I – Ta – Lia !

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Obwohl der 8 Uhr Spielbeginn für Probleme mit Outdoor-Projektions-Leinwänden sorgte, hatten wir viel Spass bei diesem Endspiel. Leider lag das weniger am Spiel als vielmehr an der netten Gesellschaft. Nu, wie auch immer, Italien ist Weltmeister, die WM hat verdammt viel Spass gemacht, und … uhm… was um alles in der Welt sollen wir denn jetzt mit der vielen Freizeit anfangen?

Trauerspiel statt Fussballspiel

Mönsch, von Portugal hätt’ ich mir wirklich mehr erwartet. Von Frankreich auch, nach diesem Brasilien-Spiel. Stattdessen Langeweile, und die nichtmal vom Feinsten. Die Portugiesen wirkten 85 Minuten lang so, als würden sie mit imaginären Dackeln in einem Wald spazieren, die Franzosen, als hätten sie den Ball ganz einfach satt. Noch ein Glück, dieser nicht ganz koschere Elfer, sonst hätte man sich dieses Schlafmittel noch 30 Minuten lang anschauen müssen. Da konnte das leise Aufmucken der Portugiesen in den letzten 7 Minuten (Nachspielzeit eingerechnet) auch nichts mehr ändern. Quadratisch, statisch, fad. Das fand offenbar auch die Regie, denn so viele Schnitte auf einen (den französischen) Ex-Trainer hat es bei keinem anderen Spiel gegeben.

Italien war in der Überzahl…

…stimmenmäßig, in dem Lokal mit der Großbildleinwand. Trotz allem, was ich übermorgen geschrieben haben werde, taten sie mir am Ende ein bisschen leid in diesem Halbfinale, die Deutschen. Der Sufi und ich waren uns einig: Ein sehr schönes, schnelles, faires(!) Spiel zweier ziemlich ebenbürtiger Gegner. Wer hätte aber auch nach all den Grossväter-Spaziergangsspielen gedacht, dass die Italiener auch laufen können? Die Spannung unter den vielleicht 200 Besuchern war kaum auszuhalten. Heiß war es auch. Und laut. Wie im Stadion. Danach ein Autokordon von 2 (ja, zwei) italienischen Fahnenautos, hupend. Ansonsten nur lachende Menschen auf dem Heimweg. Sogar die mit den Deutschlandfahnen.

Es ist Sommer…

…ist euch das schon aufgefallen? Mein Ventilator im Dauereinsatz, abwechselnd als Raumluftumwälzer und Prozessorkühler. Nicht dass ich mich beschweren tät’. Lang genug hat’s gedauert, diesmal. So kann es eine Weile bleiben.

Ach so ja: Fussball wird auch noch gespielt. Meine armen Schweden müssen im Achtelfinale gegen die Deutschen antreten. Ich fürchte fast, das gibt blaugelbe Tränen. Und Ecuador, die sich direkt in des Sufis Herz gespielt haben, sind gegen England womöglich noch schlimmer dran. Ist aber vielleicht besser so, sonst gäb’s noch eine Beziehungskrise… nee, wohl nicht wirklich.

Der Nachteil der Bildschirme am Häusl ist übrigens, dass einen in der Halbzeit-Nachrichten-Pause das Bush-Grinsen bis in den letzten Winkel verfolgt. Bäh. Obwohl, so autoleer, wie die Innenstadt heute selbst in den nicht-Sperrzonen war, könnte sie mir immer gefallen.

Übermorgen wird’s übrigens fernsehmäßig richtig hart – Bachmannpreis ab 9 Uhr früh, am Nachmittag wie üblich Fussball. Wäre alles halb so schlimm (die richtige TV-Computer-Liveübertragungs-Liveticker-Mischung lässt sich schon finden), wenn nicht 3 drohende Deadlines über meinem Haupte schweben würden.

Was soll’s. Da muss will ich durch.

WM-Spiele in Kürze – 17.6.

Damit das hier nicht zu langweilig wird, düfen geneigte (meinetwegen auch ungeneigte) Leser folgende gut gemischte Statements den heutigen Spielen selbst zuordnen (is eh zu einfach):

Ich würde gerne behaupten “Wenigstens singen können sie” – aber selbst bei der Hymne waren sie völlig aus dem Takt.

Legenden sterben nicht im Bett – aber ins Finale kommt man so auch nicht.

90 Minuten von “Geheimtipp” zu “bemitleidenswert”.

Auf zwei der drei Spiele passt übrigens zusätzlich noch der Seufzer: “Da geht er hin, mein Toto-Zwölfer”.

