Schlagwortfrust

Stricksorgenkind

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Es hat so schön begonnen mit dem Westen-Projekt (hier das Strickmuster), aber danach wurde es immer mühsamer. Der erste Rückschlag war, dass ich deutlich zu wenig Wolle geordert hatte – wer denkt auch daran, dass es 50g-Knäuel geben könnte? – Ich nicht! (Man hätte natürlich auch die Details lesen können, aber, naja…). Beim ursprünglichen Shop gab es die Wolle nicht mehr, und erst nach langer Suche konnte ich sie (etwas abenteuerlich mit Zahlungsvarianten und Pfund-Umrechnung) direkt aus England nachbestellen.

Der zweite Haken war, dass das Muster voller Fehler steckte. Und das, wo ich zum allerersten Mal entschlossen war, der Vorlage bis zum Ende zu folgen – meistens bin ich schon nach dem Bündchen voll in meine eigenen Ideen verstrickt. Hier blieb ich stur und musste das erste Drittel insgesamt drei Mal stricken, bevor es passte. (Vermutlich hätte ich es nach dem zweiten Auftrennen in die Tonne getreten, hätte ich nicht die hilfreichen Anmerkungen anderer Ravelry-Stricker gefunden.)

Schließlich blieb das nicht mehr sehr geliebte Stück drei Wochen unberührt liegen, weil es mich so nervte, völlig unnötig (weil nicht von Farb-Notwendigkeiten getragen) mit drei Knäueln herumzujonglieren. Zur Fertigstellung entschloss ich mich nur, weil ich mir nicht erlaubte, mit etwas Neuem anzufangen, bevor das Ding nicht fertig war.

IMG_9606Da ist es nun, und ich kann mich beim besten Willen nicht mehr erinnern, warum ich das Ding so dringend machen wollte. Zum einen weiß ich gar nicht, worüber ich die Weste tragen wollte – ich fand’s zwar spannend, einmal etwas Körperbetontes zu stricken, und finde es beglückend, dass es tatsächlich passt, aber ich hab eigentlich nichts, was ich darunter anziehen könnte. Zum anderen geht die wunderbare Struktur der Wolle bei diesem Muster beinhae unter. Und zum dritten habe ich mich so oft über das Projekt geärgert, dass ich gar keine Lust mehr habe, es auch nur anzuschauen (was man auch an dem etwas lieblosen Selbstportrait merkt).

Ich werd die Weste also erst Mal unvernäht liegen lassen und in einer Woche entscheiden, ob sie bei mir bleibt oder wieder aufgetrennt wird, um mit der nach wie vor geliebten Wolle etwas ganz anderes zu machen.

Es ist gar nicht so einfach

…das mit dem Wiedermehrbloggen. Wobei ich ja für den heutigen Tag eine ganz nette Geschichte im Kopf hatte, vom Ausschlafen wollte ich erzählen und von dem Glücksgefühl, das sich morgens einschleicht, wenn kein Wecker läutet, wenn Körper und Geist ganz alleine auf die Idee kommen können, aufstehen zu wollen. Aber dann war ich erst einmal mit meiner Computer-Neuinstallation beschäftigt, dann mit Administrativem zu meinem – endlich fertigen! bald ankommenden! – neuen Buch, dann mit einem bald fälligen Artikel, dann wollte ich doch noch ein bisschen Sonne erleben, bevor sie wieder weg ist, dann war die Wäsche aufzuhängen, dann hatte ich langsam wirklich Hunger und musste etwas dagegen tun, dann war mir noch was zu dem Artikel eingefallen, dann bastelte ich an der Optimierung meiner ToDo-List herum, dann wollte ich doch zumindest einmal am Tag die Nachrichten sehen, dann erst kam ich zum geplanten Story-Reaktibieren, dann fiel mir ein, dass ich auch auf diesturm.com noch ein bissl was tun wollte, um meine Arbeitsproben in Zukunft schneller und einfacher verlinken zu können, dabei habe ich mich kurz im Stylesheet verloren, und, verdammt, schon ist es wieder 23 Uhr.

Mal sehen, ob’s mir morgen besser damit geht. Der Blick aufdie ToDo-List sagt: Nein.

Was passiert, wenn man mich wütend macht

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11,4 Kilometer in 1:58. Keine Ahnung ob das schnell oder langsam ist, ohne zu laufen. Nicht im Bild: Die Rage against the Machine-Scheibe aus dem Kopfhörer. Ebenfalls nicht im Bild: Die Schwimm-Pause einmal zur Insel und zurück und die zweieinhalb spazierten Kilometer zurück zur Busstation.

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Auch in diesem Bild nicht: Seltsame Telefonate, Emails und SMSe.

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Die Sonne will nicht rot werden. Warum sollte sie auch? Sie hat nichts falsches getan.

Und hier noch, was passiert, wenn der Hunger am Ende zuschlägt und der nächste Bus erst in 25 Minuten kommt:

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Ein Glück, dass ich nicht marschiere, um abzunehmen.

ÖBB Westbahn zwischen Eichgraben und Neulengbach wegen Kupferdiebstahls unterbrochen. #seufz

6 Kleinkinder im wartebereich. Der Flug wird sicher heiter. #seufz

WTF?

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Echt, es reicht es reicht es reicht mit dem Schnee!

RT @Christiane: Nooooo! RT @TheNextWeb: Google to axe Google Reader on July 1 as part of larger round of app closures

Wundern über die Technik, während der Fussball vorbeiläuft

Als heute am späteren Nachmittag das drei-Handy-Netz ausfiel, fand ich das zwar lästig, aber nicht wirklich tragisch. Technik kann immer mal ausfallen, und wer aus Aufregung über so etwas einen Herzinfarkt kriegt, der hat ihn irgendwie auch verdient. Ich regte mich also nicht auf, musste und wollte aber trotzdem telefonieren – Alternativen waren gefragt. Festnetz ist längst abgemeldet, aber natürlich hab ich Skype. Allerdings kein Mikro, ich verwende Skype sonst nur als Chat. Mein Blick fiel aufs Bluetooth-Headset, und mein Hirn erinnerte den USB-Bluetooth-Adapter, den ich vor ein paar Tagen beim Hofer gesehen hatte. Die Uhr meinte, dass sich das gerade noch ausgehen könnte, und tatsächlich gelang es mir, den Mini-Blaustrahler drei Minuten vor Ladenschluss zu erwerben.

Die Ein-Blatt-Anleitung behauptete, für Vista wären keine Treiber notwendig, und tatsächlich: Windows erkannte das Ding und zeigte gleich darauf freundlich ein kleines Bluetooth-Symbol im Taskbereich an. Dann brauch ich ja nur noch koppeln, oder? Hier lauerte die erste Hürde: Die Anleitung des Kopfhörers war längst irgendwo in der großen Ablage verschwunden, und ich konnte mich beim besten Willen nicht erinnern, wie man das Gerät in den Erkennungsmodus versetzt.

