Gedanken beim Frühstück

Ob es nicht Zeit wäre, wieder einmal etwas ganz Anderes zu machen. Die alten Fähigkeiten ruhen lassen und sich etwas völlig Neues aneignen. Für ein Jahr oder zwei keinen Bildschirm mehr ansehen. Mit den Händen arbeiten. Mit Menschen arbeiten. Mit der Stimme arbeiten. Dass das ein alter Traum ist, der alle paar Jahre wieder auftaucht. Ob es nicht reifer ist, Träume Träume sein zu lassen. Ob das eine gute Idee ist. Dass sowas nicht leicht ist. Dass die Menschen Erfolg haben, die einfach handeln, anstatt darüber nachzudenken. Ob ich das jemals noch lernen werde. Ob man denn damit glücklich würde. Ob ich nicht in meinem Alter Zufriedenheit wollen sollte statt Glück. Dass ich das vor zehn Jahren auch schon Mal gedacht habe. Dass die Menschen, die versichern, aufs Alter käme es nicht an, allesamt nicht mehr jung sind. Ob das jetzt die Midlife-Crisis ist. Dass der Fortschritt so ganz anders aussieht, als wir ihn uns vorgestellt haben. Ob dieses Gesicht aus dem Halbschlaf vom Leben auch so zurechtgeschliffen wurde wie meines. Dass ich das zum ersten Mal nicht wirklich wissen will. Ob es nicht seltsam ist, dass ich in Marokko mehr Streifenhörnchen gesehen habe als Kamele. Dass die Fussball-EM keinen Spass macht, wenn man die Spiele nur hört. Dass ich mich zum zweiten Mal im Leben nicht erinnern kann, wann und wo ich einen meiner Texte geschrieben habe. Dass mir das bedenklich erscheint. Ob das anderen auch bedenklich erschiene.

Dass es jetzt Zeit ist, den Computer aufzudrehen.

Teilen? Tweet about this on TwitterShare on Google+Share on FacebookEmail this to someone

This article was written by Andrea

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.