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Brückerl-Sunset.

Mal an den Wiener Adriastrand

Man kann ja nicht immer nur den Stammbaum aufsuchen. Obwohl, könnte man durchaus auch, aber ein Treffen mit dem seltenen Stadtbesucher Flyingsufi verlangte nach halbwegs hochstehender Kulinarik. Dass vom ersten Gang, den Souvlaki im Rembetiko, keine Fotos überliefert sind, mag der brütenden Hitze geschuldet sein. Der nachfolgende Schwimmgang bescherte jedenfalls nicht nur dem Herrn Sufi eine Begegnung mit einem der unzähligen Donauschwäne…

…sondern auch, nach dem irrtümlichen Auslösen der Serienbildfunktion, dieses gif, das die Atmosphäre überaus authentisch einfängt.

Warum allerdings von unserem Festmahl am anderen Ufer keine Fotos gemacht wurden, kann ich auch nicht sagen. Das Plätzchen am Wasser war gemütlichst, das Futter nicht nur reichlich sondern weitgehend auch köstlich, und das Plaudern sowohl gemütlich als auch intensiv. Vielleicht lags daran. Die Aussicht habe ich immerhin festgehalten.

Auf dem Heimweg noch ein paar Zeilen Donauinsel-Poesie.

Donauinsel- Poesie. #latergram

 

Wanderung mit Blümchen und Fluss

Als die Füße heute wieder unruhig wurden, hatte der Kopf dank reduzierter Außentemperaturen endlich einmal Gelegenheit, ein Wunschziel einzubringen. Die Blumengärten Hirschstetten sollen nämlich nicht nur eine kurzweilige Spazierumgebung bieten, sondern auch Gelegenheit zu großartigen Fotos – hatte ich mir zumindest erzählen lassen. Die Füße stimmten zu. Verkehrstechnisch einigten wir uns, mit der U-Bahn zu fahren, die lächerlichen 4 Stationen mit dem Anschlussbus wollten die Füße selbst in Angriff nehmen.

Die Gegend um die U-Bahnstation Apsernstraße ist merklich Neubaugebiet. Es wirkt etwas verloren und verlassen, aber größtenteils auf sympathische Art. Die Kombination von neuem Wohnbau und wilder Gstätten hat mich halt schon immer fasziniert.

Ich weiche vom vorgegebenen Weg ab und laufe durch die kleinen Gassen zwischen Aspernstraße und Erzherzog-Karl-Straße. Hier sind Reihen- und Einzelhäuser in neu und mittelalt, bis in die 80er zurück vielleicht, die alle hell und freundlich aussehen und viel Grün in sich und um sich herum tragen. Fotografieren trau ich mich nicht recht, weil aus jedem zweiten Garten eine misstrauische Oma linst. Schade eigentlich, vielleicht fahr ich dort mit weniger Zurückhaltung noch einmal hin.

Ein Stückchen weiter ist die Zeit wohl eine ganze lange Weile stehengeblieben.

Und wieder ein Stückchen weiter locken Blumen- und Bauernläden die Kundschaft an. Sehr urban wirkt es hier nicht mehr. Es ist windig und kühl, insgesamt sehr angenehm.

Dann verirre ich mich auf eine Baustelle, die Google Maps nicht kennt, und finde nur unter Missachtung aller Verbots- und Hinweisschilder und mit Überklettern zweier Betönklötze wieder in die richtige Richtung, was weder die Bauarbeiter noch die abladenden Lastwagenfahrer stört, sondern nur den Radfahrer, der am anderen Ende des Zauns sehnsüchtig in die Richtung schaut, aus der ich gerade gekommen bin. „Da darf ma ned durch“, zeigefingert er. „Jo eh“ sage ich, recht entspannt, weil ich bin ja schon durch.

Noch eine Straße mit Satellitenwohnbau links und Vorstadtgewerbe rechts, dann habe ich die Blumengärten erreicht. Auf dem Fon habe ich irrtümlich HDR aktiviert, was diesem Arrangement in der Einfahrt einen surrealen Touch gibt.

Gleich beim Eingang lockt das Palmenhaus. Obwohl mir mehr nach Outdoor zumute ist, werfe ich einen Blick hinein. Kaum ist die Tür hinter mir zu, ziept ein exotischer Vogel an mir vorbei. Damit habe ich nicht gerechnet. Die Dschungel-Atmosphäre wirkt authentisch.

In der Mitte ein kleiner Teich, hinten handgeschnitzte Sessel. Eine Treppe, auf die man nicht hinaufdarf. Ich versuche eine Zeitlang, die Vögel zu fotografieren, die aber immer nur ganz schnell zum Wasser runterschießen und dann wieder im Blattwerk verschwinden. Den einen, der eine halbe Minute lang stillsitzt, erwische ich nicht, weil die Linse der großen Kamera von der Feuchtigkeit beschlägt. Na gut, wenden wir uns halt den anderen Tierchen zu.

