Pfingst…

Ich sitze in meinem hellen gründurchwachsenen Zimmer. Das Fenster ist offen und draußen ist nichts. Ein Nichts, das langsam anschwillt, es wird Abend, die ersten kommen zurück von ihren Ausflügen, Autos werden geparkt, Türen klappen zu. Aber nur vereinzelt. Irgendwo gegenüber spielt jemand Gitarre, hab ich auch noch nie gehört in dieser Gegend. Die Rauchwolke vom ersten Zug meiner Zigarette bildet einen perfekten Kringel, natürlich sollte ich nicht rauchen, schon gar nicht mit diesen Bronchien, aber was soll man schon.

Woanders gegenüber brüllen sich zwei an, immer wieder, ein Streit mit langen Denkpausen. Dann wieder ein Kofferraumdeckel. Ab und zu regnet es, winzigkleine Tropfen, kaum zu erkennen außer daran, dass die Straße langsam feucht wird. Mein Duschabfluss ist verstopft, dem ist mit Pumpen nicht beizukommen, da muss kräftig Rohrfrei rein morgen, sobald die Geschäfte aufsperren, Umwelt hin oder her. Wie friedlich es ist, wenn das Telefon nicht läutet. So einen wunderschönen kreisrunden Rauchkringel gibt’s immer nur beim ersten Zug von der Zigarette, da kann ich probieren, soviel ich will. Entgegen aller Erwartungen sprießt im bislang dunkelerdigen Blumentopf tatsächlich eine kleine grüne Nase, genauer besehen eine Doppelnase. Es wird mir doch nicht wirklich gelingen, einen madegassischen Mini-Baobab mitten im fünften Bezirk zu züchten?

Da unten probiert jemand sein Handy aus, sämtliche Melodien der Reihe nach, schrill, nervig, hartnäckig. Ein kleiner Spaziergang wäre angesagt, um zu sehen, wie der känkliche Körper darauf reagiert, aber ich mag meine Burg nicht verlassen. Hier zwitschern immerhin Vögel in den Alleebäumen, mitten in der Stadt. Der Gitarrenspieler ist ans Fenster gekommen und hat “Leck mich am Oasch!” auf die Straße hinuntergebrüllt. Vermutlich meint er den mit dem Handy. Das Mädel zwei Fenster weiter mit dem Buch in der Hand hätte vor Schreck beinahe das Gleichgewicht verloren. Hat sie aber nicht. Stattdessen sucht sie kopfschüttelnd und weit hinausgebeugt nach dem Urheber des Schreis, der allerdings samt Gitarre schon längst wieder verschwunden ist.

Es ist ein friedliches, ruhiges Sein in diesem halben Genesungszustand, jetzt, wo der Kopf zu schmerzen aufgehört hat, eigentlich sehr angenehm. Frei von “sollen” und frei von “wollen”, das viele Fernsehen verschwimmt mit dem Rest des Lebens, sodass eigentlich alles in beruhigender Ferne vorbeizieht, wie ein Film auf der Scheibe eben. Und die Träume sind bunt, Tagträume wie Nachtträume, nicht alle Geschichten müssen erzählt werden, nicht alle Märchen aufgeschrieben, manche gehören mir allein und das ist besonders schön.

Das Rauschen von der Hauptverkehrsstraße schwillt unmerklich aber stetig an, wie das Meer, wenn ein Sturm kommt. Ein paar Kinder peppeln einen Ball die Straße entlang. Nicht, dass ich die Gegend lieben würde, aber ich habe mich ziemlich daran gewöhnt. Deshalb ist es gut, alles in der Schwebe zu lassen. Veränderung heißt nicht notwendigerweise Verbesserung. Zuviele Dinge müssen bedacht, zuviele Möglichkeiten erwogen werden.

Da freu ich mich fürs erste lieber an den Kleinigkeiten, daran, dass die D.-Band endlich im Soundpark angekommen ist zum Beispiel.

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