Schlagwortem 2008

Schade, Jungs (und Mädels)!

Mit frisch gesundeten Lebensgeistern den Sufi ins halbmondige Herz von Favoriten begleitet, bisschen unsicher, treue Leser wissen: Ich mag Fussball, fürchte aber Massen. Die Stimmung in Favoriten wunderbar, Trommeln, Tröten, Hupen und Fahnen. Tanz und Gesang. Alles natürlich türkisch dominiert, drei Grüppchen versprengter Österreicher (eins davon wir), von denen jedes glaubt, das einzige zu sein. Und ein paar Polen. Und die Polizei, die im Mannschaftsbus mit offener Seitentür vorbeifährt, winkend und lachend, und freundlich zurückgegrüßt wird.

Flöten und Percussion bis zum Anpfiff, einer (ein einziger) versucht, Stille für die Hymne(n) zu schaffen – vergeblich. Wozu auch. Die Türken gehen gut los. Spiel konzentriert sich auf den deutschen Strafraum. “Ob sie das durchhalten können?” frage ich besorgt den Sufi. Er versteht mich nicht, die Tröten sind zu laut. Quert der Ball die Strafraumgrenze, springt in dem Gastgarten alles auf – ich auch, sonst hätt ich ja den Bildschirm nicht mehr gesehen.

Den schwülwarmen Gastgarten durchdringt ein Duft nach Raki, der Sufi fotografiert alles, was rot-weiß und/oder Halbmond trägt, am Horizont erste Blitze. Tropfen auch, ab und zu. Die Deutschen am Feld noch immer kopflos, die Türken dagegen fordernd und frech. Türkiye! Der Trommler am Gastgartenrand entfesselt. Da, das eins zu null! Es ist wie in der Cola-Werbung, wildfremde Menschen fallen einander in die Arme, Tröten geben ihr letztes, die Kamera vom Sufi beginnt, wegen Überlastung zu rauchen (ok, nicht wirklich, aber viel hat nicht gefehlt). Kaum sind die hämischen sms getippt und abgeschickt, da fällt der Ausgleich – von den Anwesenden mit demonstrativer Missachtung gestraft. Jedenfalls sagt keiner einen Ton.

40. Minute, da fällt kein Tor, sondern die ersten Tropfen. Technik im Rucksack gesichert, Rucksack an die Brust gedrückt, der Regen wird stärker, das Spiel lässt nicht nach. Ey, mein Bier wird nass! – Bildausfall, Wolkenbruch (In dieser Reihenfolge). Der Sufi erobert einen Platz in der schwülen Innen-Loge, die Kellner suchen hektisch nach einem Sender, der vielleicht doch noch sendet, vergeblich. Pause, dazwischen ist nix passiert. Draußen toben Blitze, drinnen läuft Werbung mit Beschwichtigungs-Insert “Bitte entschuldigen Sie die Satelliten-Ausfälle” – Na Hauptsache, wir können die Werbung sehen.

Drinnen ist es viel zu heiß, draußen regnet es kaum mehr, der Sufi sichert uns einen Platz unter dem Riesenschirm, neue Nachbarn, neue Fachsimpeleien, neue Verbrüderungen. Ankick der zweiten Halbzeit, immer noch die Türken unglaublich stark (vor allem Angesichts der ganzen Ausfälle aus den vorherigen Spielen). Über die weniger spannenden Schachzüge trösten die Gesänge ringsum, “Polska! Polska! bringt sich ein bislang unbescholtener Tisch ins Geschehen ein, Szenenapplaus, “Österreich!” rufe ich in gebührend leidendem Tonfall, Szenengelächter. Der Sufi bestellt einen Raki. “Tolle Lightshow!” Die Blitze am Horizont genau hinter dem TV-Gerät.

Regen wird wieder stärker, Spiel stagniert. Alles, was noch draußen ist, versammelt sich unter dem einen Sonnenschirm – unter dem zweiten das TV-Gerät. Wieder ein Angriff der Türken! Blitz, Sendeausfall, Windstoß, zwei 20m2-Sonnenschirme umgestülpt, Wasser überall, Windböen: Jetzt nur keine Panik, sondern besonnen schnell den Raki leeren, bevor zu viel Regen hinein fällt!