Drei Google-Minuten später fand ich die Lösung in einer Amazon-Rezension. Wunderbar. Die passenden Knöpfchen in richtiger Reihenfolge lange genug gedrückt, und schon tauchte das Headset in der Liste der Bluetooth-Geräte auf. Na dann wollen wir doch mal… auf “Verbinden” klicken.

Wohlwollend betrachtete ich die Sanduhr, die sich unter dem Wort “Verbinde…” drehte. Sie drehte schon etwas lang für meinen Geschmack, aber einen alten Computer soll man ja nicht hetzen. Schließlich poppte ein unerwartetes Fenster auf. Windows wollte einen Treiber für mein Headset. Jahimmel, wo soll ich den denn hernehmen? Im Headset-Schachterl war seinerzeit nur das Gerät und das Mini-Anleitungs-Heft gewesen. Ich schickte Windows auf eigenen Vorschlag auf die Suche im Netz. Es suchte. Es suchte lange. Es fand nicht.

Ich suchte selber im Netz, sowohl mit der Headset-Bezeichnung von der Schachtel als auch mit der aus dem Bluetooth-Fenster. Ich fand auch nicht.

Also nochmals die Google-Maschine angeworfen und nach anderen mit meinem Problem gesucht. Nach drei Versuchen mit zunehmend engeren Suchwörtern lauthals alle SEOs verflucht. Ich will das verdammte Headset NICHT kaufen, ich hab’s ja schon! Und ich will verdammt nochmal auch NICHT wissen, wo ich es eventuell noch billiger gekriegt hätte, als es eh schon war!

Mittlerweile war es drei Minuten vor sieben, und ich hatte die erste Halbzeit des Portugal-Spiels verpasst. Den Schreien der Nachbarn nach zu urteilen dürfte es spannend gewesen sein. Ich startete mein Telefon neu, in der Hoffnung, das Netz-Problem wäre mittlerweile behoben. War es nicht. Ich startete Skype, aber wer will schon chatten, wenn Fussball läuft.

Im Fenster daneben problemlöste ich weiter. Nach unzähligen mehr oder weniger gut maskierten Verkaufs- und Bewertungsseiten fand ich ein niederländisches Forum, in dem jemand dasselbe Problem gehabt hatte. Die meistvorgeschlagene Lösung (drei Mal) war die Software “Bluesoleil”. Ich folgte einem Link zur Webseite und wurde von der Meldung empfangen, dass die Seite gerade überarbeitet wird, und dass sie in 1 (einem, nicht drei!) Tagen wieder verfügbar wäre. Wunderbar, wunderbar, wunderbar. Das großartige Internet fand aber aber ein paar alternative Downoadseiten. Ich klopfte drei Mal auf Holz und lud.

Twitter erzählte mir derweil, dass die Portugiesen drei Tore geschossen und damit gewonnen hatten. Ich seufzte leise und installierte die Software. Oder versuchte es zumindest. Das blöde Ding wollte aber unterwegs unbedingt nach Hause telefonieren, und der Server war ja bekanntlich… im Upgrade begriffen.

Es ging jetzt gegen acht Uhr. Wieder einmal startete ich mein Telefon neu, wer weiß, ob so ein Galaxy-Tab mitbekommt, dass das Drei-Netz wieder da ist?

Es war aber nicht da.

Mittlerweile war es ohnehin zu spät für die Anrufe, die ich noch hätte machen w/sollen, und ich hätte es auch lassen können. Wenn ich gekonnt hätte. Aber, ein lächerliches Headphone unter dem lächerlichen Vista zum Laufen zu bringen, das muss ja wohl machbar sein! 2012! Und überhaupt!

Auf Seite Hundertdrei der Suchresultate erzählte einer, dass er dasselbe Headset mit demselben Adapter mithilfe eines Toshiba-Treibers zum Laufen gebracht hatte. Derweil die Deutschen in Kharkiv ankickten war ich verzweifelt genug, auch diesen Treiber runterzuladen. Tatsächlich ließ er sich installieren, übernahm problemlos die Bluetooth-Kontrolle von Windows und erkannte mein Headset. Ich konnte sogar den Ton in den Kopfhörern – HÖREN! Ein Wunder war geschehen!

Die Freude war allerdings von kurzer Dauer – denn von einem Mikro wusste mein Computer immer noch nichts. Und der Ton kehrte, trotz ausgeschaltetem Headset und erweiterten Einstellungen, einfach nicht auf die Lautsprecher zurück.

Ich fluchte drei Mal kräftig und dankte dem Schicksal für Wiederherstellungspunkte. Es dauerte auch nur ein Viertelstündchen, bis mein PC sich wieder auf dem Stand von heute früh befand. Dass ich derweil schon eine halbe Stunde vom Deutschlandspiel mehr verpasst als gesehen hatte… meine Güte. Fussball gespielt wird schließlich immer wieder, und der Livestream ruckelt heute eh mehr als dass er läuft.

Nach dem Hochfahren kam ich auf die glorreiche Idee, den Bluetooth-Adapter mit der mitgelieferten CD zu installieren. Obwohl der Adapter ja eh lief. Und obwohl das Installieren externer Treiber unter Vista im Beipackzettel ausdrücklich NICHT nicht empfohlen wird. Aber, nach drei (vier?) Stunden unfreiwilliger Isolation pfeift man halt auf Empfehlungen.

Ich startete den Installer, stellte fest, dass es sich um das früher ohnehin schon empfohlene Bluesoleil handelte, und war übergangslos vergnügt zuversichtlich. Verfrüht. Der Installer installierte drei Minuten lang ohne Fortschritt des Installationsbalkens fröhlich vor sich hin, nur um sich dann mit einem “Fehler 5” (nicht drei) zu verabschieden.

Deutschland schoss unterdessen zwei (nicht drei) Tore, und ganz Twitter brüllte “GOMEEEEEZ!”. Ich warf den einen oder anderen zerstreuten Blick auf den Livestream, während ich “Fehler 5” googelte und mein Tab wieder einmal neu startete – vergeblich. Fehler 5, erfuhr ich, nachdem ich ungefähr 33 Seiten angeklickt hatte, die mir Optimierungssoftware für meinen PC verkaufen wollten, Fehler 5 weist auf unzureichende Rechte hin. Ich startete den Installationsprozess “als Administrator”, und tatsächlich – das Ding installierte, und sogar der Balken bewegte sich.

