Rollmops statt Lachsbrötchen?

Die Silvester-Genusspackerln, die nach dieser nervenaufreibenden Geschichte jahrelang zwischenfallsfrei ihre Empfänger erriechten – sieht man von einer zerbrochenen Weinflasche 2011 ab, die dazu führte, dass der Empfänger das Paket in einem triefenden Plastiksack vom Zoll holen musste, weshalb ich seither Flaschen eher nicht mehr hineinpacke, und wenn dann nur ganz kleine… Ups, jetzt hab ich mich im Satz verirrt. Die Silvester-Genusspackerln also sind heuer leider etwas spät auf den Weg gekommen. Das kann ich weder der Post noch anderen Unbillen des Lebens in die Schuhe schieben, das liegt ganz allein an mir. Wenn nämlich Silvester gegen Ende der Woche zu liegt, dann scheint die gefühlte Ewigkeit, die man am Montag eh noch Zeit hat, endlos zu sein – was natürlich, post-realistisch betrachtet, dazu führt, dass der Genuss erst 2016 ankommen wird. Ich hoffe, die Diät kann noch warten.

Die Genusspackerln entstehen ja auf einer Rundreise durch den 4. und 1. Bezirk, und seit ein paar Jahren auch durch den 6. – nicht, weil ich mein Einkaufsgebiet ausgeweitet hätte, sondern weil der Naschmarkt die Postleitzahl gewechselt hat. Übers Jahr gekostete Köstlichkeiten, dazu natürlich immer Schokolade, es ist ein schöner Spaziergang, der Rucksack füllt sich, das eine oder andere Täschchen kommt dazu, und am Ende winkt die Fischecke des Naschmarkts, wo ich – ganz nach Art der selbstgebastelten Traditionen – jedes Jahr an einem Stehtisch im freien ein Lachs- und ein Kaviarbrötchen verzehre und ein Gläschen Sekt dazu trinke, während ich meinen Blick über die erstandenen Köstlichkeiten schweifen lasse und mir überlege, welche Farben denn in diesem Jahr das zur sicheren Verpackung mit verknüllte Seidenpapier haben wird, und welche Postbox-Größe für welches Päckchen nötig sein wird. Das ist fast wie ein Viertelstündchen in einem anderen Leben, denn eigentlich mag ich weder Sekt noch das edle Herumstehen beim Essen, aber, an diesem einen Tag im Jahr, halt irgendwie doch.

So steuerte ich also auch heute wieder wohlbepackt den Schlusspunkt der Runde an, bislang sehr zufrieden – auch weil der Einkauf nach dem Weihnachtsrummel deutlich entspannter war als sonst, und sah… weit und breit kein einziges Lachsbrötchen. Im strahlenden Sonnenschein und bei über zehn Grad irrte mein Blick über die Vitrine und fand nur riesige Bemmen, in denen traurige Lachsbruchteile mit dicker rosaroter Soße überschüttet auf ihr Schicksal warteten. Kaviar war überhaupt nur in fest verschlossenen Gläsern in Sicht.

So ging das doch nicht! Noch halbwegs hoffnungsfroh fragte ich den herbeispazierten Kellner nach meinem Traditions-Jauserl, doch der schüttelte bekümmert den Kopf. „Brötchen moch ma nimma“. Er hatte zwar allerlei Köstlichkeiten im Angebot, von französischer Fischsuppe bis hin zu Austern, aber ich wollte ja keine ganze Mahlzeit, und Austern isst man, wenn dann, ganz bestimmt nicht allein. Irgendwas in Jausen-Größe…?

„An Rollmops hätt i no“, meinte er schließlich freundlich, „schoaf oda normal“. Und, nach einer kleinen Pause, sinnend: „Do tät i oba a Bier dazua trinken.“

Nja.

Ich dankte artig für die Auskunft, schnappte meine Einkäufe und verließ den Markt, lachs-, rollmops- und sektfrei. Schade irgendwie.

Aber die Packerln, die sind immerhin endlich unterwegs.

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