Zum zweiten Mal die Völkerwanderung zum Innen-Fernseher, der allerdings auch keine Bilder zeigt. Ratlosigkeit im dicht gefüllten Gastraum. Versprengte Türkyie-Rufe, angeheizt von einem nicht mehr ganz dichten Ösi. Nett. Immer noch kein Bild. Auf ZDF nicht, auf ORF nicht, äh… Ah! ja! Handy! Ticker! Twitter! Internet!

Denkste, One hat keinen Empfang. Drei auch nicht. Nur T-mobile wär verfügbar, aber niemand hat ein internetfähiges t-mobile Ding dabei. Verdammt, verdammt, verdammt. Irgendwo klingelt was, dann Jubel! Stille Post durchs ganze Lokal: Die Türken haben ein Tor geschossen! – Gar nicht wahr! – Nein, die Deutschen haben ein Tor geschossen! – Moment, beide haben ein Tor geschossen! Konfusion, “Gibt’s hier kein Radio?” fragt ein Gscheiterl, es gibt aber keins. Jemand mit Handy am Ohr schreit! “Die Schweizer! Die Schweizer senden!” -Aaah, endlich wieder ein Bild! 93. Minute, 3:2 für Deutschland, Türkei greift an! Jetzt oder…

Naja. Ein Spiel dauert 90 Minuten, und am Ende gewinnen die Deutschen. Wie wir alle wissen. Die türkischen Österreicher ringsum leiden schweigend, der “jetzt erst recht” österreichische Türkei-Sympathisant wird regelrecht in Schweigen ertränkt. Das war’s dann, Kinder. Schade, eigentlich.

Und ja, wer fussballtechnisch mehr wissen will, liest auch diesmal wieder Blumenau. Obwohl der auch nicht mehr gesehen hat als wir. Und drüben auf 11freunde.de kann man auch gut mitlesen:

Ziehen wir unter dieses Spiel den längsten Schlusstrich aller Zeiten: Ein Event für alle Eventfans, ein Tritt ins Gemächt all derjenigen, denen was am Fußball liegt. Die Deutschen spielten desorientiert, ängstlich, und wenn sie doch mal am Ball waren, behandelten sie ihn wie einen Luftballon mit Mickey-Mouse-Motiven drauf. Die Türken konnten ihre Freiheiten kaum fassen und deshalb auch nicht nutzen. Sie sind es gewohnt, Gegner nieder zu ringen. Dass ein Gegner sich aber freiwillig zu Boden wirft und weint – damit konnten sie nicht rechnen. War das die ebenso geniale wie perfide Taktik der Deutschen? Wir wollen es nicht wissen. Oder vielleicht doch. Irgendwann. Aiman Abdallah von Pro7 soll es uns eines Tages erklären.

Wir verabschieden uns, fahren bis zum Finale in den Harz und beobachten Hirsche, wenn welche vorbeikommen. Bis dann.

Schon wieder gewonnen!

Der Herr Sufi war Türkei-Feeling in Favoriten einfangen.

Es wär so schön gewesen…

Mehr als 1000 Worte…

Tja, da waren sie schon in der Überzahl, die deutschen Fans, im WUK. Das wir allerdings wegen Überfüllung vorzeitig verließen, um das Match gemütlich im Eipeltauer zu sehen. Schlecht war’n wir gar nicht Mal, aber der Ballack-Freistoß war außerirdisch. Den Rest möge man bei Blumenau nachlesen, der wieder Mal gekonnt alle Sport-Journalisten ins Abseits schreibt.

