Irland, Tag 1 – Anreise & Köstlichkeiten in Dublin


Eingeladen von Tourism Ireland durfte ich drei Tage in der wunderbaren Gegend in und um Dublin verbringen. Die detaillierten kulinarischen Genüsse gibt es in der nächsten Ausgabe des Genussmagazins, die etwas persönlicheren Eindrücke hier. Vorab: Es war ganz wunderbar, auch wenn ich eingangs etwas schimpfen muss. :)

Mor-gähn…

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Ungewöhnlicherweise muss ich diesen Reisebericht mit etwas Gemotze beginnen. Vielleicht liegt es ja  daran, dass ich ungern um 5 Uhr aufstehe, aber ich hatte deutlich schon gemütlichere Flugerlebnisse. Die Zufahrt ging mit Straßen- und S-Bahn trotz der unanständigen Uhrzeit durchaus gut, aber dass die LH trotz ausgebuchter Boeing 777 gerade einmal zwei Schalter offen hatte, von denen einer von einer im Training begriffenen Dame besetzt war, die bei jedem einzelnen Reisenden Hilfe brauchte, brachte nicht nur mich in Stress. Danach wurde ich Opfer eines klassischen „random Beep“ bei der Sicherheitskontrolle, und nach dem ausführlichen Abtasten, dem Aus-und Anziehen der Schuhe und dem Fototaschendurchsuchen erreichte ich das Gate als eine der letzten, unter den strafenden Blicken der Eincheck-Frauschaft. „Es kann nur mehr besser werden“, dachte ich irrtümlich auf dem Weg über die Gangway, nur um mich im Flieger auf dem Mittelsitz zwischen zwei über die Sitzgrenzen hinausquellenden Menschwesen wiederzufinden, die noch nicht einmal das ungeschriebene Gesetz beachteten, dass in so einem Fall die Armlehnen dem armen Schwein in der Mitte zustehen.

Ich versuchte, so zu tun, als würde ich schlafen, was mir momentweise auch gelang. Als wir in Frankfurt allerdings 20 Minuten auf dem Vorfeld stehen mussten, bis ein Bus zu uns fand, wurde die Zeit schon arg lang. Ziemlich froh machte mich dennoch, dass die Höhenangabe nach der Landung nicht so ganz stimmte.

Der verkürzte Aufenthalt musste ohne Zigarettenpause auskommen, und dass ich auch ein zweites Mal in der Sicherheitskontrolle herausgefischt wurde, mag durchaus an meinem daraus resultierenden grimmigen Gesicht gelegen haben. Warum mich allerdings die automatische Kamera bei der Passkontrolle (Irland ist nicht bei Schengen, wusste ich vorher auch nicht) nicht erkannte, weiß ich jetzt auch nicht, mein Passfoto ist mindestens ebenso grimmig. Über den zweiten Flug schweige ich gnädig; immerhin waren die Sitze im A321 um das bequemlichkeits-entscheidende Haucherl breiter. Nach der Landung in Dublin wartete ich eine gefühlte Ewigkeit auf mein Gepäck.

Danach war der mir versprochene Taxifahrer schon weg. Das hätte man nun durchaus als weiteren Stolperstein auf dem Weg zum Genuss wahrnehmen können, aber als ich, mittlerweile relativ schicksalsergeben, aus dem Flughafengebäude trat und plötzlich mitten im irischen Leben stand, war ich für dieses spezifische Problem plötzlich und unerwartet eher dankbar. Die wunderbare Sprachmelodie rund um mich war eine Sache, die überraschend gemütlichen Temperaturen um die 15 Grad eine andere, die erste Zigarette nach der lästigen Linienfliegerei die dritte. Der bislang vermisste Reisemodus war erreicht: Ich bin dort, wo ich noch nie war, und das ist so fein, dass alles andere nicht mehr wichtig ist.

Kurz darauf erhielt ich das telefonische OK, mir einen eigenen Taxifahrer zu suchen, und erlebte meine erste Autofahrt im Linksverkehr. Verwirrend! Knapp 20 Minuten dauerte die Fahrt zum Hotel, und der Fahrer gab ungefragt eine ausführliche Einführung in das Leben vor Ort. Das hätte mich unter anderen Umständen genervt, kam aber authentisch und durchaus interessant rüber. Als er erklärte, das Problem beim Abschütteln der britischen Herrschaft wäre eben gewesen, dass (irische) „Poets & Bards“ gegen ein durchaus kriegsgestähltes Heer antreten mussten, war ich schon in das Land verliebt. Als er mir nahelegte, als Fussgänger vorsichtig zu sein, weil alle heimischen Verkehrsteilnehmer die Ampel eher als Empfehlung denn als Befehl verstehen, demonstrierte ein Radfahrer an der nächsten grünen (für ihn roten) Ampel die Ernsthaftigkeit der Ansage. Die Vollbremsung machte mich vollends wach.