Circa drei Millimeter vor dem Ende des Balkens bremste sich der Fortschritt ein, um noch ungefähr drei Minuten lang den Anschein von Geschäftigkeit zu erwecken. Dann gab die Software auf und meldete einen “Fehler 183”. Der war, im Gegensatz zu seinem Vorgänger, im Internet schnell entlarvt: Die 32-Bit-Version mag halt nicht auf einem 64-Bit-System arbeiten. Aber – alle Links zu einer 64-Bit-Version führten auf die Webseite von Bluesoleil, die – wie gesagt – nur eine freundliche Meldung zu einem Serverupgrade ausgab.

Und das war der Punkt, wo mir wirklich nichts mehr einfiel.

Mittlerweile war das Spiel abgepfiffen, die Deutschen hatten wieder einmal gewonnen, und mein Phon war nach über sechs (=zwei Mal drei) Stunden immer noch tot. Skype dagegen war zwar lebendig, aber ohne Mikro auch recht nutzlos. Ich schickte noch ein paar Skype-SMSe in die Welt, um mich für den Abend abzumelden, als – Gepriesen sei’s dem großen Dingsda! Al-Hamdullih-Siewissenschon! Heureka!  – mein Phon ein Geräusch von sich gab, das nur von einem lebenden, verbundenen Phon kommen konnte.

Um 23:35. Sechs Stunden und 45 Minuten nachdem sich das Netz grußlos verabschiedet hatte. 6 Stunden und 45 Minuten, in denen es mir nicht gelungen war, ein lächerliches Standard-Bluetooth-Headphone über einen lächerlichen Standard-Bluetooth-Adapter mit einem lächerlichen Standard-Windows-Vista-PC zu verbinden.

Vielleicht wär die Sache mit der Brieftauben-Zucht ja doch keine so blöde Geschäftsidee.

Vernetzt, verwirrt, verlinkt – Ich? Hier? Wo?

In unregelmäßigen Abständen befällt mich tiefe Unzufriedenheit über meine Netzpräsenz und damit das drängende Bedürfnis, ganz einfach alles zu ändern – und das natürlich möglichst sofort. War das früher einfach (ein neues Template ist schnell programmiert, wenn man erst einmal eine optische Idee hat), haben sich mittlerweile die Seiten ebenso wie deren Verlinkungen vervielfacht, und man muss an so viele Kleinigkeiten denken, dass mir schon in der ersten Planungsphase (im Kopf) die Lust vergeht. Und so bleibt oft alles so, wie es ist – und ich habe keinen Spass mehr daran, Inhalte zu erstellen, weil Form wie Function des zur Verfügung stehenden einfach nicht meinem momentanen So-Sein entspricht. Dazu kommt, dass in den “sozialen” Netzen die Entscheidung einer Änderung gar nicht bei mir liegt – denn ob die Facebook-Timeline gestern oder übermorgen aktiv wird, ob ich beim Twitter-Besuch die aktuelle oder die vorletzte Version sehe, kann ich selbst nicht beeinflussen.

Ein erstaunliches Merkmal dieses Luxusproblems ist, dass es immer nur dann auftritt, wenn ich bis über beide Ohren mit Arbeit eingedeckt bin, also im Grunde eh keine Zeit hätte, alles das umzusetzen, was mir vorschwebt. Eine andere Konstante ist seit ein paar Jahren der Gedanke: ‘Facebook geht mir so auf den Arsch Geist, ich lösch jetzt meinen Account. Aber wirklich. Sofort.’

Anyway. Insgesamt sind meine momentane Netz-Unzufriedenheit im allgemeinen und die Skepsis zu sozialen Netzwerken im besonderen Grund genug, mich Konstantin Klein und Don Dahlmann anzuschließen und eine Bestandsaufnahme meiner digitalen Identitäten in diversen Netz- und Werken zu versuchen.

Twitter – Twitter ist für mich ein seltsam schizophrenes Ding. Während ich mich aktiv auf Befindlichkeitsmeldungen beschränke (ergänzt durch automatische Posts über sonstige Netzaktivitäten), ist es mir passiv längst zu einem der wichtigsten Nachrichtenmedien geworden. Alles, was “breaking” sein könnte, suche ich erstmal auf Twitter, bevor ich die üblichen Verdächtigen (ORF, Standard, ZDF) aufrufe. Zudem macht es einen Höllenspass, auf Twitter “gemeinsam” fernzusehen. Ob das nun der Tatort ist oder eine hochpolitische Talkshow – ohne die Tweets dazu fehlt einfach etwas.

Facebook – Facebook kriegt meinen persönlichen Preis für ‘längstmöglichstes Aufrechterhalten der breitestmöglichen Ambivalenz’. Anders ausgedrückt – Facebook ist das Ding im Netz, was ich seit jeher wenigsten mag, aber unterm Strich trotzdem extrem vermissen würde – wenn es plötzlich weg wäre. Der Hauptgrund dafür ist, dass sehr viele Kontakte einfach nirgends sonst zu finden sind. Alte Heimat, alte Musiker, alte Freundschaften – das alles finde ich nur dort. Ich wünschte, alle diese Menschen hätten Blogs mit RSS-Feeds, die ich abonnieren könnte. Oder Twitter-Accounts. Oder wenigstens, verdammtnochmal, einen lächerlichen altmodischen Email-Newsletter. Haben sie aber nicht. Und deshalb, genau deshalb und nur deshalb, komm ich aus Facebook nicht raus – egal wie sehr mich policies und politics dieser irgendwie doch sehr suspekten Firma nerven.

Google + – Ist in meiner Wahrnehmung mausetot. Und das, obwohl sich dort – wenn ich dann doch einmal reinschaue – die spannendsten Links, die durchdachtesten Diskussionen und die interessantesten Standpunkte finden. Der Grund dafür ist höchst trivial: Ich müsste eine eigene Seite/App aufrufen, um G+-Einträge wahrzunehmen. Und das mache ich nicht. Wenn ich am Desktop arbeite, steht yoono auf der linken Seite meines Bildschirms, und egal, was ich mache – die Einträge meiner Twitter-, Facebook-, Flickr- und Youtube-Kontakte laufen automatisch vorbei. Unterwegs bringt mir Tweetdeck immerhin noch Facebook und Twitter in einem aufs Phon. Extra eine Seite ansurfen? – Nein, wirklich nicht.

Google Reader – ist immer noch das wichtigste Werkzeug für die Informationsbeschaffung jenseits der Daily News. Die Share-Funktion vermisse ich schmerzlich, sowohl aktiv als auch passiv. Diverse Experimente zum Nachbau dieser Funktion – über Bookmarking-Dienste, ifttt und halbhändische Sammlungen in diversen haben lange nicht zum gewünschten Erfolg geführt. Mittlerweile habe ich eine für mich akzeptable Lösung, und die läuft auf:

Soup.io. Ehrlich, ich hab nie verstanden, wieso die Wiener Suppenküche so ein Schattendasein in der Netzwahrnehmung fristet – im Grunde ist sie nämlich deutlich cooler als Tumblr und Posterous zusammengenommen. Und wird daher auch weiterhin meine bislang liebste Annäherung an den “Lifestream” bleiben. Wobei – Mal sehen, was die Suppenzukunft bringt!

