Schlagwortim Auto

Freitag, 20.2.09 (Long way home)

 

Nicht gerade das richtige Wetter für 400 Autobahnkilometer.

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On the road again

Sollen wir nicht doch noch einen Tag bleiben, jetzt, wo endlich die Sonne scheint, ja, nein, ich weiß nicht. Die weißen Segel auf der Dahme leuchten sommerfroh. Ach was, wir fahren. Ein Tag mehr wäre ohnehin nicht genug gewesen. 750 Kilometer zwischen dort und hier. Tanken ist teuer, hier mehr, dort etwas weniger. Was für ein Licht, hier sollte man aussteigen, oder hier vielleicht, und… tut es nicht.

PICT8837Die südsächsichen Berge, eine Suppe in einem geisterhaft leeren Glashütten. Jetzt ist es nicht mehr weit bis zur Grenze. Unfreiwillig aber begeistert ein Stück an der Labe entlanggegondelt. Nochmals tanken. Entgegen erster Idee doch kein Abstecher nach Budweis.

Ein Beinah-Mitternachtssnack in Znojmo, dann geht es erstaunlich schnell. Wien steht noch. Nur 8 Autostunden zwischen dort und hier. Jetzt ein Manöverschluck* : “Ein Wunder, dass man hier noch heraußen sitzen kann”, sagt der Sufi, “Warum?” frage ich. “Weil Wien nicht Berlin ist.” sagt der Sufi, “Wien ist aber auch nicht Grammatneusiedl!” sage ich. Wir lachen, wie man wohl nur nach ein paar hundert Kilometern im braven, aber langsamen Bulli lachen kann. Der Kellner zögert, bevor er uns das zweite Bier bringt.

Sturmscher Denkfehler: 1736 Fotos – und ich sehe nur die, die ich nicht gemacht hab. Die Nachbarn streiten sich ums Fernsehprogramm. Wiener Alltag, du hast mich wieder.

* Aus dem Seglerischen: Alkoholisches Getränk, das zur Feier erfolgreich abgewickelter Manöver getrunken wird.

Wochenendsplitter

Cruisen mit Sir Bulli, fahrtwindgekühlt. Der Sufi auf der Suche nach etwas, ich einfach nur froh, durch den Frühsommer bewegt zu werden. Ab und zu ein mitleidiger Blick auf die hochgeschlossenen Kühlschrank-Limousinen; deren Insassen blicken allerdings ebenso mitleidig zurück auf die, die sich offenbar keine Klimaanlage leisten können. Wie gut, wenn jeder das hat, was er will.

Das Grün rund um die Stadt ist üppig und lässt den Blick in Pseudo-Kühle baden; wunderschön, aber je mehr grün ich sehe, umso stärker echot in mir ein Wüstenbild. Musik braucht es dazu fast nicht, die Hitze selbst ist wie Musik, dazu das Klingen von Gläsern und Besteck aus den Gastgärten und immer mal wieder eine Nase voll Grillgeruch.

Bis zu den Knöcheln im Wasser durch einen gar nicht mehr so kühlen Bach waten, auf der Suche nach dem perfekten Sommerbild.

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA

Schloss Mayerling erweist sich als wenig beeindruckend, doch bei so viel Gegend macht das kaum etwas aus. Davor, danach, dazwischen immer wieder innerlich Abkühlendes unter dicht belaubten Bäumen. “Weißt du”, sage ich sinnend zum Sufi, “wenn ich nicht fallschirmspringe, kriege ich viel zu wenig mit vom Jahrlauf”. Der Sufi kichert leise in sich hinein und startet den Motor. Weitersuchen.

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA

Irgendwann dazwischen ein deutsches Pokalfinale, Ausgang leider wie erwartet, irgendwann anders ein halber Grand Prix. Ein Eis muss her! Angesichts der seltengewordenen Schöller-Eistruhe feststellen dürfen, dass es “Rumfass” noch gibt – alter Kindertraum, gab’s nur zu ganz besonderen Gelegenheiten. Trotzdem stapelten sich die Plastik-Fässer in der Kredenz (ist das eigentlich ein österreichisches Wort?), bis ein Versuch, sie als Puddingformen zu Verwenden, in der verschmelzenden Vernichtung von Pudding und Fässern mündete (Pudding wurde damals noch gekocht – Anmerkung für meine jüngeren Leser).

Irgendwann muss auch ein solches Bilderbuchwochenende enden, und das tut es, unter Platanen, mit Geplauder sowie festen und flüssigen Genüssen. Bis zum nächsten Mal.

Sonntagsnachtrag

Hoffnungsfrohes Cruisen zwischen Gänserndorf & Großenzersdorf. Flach ist es dort; sehr flach. Viele Schilder stehen herum. Angekündigte Flohmärkte finden nicht oder vereinsamt in tristen Hallen statt. Der Wind föhnt falschen Vorfrühling, während die wolkenblasse aber immerhin vorhandene Sonne mal da, mal dort auftaucht.

Sinniere über meine ewige Verbundenheit mit Bahnhöfen; ein Bahnhof ist ein Zwischenort, einerseits, Schwelle zwischen Ankommen und Wegfahren; andererseits ein beruhigend immergleicher Ort, egal wo, immer findet man Fahrpläne, zu den richtigen Uhrzeiten Schalterbeamte, meist ein unsäglich verkommenes Buffet; Erwartbarkeit.

Im Ort ein tageslichtentzauberter Adventmarkt mit jeiernder Weihnachtsliedberieselung; etliche dieser Märkte werden folgen & mit dem Dunkelwerden des Tages immer unerträglicher kitschig.

Wienwärts die Sonne ein riesiger roter Ball, bereit, in die Erde hineinzuschmelzen. Die Ausläufer der Stadt. Lichterketten allüberall. Noch ein Weihnachtsmarkt. Schnapsverkostung mit Ave Maria. Menschen in Uniform hier wienerisch schnippischer als draußen, zuerst, nach ein paar Sätzen aber ebenso freundlich & hilfsbereit, wenn auch ebenso vergebens.

Zu spät für ein rettendes Dampfbad uns selbst vollends zum Mitlaufen verdammt, nämlich am Spittelberg. Lustige Hüte, gutes Futter. Anschließend Sonntags-Fixpunkt mit Chilibier. Wie üblich zu lang.

Die meisten Bilder bleiben im Kopf.

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