Der Eidechs ist übrigens aus dem mediterranen Raum, der – zumindest in Hirschstetten – viel wärmer ist als die Tropen. Die Orchidee (wieder im Tropen-Raum) hält auch still.

Subtropisch gäbe es dann auch noch, aber mich zieht es an die frische Luft. Draußen spaziert man erst einmal an vielen geschlossenen Holzhüttchen vorbei, bevor man zu den Themengärten kommt. Die sind gut und liebevoll gemacht, immer wieder mit gemütlichen Sitzecken durchsetzt, aber dennoch hat mich irgendwie die Lust am Fotografieren verlassen. Vielleicht, weil ich heute ganz auf Makro eingestellt bin, die Aufbereitung nach Geographie oder Gartentyp eher nach der Totalen verlangen würde. Vielleicht weil es schon halb sechs war und die Gärten um sechs schließen. Oder vielleicht weil eh alles schon so gut sortiert ist. Oder weil überall übermütige Kinder herumtollen, die auch wildfremde Fotografinnen erbarmungslos umrennen. Ein paar Shots sind aber doch gelungen.

Nicht im Bild: Die mir immens sympathische Schildkröte, die mit geradezu demonstrativ faulen Paddelbewegungen den Teich durchquerte. Ich schätzte, übermorgen würde sie das andere Ufer erreichen. Ich hatte schlagartig Lust, mich auch ins Wasser zu werfen und ebenso träge dahinzutreiben.

Nach dem Erklimmen des Hirschstettener Weinbergs beschließe ich, den Rest ein andermal zu erkunden – am besten außerhalb der Ferienzeit. Der 26er, der am anderen Ende der Gärten fährt, soll laut Anzeige in 18 Minuten kommen, und da die Füße nicht so lange herumstehen wollten, gehen wir halt wieder ein Stück zu Fuß. Immer an den Straßenbahnschienen entlang, so gehts auch zur U2. Die Gegend hier nicht mehr ganz neuer sozialer Wohnbau; dennoch freundlich, nur die Fauna besteht aus hilflos ausgesetzten Gittertieren.

Ich weiß nicht recht, warum ich auf diesem Abschnitt nicht mehr Fotos gemacht habe – gerade das letzte Stück Richtung U-Bahn ist ein faszinierender Mix aus alter Satellitenstadt, neuer Stadtplanung mit U-Bahn, Straße und Baustellen sowie reichlich faszinierenden Gstätten. Ich glaub, da muss ich auch noch einmal hin.

Die U-Bahn sollte mich dann von der Hausfeldstraße nach Hause bringen. Ein bisschen was vorbereiten für morgen, ein bisschen herumhängen. Aber da hatte der Kopf die Rechnung ohne die Füße gemacht, denn die verließen den Zug ohne Vorwarnung in der Station Donaumarina. Der Kopf indes hatte nicht wirklich was dagegen. Ein Stück noch an der Donau entlang, so unaufdringliche Sommertage sind ja auch selten, und Wasserblick mit Abendlicht geht immer.

An der Donau pfeift ein frischer Wind (nicht ganz ein Sturm), und ein Wasserski-Fahrer übt das Heckwellensurfen an der schlappen Leine. Ich frage mich zum 99. Mal, wie man wohl an eins der Hausboote auf der anderen Seite kommt, und dann frage ich mich, warum ich das noch nie recherchiert habe, obwohl ich jedesmal beim Vorbeigehen dran denke. In der Donaumarina (dem Freizeithafen) ist nichts los, obwohl im Donaumarina-Lokal alle Tische besetzt sind. Ich wandere weiter und frage mich angesichts des Hilton-Waterfront-Gartens, warum auf dieser Seite der Donau ausschließlich Schicki-Lokale sitzen und nicht ein ganz normales Beisl, in dem ich jetzt nämlich ganz gern eine Kleinigkeit gegessen hätte. Vor dem Hotel, das glaube ich früher mal ein Scandic Crown war, ankern Frachter, die meisten mit Heimathafen weit donauabwärts, und das ist irgendwie ein ganz entzückender Kontrast. Nur das mit der korrekten Beflaggung sollte dieser Kapitän nochmal üben.

Ein paar Schritte weiter lasse ich mich auf einer Treppe nieder, die ins Wasser führt (obwohl man hier definitv nicht baden sollte), rolle mir eine Zigarette und existiere ein Weilchen zufrieden in Sonne und Wind.