Path – könnte mir gefallen und in meiner Social-Hitliste ganz schnell ganz nach oben steigen – wenn, ja wenn – zum einen mehr meiner Kontakte dort wären und es zum anderen ein Webinterface hätte.

Last.fm Hat bei mir mit der Entdeckung von Spotify eine Renaissance erlebt, weil es die Songlisten aus Facebook raus bringt.

Kaspersky will kein Geld verdienen

Meine Lizenz nähere sich dem Ablaufdatum, meldete mir das Sicherheitspaket meines momentanen Vertrauens heute morgen freundlich. Ob ich nicht vielleicht verlängern möchte? Daneben ein Link. Ich mochte, klickte und gelangte zu einer Webseite. Dort wurde mir bedauernd erklärt, dass ich wohl die Lizenznummer falsch eingegeben hätte. Ich möge es doch noch einmal versuchen und ansonsten den Kundenservice kontaktieren (mailto-Link).

Ich hatte aber gar keine Lizenznummer eingegeben – die hatte das Programm offenbar mitgeschickt. Für mich soweit OK – abgesehen davon, dass der Shop sie nicht akzeptierte. Ich versuchte es also nochmals, mit dem erwartbar gleichen Resultat, und klickte dann den Mailto-Link. Schilderte freundlich mein Vorhaben und das Problem und drückte auf “senden”.

Eine halbe Minute später hatte ich eine automatische Antwort im Postfach – mit dem Betreff: “Ihre Anfrage wurde zurückgewiesen”. Darin wurde ich darüber informiert, dass meine Anfrage über keine gültige “Anfragenummer” verfügt, und dass ich doch das Anfrageformular benutzen möge, um mein Anliegen vorzutragen und eine Anfragenummer zu erhalten. In meinem Hinterkopf begann leise Reinhard Mey zu singen.

Dennoch folgte ich dem angebotenen neuen Link und füllte brav das Formular aus. Mit Ausnahme der Schuhnummer wurde dort so ziemlich alles abgefragt, was für eine Lizenzverlängerung völlig irrelevant und überflüssig ist. Ich füllte und drückte auf “senden”. Umgehend erhielt ich eine automatische Antwort, die mir mitteilte, dass sich in Kürze ein Mitarbeiter um mein Anliegen kümmern würde, und dass ich eine Ticket-ID erhalten hätte – und wie diese lautete. Dass es kein guter Stil ist, das Wording für einen Vorgang innerhalb des Vorgangs zu ändern (Tickert ID vs Anfragenummer, vorausgesetzt, das ist dasselbe) war mir zu dem Zeitpunkt schon relativ egal. Hauptsache Nummer.

Überrascht war ich, als kaum eine Stunde später bereits eine Antwort von einem echten menschlichen Wesen im Posteingang ankam. Vorbildliche Reaktionszeit, das muss man schon sagen. Leider war der Inhalt weniger erfreulich. Ich möge mich doch bitte an die Telefon-Hotline des Shops wenden, wahlweise auch an eine andere Email Adresse. Warum das Online-Formular, das unter den vielfältigen Auswahlmöglichkeiten in der Zeile “Problemart” auch die Antwort “Lizenzverlängerung” enthält, nicht an die richtige Adresse für Probleme mit der Lizenzverlängerung geht, wurde nicht verraten.

An diesem Punkt begann ich, Alternativen in Betracht zu ziehen. Es gibt günstigere Sicherheitspakete, es gibt besser bewertete, und laut Chip sind einige sogar besser bewertet und günstiger. Aber noch einmal siegte die Bequemlichkeit. Eine gut verankerte Security Suite deinstallieren und durch eine neue ersetzen? Brr, überflüssige Arbeit.

Ich griff also zum Telefonhörer und wählte die immerhin kostenlose Nummer aus der Mail. Ein akustisches Auswahlmenü begrüßte mich freundlich.  Eine Option “was ist an meiner Lizenz, die ich als Vollversion direkt im Kaspersky-Webshop gekauft habe, so seltsam, dass es einen ganzen Vormittag dauert, sie zu verlängern?” gab es nicht, also wählte ich Punkt 2 mit einem elendslangen Text, in dem irgendwo auch die Worte “Brauchen Sie Hilfe zu einem Kauf in unserem Onlineshop” vorkamen. Die Frauenstimme aus der Konserve erklärte mir enthusistisch, ich möge in der Leitung bleiben, das System würde mich mit dem nächsten freien Mitarbeiter verbinden.

Stattdessen hörte ich . . . nichts. Kein Ruf-Zeichen, keine Stimme, keine Musik. Nur ein leises Rauschen, das die völlige Abwesenheit jeglicher anderer Geräusche noch betonte. Ich blieb mehrere Minuten in der Leitung, voller Bewunderung über diese unerwartete Übung im Telefon-Zen, doch irgendwann wurde es langweilig. Ich legte auf und versuchte es nach einer Weile nochmals. Diesmal folgte der Konservenstimme sogar ein Ruf-Ton. Nur leider war es das Besetzt-Zeichen. Aus der Leitung geflogen, ganz ohne fernöstliche Philosophie.

Ich überlegte kurz, die empfohlene Email auch noch zu versuchen. Mit einer Lösung rechnete ich nicht mehr, es war mehr die Neugierde, ob es vielleicht doch irgendwo eine Lücke in diesem perfekten Kunden-Abwehrsystem gibt. Ich ließ es dann aber bleiben. Denn wenn schon eine simple Lizenzverlängerung zu einer solchen Odyssee ausartet, was würde dann erst bei einem richtigen Problem passieren?

Byebye Kasperski, hallo Norton. Oder F-Secure. Oder… ach, es gibt so viele davon.

Raucher oder Nichtraucher?

Die schon lange schwelende Frage (pun not intended, aber welcome) schlägt derzeit so hohe Flammen, dass ich nur ungläubig den Kopf schütteln kann. In meinem Facebook stapeln sich je mehr als 20 Einladungen zu “Alle Lokale rauchfrei” und “Wir brauchen keine rauchfreien Lokale”. Ich hab nicht vor, einer dieser Gruppen beizutreten. Rauchen oder nicht rauchen – das ist Privatsache. In meinen Augen wär es auch Privat-, oder vielleicht auch Geschäftssache, ob ein Wirt sein Lokal rauchfrei oder rauchfreundlich hält, aber da habe ich wohl die Rechnung ohne Vater Staat gemacht.

