Stadtsonntag II

(Teil 1 war hier)

Im botanischen Garten herrschte, zumindest eingangs, malerische Hitze-Welkerei. Nur die unscheinbaren Alpenpflanzerln zeigten sich unbeeindruckt vom Sommerwetter. Dann fand ich den Bambuswald, der mit Stegen von beiden Seiten begangen werden konnte. Optisch imposant, die erhoffte Kühle blieb aber aus.

Bambuswald

Ein Stückchen weiter fanden sich dann doch noch ein paar weitere Pflänzchen, die die Hitze genau so genießen konnten wie ich. Diese zwei Dahlien etwa, ihre Vornamen habe ich vergessen. Die ganze Dahlien-Ecke war auch ausgesprochen gut besucht von hungrigen Insekten aller Art.

Strahlend Dahlie, gut besucht

Den Namen der nächsten Schönen habe ich leider nicht nachgelesen. Vermutlich hätte ich ihn aber eh nicht aussprechen können – sieht schon etwas Alien aus, das Ding.

Von welchem Planeten...?

A propos Alien – die nächste Pflanze faszinierte nicht nur mich schon aus der Ferne. Zwei schüchterne junge Menschen asiatischen Aussehens fragten mich, ob ich weiß, wie das Ding heißt. „Elefantenkraut vielleicht?“ mutmaßte ich, in der festen Überzeugung, den Namen schon einmal gehört zu haben. Es war dann aber doch ein Mammutblatt. Ich hoffe, ich habe niemandem eine Botanikprüfung versaut.

Mammutstaude

Noch ein paar schritte weiter ein künstlicher Teich voller Lotusblüten. Die haben ein ungewöhnliches Innenleben.

Lotusblüte

Auf den Bänken ringsum lasen, dösten und tratschten Menschen, ein deutsches Pärchen las einander laut die Texte von den Schautafeln vor. Eine deutlich steirische Besucherin hielt ihrem Begleiter angesichts der entsprechenden Pflanze einen ausführlichen Vortrag zum Schierlingsbecher, während er sich mehr für die tatsächlich erstaunliche Anzahl an Kohlpflanzen interessierte. Jaja, Gemüse gibt’s hier auch.

Brokkoli

Es hätte noch viele Pflänzchen zu erkunden gegeben, aber mein unstetes Gemüt wollte wieder raus in die Stadt. Knapp vorm Ausgang noch ein Hanfpflanzerl erblickt. Warum das wohl hinter Gitter musste?

Hanf hinter Gittern

Draußen an der Mauer gleich wieder wichtige politische Botschaften.

Still

Ich cruiste ein bisschen kreuz und quer, dachte, dass ich meinen Zug längst verpasst hätte, wenn ich einen hätte erwischen müssen, und war froh, dass ich keinen erwischen musste. Die Fasangasse brachte einen sonntäglich lebendigen und durchaus sympathischen Mix aus polnischer und türkischer Kulinarik, zumindest olfaktorisch, denn obwohl ich mittlerweile recht hungrig war, war stehenbleiben irgendwie keine Option. Ich weiß nicht recht warum, denn innerlich hatte ich mir längst erlaubt, die 15 Euro in meinem Geldtaschl auszugeben. Es waren aber deutlich die marschfreudigen Füße, die das Tagesgeschehen bestimmten, der grummelnde Magen hatte das Nachsehen. An der S-Bahn-Station Rennweg beruhigte ich ihn mit einem Sprite und ging dann unten durch, um zu sehen, wo ich überall hinfahren hätte können, wenn meine Füße nicht so beharrlich am Gehen gewesen wären. Am anderen Ende wieder aufgetaucht, boten sich fremdländische Anblicke.

Exotische Anblicke

Neben der spirituellen Exotik allerdings auch kulinarisch-kulturell interessante Ecken. Was man so alles nicht sieht, wenn man mit der S-Bahn direkt dran vorbeifährt… Ich glaub, dort will ich einmal essen, wenn sie wieder aus dem Urlaub zurück sind.

Idyll am Stadtbahnrand

Jetzt lag der Stadtpark vor mir, mit dem ersten Bezirk dahinter. Da wollte ich aber definitiv nicht hin. Also links ab in unbekannte Gassen mit unbekannten Anblicken. Das ganze Grätzl eigentlich grundsympathisch, nur eins: Als jahrelanger Anrainer an einer Straße, in der ein Bus aus einer Haltestelle bergauf anfuhr, wollte ich wirklich nicht wissen, wie es ist, direkt über so einer bergauf-anfahr-Situation zu wohnen.

Wiener Wohnen

Von hier aus gab es allerdings nicht mehr allzu viele unbekannte Wege. Doch auch an den bekannten fanden sich faszinierende Anblicke.

Architektur in Generationen

Gleich danach, am durchaus vertrauten Brunnen am Schwarzenbergplatz, ein bisschen windzerstäubte Wasserkühle genossen. Vereinzelt hielten Touristen ihre heißgelaufenen Füße ins Wasser. Kurz überlegt, es ihnen gleichzutun, aber das war deutlich zu wenig. Verdammt, vor 20 Jahren hätte ich mich einfach mit vollem Gewand ins Brunnenwasser fallen lassen! Möglicherweise hätte ich das auch heute noch getan, wäre jemand dagewesen, dem ich die Tasche mit dem Fon hätte anvertrauen können. Aber mangels Begleitperson werden wir das wohl nie erfahren.

Brunnenwasserbestäubt

Stattdessen, wenn ich nun schon mal da war, einen Blick auf die Stadtwelle geworfen. Die war, muss ich zugeben, deutlich sympathischer als erwartet. Zwei Lokalitäten, Sommer-Surf-Musik, eine Tribüne, viele Liegestühle, und alle mit Blick auf die perfekte Welle mit Blick auf die Stadt.

Surfen mit Aussicht

Von hier aus gabs für mich in alle Richtungen nur mehr bekannte Wege. Und schlagartig meldeten meine Füße „müde“, meine Beine „viel zu heiß in der Jean“, mein Magen „Hunger“ und mein Mund „Durst“. Aus reinem Trotz widersetzte ich mich der Versuchung, für die letzten vier Haltestellen in eine Straßenbahn einzusteigen, und schleppte mich auch den Rest des Wegs zu Fuß nach Hause. In den vierten Stock.

Und erst als ich nach fast vier Stunden unterwegs mein Elfenbeintürmchen erreicht, das Gewand von mir geworfen und die Kühlschranktür geöffnet hatte, erinnerte ich mich wieder: Ich war ja eigentlich deshalb aus dem Haus gegangen, weil in diesem verdammten Kühlschrank nix drin war. Ich seufzte leise. Und machte mich nach einer erfrischenden Dusche ein zweites Mal auf den Weg.

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