Eine Entenfamilie kommt zu Besuch, zieht aber bald enttäuscht ab, weil zu essen hab ich nichts dabei.

Dann weiter Richtung Reichsbrücke. Die Lastkähne werden spärlicher, dann das erste Kreuzfahrtschiff. Hinter mir drei Amis, ein Typ und zwei Ladies, die ihre Koffer an der Donau entlang rollen. Aus dem Hilton? Auf dem Weg zu einer Kreuzfahrt? Oder doch zum Flughafen? Alle drei sind jedenfalls traurig, dass sie nur zwei Tage in Wien waren, das war viel zu wenig. Als sie mich überholen, weil ich eine Fotopause mache, sehe ich: Eine von ihnen geht auf locker 8 Zentimeter hohen Korkstöckeln, das ringt mir Respekt ab. Ich tät schon bei vier Zentimetern stolpern. Aber wieso irgendein Reisender, der seine Sinne beisammen hat, diese seltsamen Koffer verwendet, die man vor sich herschiebt anstatt sie hinterherzuziehen, das erschließt sich mir immer noch nicht. Dafür einem unglaublich roten, möglicherweise historischen Kran begegenet.

Nun werden die Kreuzfahrtschiffe deutlich dichter, bassige Motoren pulsieren da und dort, und ab und zu dringt eine kräftige Dieselnote an die Nase. An der Reichsbrücke gibt es einen mir bislang unbekannten Springbrunnen, der ganz neue Blicke auf die altehrwürdige Franz-von-Assisi-Kirche ermöglicht.

Gegenüber parken die Donaukreuzfahrtschiffe jetzt in Dreier-Reihen nebeneinander, davor vergnügen sich Touristen wie Einheimische im Outdoor-Gym oder hängen in Hängematten herum, und ich sollte jetzt doch zumindest in diese U-Bahn hier einsteigen, um noch halbwegs zeitig heimzukommen.

Mag aber nicht.

Da gäb’s ja sogar noch ein Lokal, das Gäste auch ohne Schlips und Goldkreditkarte bedient. Ich bin ein Augenblickerl lang beglückt, bevor ich des DJs ansichtig werde, dessen Soundauswahl Momente später an mein Ohr dringt. Nein, Belanglosigkeits-Elektro-Chill-Musi geht jetzt gar nicht. Ü-ber-haupt nicht.

Unschlüssig quere ich den Handelskai. Man könnte ja auch ein paar Stationen mit der U-Bahn fahren und dann noch am Kanal abhängen. Man könnte auch die Praterstraße entlanggehen und dort kulinarisch zuschlagen. Man könnte… ach, man könnte so viel. Aber mich ziehts zurück an dier richtige Donau. Ich hol mir beim türkischen Nah-und-Frisch-Greisler ein Wurstsemmerl und ein Wasser und ein Bier und geh zurück zu den dieselnden Schiffen und zum freien Wasser. Gut versorgt und zufrieden  vorbei an den erleuchteten Speisesälen der unkriegerischen Kreuzfahrer. Ein Stück flussaufwärts freier Blick auf Fluss und Gegend.

Ich jausne gemütlich mein Semmerl, richtig kühl wird es jetzt im Wind, aber ich hab ja noch mein Tuch. Ein altes Pärchen kabbelt sich auf einer nahen Bank ums Programm fürs Wochenende, eine Gruppe Asiaten mit Selfies-Sticks bleiben kurz stehen, um mir zuzusehen, wie ich ganz ohne Stick auch einen Selfie mache. Als ich freundlich winke, flüchten sie.

Aus den Kreuzfahrtschiffen quellen nach dem Abendessen Rauchwillige, und mein Semmerl ist aufgegessen und mein Bier ist ausgetrunken und die Zigarette danach ist auch geraucht, also mache ich mich jetzt auf den Weg. Zur U-Bahn. Wirklich.

Als ich heimkomme, dröhnt von irgendwo auf der Gassn grindige Mittelmehr-Diskomusik. Seltsamerweise stört mich das gar nicht.

Also, fast gar nicht.

Ach, verdammte Scheiße, ich mach einfach das Fenster zu.

[13,2km]

Herbstspaziergang an der Donau

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Budapest bei Nacht

Donauspaziergang

Not a happy guy

Schwanerei

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Hochwasser

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Handelskai, nass

Den Wind zausen

Wo führt sie denn nun hin, die neue U-Bahn, und was oder wo ist das: Leopoldau?

18 Grad warm, und etwas will hinaus, will fliehen, den Föhn und den Mond, egal, hinaus, dorthin, wo es nur flach ist und der Blick frei nach oben kann zu den Fluffwolken und dem großen Blau, wo sonst nichts ist, außer seltsamen Dingen, die den Augen nicht bekannt vorkommen.