Das Wunder von Favoristanbul

Eigentlich war ja dieser EM-Sonntag dazu gedacht, nette Public-Viewing Plätze entlang des Wassers zu entdecken. Alte Donau, Donauinsel, Lobau – wenn es demnächst doch wieder warm wird, so dachten wir, wäre das doch nett. Eine Großbildleinwand vor Augen und ein Wässerchen vor den Füßen. Wir starteten um 5 Uhr nachmittags, fanden auch das eine oder andere nette Plätzchen, das Wetter so-so, das Publikum Sonntagsausflügler, die Stimmung: Schrebergarten. Trotz schöner Ausblicke und relaxtem Entengucken – einer musste es aussprechen. Der Sufi fasste es kurz: “Das ist hier nicht der richtige Platz für ein Türkei-Spiel.” Wir beratschlagten kurz, dann war es klar: Heim zu ihm, nach Favoriten. Ein fehlendes Rad an einem Opel auf der Tangentenzufahrt bremste kurz unsere Euphorie, doch auch dieser Stau war bald überwunden. Der zehnte Bezirk indes war verdächtig ruhig. Wir parkten das Auto und schlugen die Richtung “Kümmeltürk” ein (das ist jetzt keine Beleidigung, sondern der Name eines türkischen Lokals, in unserem EM-Büchlein mit dem Symbol für “Großbildschirm” gekennzeichnet).

Den Bildschirm gab es, die Tische aber waren alle besetzt, und es herrschte gepflegte Langeweile. Das bedurfte keiner Worte, wir machten schweigend in der Tür kehrt. Irgendwo hier muss es doch… ich spitzte die Ohren. Dolby Surround Stadion-Sound. Der Sufi entdeckte die zugehörige Tür. Sie gehörte zum Cafe Kümmeltürk, zwei Räume, zwei Fernseher, gerammelt voll. Der Kellner hatte uns entdeckt und organisierte 2 Stühle, der Sufi winkte mich von der Tür in die Mitte. Ich ließ mich auf dem mir zugewiesenen Stuhl nieder und die Augen schweifen. “Ist dir klar”, fragte ich flüsternd den Sufi, “dass ich in dem ganzen Lokal das einzige weibliche Wesen bin?” – Der Sufi nickte entspannt und bestellte zwei Bier. Ich hoffte leise, dass mein demonstrativ unparteiischer Sufi nicht allzu laut über gute Schachzüge der Tschechen jubeln würde. “Das ist ja ein türkischer Sender!” weckte mich der Sufi aus meinen Befürchtungen. Ja, das hatte ich auch schon bemerkt, aber ein Fussballspiel kann man auch ohne Kommentar ganz gut verstehen. Manchmal sogar besser.

Der Rest der ersten Halbzeit eher fade, ein Tor der Tschechen, ein kollektives “ooooouuuh” rund um uns. Sonst weiter nichts als der Gummibärchengeruch von Red Bull.

Die zweite Halbzeit, inzwischen hatten wir uns mit unseren Tischnachbarn angefreundet und waren auf ein weiteres Bier eingeladen worden. Der Sufi erzählte gerade die Geschichte mit dem Esel und dem Bus in der Nordtürkei, da ging es wieder weiter. Der Regen am Bildschirm wurde stärker, das Spiel der Türken aber auch. Trotzdem schossen die Tschechen das zweite Tor. Das “ooouuuuhh” eher ein bisschen leiser als zuvor. Niemand wollte mir erklären, warum der türkische Torwart mit der #23 spielt und warum der türkische Kommentator immer “Kollersch” sagte, wenn er Jan Koller meinte.

Da plötzlich, und eher unerwartet, das 1:2. Rund um uns freudiges Aufseufzen. Kaum 10 Minuten später der Ausgleich – keiner blieb sitzen. Meine Mitfreude ein bisschen gedämpft durch die 120 Kilo, die mir jubelnd auf den Fuss sprangen, aber was soll’s, es war ja keine Absicht. Nüsse, Bier und Red Bull blieben unbeachtet liegen. Die Lautstärke jetzt auf Anschlag. Erstaunlich unaufgeregt immer noch der türkische Kommentator im TV, aber die Stimmen vor Ort machten das mehr als wett. Dann 3:2! Keiner hatte es zu hoffen gewagt, das Glück kannte keine Grenzen. “So müsst ihr das auch machen, morgen!” empfahl unser freundlicher Tischnachbar, bevor er mit seiner Tröte mein Trommelfell für Stunden demolierte. Sitzen war jetzt nicht mehr, zumindest wenn man auf den Bildschirm sehen wollte. Die rote Karte für den Tormann, warum? Die erklärende Zeitlupe erst viel später. Jubel, Ratlosigkeit, Schlusspfiff!

