„Schatzi“, wir müssen reden!

Ich will nicht darüber spekulieren, ob oder wie sehr Peter Pilz schuldig ist, oder wie man das seltsame Timing einordnen sollte, das die Veröffentlichung der Vorwürfe betrifft.  Das tun andere zur Genüge. Was ich hingegen thematisieren möchte, ist der Umgang mit den Vorwürfen in den sozialen Medien und in den Kommentarspalten der Presse. Und über das vorgeblich harmlose „Schatzi“.

Von etwa 40 Übergriffen ist die Rede; sie reichen von übergriffigen Anreden wie „Schatzi“ über die Aufforderung, mit ihm auf Urlaub zu fahren und „das Höschen einzupacken“ bis zu unsittlichen Berührungen.

So steht es, wörtlich nahezu unverändert, in allen Publikationen. Und unter jedem Artikel finden sich Kommentatoren (und Kommentatorinnen leider auch), die Variationen des „Schatzi“-Themas posten, etwa so:

„Schatzi“ soll eine sexuelle Belästigung sein? So weit sind wir gekommen?

Das regt mich aus zwei Gründen auf. Zum einen: Lesekompetenz! „Schatzi“ war nur einer, und zwar, wie aus der Satzkonstruktion hervorgeht, der geringste der Vorwürfe.

Zum anderen, und das könnt man sich auf der Zunge zergehen lassen, wenn es nicht so grauslich wär, ist es für viele offenbar ganz normal, wenn ein Vorgesetzter zu einer Untergebenen „Schatzi“ sagt. Das mag „normal“ sein im Sinne von „vielerorts üblich“, in Ordnung ist es deshalb noch lange nicht. Ob das „Schatzi“ tatsächlich eine sexuelle Belästigung darstellt oder schlicht und einfach diskrimnierend ist, ist egal. Es ist inhaltlich ein Diminutiv, es ist im besten Fall sehr persönlich, im schlechteren ungut pickig, und es gehört einfach nicht in einen beruflichen Kontext.

Ein „Schatzi“ wäre allemal in einer Arbeitssituation akzeptabel, in der es genau so normal  und akzeptiert ist, dass die Angesprochene darauf mit „Wos is, Oida?“ antwortet. Und die sind, meines Wissens nach, eher rar gesät.

Darf man denn jetzt nichteinmal mehr flirten?

Schatzi, wenn du den Unterschied zwischen flirten und herablassender Misogynie nicht kennst, dann lass es. Ist besser für alle Beteiligten.


Und hier noch ein persönlicherer Beitrag zum Thema. 

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This article was written by Andrea

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