Jahreswechsel-Interview (mit mir selbst)

Die Journalistin Andrea Sturm spricht mit der Schriftstellerin und Lebenskünstlerin Andrea „sturmwarnung“ Sturm über das vergangene und das kommende Jahr.

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AS: Es ist ein bisschen seltsam, sich beim Gespräch nicht gegenüber sitzen zu können, aber wir werden das schon schaffen. Fangen wir an. Wie war denn 2013 für dich?
stw: Aus dem Bauch heraus würde ich sagen: besch… eiden. Chronologisch… 2013 hat mit der schweren Krankheit einer guten Freundin angefangen, die dann leider gestorben ist. Während ich noch mit dem Gefühl gekämpft habe, dass Menschen sterben, die nicht “alt” sind, haben mich latente finanzielle Probleme sehr akut eingeholt. Und noch bevor ich mich sinnvoll darum kümmern konnte, habe ich die Nachricht erhalten, dass mein Vater schwer krank ist, und bin Hals über Kopf nach Schweden gefahren. Nach einer sehr schweren, intensiven Zeit ist er im August gestorben. Der Tod ist niemals schön, aber dieses Gefühl war noch einmal anders.

AS: Wie meinst du das?
stw: Das ist schwer auszudrücken. Man denkt, man hätte alles begriffen vom Lauf des Lebens, von der Vergänglichkeit und von der Sterblichkeit. Aber wenn es den eigenen unsterblichen Helden der Kindheit betrifft, ist es ein ganz neu scheußliches Erleben. Surreal. Und leider trotzdem wahr.

AS: Das war im August. Wie ging es dann weiter?
stw: Es sind noch andere liebe und gute Menschen gestorben. Wo mir nach allem anderen die Kraft gefehlt hat, das emotional so wahrzunehmen, wie ich es sonst getan hätte. Und ich habe eine langjährige Beziehung beendet. Das war längst fällig, aber trotzdem keine leichte Entscheidung. Der Tod und das Ende von Dingen war einfach sehr präsent in diesem Jahr, so intensiv, dass ich manchmal nur gedacht habe: Und wann erwischt es mich?

AS: Das klingt sehr schwarz und traurig. Ein ganz und gar depressives Jahr?
stw: Das erstaunliche ist, ich habe in den schweren Momenten immer wieder eine Kraft und in gewissem Sinn auch Zärtlichkeit gefunden, in mir und um mich herum,  Dinge, die mir seit vielen Jahren abhanden gekommen waren. Und erleben dürfen, dass es Menschen gibt, denen ich nicht “wurscht” bin. Und auch mein lange eher vermisstes “ich” ist aufgewacht.

AS: Wie meinst du das mit dem “ich”?`Egoismus?
stw: Kann man so sagen, muss man aber nicht. Ich neige dazu, die Gefühle und Erwartungen anderer Menschen wichtiger zu nehmen als meine eigenen, auf allen Ebenen. Das hat sich in den letzten Jahren extrem eingeschlichen, und das ist genau so falsch, wie wenn man sich immer durchsetzen will. Balance ist das Schlüsselwort, aber ohne Mittelmäßigkeit.

AS: Das klingt schwer.
stw: Das ist es auch. Aber die Momente, wo es gelingt, sind sehr gut.

AS: Hat es denn neben diesen schweren persönlichen Erfahrungen auch positive Ereignisse gegeben?
stw: Ja, sehr schöne sogar. Ein großer Erfolg war, dass ich es geschafft habe, mein Buch “Lose Blätter” zu publizieren. Das war ja schon jahrelang geplant, aber ich habe immer wieder Texte gestrichen und neue hinzugefügt, herumeditiert und… gezögert. Im September kam ganz stark der Impuls: Mach jetzt einfach!, und dem bin ich gefolgt. Ich finde, es ist wunderschön geworden. Und dann die CD dazu, “Wortklänge”. Mein Gitarrist und guter Freund Dorian hat einen wesentlichen Anteil daran, dass es die jetzt auch gibt. Danke, Schaefchen!
Beruflich war ich auch sehr zufrieden dieses Jahr. Interessante Aufgaben, ich war viel unterwegs, habe mit ganz wenigen Ausnahmen auch sehr gute Arbeit geleistet. Und finanziell wird es auch besser, langsam aber doch.