Die Leopoldau ist, zumindest dort, wo die U-Bahn endet, ein Gewirr von Stadtbahn- und U-Bahn-Geleisen und -Bauten, sie ist flach, und das ist immerhin gut. Links laufen die Geleise, rechts schrebergartlt es im frühen Frühling, dazwischen Bäume, Felder, Gstätten.

Anstatt der Völkerwanderung aus der U-Bahn in vermutlich zivilisiertere Gegenden zu folgen, folge ich den Wolken, der Sonne: Hah! Und der Wind findet mich, stellt sich mir entgegen dass die Augen tränen wollen – ist doch ein vertrauter, warmer, und auch das ist gut. Paar Meter weiter im Feld schnüffelt ein freundlicher Rottweiler an meiner Hose, will aber nichtmal spielen. Die Bäume noch leer.

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Überhaupt ist es leer hier, menschenleer, – häuserleer. Ich atme tief, und der Jumbo mit Schwanz zwischen den Wolken ist nicht mehr traurig. Nur noch
da.

Leicht rechts vor mir der Kahlenberg, weit links der Donauturm. Navigation nach Sichtmarken: Irgendwo da vorne muss also die Donau sein, nicht nur das Nirgendwo, obwohl es immer leerer wird: Nichtmal Hunde mehr hier, nur noch der eine oder andere Golf wummert technobassig vorbei, tiefergelegt ohne Zweifel, und schwarz. Natürlich schwarz.

Da rechts ein kerzengerader Weg, Kies, durchs Buschwerk ins Werweißwohin, wie kann man daran vorbeigehen? Nur so, wie die Sonne warmfarbiger wird, vor mir, jetzt abzubiegen wäre ein optisches Desaster, ein andermal vielleicht. Jetzt weiter in eine stachelige Welt.

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Die immer wieder unendlich beruhigende Verlassenheit.

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Der Himmel darüber errötet, vielleicht weil ich das flirten nicht lasse. Mein Himmel, will spielen!

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Dann Ende der Straße. Links oder rechts, aber nicht weiter donauwärts. Ich nehme die Schnellbahn, zwei Stationen, dann wieder die Stadt. Wie ein lebendes Wesen mit Augen und Mündern. Und laut. Viel zu menschenlaut.

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Daher noch donauseitig flussabwärts, den Wind wieder im Gesicht. Der Fluss schlägt Wellen, dass die Enten staunen. Die Schwäne wohl auch, aber die lassen sich nichts anmerken; schwappen wohlvertraut anmutig von Wellenkamm nach Wellental. Drüben die Lichter sind weitweg genug um schön zu sein, denn sie sind still.

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Jogger und Joggerinnen, zwei ältliche Walkerinnen mit Stöcken. Es ist Hunde-Ausführzeit, und das Second-Generation-Jungs-Rudel lacht den hässlichen Paris-Hilton-Hund mit Bodybuilder am Leinenende ungestraft aus, schweigt aber freundlich zum noch viel hässlicheren Mops der alten Frau. Der rostige Kahn unter rumänischer Flagge wirkt verlassen, erst auf den zweiten Blick sieht man den Langhaarigen im Windschatten des Aufbaus kauern. Er feilt an einem länglichen Metallstück, versonnen, mit langen Pausen, nimmt einen Schluck aus seiner Bierdose zwischen zwei Feilbewegungen, schaut zwei Mädels zu, die sich am Ufer mit groß gedachten Gesten gegenseitig fotografieren, lächelt dabei. Ich hebe die Hand zum Gruss, er winkt zurück.

Ein paar Meter weiter ein Luxuskahn, die Gäste oben verteilt in Speisesaal und Bar, unten in den Kabinen ein weißbeschürzter Schatten beim Staubwischen. Die Gangway völlig frei, man könnte hochgehen, sich irgendwo dazusetzen, das Menü verkosten: Vermutlich ungestraft. Sich in der Bar einen Whisky auf der Zunge zergehen lassen, dann; eine leere Kabine finden, in Bratislava einschlafen, in Ungarn aufwachen. Oder wird der Kahn flussaufwärts fahren, wenn er ablegt?

Stattdessen das Leuchten des Flusses hinter mir gelassen und mit einem leisen Seufzer wieder eingetreten, aus dem nächtlichen Erzählen von Wind und Wasser in Verkehrslärm und Leutegewirr, aus der freien Bewegung in die Choreographie der Stadt; – aus dem 2-Stunden-Urlaub in den Alltag. Auf bald.

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Es geht nach Budapest.

Der Himmel brennt

Geisterstadt

Panorama

Weltuntergang hinter UNO-City

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