Schlagwortherbst

Jahrlauf

Am Kamp

Herbst!

Pausen-Ausblick

Herbstfarben

Seufzerl.

Also, einen gemütlichen Kaffee im Schanigarten hatte ich zu dieser Jahreszeit in Wien noch nie.

Source

Herbstflammen

Herbstflammen

Montagsspaziergang ohne Beute

Nachdem tagsüber wieder der Regen aus allen Wolken gefallen war, klarte es nachmittags sonnig auf. Ich hatte beruflich im 14. zu tun und beschloss danach, den Arbeitstag schon um halb fünf einen gewesenen sein zu lassen und zu Fuß nach Hause zu gehen. Man weiß ja nie, wie oft man die Sonne noch zu Gesicht bekommt vor diesem Winter, schon gar bei T-Shirt-Temperaturen. Wobei diese natürlich relativ sind; in der Stadt war heute von Spaghettiträger-Strandkleid bis hin zur Daunenjacke alles zu sehen.

Einen verlockenden Abstecher ins technische Museum versagte ich mir, ich wollte ja draußen sein und nicht drin.  Johnstraße und Linzer Straße glänzten mit gewohnt dichtem Verkehr, da half auch die lilaweiße Deko des Stadtgartenamts kaum.


Ein paar Schritte weiter riefen die Früchte ehemaliger Rosen ganz deutlich “Herbst!”.

Dann hatte ich die äußere Mariahilferstraße erreicht. Auf diesem Stückchen Straße trotz all seiner Beliebigkeit schon seit jeher das Gefühl, als müsste das Meer gleich um die Ecke liegen. Ich kann es beinah riechen! (Und dabei hat der Fischhändler schon vor Jahren zugesperrt!)

Es folgt eine stadtbildtechnisch leicht abgefuckte Atmosphäre, in der die Cafes gerne “Istanbul” heißen, obwohl die Sprachen ringsum eher slawisch klingen. Atmosphärisch recht entspannt, trotz der vorbeipreschenden Autos. Einige Ecken träumen nostalgisch von besseren Zeiten.


Richtung Westbahnhof zu wird es hektischer, lauter. 1-Euro-Shops und Friseurläden sieht man kaum mehr, hier herrschen Hostels und Internetcafes. Reisende mit Rollkoffern und Landkarten, ja, sogar noch ab und zu papierenen. Ich eile unter dem Bahnhof durch und erreiche die innere Mariahilferstraße, deren Fußgängerzone langsam Gestalt annimmt, wenn auch derweil noch baustellig. Und, ach: Dort wo einst mein Lieblingscappuccino in Bahnhofsnähe lockte, verhüllt sich heute eine Baustelle mit Riesenwerbung für schlechtes Bier.

An dieser Stelle einen großen Fehler begangen: Ich dachte, ich könnte ja den netten Frühabend in der Einkaufsstraße nützen, um nach dringend benötigten Herbst-Oberteilen zu stöbern. So lange nicht einkaufen gewesen, dass ich glatt vergessen hatte, wie ungern ich das mache. Aber die Unlust kam prompt zurück, je mehr Fetzen ich sehe, umso weniger will ich welche haben. Drei Kaufhausrunden später war ich mies gelaunt, hatte nichts entdeckt, was sich zu kaufen gelohnt hätte, und ging den Rest des Wegs nur mehr deshalb zu Fuß, weil ich es mir nun einmal vorgenommen hatte.

Ich will endlich meinen persönlichen Einkaufs-Assistenten im Internet, der mich automatisch mit passender Kleidung versorgt. Und fortan in Ruhe spazierengehen.

Herbstspaziergang an der Donau

Direkt auf Flickr ansehen

Herbst, again

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA

Trotzdem: Herbst

Herbstspaziergang

Weiterlesen

Na gut dann

Dann zieh ich mir halt wieder den Pullover an. Und Socken noch dazu. Und nach dem Duschen ist jetzt wieder Fön angesagt. Fön? Ja wo ist er denn? Naja, dann halt ein Tuch stattdessen.

Dass es am Samstag beim Sufi-Fest (Bilder folgen) unbedingt regnen musste, war klar. Dass die Temperaturen dabei recht übergangslos um 20 Grad gefallen sind, habe ich auch noch nicht persönlich genommen. Aber dass es jetzt tagelang so bleibt? Dazu im wilden Westen der Erste Schnee.