AS: Und was hat sich sonst verändert? Ich meine kleine Dinge, die man vielleicht gar nicht wichtig nimmt, die sich so einschleichen?
stw (seufzt): Du meinst so etwas wie die Brille, die ich neuerdings zum Lesen brauche? Ja, das Alter macht vor keinem Halt. Oh, positiver ist: ich habe vor zwei Wochen mit Yoga angefangen. irgendwo müssen die verlorenen Muskeln ja doch noch sein, hoffe ich. Auf einer weniger konkreten Ebene habe ich das Gefühl, dass ich selbstgenügsamer bin – meine Stimmung ist nicht mehr so abhängig von direktem Feedback, ich bin selbstbewusster, suche nicht immer den Fehler bei mir oder die Bestätigung bei anderen. Ob das wohl anhält?

AS: Ich wünsche es dir! Schauen wir einmal in die Zukunft: Hast du Vorsätze für 2014?
stw: Nein, die habe ich nie. Wenn man etwas ändern will, dann soll man gleich damit anfangen, nicht zu irgendeinem fiktiv symbolträchtigen Datum.

AS: Also keine Vorsätze. Erwartungen vielleicht?
stw: Vorsichtige Erwartungen. Sagen wir lieber: Wünsche. Ich wünsch mir, dass ich mehr Kunst machen kann, Lesungen mit meinem Buch, aber auch wieder mehr schreiben, und dass auch musikalisch und bildnerisch die kreative Seite wieder mehr Platz hat. Außerdem wünsche ich mir, dass es beruflich so weitergeht wie im letzten Jahr, bei steigender Finanzkraft. Mal sehen, wie das Leben mit mir und meinen Wünschen umgeht.

AS: Und was ist mit Plänen?
stw: Ein neues Buchprojekt wird gerade aktuell. Ohne allzu viel zu verraten – es hat mit Dorian zu tun, und es wird auch wieder von einer CD begleitet. Vielleicht auch von einer DVD. Dann natürlich – meine eigenen Webseiten wieder frisch zu machen – ein paar davon dümpeln echt nur dahin. Und… ach nein, das ist kein Plan, das ist mehr eine Idee.

AS: Eine Idee?
stw: Ist noch nicht spruchreif. – Sind wir bald fertig? Ich würd jetzt echt gern ein Bier trinken gehen.

AS: Ich auch, machen wir gleich. Aber eine Frage hab ich noch: Gibt es denn Musik zu diesem Jahr? Und Fotos? Gab’s doch sonst immer!
stw: Musik gibt’s, hier im Blog. Fotos nicht so viele, aber vielleicht schieb ich noch ein paar nach. dieser Link müsste eigentlich als 2013-er Slideshow funktionieren. Hoffe ich. Mit dem neuen Flickr kenn ich mich nämlich nicht so ganz aus. Eine Überblicks-Alternative ist das Archiv.

AS: A propos Flickr – was gab’s denn bei dir technisch Neues in 2013?
stw: Ah ja! Das Galaxy Note 2 als Handy mit der Handschriftenerkennung hat mein digitales Leben echt bereichert. Windows 8 am Desktop, recht OK, wenn man dem Ding die Fullscreen-Flausen abgewöhnt. Ansonsten finde ich die fortschreitende Einigelung der “sozialen” Netzwerke echt zum Abgewöhnen, deshalb bin ich auch weniger aktiv, sowohl auf Facebook als auch auf Twitter und G+. Oh, und dann noch ein Macroobjektiv für die DSLR. Das ist schon so vertraut geworden, dass ich das Gefühl habe, es viel länger zu haben. – Was ist jetzt mit dem Bier?

AS: OK, gemma! Ich sag noch: Danke für das Gespräch, und ein wunderbares 2014!
stw: Das wünsche ich dir auch. Und natürlich nur das Allerbeste für alle unsere Freunde und Leser!

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