Selbst bin ich ein höchst bemüht rücksichtsvoller Raucher. Sagt zum Beispiel der Herr Sufi. Es würde mir niemals in den Sinn kommen, mir in einer Nichtraucherwohnung eine anzuzünden, und selbst in Rauch-gemischten Haushalten halte ich mich rauchfrei, zumindest bis ich die jeweiligen Gepflogenheiten verstanden habe (das sage ich so kompliziert, weil fragen hier nicht weiterbringt – kaum jemand sagt nein, wenn man fragt ob man darf. Dabei dürfte doch jeder nein sagen). Ich beachte Rauchverbots- ebenso wie “Bitte-nicht-rauchen”-Schilder, selbst wenn rund um mich schon 5 Glimmstengel qualmen. Ich bin absolut dafür, dass jeder Nichtraucher ein rauchfreies Leben führen kann. Ich bin zum Rauchen schon vor die Tür gegangen, als man bei uns dafür noch ausgelacht wurde – das habe ich in jungen Raucherjahren in Skandinavien gelernt. Selbst in Raucherlokalen lasse ich es bleiben, wenn ich ausschließlich mit Nichtrauchern am Tisch sitze. Ich schüttle indigniert den Kopf, wenn ich in Langstreckenzügen auf der Toilette Zigarettenrauch rieche. Das Rauchen ist im Zug verboten. Ich lebe damit (und genieße um so mehr die Zigarette nach der Ankunft).

Ich habe allerdings nie versucht, mit dem Rauchen aufzuhören. Aufhören interessiert mich nicht. Es gibt 4-5 Zigaretten am Tag, die sind so wunderbar, dass ich nicht die geringste Lust habe, darauf zu verzichten. Natürlich gibt es die Zielvorstellung, die anderen 15-20 aus dem Tagesablauf zu streichen, das gelingt manchmal besser, manchmal schlechter. Aber aufhören? Ohne mich.

Und ich hab es sehr, sehr satt, mich von Hinz und Kunz dafür massregeln zu lassen. Ich nehme, wie oben gesagt, gerne Unbequemlichkeiten auf mich, um den Nichtrauchern meinen Rauch zu ersparen. Das ist in meinen Augen eine selbstverständliche Höflichkeit. Aber genau das muss eben auch genügen. Die militanten Nichtraucher, und manchmal gar die Raucher selbst, führen einen nahezu biblisch anmutenden Feldzug gegen jeden am Horizont auftauchenden Glimmstengel außerhalb der dezidierten Nichtraucherzonen. Nicht rauchen ist die neue Religion. Und das, das spiel ich so nicht mit.

Top 5 der inakzeptablen Beispiele aus der letzten Zeit:

#5 In einem Konzert, in der Pause, hirschte ich quer durch das Riesengebäude zum einzigen Raucherbuffet des Hauses und zünde mir in der Warteschlange wie viele andere vor und hinter mir den lange erwarteten Glimmstengel an. Nur um von der Seite angepfiffen zu werden: “Müssen sie jetzt hier rauchen?” – Ich habe nicht geantwortet: “Nein, aber ich will. Wie ungefähr hundert andere Leute in diesem Raum auch. Wenn es sie stört, wählen Sie doch eines der zahlreichen Nichtraucherbuffets im Haus.” Aber weitergeraucht habe ich. Schweigend.

#4 In einer Pension am Bodensee ging ich zum Rauchen ganz selbstverständlich auf den Balkon, wie ich es gewohnt bin. Letzter Stock, kein Fenster, kein weiterer Balkon darüber, wo der Rauch stören könnte – selbst wenn bei den damals herrschenden Temperaturen um die 5 Grad überhaupt jemand draußen gesessen wäre. Am nächsten Tag zog mich die Hauswirtin zur Seite – “Hören Sie, bei uns wird auch am Balkon nicht geraucht!”. Natürlich ging ich fortan stattdessen auf die Straße. Und fahre dort sicher nicht mehr hin.

#3 In einem großen Park mit vielen Bänken, letzten Herbst, setzte ich mich, mit Blick in die Sonne, um die letzten Strahlen zu genießen. Von den vielen Bänken waren kaum welche besetzt, im Umkreis von 50 Metern gar keine. Ich sonnte und rauchte mit geschlossenen Augen, bis die Bank erzitterte und eine Stimme quängelte: “Machen Sie die Zigarette aus!” – Ich öffnete die Augen und erblickte eine schrumpelige Alt-Grüne (dem Outfit nach zu schließen), und rund um uns noch immer fast nur leere Bänke. “Hej, Alte! Setz dich doch woanders hin!” habe ich nicht gesagt. Aber es war das erste, und hoffentlich auch das letzte Mal, dass ich absichtlich Rauch in Richtung eines Nichtrauchers geblasen habe.

#2 Auf einer rauchfreien Party fand sich der ~ 200-Kilo-Mann, der mir auf den Raucher-Balkon nachstieg, um mir einen ausführlichen Vortrag Vortrag darüber zu halten, wie meine asoziale Zigarette das Gesundheitssystem schädigt. He! Amigo! Wir könnten eine lange Diskussion darüber führen, ob dein nicht medizinisch bedingtes Übergewicht oder meine Zigaretten ein größeres Loch ins Krankenkassenbudget schlagen (bislang bin ich, wie meine Ärztin angesichts der Blutwerte vermerkt, für mein Alter “ungewöhnlich gesund”), aber wenn du versuchst, mir physisch(!) die Zigarette aus der Hand zu reißen, dann musst du eben damit rechnen, dass ich sie stattdessen in dem letzten Stück Schokoladetorte ausdrücke, das du vor meinen bislang schokolos gebliebenen Augen rücksichtslos an dich gerissen hast. Du hattest vorher schon mindestens zwei! (Hab ich nicht gemacht. Ich hab nur geschimpft. Aber ehrlich, ich wünschte, ich hätte.)

#4 Auf einem deutschen Bahnhof, am Freiluft-Bahnsteig, standen 5 Menschen im gelb auf den Asphalt gemalten Raucherqudarat (schätzungsweise 3 Quadratmeter) und rauchten. Ansonsten war der Bahnsteig leer. Völlig leer. Weit und breit niemand in Sicht, also auch kein Nichtraucher. Da ich nicht so gern allzu nahe bei anderen stehe, stellte ich mich 1 Meter neben das Quadrat und zündete mir eine Zigarette an. Nur um von einem selbst rauchenden Typen innerhalb des Quadrats gemassregelt zu werden: “He! Sie stehen in der Nichtraucherzone!”. Hier war ich wenigstens halbwegs schlagfertig, und antwortete mit übertriebenem Wiener Akzent: “Und? Sehen Sie hier irgendwo jemand, den das stören könnt’?”