Binnen Sekunden leerte sich das Lokal, auf der Straße bereits die Hölle los. Lauthalse Feierstimmung, man konnte nicht anders als mit. Der ganze zehnte Bezirk ein türkischer Autoparcours, Fahnen, Gesänge, aber alles sehr positiv. Die Polizei genau so freundlich, die Busfahrer zentimeterweise um die Kurve und dabei mitwinkend, der Reumannplatz ein singendes Fahnenmeer. Gegen wen es jetzt im Viertelfinale geht, habe ich momentan vergessen, aber wir werden wohl wieder mittendrin dabei sein.

Ein paar Impressionen

 

Favoristanbul feiert @ chronistin.blogr.com

…und dann war da noch der freundlich angegraute Schauspieler auf dem Weg vom Flugplatz, der mich an der Bushaltestelle in näselndem Schönbrunner-Wienerisch fragte: “Sagen Sie, warum singen und hupen denn die Menschen hier?”

EM-Blogging entfällt vorerst…

Wegen akuten Projektstaus fehlt mir die Zeit zum Fernsehen-und-dabei-unqualifizierte-Kommentare-Abgeben.

EM-Blogging, Tag 4

Spanien – Russland
Hymnenmäßig würde ich sagen unentschieden, musikalisch sollte bei solchen Melodien mehr drin sein. Dafür beginnt das Spiel trotz Regenschauers schnell und beidseits motiviert.

Natürlich fällt das erste Tor genau dann, wenn ich Mal kurz draußen bin. Und keiner sagt mir, ob’s ein schönes war… :(

Woah, 2:0 – die Spanier sind besser als ich dachte. Und ein schönes Tor war’s auch noch! – So, Halbzeit.

Kopf einziehen, die Satellitenleitungen fliegen tief! (Was hat der deutsche Moderator eigentlich eing’worfen? Hätt ich auch gern was davon!)

[Muss nochmal weg, hoffentlich verpass ich nicht zuviel…]

EM-Liveblogging, Tag 3

Boah, die Rumänen singen heftig! – Französische Hymne leider überhört. Die blau-orangen Dressen sind auch recht hübsch. Und es geht gleich schnell und heftig zur Sache, am Spielfeld und auf den Stimm-Rängen.

Hm, Bildausfälle am ARD, ich werd doch nicht ORF schauen müssen? …geht wieder.

Die ersten 5 Minuten waren ja ganz nett, doch jetzt herrscht Ratlosigkeit auf dem Rasen.

Hmhm, erste Halbzeit schon vorbei? Außer der seltsamen gelben Karte war da ja nicht wahnsinnig viel los.

Hmhm, nettes Schnuckelchen eingewechselt bei den Franzosen. Das macht das Spiel aber auch nicht besser. Die Franzosen frustriert von der dichten Abwehr, die Rumänen wirken fast verwundert, dass Frankreich noch kein Tor geschossen hat. Mittlerweile die Rumänen öfter am Ball, aber sie wissen nicht recht wohin damit. (Ging uns Ösis ja ähnlich… :( )

Frankreich – Rumänien 0:0 – Erstaunlich, sehr erstaunlich.

So, auf zum zweiten Spiel. Die Italiener haben aber schon Mal lauter gesungen… aber die Hymne schlägt jedenfalls die holländische um Längen. Dafür sind die holländischen Dressen knalliger. So gesehen: 1:1.

Eigentlich ist mir momentan gar nicht nach Fussball, können die nicht später spielen?

Wie jetzt, kein Abseits? Tor? in Orange?

Hammerhart. Die orangen Bulldozer haben schon wieder eins drin. …arme kleine Italiener…

Schnelles, spannendes Spiel soweit… verdammt… wollte doch nebstbei noch was arbeiten… (Jetzt aber bitte ein blaues Tor!)