Im Brooks Hotel angekommen, hätte ich durchaus das morgens verzweifelt herbeigesehnte Nickerchen machen können…

…aber mittlerweile war ich deutlich im Erlebnis-Modus. Wer weiß, wann ich jemals wieder hierherkomme – falls überhaupt! Ich nutzte also die 90 Minuten Leerlauf für einen Spaziergang. Warum ich von all den wunderbaren unbekannten Dingen ringsherum nur das eine Pub-Foto gleich neben dem Hotel gemacht habe, weiß der Deubel.

Fasziniert von den Möwen in der Fussgängerzone, von Pub an Pub und vom bunten Leben rund um mich wollte ich vielleicht einfach nicht so sehr als Tourist auffallen; oder vielleicht wollte ich einfach nur da sein, notierte innerlich die Location von Bankomaten, Geschäften, Krankenhäusern, Kiosks und Bushaltestellen, ohne dabei die Kamera zu zücken. Jedenfalls gefiel mir, dass die Werbung viel weniger aggressiv ins Aug springt als in hiesigen Fussgängerzonen, und ich dachte, dass ich gerne erstmal einen Tag lang ganz allein hier spazieren gehen würde, was sich angesichts des intensiven Zeitplans so halt leider nicht spielte.

Den ersten Kaffee in diesem wunderbaren Neuland ausgerechnet beim Starbucks zu kaufen, genierte mich ein bisschen, aber dann, in der Sonne auf dem Platzl sitzend zwischen Pause machenden Angestellten und Arbeitern, auch wieder nicht mehr. Und dann wars schon Zeit für den ersten Treffpunkt. Die Mit-Reisenden aus Deutschland, Holland, Belgien, Italien und Spanien wirkten genau so müde und dennoch interessiert, wie ich mich auch fühlte.

Ketty Quigley zeigte uns die besten irish-modernen Food-Locations der Stadt. Unterwegs winkten reichlich optische Genüsse.

Schon recht hungrig erreichten wir die erste Anlaufstation, Fallon & Byrne. Dort erwarteten uns Köstlichkeiten wie mit Sternanis eingelegter Hering, irischer Wildlachs, Käse und Cracker von den Sheridans, all das und ein bissl mehr vom Hausherren Pete und der Food-Führerin schmackhaft erklärt.

Weitere Ein- und Überblicke können  nur wortlos genossen werden, weil wir eigentlich schon wieder ganz woanders sein sollten.

Woanders in dieser wunderbaren Stadt ist aber auch verdammt schön. Wo auch immer das woanders liegt…

Die nächste kulinarische Station waren die Austern-Spezialisten von Klaw.

Meine allerersten Austern übrigens, begleitet von faszinierenden Einsichten, aus welcher Bucht und mit welchem Wasser die Luxus-Muscheln ihren jeweils ganz eigenen Geschmack kriegen. Und dann gibt es sie noch mit Spinat und Käse überbacken…

Köstlich. Auf allen Ebenen einfach verdammt köstlich. Und auch wenn der Hunger nach dieser Station deutlich in den Hintergrund trat, ging es unerbittlich weiter zur nächsten Futterstelle. Über den Fluss nach Norden, was offenbar (Erklärung der Einheimischen) ein wagemutiger Schritt in die weniger eleganten Gegenden ist. Mein Eindruck: Gentrifikation hin oder her: Es gibt auf beiden Seiten des Liffey jede Menge zu entdecken – kulinarisch wie kulturell.

Beispielhaft futtern durften wir jedenfalls im Brother Hubbard North, wo eine wunderbare Fusion aus mediterran-arabischer und atlantisch-eruropäischer Küche Herz und Gaumen erfreute.

Nach dem optisch, literarisch und kulturell abwechslungsreichem Rückweg…

…winkte noch eine nachhaltige Eiscreme von Murphy’s. Meersalz, Irish Whiskey & Gin – wer kann da schon widerstehen?

Danach mussten wir, wenngleich sehr satt und zufrieden, auch einmal selber kochen. Aber das erzähl ich euch morgen.

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