte kriegt, die ich kaufe, um meine selbstgedrehten Videos zu schneiden, diese Idee ist einfach völlig absurd. Sie ist übrigens auch dann absurd, wenn sich mein Nachbar eine Festplatte kauft, um seine Pornosammlung zu erweitern.

Und daher sollte sie schnellstmöglich entsorgt werden – die Idee, nicht die Festplatte. Dann werden vielleicht auch Denk-Kapazitäten frei, um sich dem Thema in sinnvollerer Form zu nähern.

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This article was written by Andrea

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