Ribiseln

Es ist mir ein wiederkehrender Quell der Irritation, dass ein so hübsches und treffendes Wort wie “Ribisel” diesseits des Semmerings nahezu unbekannt ist. Ribisel trifft das Ding genau, das es beschreibt, es ist ein bisschen lustig und ein bisschen prickelnd, und wenn man es genussvoll ausspricht, lugt sogar die Sonne daraus hervor, die das Endprodukt prägt.

Nennt man die kleinen runden Dinger dagegen “Johannisbeere”, dann geht der synästhetisch passende Worteffekt völlig verloren. Plötzlich klingt die “Beere” etwas trocken, beinahe verstaubt, und der biblische Name dazu suggeriert ein leises, zurückhaltendes Wesen mit Tendenz zum Schattendasein. Das ist nicht meine Ribisel! Die kichert und tanzt, und ein bisschen frech ist sie auch.

Zwar behauptet die Wikipedia, “Ribiseln” würde in ganz Österreich und in Altbayern verwendet, tatsächlich habe ich aber in Wien noch niemand getroffen, der weiß, was das bedeutet. Zuletzt heute, als ich an der Kasse hinter der Verkäuferin ein Regal mit Flaschen entdeckte, deren einige ein Ribiselbild trugen. “und geben’s mir noch einen Ribiselsaft” brachte mir einen verständnislosen Blick ein, der nicht freundlicher wurde, als mir nicht gleich die emotionell unpassende Johannisbeere einfiel.

Ich will meine Ribiseln, verdammt! Und nicht ein lustlos-biblisches Ersatzprodukt!

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This article was written by Andrea

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