immer mal wieder
die frage wieso
man eigentlich aufsteht,
morgens oder
was man eben so
morgen nennt

ohnehin immer das gleiche
rundherum, besser
wird es auch nicht

wieso nicht einfach
liegen bleiben einen tag
nicht lesen nicht schreiben
nichts tun und
nichts lassen

denken, dass
man so etwas nicht denkt
wenn draußen warm
die sonne scheint

abstossend alltäglich,
abhängig zu sein von
unbeeinflussbarer umwelt

regen, regen fällt auf die welt
kann aber nicht behaupten
dass ich nichts dagegen habe

sollte mich dennoch
nicht beschweren,
anderswo ist mehr grund
dazu. 12 millionen
auf der flucht oder
eingeschlossen vom
wasser; svt sprach
gestern von 8 millionen
obdachlosen, mal tief

atmen und denken
ganz österreich
ohne dach

die meteorologen
sind aber nicht
schuld
, das ist nur
die geschichte mit
der nachricht und dem boten,
sie wissen schon.

in schweden haben sie
ja auch eine kleine
überschwemmung
, klein
im vergleich zu
indien, also.

ähnlich wie oben
im kamptal vor
zwei jahren, jemand
hätte einen see
früher ablassen
sollen, die pumpen
zu wenig und
zu schwach, das
fernsehen deckt auf
politiker reden wichtig
in die kameras
die anrainer nicht, die
schöpfen wasser aus
kellern mit eimern

wie lange schöpfen sie
hier? bis es leer ist, der
mann mit dem eimer
lacht dabei; nur die
nachbarin mit dem
deutschen akzent
murmelt etwas von
katastrophe und hat
tränen in den augen dabei
zufall oder mentalität,
man weiss es nicht, ist
ja auch nur fernsehen,
full screen im internet.

drüben in am erika
denkt aber keiner über
kyoto nach, sondern nur
über whoopie goldberg’s
bush
, nachdem sie ihn
mit dem bush der nation
verglichen hat, ein
vergleich, der nur zu
ihren gunsten ausgehen
kann. von hier aus
betrachtet. drüben ist man
entsetzt, ja schockiert. nur
ein einsamer spassvogel
bemerkt, so etwas wäre
längst fällig gewesen, wenn
‘man sich als “bush” noch
einen “dick” ins office holt.’

ach, was haben
wir gelacht. von
hier aus betrachtet. wir
sind ja überhaupt sehr
lustig, außer wenn man
uns etwas wegnehmen will,
die feiertage
zum beispiel oder die
pension. darüber
lässt sich diskutieren,
wohingegen man bei
so einem kleinen
päderasten-skandal
auf die idee kommen
könnte, die mehrheit der
österreicher teile die meinung
des unerträglichen, das
gehe sie einen dreck
an
. wenn aber
wider erwarten
die sauerei nicht
im schlamm verläuft
und der dicke gehen
müsste, dann müsste
man st.pölten in
‘schweinfurt’ umbenennen
kichern sie im forum, ha
ha. ein lustiges völkchen,
wie gesagt.

weniger lustig, schwache
überleitung aber hier
versiegt der assoziationsfluss
anlässlich eines aktuellen
rss-eingangs, weniger
lustig die erlebnisse des
schwedischen guantanamo-
gefangenen, der nach 2 1/2
jahren wieder ‘nach hause
durfte; zweieinhalb jahre
ohne namen ohne zeit ohne
aussenkontakte in einem
gitterkäfig, nach 6 monaten
ungefähr, sagt er, nach 6
monaten täglichen verhörs
mit täglich den gleichen
fragen und antworten hat er
beschlossen zu schweigen,

sagt er, es war ohnehin alles
gesagt viele male, sagt er. statt
dessen hat er begonnen, mit
gott zu sprechen, vorher war er
nicht sonderlich religiös,
sagt er. man hatte ihm
immerhin ein exemplar
des koran gegeben, in
schwedischer sprache, etwas
anderes zu lesen gab es
nicht. schweigend stunden
lang gefesselt im eisgekühlten
verhörsraum, zurück in der
drahtzelle nichts als eine pritsche
einen eimer und den koran. da
muss man wohl mit gott
sprechen. ist ja sonst
keiner da. es gab, sagt
im tv die aussenministerin, schon
anzeichen dafür, dass dort
gefoltert wird, aber, sagt sie,
bei ihrem besuch in
washington hat man ihr
versichert, dass das
nicht der wahrheit
entspricht, sagt sie. wer
würde auch daran zweifeln,
was die us-regierung sagt.

der schwede mit
algerischem familien
background lebt jetzt
übrigens an einem
geheimen ort, bewacht
von der säpo, der
schwedischen sicherheitspolizei
– hier unterdrückt der guillou
leser ein schnauben –
weil nach seiner
rückkehr reichlich
drohbriefe kamen, für so
einen wie ihn hätte die
regierung kein flugticket
zahlen dürfen, man würde ihm
das schon beibringen. er sass mal
im gefängnis, wegen diebstahls,
so einer kann dann auch ruhig
im lager verschimmeln, ganz
ohne prozess meinen sie wohl.

solche meinungen gibt es
ja auch bei uns.

hier möchte man, möchte
ich schliessen und aufgeben,
zurück ins bett, bis
wenigstens der regen aufhört,
der rest hört wohl nicht auf
heute nicht und morgen nicht
und überhaupt, aber so
geht’s ja auch nicht, findet
man denn nichts
hoffnungsfrohes als
gegengewicht? nein,
bestenfalls absurdes.

in der wilden
südsteiermark
hat man nämlich
einen mafiaboss
verhaftet
, auch so eine
unart, jede kriminelle
vereinigung automatisch
zur mafia zu machen.
egal. und dass der erste
satz des artikels ihn sowohl
auf der flucht als auch
auf dem weg in den urlaub
vermutet, ist schon
wieder nur mehr semantisch
interessant. wahrscheinlich war er
auf der flucht in den
urlaub. nach kärnten?

selber wäre ich reif
ohne ein zweites mal
nachzudenken, nach
griechenland zu flüchten,
ganz so wie
damals. wären da nicht
die blöden spiele, ich
glaube ich wäre
schon unterwegs.

weg vom regen, vom
schirm, weg von
den nachrichten.

weg.

wieso nicht einfach
woandershin, nein.
nirgends anders lockt.

& fragen sie nicht
warum sie das jetzt
auch noch hier
lesen müssen, was
überall steht,
sie müssen ja nicht.

& fragen sie nicht
warum ich das jetzt
gezeilt habe

um es etwas ferner
zu halten vielleicht
oder auch nur weil
gerade zeit war,

ein gedicht
ist es nicht.