Was gearbeitet. Noch immer kein blaues Tor. Anderblogweitig ertappt gefühlt.

NOCH ein oranges Tor. Irgendwie sind das Endspielqualitäten von den Orangen. Die Italiener, wie sagte der Moderator eben? “Immerhin versuchen sie es noch.”

Niederlande – Italien 3:0 Und jetzt alle: “Ojeeee ojeojeoje…”

EM-Blogging, Tag 2

Der Sufi will unbedingt public viewen, dabei bin ich doch noch gar nicht recht bereit dazu. Ist doch erst der zweite Tag… nawassolls. Schaun wa uns halt an, was aus dem Flex geworden ist.

Unterwegs verzettel ich mich ein bisschen, nett ist es in der Kunstzone Karlsplatz, erreiche den Donaukanal erst mit dem Beginn der österreichischen Nationalhymne. Was soll ich sagen? Das ganze halbe Zelt sang mit (ich dann später, aber nur aus Trotz und weil ich halt den Text seit damals kann, bei der deutschen). Viele waren rotweissrot bemalt, der Einzelgänger im Kroatien-Trikot konnte einem ein bisschen leid tun. Vorerst. Noch. Ab der vierten Minute dann nicht mehr so sehr. Aber trotz Niederlage, unsere Jungs sind besser als befürchtet. Streckenweise spielen sie sogar richtig Fussball. Ich hatte mir das viel schlimmer vorgestellt.

Sage ich auch dem Vollproll, der mir nachher erzählen will, dass der Hickersberger verprügelt gehört. Er hört mir aber eh nicht zu (möglicherweise besser für mich).

Noch ein Spiel hier? Sehen könnte man ja zu Hause besser. Aber der Sound ist gut. Und zum schauen gibt es auch so jede Menge. Hüte und Licht-Tröten und kreative Bemalungen. Und das Bier ist Wieselburger, nicht, so ein lätschertes, naja, “Fanbier”. Und die Stimmung. Und außerdem, naja, wir sind ja schon da.

Beim zweiten Spiel dann ein etwas ausgeglicheneres Fan-Verhältnis. “Die Deutschen” waren aber nicht nur am Spielfeld, sondern auch im Flex (stimmlich) deutlich stärker. Der Sufi flüchtet Müdigkeitsbedingt in der Pause, und das erweist sich als guter move. Während das Spiel spannend bleibt, geht den Fans mit Regenbeginn (ca 60. Minute) etwas die Luft aus. Das Zelt ist nicht dicht, die Hallen-Leinwand hat Empfangsprobleme, und die 11 Bildschirme an der Bar laufen ohne Ton. Hm. Schönes zweites Tor trotzdem, und dann isses aus. “Scheißtag”, fasst einer an der Theke es zusammen, “Erst verlieren wir, und dann gewinnen auch noch die Deutschen!”. Am Häusl noch, etwas sinnierender, ein Gör im Polen-Trikot: “Die Kroaten und die Deutschen haben gewonnen, die Österreicher haben die Party, aber was haben wir?” – “Na immerhin einen Formel1-Sieg”, hätte ich sagen können, wusste ich aber zu der Zeit noch nicht. Aber unterm Strich hat ja doch jeder etwas bekommen.

In der U-Bahn dann noch ein Trupp Kroaten, einer davon mit Gitarre, und alle singen sie kroatische Lieder. Dann tuscheln sie ein bisschen, blinzeln zu einem traurigen Trüppchen mit großen Österreich-Hüten, einer ruft: “He Kollega, wird schon wieder gut!” – und dann singen sie “Immer wieder Österreich”, in ihren Kroaten-Leiberln, und der Rest der U-Bahn freut sich mit.

EM-Blogging, Tag 1

(Subjektives Spass-Live-Blogging, ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder Richtigkeit.)