Ich gehe weite Wege, um niemanden mit meinem Rauch zu belästigen. Und zunehmend habe ich das Gefühl, dass Nichtraucher ebenso weite Wege gehen, um sich dennoch belästigt fühlen zu dürfen. Sobald sie sich belästigt fühlen, sind sie natürlich im Recht. Das bestreite ich gar nicht. Aber vielleicht müsste man nicht ganz so sehr danach suchen, belästigt zu werden?

Für lange Durstrecken, aber auch zunehmend für den normalen Gebrauch, habe ich übrigens mittlerweile e-Zigaretten. Das ist ziemlich genial. Es schmeckt, befriedigt die orale Komponente, raucht aber nicht. Es ist noch nicht ganz klar, wie ungesund das im Verhältnis zu Zigaretten tatsächlich ist, aber gegenüber dem Rauch und den vielen hochgiftigen Zusatzstoffen ist es wahrscheinlich ein Fortschritt. Nur nicht für die militanten Nichtraucher. Die sehen die orange LED aufleuchten – und fühlen sich schon vergiftet. Obwohl da definitiv gar nichts raucht.

Gemeinsames Software-Marketing

Was mich bei der (im übrigen schmerzlosen) Neuinstallation meines Systems diesmal von Programm zu Programm immer grantiger machte, waren die unerwünschten Software-Gimmicks, die mehr oder weniger versteckt im Installationsprogramm mitkommen. Waren es früher eher windige und halbseidene Hersteller, die sowas versuchten, ist es offenbar mittlerweile ganz normal und salonfähig geworden.

Du willst den Adobe-Reader? Gern, und nimm doch gleich den McAfee Scanner dazu! Du brauchst ein FTP-Programm? Kein Problem, wir schenken dir den Norton gleich mit! Du willst eine Bilderverwaltungssoftware installieren, für die Du tatsächlich Geld bezahlt hast? Natürlich, und den Yahoo-Toolbar kannst Du auch haben!

Ich frage mich, wie alt mein frisches System schon wieder aussehen würde, hätte ich nicht alle Zusatz-Installer weggeklickt. Ich weiß ja nicht, ob es noch so schlimm ist wie früher, als zwei nebeneinander installierte Virenscanner ein System komplett schrotten konnten, aber schön ist es sicherlich nicht. Ich habe auch einen kleinen Hauch Verständnis dafür, dass sich Gratis-Software von unabhängigen Herstellern irgendwie finanzieren will. Aber bezahlte Programme? Oder etwas wie der Adobe-Reader, der ja in seiner Allgegenwart reichlich zur Adobe-Vorherrschaft im Bildverarbeitungs- und Druckbereich beiträgt? Das muss doch echt nicht sein.

Kein Genuss in vollen Zügen

Ich bin bestimmt kein Feind der ÖBB, ganz im Gegenteil, ich verteidige sie regelmäßig im Freundeskreis. Meistens pünktlich, moderne Wagen, überdurchschnittlich häufig sogar richtig freundliches Personal – unsere Bundesbahn, als überzeugte Vielfahrerin kann ich das sagen, ist deutlich besser als ihr Ruf.

Nur eines quält mich in zunehmendem Maße, und das ist für jemand, der regelmäßig weite Strecken fährt, leider kein unwesentliches Detail: Ich rede vom Essen unterwegs. Vieles ist besser geworden für die Reisenden, seit ich Ende der siebziger Jahre meine ersten Langstreckenfahrten auf Schiene unternommen habe – zu vieles, um hier mit einer Aufzählung auch nur anzufangen – aber die Kulinarik an Bord hat leider ganz deutlich den umgekehrten Weg genommen. Das fängt schon bei der Vielfalt des Angebots an.

Damals, die Älteren unter uns werden sich erinnern, hatte jeder Zug, der weiter fuhr als ein paar Kuhdörfer lang, einen Speisewagen. Und an den Bahnknotenpunkten, auch und besonders an jenen, die außer ihres Bahnknotenpunktdaseins kaum etwas vorzuweisen hatten, gab es am Bahnhof einen Buffet-Wagen, der außen an den haltenden Zügen entlang fuhr und Standards wie Würstchen, Wurstsemmeln und Obst sowie sehr häufig auch lokale Spezialitäten durchs Fenster verkaufte. Die ebenfalls üblichen Ausflüge zum nächsten Greißlergeschäft fallen heute schon allein wegen der verkürzten Steh-Zeiten aus, aber das kann man durchaus unter “positiv” verbuchen.

Inzwischen wurden mehr und mehr Speisewagen durch das “mobile Bordservice” ersetzt. Gemütliches Abendessen auf dem Weg von Salzburg nach Wien? Fehlanzeige. Lunch auf dem Weg aus der Hauptstadt nach Graz? Nur wenn man bereit ist, vorverpackte Sandwiches als Lunch zu bezeichnen. Wann die seinerzeit allzeit bereiten fahrenden Würstelstände von den Bahnsteigen verschwunden sind, kann ich nicht genau sagen, aber sie fehlen. Sehr.

Denn schlimmer als die verringerte Auswahl ist die Qualität der verbliebenen. Natürlich, ein Fernzug ist kein Haubenlokal, das war er nie, das ist auch nicht sein Sinn. Aber zwischen Haubenlokal und “irgendetwas in den Mund stopfen, um die Leere im Bauch zu füllen” gibt es viele Abstufungen, und das kulinarische Angebot der ÖBB liegt zurzeit knapp unter der untersten.

Ein hungriger Blick auf die Karte des mobilen Bordservice lässt dem ausgeliefert Reisenden die Wahl zwischen Käsesandwich, Schinkensandwich, Kartoffelchips und diversen Schokoriegeln. Nichts gegen ein gutes Sandwich. Doch die (ungekühlte) Vitrine enthüllt, dass es sich um die monatelang haltbaren Doppelbrötchen im Dreiecksplastik handelt, bei deren Anblick sich der gute alte Earl of Sandwich, würde er noch leben, aus Sorge um seinen guten Namen umgehend erschießen müsste. Über den Rest will ich gar nicht reden; wenn ich Hunger habe, dann hab ich keine Lust zu naschen.