Angepfiffen

Gleich den ersten Spieltag nahmen der Sufi und ich zum Anlass, um die interessantesten Open-Air Übertragungsstätten der Stadt (dank des praktischen Datum-Beihefts leicht auffindbar) zu testen. Fazit eines ersten Rundgangs: Strandbar Herrmann – sieht sehr nett aus (Liegestühle!), ist aber schon lange vor dem Spiel hoffnungslos überfüllt. Wir weichen aus zur Summerstage – reichlich Großfernseher, eine brauchbar große Leinwand. Gute Stimmung, Südamerika-Fans überwiegen. Zur letzten Halbzeit des Tages wechseln wir ins Flex – 4 große Leinwände draußen, innen Fernseher, überall halbwegs kundiges und begeistertes Publikum, am Donaukanal ziehen die Ausflugsschiffe vorbei. Bildschirrme in den Häusltüren sorgen dafür, dass man auch in eiligen Notfällen nichts verpasst. Außerdem gibt es Wieslburger – großer Pluspunkt gegenüber der “Ottakringer-Meile” Summerstage. (Links werden nachgetragen, Fremd-Tastatur nervt). Schätze, hier werden wir noch für das eine oder andere Spiel aufschlagen. (→ Hier übrigens das Herrenklo)

dwmbba

Wie man hier im Dagbok ab und zu lesen kann, mag ich ja Fussball den Sport, wo 22 Leute aus zwei Mannschaften einen Ball mithilfe von Bein-Ball-Akrobatik in 2 Tore eckige, netzbespannte Rahmen zu versenken suchen, ab und zu ganz gerne. Und freue mich auch irgendwie auf die kommende WM Meisterschaft, bei der die besten Beinakrobatik-Nationalmannschaften der Welt gegeneinander antreten.

Von den Markenrechts-Allüren der FIFA Vereinigung, die die weltumspannende Meisterschaft organisiert, bei der die besten Bein-Ball-Akrobatik-Mannschaften im Abstand von 4 Jahren gegeneinander antreten, hatte ich zwar gehört, hatte das aber nicht so ernst genommen. Gestern war ja eine lustige Aktion zu dem Thema im TV – diesen sarkastischen Flyer, der als Massenaussendung in Köln verteilt worden war, hatten über 70% der Befragten für bare Münze genommen (wobei mehr als die Hälfte der Interviewten vor laufender Kamera erklärte, es zwar zu glauben, aber nicht einhalten zu wollen – dat wär in Wien wohl auch nich passiert!). Gerüchte über Massenabmahnungen von Leuten, die geschützte Symbole und Begriffe verwendeten, hielt ich aber für stark übertrieben.

Jetzt aber flatterte ein Schreiben von Spreadshirt.de in meinen Posteingang, in dem alle Shopbetreiber dazu aufgefordert wurden, alle Produkte, die die Fussball-WM 2006 diesjährige weltumspannende Meisterschaft der Bein-Ball-Akrobaten zum Thema haben, sofort aus dem Shop zu nehmen – ein Shopbetreiber wäre aufgrund des Markenrechts bereits abgemahnt worden.

Und was hatte der bedauernswerte Mensch angestellt? Er hat kein Logo und kein Bild widerrechtlich verwendet, sondern schlicht ein T-Shirt mit Text versehen, der da lautete:

WM 2006
IRAN-ANGOLA
ich war dabei

Und wo ist das Problem? fragte ich mich, und erfuhr beim Weiterlesen, dass “WM 2006” ein geschütztes Markenzeichen der FIFA ist – wie übrigens auch “Deutschland 2006”, “World Cup”, “Volunteers 2006” (häh?), “WM Bier” (Prost…), “Green Goal” (schon wieder eine neue Regel? Ich kenn nur das Golden Goal), “FIFA Konföderationen-Pokal” (OK, das verwendet wohl keiner freiwillig), “Hamburg 2006” oder “Fan Fest”. Ah ja. Pech für den Armen, und für alle anderen, die sich gerne das eine oder andere Souvenir drucken lassen wollten. “Diesjährige weltumspannende Meisterschaft der Bein-Ball-Akrobaten” ist etwas lang für ein T-Shirt – und DWMBBA versteht kein Mensch.

Die Spreadshirt-Geschichte berührt mich nun nicht so wirklich – ich verkaufe dort nichts Fussball-Relevantes, sondern nur Skydance-Klamotten (und die auch nur bis Ende Juni – wer also so ein Design unwiderstehlich findet, sollte schleunigst zuschlagen). Aber irgendwie überkommt mich die Lust, ein WM-Bier für die Fallschirm-WM-2006 in Auftrag zu geben. Hehe. Beim durchschnittlichen Bier-Konsum der Fallschirmspringer vielleicht gar keine schlechte Idee…

Gnaaa…rch!

Jetzt weiß ich wieder, warum ich Flugsimulatoren jahrelang gemieden habe. Soviele Leben, wie ich in der letzten Viertelstunde in den Boden gebohrt habe, hat nicht einmal die tougheste* “tough” erinnert mich übrigens, vermutlich nicht ganz unlinguistisch, an das schwedische “tuff”. Zum ersten Mal, dass ich einen Konnotationswechsel so unmittelbar erlebt habe: 1990 war das tuff-sein da oben noch verdammt cool, 1995 war es so ziemlich das allerletzte. Katze.

Die Griechen spielen übrigens derweil gegen die Brasilianer unerwartet schönen Fussball. (Dass die Brasilianer sehr sehr schönen Fussball spielen, ist dagegen durchaus erwartbar und braucht daher nicht extra erwähnt zu werden. Und dass sie 3:0 gewonnen haben, wird auch niemanden weiters überraschen.)