Jedesmal im Herbst, wenn ich zum ersten Mal friere, muss ich an meine alte Schulkollegin A. denken, die damals gemeint hat, ihr Ziel wäre es, irgendwohin zu ziehen, wo das Wetter immer gleich ist – dort würde man nämlich nicht merken, wie man altert. Ein Satz, den ich heute viel besser verstehe als damals: Denn die Sommer sind immer noch gleich schön, die Winter aber werden mir immer schlimmer.

Das Fest übrigens, das war trotz Freiluft-Wetterwidrigkeiten ein voller Erfolg, das fand nicht nur der vergoldete Sufi und unser auf die nasse Wiese beorderter Freundeskreis, dass fanden auch die ebenfalls eingeladenen 20-jährigen Fallschirmspringer – und das will schon was heißen.

Dass die nächtliche Dunkelheit bis weit in den nächsten Tag anhielt, war nicht nur meteorologisch bedingt. Der Sufi bekam außer hübschen Gaben auch noch ein neues Wort geschenkt: nämlich das “Reparaturseidl” – von dem er, um es sich für die Zukunft besser zu merken, gleich mehrere konsumierte. Trotzdem fand die geborgte Infrastruktur ihren Weg zurück zu den Verborgern, und das Partyzelt war deutlich schneller ab- als aufgebaut.

Im übrigen wäre noch anzumerken, dass ich es überhaupt nicht schätze, jetzt Halskratzen zu kriegen (wo ich doch am Donnerstag singen soll). Und damit Ruhe, derweil ich versuche, mich langsam an die Kälte zu gewöhnen.

Sunday Morning coming down

Solche Bilder macht man nicht, belehrt mich die Fotografin in mir, viel zu dunstig, zu wenig Kontrast, will keiner sehen. Warum nicht, wehre ich mich, genauso war doch dieser Tag, grau und feucht und wenig ansprechend, das darf man doch auch abbilden, wenn es schon genau so war?

Nein, spricht der Bildmensch in mir, auch wenn es so war: das behält man für sich. Herzeigen tut man das nicht, herzeigen tut man so etwas:

Bitte, der Himmel könnte noch besser sein, 5 Minuten Photoshop, aber das willst du ja wieder nicht, mit deinem dämlichen Authentizitätsfimmel.

Genau, sage ich, Authentizität, das bunte Bild da kannst du schmeißen. War zwar genau so, erweckt aber einen völlig falschen Eindruck. So als könnte man sich gemütlich vor die Bäume setzen und die schönen Farben betrachten. Kann man aber nicht, weil einem dabei der Arsch abfriert. Pfeif auf die Ästhetik, was hat man denn davon, wenn es viel zu kalt ist, um sie zu genießen.

Ach, große Worte, strahlt die Kamerahalterin. Schließlich haben wir in schönstem Einverständnis das da fotografiert.

Und das schaut gut aus, obwohl uns beiden das Business dahinter am Arsch vorbeigeht. Nein, wehre ich mich, das ist doch eine tolle Aussage in dem Bild, Kunststadt Wien als Massenware, das hat eine Aussage, eine Bedeutung.

An so etwas denkt doch keiner, schnappt das Auge zurück. Verfroren, verloren. Authentisch abgezockt. Können wir uns jetzt auf etwas Warmes einigen?

Klar. Das können wir.

Solchermaßen warmfingrig stromern wir eine Weile durch den Wiener Wald (wenn auch nicht durch den Wienerwald), ein seltenes und in seiner Ziellosigkeit auch seltsames Unterfangen, stoßen auf einen keltischen Baumkreis mit Musik, später auf einen Pensionisten mit Endzeitphantasien (“Der Ami ist am Zusammenbrechen, und wenn der Ami erst einmal zusammenbricht, dann fallen alle über uns her, die Jugos und die Tschechen und die ganzen Ostländer”), lassen dann den Bulli fast selbsttätig den Weg in die Stadt hinunter finden, dann noch da und dort, hier und da:

Ja.

© 2018 sturmpost

Theme von Anders Norén↑ ↑