Mit solchen Erfahrungen im Reisegepäck freut man sich natürlich über das Vorhandensein eines Speisewagens. Neulich, auf dem Weg nach Bregenz, war einer dabei. Kurz nach Innsbruck machte ich mich auf den Weg zu einem Abendessen. Die Speisekarte war bunt und verlockend, und ich entschied mich für ein “Saftiges Rindsgulasch”. Gulasch im Speisewagen ist so etwas wie eine persönliche Tradition. Vor vielen Jahren hatte ich einen Studienkollegen, der sein Auto wochenends stehenließ, um mit dem Zug nach Graz zu fahren und im Speisewagen ein Gulasch zu essen – das Gulasch im Speisewagen, fand er, wäre das beste überhaupt. Ich habe mich ihm oft genug angeschlossen, um mich genau zu erinnern: Das Gulasch war ein Gulasch. Zugegeben, ich habe seither bessere gegessen. Schlechtere aber auch.

Das Gulasch, das mich vor wenigen Wochen über den Arlberg begleitete, war keins. Der Saft unterschied sich von einer schlecht gesalzenen Einbrenn nur in der Farbe. Das Fleisch war trocken, zäh und geschmacklos. Die Nockerln… ach was, zu einem richtigen Gulasch hätte ohnehin eine Semmel gehört.

Als wohlwollender Mensch war ich bereit, einen einmaligen Ausrutscher zu vergessen. Also versuchte ich es auf der Rückfahrt noch einmal. Das Gulasch wollte ich lieber vergessen als wieder bestellen. Der Tafelspitz war, nach kaum einem Drittel der Reisedistanz, ausverkauft. Das “Zarte Hühnerbrustschnitzel” bot sich an. Der Teller, der mir serviert wurde, war durchaus hübsch anzusehen. Das Leid begann mit dem ersten Bissen Fleisch, eine sinnliche Erfahrung, zu der mir partout nichts Originelleres einfallen will als der abgeschmackte Vergleich mit einer Schuhsohle. Das viel zu weich gekochte Gemüse war ordentlich gesalzen, ein Ausgleich zum trocken-bröselig geschmacklosen “Wildreis”.

Eine andere Fahrt, frühmorgens. Die Reisende freut sich auf ein Frühstück im Speisewagen. Doch leider: Von einst gängigen Speisewagen-Attraktionen wie Spiegelei und Ham-and-Eggs ist nichts mehr zu entdecken. Von den drei in der Karte angebotenen Frühstücks-Varianten gibt es auch nur Semmerln mit Marmelade, die “Zutaten” für die anderen wurden nicht rechtzeitig geliefert. Letzteres mag ein Einzelfall sein, der Kaffee dagegen ist eine Katastrophe. Ich erinnere mich an Zeiten, wo man bei Salzburg noch schnell einen Kaffee bestellt hat, bevor die Deutschen die Agenden übernommen haben. Heute gibt’s hier wie da Sabberwasser, das vielleicht irgendwann einer Kaffeebohne begegnet ist. Vielleicht aber auch nicht.

Diese Erfahrungen stellen mich irgendwie doch vor ein Rätsel. Wie schaffen es die Betreiber der ÖBB-Speisewagen, mit all den Fortschritten im Bereich von Convenience-Food, Mikrowellenherden und Frischhaltetechnik, dass das Essen deutlich schlechter ist als vor 20 Jahren? Die einzig plausible Erklärung ist, es ist ihnen “wurscht”: Wer erst einmal im Zug sitzt, der hat eh keine Alternative mehr.

Dass es auch besser geht, zeigen Erfahrungen mit kroatischen und ungarischen Speisewagen. Liebe ÖBB, strengt’s euch bitte ein bissl mehr an. Sonst mache ich es auf künftigen Reisen so wie meine Großeltern seinerzeit und nehm mir mein Mittagessen in Alufolie mit.

Update Ende 2012
Die heute vermehrt eingesetzten Railjets können es zum Glück wieder etwas besser. Aber es bleibt noch Raum nach oben!

Trari, Trara, die Post ist… wo?

Da warte ich gestern brav zu Hause auf eine Lieferung, die vom Versender wirklich und nachvollziehbar montags express aufgegeben wurde. Und was ist gekommen? Nix. Dafür fand ich, als ich gegen acht Uhr abends, mangels Einkaufs am Tage, ein Schnitzelsemmelchen von nebenan holen wollte, im Briefkasten nicht einen, sondern zwei gelbe Zettel. Na fein. Nicht nur, dass ich eine nette Einladung zum Kaffee ausgeschlagen, den Einkauf auf heute verschoben und meinen Fotospaziergang ausfallen habe lassen – ich kann nicht Mal sagen, ob es sich tatsächlich um das erwartete Paket handelt, weil der Postler es nicht für nötig gehalten hat, irgendwas außer meinem halben Namen und einer zu zwei Dritteln unleserlichen Nummer auf die Zettel zu kritzeln. Auch warum es sich um zwei Zettel handelt, kann ich mir nicht vorstellen. Die kryptischen Zeichen auf dem Zettel unterscheiden sich zwar voneinander, bleiben aber kryptisch.

Ich bin ja nachsichtig und freundlich, was die Briefträger anbelangt. Sicher ist es nicht lustig, Pakete in Altbauten ohne Lift zu verteilen. Ich hol mir also normalerweise meine benachrichtigten Sendungen ab, ohne mich zu beschweren. Aber bittschön, wenn das Ding um einen horrenden Express-Betrag aufgegeben wurde und außerdem noch (lt. Versender) den handschriftlichen Vermerk “Dringend” trägt, dann könnte doch vielleicht auch ein abgebrühter Postler einmal eine Ausnahme machen?

Macht er aber nicht. Ich also heute brav zur Post. Das angegraute Fräulein von der Post tippt die Nummer vom ersten Zettel ein. Darauf entwickelt sich folgender Dialog von streckenweise beinah surrealer Qualität:

P: Des hob I ned do.
I: Wieso?
P: Des kriagns erst morgen.
I: Warum?
P: Des woa a Nochmittagszustellung. Die geht zerst in die Zentrale zruck.
I: Das war gar keine Zustellung. Ich war zu Hause.
P: No, werns hoit einkaufen gwesen sein.
I: Nein, war ich nicht.
P: Jeder geht amol einkaufen.
I: Gestern nicht.
P, sichtlich genervt: Jojo.
I: Ich brauch das aber heute.
P: Do kann ma nix mochn.
I: Das ist express weggegangen, am Montag. Und ich krieg’s erst am Freitag?
P: Najo.
I: 5 Tage für ein express-Packl?
P: Woa jo a Feiertag.
I: Ja, Einer!
P: schaut wortlos an mir vorbei auf den nächsten Kunden.
I: Und was ist mit dem anderen?
P: Wos?
I: Das andere Paket. Da sind 2 Zettel.
P: Jojo, des a.
I (demonstrativ freundlich): Könnten Sie bitte nachschauen?
P: Warum? Des is moagn a do.
I: Könnten’s mir bitte die Absender sagen und das Gewicht? Damit ich Bescheid weiß?
P (bewegungslos): I was ned ob des geht.
I: ziehe, mittlerweile leicht ungeduldig, einen der Benachrichtigungs-Zettel wieder zu mir. Das sollte ja eigentlich schon da drauf stehen.
P: Jo, wenns ned zhaus san…
I: War ich doch.
P: zeigt auf die Zettel: Na.
I: sprachlos
P: Kummans hoid moagn wieder vorbei.
I: Äh…!?
P: greift an mir vorbei, um dem nächsten Kunden seine Erlagscheine abzunehmen

