Jetzt ist es wohl soweit

Treue Leser des Wortlogs werden sich an KÜBI (“KÜnstliche Bösartige Intelligenz”, mein Computerchen) erinnern und an die diversen Probleme und Problemchen, die er mir grinsend und schnaubend serviert.

Angefangen hat es mit der Festplatte, die erst zu stottern anfing und dann schwieg. Ich überlegte erst hin und dann her und beschloss schließlich, da ich zu der Zeit ohnehin keine Sound- oder Videoprojekte laufen hatte, auf einen Neukauf zu verzichten und die alte winzige 4GB SCSI-Platte zur Hauptplatte zu machen. Die Platzbeschränkung war mir ganz recht: So sparte ich etwa Zeit, weil ich mich weder durch die Vervollständigung meiner MP3-Sammlung noch durch das Einscannen alter Fotoalben von meinen eigentlichen Beschäftigungen ablenken konnte. Von irgendwelchen Spielen ganz zu schweigen.

Als etwa sechs Wochen später das eine RAM-Modul aufgab und der Speicher sich von 256 auf 128MB reduzierte, überlegte ich ernsthaft einen Neukauf. 9 Minuten für das Hochfahren des Systems erschienen mir doch etwas lange. Die Verwendung des Bildbearbeitungsprogramms schloss von diesem Zeitpunkt an das gleichzeitige Laufen irgendeines anderen Programmes aus. War das Bild etwas größer, etwa in Druckauflösung, reichte der Speicher nicht mehr für die Netzwerkverbindung.

Während ich noch überlegte, verabschiedete sich das ZIP-Laufwerk. Das war ein harter Schlag, da die alte langsame Platte von Anfang an nicht mit dem CD-Brenner zusammenarbeiten wollte. KÜBIs Verbindungen mit der Außenwelt beschränken sich seither auf die Netzverbindung und das Diskettenlaufwerk, und auch das Diskettenlaufwerk liest nur noch Dateien, die es selbst formatiert hat. Händische Sicherung der wichtigsten Daten erfolgt in extra dafür geborgten Webspace.

Ungefähr zu diesem Zeitpunkt wurde ich trotzig. Jetzt, dachte ich, jetzt kauf ich mir erst recht keinen Neuen. Jetzt reite ich KÜBI zu Tode. Mal sehen, wann er endgültig umfällt. Ab und zu blickte ich neidisch auf die Geräte im Freundeskreis, die außer atemberaubender Geschwindigkeit und unvorstellbar großen Festplatten auch so exotische Dinge wie funktionierende (!) USB und Firewire-Schnittstellen hatten. Mehrmals musste ich mich mit Gewalt aus Elektronikgeschäften schleifen. Aber ich hatte einen Plan: Ich wollte es wissen.

Letzte Woche begann die Soundkarte, ihre Funktionalität mit kräftigem Rauschen zu untermalen. gestern Nacht stellte sie das Funktionieren ein und rauschte nur mehr. Ich kroch wieder einmal unter den Tisch, um sie abzuhängen, und konnte fortan auch meine restlichen 100MB MP3s nicht mehr genießen.

Heute früh änderte sich die vertraut laute Geräuschentwicklung der SCSI-Platte in Richtung ungesundes Klackern, und ein Blick in die Archive enthüllte ein paar unlesbare Dateien.

Tja, da muss ich dann wohl langsam. Zu schade, jetzt werd ich nicht mehr erfahren, wie lange der alte 533er Prozessor noch unbeirrt von dem Verfall um ihn herum fröhlich vor sich hin getaktet hätte.

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This article was written by Andrea

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