Sprachnot

Über die unsinnigen Wörter, die Werbe-Fritzen (und wohl auch -Susen) erfinden, um unnötige Produkte an den Kunden zu bringen, habe ich mich hier ja schon mehrfach beschwert. Momentan hab ich ein neues Problemfeld, das mich regelmäßig zum Zusammenzucken bringt: Die Aussprache.

Nun bin ich keine grundsätzliche Gegnerin von Anglizismen oder sonstigen nicht-deutschsprachigen Ausdrücken, im Gegenteil: Ich mische, im Schreiben wie im Sprechen, gerne meine paar Sprachen durcheinander, fluche in schwedisch (außer wenn der einzige kroatische Fluch den ich kenne gerade passt), seufze ab und zu ein sanftes “c’est la vie”, und wer mit mir über ein technisches Thema diskutieren will, sollte besser ein paar Brocken Englisch verstehen, denn sonst sind wir am Ende beide verzweifelt.

Aber ehrlich, wer seine Produkte mit klingenden ausländischen Namen versieht, sollte darauf achten, dass der Werbungs-Sprecher auch weiß, wie sie klingen sollen.

Einst, in der Anfangszeit des Satellitenfernsehens, hätte ich mich beinah an meinen Spaghetti verschluckt, als ich zum ersten Mal hörte, dass die bekannte rot-weiße Zahnpasta in deutschen Landen “Kohl-gaate” heißt. Aber daran gewöhnt man sich irgendwann, ebenso wie an “Schemie” und “Kaffe”. Neuerdings aber nervt eine Haar-Färbemittel-Werbung mit einem Sprecher, der das von ihm beworbene Produkt zu “Kala-Wischen” degradiert. Das kann nun wirklich nicht sehr zielführend sein, erinnert es doch vor allem daran, dass man nach der ganzen Färberei die Schweinerei im Badezimmer auch wieder aufwischen muss. Hier wäre der Hersteller (fragt mich jetzt nicht) deutlich besser beraten, sich werbungsmäßig an die deutschsprachige Version einer “Vision” zu halten, auch wenn es möglicherweise der Grundcoolness widerspricht. (Übrigens gibt es zwei Versionen dieser Werbung, bis auf die Sprecherstimme deckungsgleich, die andere aussprachemäßig etwas besser, ich habe aber nicht darauf geachtet, ob die “richtige” oder die “falsche” im Österreichfenster läuft.)

Auch einen Bauer-Kleber brauche ich definitiv nicht, da die reparaturbedürftigen landwirtschaftlichen Gerätschaften in meinem Haushalt eher rar gesät sind. – Und dem ganzen die Krone auf setzt die lippenleckende Tante in der Spätnacht-Sexwerbungsschiene, die eine Telefonnummer zum Auffinden von “lebenslustigen Schettern” propagiert. Ich hatte, ehrlichgesagt, nie wirklich sonderlich viel Lust darauf, mit Fremden zu chatten – aber schetten will ich noch viel weniger.

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This article was written by Andrea

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