Ich wünschte, ich hätte hier ein knackiges Ende zu bieten. Stattdessen bin ich brav und wortlos gegangen. Vor so viel Wurschtigkeit war ich hilflos. Und dann ist da noch was: Wenn man übers Leben hin immer Mal wieder selber Dienstleister war, auf verschiedensten Gebieten, will man einfach auf keinen Fall der lästige, idiotische Kunde sein. Nicht einmal dann, wenn der Idiot auf der anderen Seite des Tresens sitzt.

Eine Angewohnheit, die ich mir eigentlich abgewöhnen möchte. Kennt vielleicht jemand einen Grundkurs “Plakative hysterische Anfälle für Anfänger?”

PS: Vielleicht sollt ich aber auch froh sein, dass ich meine Post nicht in der Steiermark erwarte.

Die Rache der -öse

Gerade beim Spreeblick diesen Beitrag gelesen und mich an meine vorgestrige Verstümmelung erinnert. Dass man mich daran erinnern muss, bevor ich drüber blogge, liegt daran, dass ich zwischen dem Zähneputzen meistens nicht in den Spiegel schaue – und das Zähneputzen erfolgt morgens wie abends linsenlos und damit maulwurfsblind. Was mein Friseurbesuch mit dem von Malte Welding gemeinsam hat, ist sein Schlussatz: Als sie fertig ist, sehe ich grotesk aus und ich sage: “Vielen Dank.”.

Begonnen hat die Katastrophe damit, dass ich tagsüber so im Vorbeigehen zufällig doch einmal in einen Spiegel geschaut habe. Dieses Schauen führte zu der Erkenntnis: “Die Frontpartie könnte etwas gekürzt werden.” Da Zeit knapp ist und die Friseure sowieso am wenigsten davon haben, beschloss ich, die Sache (wieder einmal) in die eigenen Hände zu nehmen. Eine Schere war schnell gefunden, und viel wollte ich ja nicht wegschneiden. Über die folgenden 5 Minuten sei nur gesagt, dass es keine gute Idee ist, mit der linken Hand weiterzuschnipseln, während man versucht, mit der rechten das unerwartet klingelnde Telefon zu besänftigen.

Ich konferierte mit meinem Spiegelbild und beschloss: Diesen Defekt kann nur ein Fachmann beheben. Oder eine Fachfrau. Jedenfalls jemand vom Fach.

In der ganzen Umgegend gibt es allerdings nur einen Friseurladen, der ohne Wochen vorher vereinbarten Termin schnipselt. Ich setzte zwecks Tarnung mein Kommunistenkapperl auf und eilte hin.

Der Zufall wollte es, dass die diensthabende Haarkünstlerin meinen Kopf schon einmal in den Fingern hatte, mit einem recht brauchbaren Ergebnis. Sie erinnerte sich sogar daran. Behauptete sie jedenfalls. Ich erklärte trotzdem meinen Wunschschnitt, der – glaube ich – gar nicht so schwer zu verstehen ist: Es gibt einen Punkt auf meiner Stirn, der dank eines ererbten Haarwirbels jeglicher Friseurkunst widersteht. Dieser Wirbel wird auf einen Zentimeter gekürzt, sodass die Haare dort senkrecht in die Luft stehen (keck!). Von dort ausgehend wird die Frisur in alle Richtungen länger, aber halt so schön stufig geschnitten, dass ich mich weder mit Scheitel noch mit komplizierten Zuordnungen aufhalten muss, wenn ich morgens aus der Dusche komme. Die schnittfreudige Dame stimmte mir bei jedem Satz zu. Ich ließ also meine Haare schneidegerecht befeuchten, lauschte ihrer Wiederholung – in jedem Punkt korrekt – und schloss die Augen. Einerseits weil frischgeschnittene Haarspitzen sich nicht gut mit meinen Kontaktlinsen vertragen, andererseits weil es ohnehin schon ein langer Tag gewesen war.

Der erste Schnitt klang etwas beherzt für die geplante Marginalkorrektur, richtig hochfahren ließ mich allerdings ein paar Sekunden später ein eiskalter Hauch auf meiner Kopfhaut. Alles, was ich angesichts des werdenden Irokesen auf meinem Kopf hervorbrachte, war ein schwaches “Äh…” – der Scherenteufel fragte freundlich: “Stimmt was nicht?”

Nichts stimmte. Dort, wo sich eben noch 9-10cm Haar befunden hatte, das nach der Prozedur immer noch eine Länge von 6-7cm hätte aufweisen sollen, war jetzt eine Schneise mit bestenfalls zwei Zentimetern Bewuchs geschlagen. Eine Reihe von möglichen Alternativen zog an meinem inneren Auge vorbei, beginnend bei “schreiend hinauslaufen”. Das letzte Bild war eher blutig und sah die Schere tief in der nicht einmal blonden Frisöse stecken.

Dummerweise brachte mich keines der Bilder näher an meine Wunschfrisur. Der weibliche Terminator der Kopfhaut fragte betont freundlich: “Haben sie sich’s anders vorgestellt?” – Ich hatte, aber dorthin führte kein Weg zurück. Halb lang und halb geschoren herumzulaufen ist in meinem Alter keine Alternative. Ich ließ ihr nach einer kurzen Erläuterung freie Hand bei der Schadensbegrenzung.

Was soll ich sagen? Das einzige Haarbüschel, das etwas länger blieb, war das, das ich gerne kurz gehabt hätte.

Ich verlangte eine Preisreduktion, der herbeigerufene Chef meinte, ich hätte meine Wünsche halt vorher bekanntgeben müssen, ich erklärte, dass ich das getan hatte, die haarmörderische Furie war längst nach hinten verschwunden, wir diskutierten noch eine Runde, dann zahlte ich die Hälfte und schlich mit fröstelndem Kopfe von dannen, um mir zu Hause in aller Stille das eigentlich störende Büschel auch noch abzuschneiden.

Könnte das alles mit meinem Standard-Spruch zu Beginn eines Fremdfriseur-Besuchs zu tun haben, der da lautet: “Kein Balsam, keine Kurpackung, kein Fönschaum, kein Gel und kein Wachs.”? – Ich fürchte, es könnte.

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