Ich weiß nicht, ich weiß nicht…

Wie «Manns» kann eine Frau sein und trotzdem als Frau geliebt werden? Wie viel Stärke und Selbstbewusstsein, wie viel Klugheit sowie Witz kann der Mann in einer Frau ertragen, ohne dass er sie fliehen muss? Wenn Freund Dietmar Recht hat, dass, «wenn der Schwanz steht, der Verstand schweigt», gilt dann das Gegenteil erst recht? Wenn eine Frau den Verstand eines Mannes zu reizen versteht, bringt das seinen Schwanz zum Erliegen? Längst bin ich versucht, es zu glauben. […Weltwoche, via malorama]

Auch ich habe schon früh die Mädchenkleider liegen lassen und mir bei diversen Unternehmungen die Knie unter den Jeans blutig geschlagen. Ich habe mit fünf Jahren darauf bestanden, mir die langen Haare abzuschneiden, weil das doch beim Schwimmen viel praktischer ist. In der Volksschule habe ich einen der schlimmsten Großmäuler niedergerungen, weil er der Klasse verkündet hatte, was “Weiber” alles nicht können (die Handarbeitslehrerin stand übrigens kichernd in der Tür und meinte erst nach Minuten, als ich mein Knie endlich fest auf seiner Schulter hatte und ihm gleichzeitig den anderen Arm schmerzhaft verdrehte, dass es jetzt langsam genug wäre). Ich versteh zwar nichts vom Schreinern, aber der Großteil meiner männlichen Bekanntschaft hat keine Probleme, mich um Rat zu fragen, wenn es darum geht, eine TV- oder Stereoanlage zu verkabeln oder in die tieferen Schichten der Computerkonfiguration vorzudringen. Cowgirl war ich auch nie, aber sobald mir jemand zu irgendeinem Ort erklärte, dort könne eine Frau nicht alleine hingehen, war ich schon auf dem Weg.

Als es Zeit war, sich um die erste Beziehung zu kümmern, war ich nie mit den anderen Mädels auf dem Häusl, um Makeup und Lippenstift zu tauschen. Ich stand stattdessen mit den Jungs an der Bar und übte Rauchringe blasen und Schnaps trinken. Zwar ließ ich mich manchmal hinreißen, mich zu Hause vorbereitend anzumalen (einmal hatte ich – ohmeingott – sogar eine Dauerwelle!), aber sobald man wirklich unterwegs war, ging’s um andere Dinge. Wichtige Dinge, wie Musik, Autos oder Philosophie. Ich habe auch nie mehr als einmal darüber nachgedacht, jemanden auf ein Date oder mehr anzusprechen, wenn er mir gefiel.

Und niemals, zu keiner Zeit, war irgendetwas davon ein Problem in meinen Beziehungen, in den langen nicht, in den kurzen nicht, und in den ganz kurzen schon gar nicht. Nicht, dass ich in meinen Beziehungen keine Probleme gehabt hätte, aber solche Probleme hatte ich nie. Nie war ich einem Mann zu selbständig, nie zu gescheit, nie habe ich zu viel verdient und nie war ich zu stark: Ausgesprochen nicht und unterschwellig auch nicht (außer vielleicht ein einziges Mal, da bin ich nicht ganz sicher, aber das hätte aus ganz anderen Gründen ohnehin nicht geklappt). Niemals fand es einer meiner Männer komisch, dass ich manchmal kuscheln will, obwohl ich meine Probleme durchaus selbst lösen kann.

Ich weiß auch nicht. Entweder habe ich mir instinktiv immer gleich die richtigen ausgesucht, die, deren Selbstbewusstsein auch so eine Frau aushält (und ich hab sie mir alle, bis auf einen vielleicht, selbst ausgesucht) – oder ich hatte einfach nur Glück – oder manche Probleme sind wirklich self-fulfilling prophecies.

Immer wieder allerdings – aber das ist ja eigentlich ein ganz anderes Thema – hatte ich ein Problem mit Frauen, denen meine Verhaltensweise ganz und gar nicht geheuer war. Mit Freundinnen, denen es gar nicht recht war, wenn ich die ausgefallene Glühbirne in ihrem Wohnzimmer wechselte – das wäre doch ein Grund gewesen, das bislang nichtsahnende Herzblatt anzurufen (was mir dann, Jahre später, unter Kichern und Zagen “gestanden” wurde – himmelnochmal, hättest du doch gleich sagen können, ich hätte die Birne auch wieder rausgedreht!). Mit Mädels, die mich nach einem interessanten Gespräch mit einem Typen beiseitenahmen und augenzwinkernd meinten, da hätte ich ja einen schönen Fang gemacht – und weiß ich eigentlich, dass er eine Freundin hat? – und um nichts in der Welt davon zu überzeugen waren, dass ich ebengerade ein spannendes Gespräch über Videoschnittsoftware geführt hatte: und nichts weiter.

Manche Dinge wären bestimmt viel weniger Problem, wenn man sie unproblematisch betrachten würde. Und das gilt für beide Seiten.

[Edit][PS] Natürlich habe ich auch genug Männer erlebt, die so ihre Probleme mit selbständigen Frauen hatten. Angefangen vom Mediamarkt-Verkäufer, der mir kein 3-poliges Cinch-Kabel für die Videoanlage verkaufen wollte, weil “alle modernen Geräte mit Scart besser funktionieren” bis zu meinem wiederkehrenden Trauma an der PC-Hotline, als Anrufer immer wieder nach “dem Techniker” verlangten, ohne mich auch nur zu Wort kommen zu lassen. Aber hej, solche Typen hätte ich weder beziehungsmäßig noch sexuell jemals in Betracht gezogen. Vielleicht liegt mein “Glück” ja an der selektiven Vorauswahl?

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This article was written by Andrea

2 thoughts on “Ich weiß nicht, ich weiß nicht…”

  1. Ich trage zwar fast nur Kelider und eigentlich immer Make-up, aber ich bin dennoch mit Technik nicht auf Kriegsfuß, über Kraft- und Fallschirmsport aus und finde Einstellungen, dass Frauen sich lediglich für Themen der „Frauenmagazine“ (würg) interessieren sollten, einfach nur dümmlich.
    Ergo: Zustimmung, liebe Andrea. :-)

    1. Der Text ist zwar 12 Jahre alt, aber mir scheint in den letzten Jahren, dass die Festlegung auf angeblich gender-spezifische Rollenbilder wieder schlimmer zementiert wird, als ich es aus meiner Jugend gewöhnt bin. Andererseits, mit 50+ hat man auch wieder eine gewisse Narrenfreiheit, immer vorausgesetzt, man macht einfach. :)

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