So, jetzt fängt sie also an, diese EM. Mit Alphornbläsern. Und Menschen in seltsamen Ballonanzügen mit Kisten auf dem Kopf. Und mechanischen Kühen. Muss kichern, irgendwie mag ich den Schweizer Humor. Oder ist das gar nicht lustig und ich versteh nur nichts von Kunst? Der Moderator weiß es auch nicht. Vor meinem Fenster ein Gewitter. Soll ich mir jetzt ein Bier aufmachen oder später? Immer diese Entscheidungen…

Spiel 1: Schweiz gegen Tschechien. Die Tschechen singen ihre traurige Hymne und haben einen Dschingis Khan mitgebracht. Die Schweizer lassen vorsichtshalber Heidi singen. Das Publikum ist begeistert.

OK, an’kickt is’. Die Schweizer jubeln. Mein Nachbar geigt unbeeindruckt. Die Tonleiter endet mit dem ersten Schweizer Torschuss.

Abgelenkt vom Telefon. Die Schweizer scheinen sehr motiviert zu sein, obwohl Dschingis Khan schon einen von ihnen gehauen hat. Oder sie laufen deshalb so viel, damit ihnen bei 13 Grad im Stadion nicht kalt wird.

Ich weiß jetzt nicht genau, ob mich die Arbeit vom Fussball ablenkt, oder umgekehrt. Mein Fernseher ist zu klein, um die Feinheiten zu sehen. Ich kauf mir aber trotzdem keinen neuen. Ich verlass mich auf den Sprecher. Auf den deutschen also. Ich weiß auch nicht, die hiesigen Fussballkommentatoren und meine Ohren, das passt nicht zusammen.

Nebenbei nach Open-Air-Locations gesucht. Die Fanzone kommt keinesfalls in Frage – mieses Bier und Kleidungsvorschriften, nein danke! Das Flex darf leider nicht so, wie es will. Hm. Das Geschrei eben war übrigens schon wieder kein Tor.

Oh yeah, Körpereinsatz in Zeitlupen-Nahaufnahme, dazu EmotionsGesichter, für die das Spiel bitterer Ernst ist. So geht Fussballfernsehen.

Pause.

Zweite Halbzeit, Dramen und Gebrüll, aber keine Tore. Seltsam. Wenn ich raus gehe, fällt doch sonst immer ein Tor?

Gebrüll, aber noch immer kein Tor. Wenn die nicht öfter Mal eine Großaufnahme bringen, wie soll ich dann meinen neuen Lieblingsspieler finden?

Wasumallerweltwardasdenn? Ein Tor? Für die Tschechen? Woher? Warum?

Geht recht heftig zur Sache jetzt. “Wer kein Tor schießt, bekommt eins” unkt der Sufi telefonisch. Noch 3 Minuten. Die Schweizer wirken leicht konfus.

Oj-Je! 0:1 – Ich hätt ja den Schweizern das erste Tor & den ersten Sieg gegönnt. Hmhm. Dann schaun wir Mal weiter.

Spiel 2: Portugal – Türkei

Die Portugiesen singen laut, falsch und mit Begeisterung, und die Jungs sehen ganz gut aus. Die Türken singen auch, aber leiser. Und das Matchcenter hat es richtig erkannt: Das Spiel hat begonnen.

Das Spiel läuft hinter mir und klingt langweilig. Die Arbeit vor mir deutlich spannender.

Hups, das wär ja jetzt fast ein Tor gewesen. So plötzlich aus dem Hinterhalt.

Akustisch betrachtet wird das Spiel offenbar langsam schneller (Ha!). Hab aber noch keine Zeit zum Hinschaun.

Erste Halbzeit beendet, 0:0 – glücklich oder unglücklich, je nach sichtweise. Dürft aber schön gespielt gewesen sein (ich arbeite noch immer).

ZDF Kommentator: “Auf zdf.de, da haben wir dann auch einen Blog eingestellt”. Hm, aha.

Oh ja, Tor! Und was für eins! Fesch!

Woah, und noch eins! Portugal, va! (oder wie immer das auf portugiesisch heißen mag)

uuund, abpfiff. 2:0 Übrigens, der 5. Bezirk ist erstaunlich ruhig geblieben, trotz Türkei-Spiel. Hmhm. Sind die alle in der Fan-Zone?

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