Mini-Rehe und apere Pisten

Das Reh hängt an einem Luftballon und fliegt vorbei. Ein Säckchen mit Zettel hängt auch daran, man möge doch ein Stück des Futters aus dem Sack nehmen, ein bisschen Wasser drauf, und das Reh füttern, bevor man es weiterfliegen lässt. Das Reh hat die Größe eines Zwergdackels, und ich folge den Anweisungen, doch während ich das Futter zubereite, befreit sich das Reh aus seinem Geschirr und verschwindet flink in einem Abflussrohr. Eh besser, denke ich, wozu sollen die armen Rehe da herumfliegen, das ist sicher wieder so einem dämlichen Tourismus-Manager eingefallen.

Ich will auf den Berg. Heute könnte man tatsächlich schifahren, da oben, hat es geheißen, doch ich sehe keinen Schnee. Die Lehmstraße ist gelblich und in ihrer Nässe blendend vom strahlenden Sonnenlicht. Während ich in der Gondel nach oben schaukle, ziehen dunkle Wolken auf, und es beginnt zu regnen. Die Berge ringsherum wirken dicht, die Nebelschwaden machen die Gegend auch nicht heller.

Oben an der Liftstation steige ich aus, auf braunen Hängen mit schmutzigen Schneeresten rutchen einge Schifahrer herum. Sie ziehen teils tiefe Schneisen in die aufgeweichte Erde, und es macht mich ärgerlich und ein bisschen fassungslos, dass es allen egal ist, wie furchtbar dieser Hang dadurch im Sommer aussehen wird.

Ich gehe zu Fuss Richtung Tal und bleibe lange an einer Bergkante stehen. Gegenüber ist eine Felswand, deren Struktur ein riesiges, nur halb abstraktes Kunstwerk bildet. Wieder fliegt ein Reh vorbei, kläglich nass, aber ich bin zu langsam, um es zu befreien. Als ich weitergehe, wundert mich, warum ich die nahen Berge mit den dunklen Wolken und den Nebelschwaden heute gar nicht als bedrückend empfinde.

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This article was written by Andrea

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