Schlagwortkrems

Kurzes langes Wochenende

Samstag

Die unendliche Gleichzeitigkeit der Welt, die Mondfinsternis da oben und der Jet, der irgendwo darunter aus einem mir unersichtlichen Grund plötzlich ein bisschen abbremst; der Hauch von Sound vom Bukowski-Konzert, der tatsächlich bis hier rüber auf den Balkon hochweht, drinnen hinterm Fensterglas die Bundesliga, die deutsche, und davor der Sufi mit einem Glas Wein. Der Balkon vertraut von damals; das Lokal mit dem guten Zwiebelrostbraten gleich ums Eck aber hat geschlossen, die Wirtin ist in Pension gegangen, naja, will ja jeder irgendwann. Schade um den Zwiebelrostbraten.

Der Hund hier am Hof hat gewechselt, ein junger Schnauzermischling jetzt, verspielt. Beinahe hätten wir nicht hergefunden, nur ein diffuses Bild im Kopf, Bauernhof, Hund und ein grünes Tor. Freundliche Passanten weisen den Weg, “Ah, den Rosner meinen’s”, so winkt am Ende eines kalten Tages doch ein warmes Bett in einer schönen Ferienwohnung, nur zufällig frei, weil die angesagten Gäste abgesagt haben, ein Glück auch noch. Keine Grillen heute, zu kalt wohl, keine Sternschnuppen trotz August, aber eben diese Mondfinsternis.

Rewind
Und vorher ein Flugplatzfest mit wenig Fliegerei, zu tief die Wolken und zu nass. Kalt ist es, zwei Pullover und Jacke und immer noch frösteln, “Nächstes Mal”, sage ich zum Sufi, “Nächstes Mal wenn wir im August wegfahren, erinner mich, dass ich die Wollsocken einpack!” – Trotzdem irgendwie fein alles, alte Bekannte und neue Gesichter, Fachsimpeleien und Geschichten und Geschichterln, so g’hört sich das; derweil kämpfen die Modellflieger mit Props & Rotoren gegen Wind und Nässe. Die Hagelflieger-Cessnas dagegen, die sind ganz in ihrem Element. Und trotz des stark gekürzten Programms (die Flying Bulls zB hängen in Brünn fest) kommt man kaum dazu, die Propeller-Torte zu genießen; eine Notfallübung, ein Bundesheer-Hubschrauber, der sichtlich ziemlich viel Spass hat, und dann, als keiner mehr mit irgendetwas rechnet, kommt eine völlig unerwartete Extra im Messerflug (Messerflug nicht im Bild) vorbei und einmal rum und dann zur Landung.

Alles ein bisschen heimelig und doch ganz anders, der Platz, auf dem wir jahrelang unser Wochenendheim hatten, immer noch (wieder?) sehr sympathisch.

Dann beinah ungezielt hoffnungsfroh nach Droß, vorbei am Stratzinger Weinfest, aber der ungezielt angesteuerte Vorspannhof hat schon Spätsommerpause. Dann halt “auf dem Landweg” quer durch bis Langenlois, dort alle Gehsteige hochgeklappt, sicher nur wegen des Wetters, aber trotzdem leicht trist. Was haben wir gefroren am Flugplatz, erzählen wir einander nochmals. “Ich hab aber auch schon Schnee gesehen, im August”, toppt der Sufi den heutigen Tag, aber das war in Südtirol und gilt daher nicht, wie ich finde. Sonst müsste der steirische Reinischkogel-Augustschnee aus meiner Kindheit auch gelten. Wir lassen den “im August frieren”-Wettbewerb sein und halten stattdessen Ausschau nach wetterunabhängigen Alternativen.

Überall hängen Plakate, auf denen steht, dass auf Schloss Haindorf heute Boris Bukowski spielt. “Lass uns hinfahren!” sage ich halb im Scherz und halb in einem von zwei flugplätzlichen Mittagsachterln gespeisten Nostalgieanfall; “OK”, sagt der Sufi. Wir finden also Schloss Haindorf und suchen nach Informationen über Zimmer und Konzert, kriegen aber stattdessen erstmal einen Platten. Die veranstaltungsverkehrsleitende Feuerwehr versammelt sich fachsimpelnd um den Reifen, wir warten im Tonschauer des Soundchecks trotzdem lieber auf den ÖAMTC. Der kommt erstaunlich schnell, in Langenlois. Das zwischenzeitlich inspizierte Schloss-Zimmer (es ist nur noch eins frei) konveniert nicht, daher doch weiter nach Straß, wo wir das Restaurant nicht mehr, unser Lieblingsquartier aber schließlich doch noch finden – aber das steht ja schon am Anfang.

Eine kurze und erfolgreiche Zimmerverhandlung später sage ich zum Sufi “Wir müssen nicht zu dem Konzert, wenn’s dich nicht interessiert” (vielleicht will ich’s ja am ehesten von mir selber abwenden); “Aber ich freu mich doch, wenn du dich freust!” sagt der Sufi. “Ich freu mich aber auch total, wenn du dich freust”, kontere ich, “wir können also stattdessen gerne ein paar Weinkeller abklappern.” Während wir in Kammern bei “Joe & Ilse Müllner” einen Hauerteller mit zugehörigem Veltliner und Welschriesling vernichten (Der Welschriesling!!! – aber der ist leider schon beinahe aus), gewinnt die Diskussion noch ein paar zusätzliche Metaebenen, und schließlich landen wir doch beim Schloss. Die Mädels an der Kassa haben längst aufgegeben, und im veranstaltungszugehörigen “Winzerdorf” haben 8 von 10 Buden zu. Es ist aber auch wirklich saukalt. Und könnte jederzeit wieder regnen.

Ich besorg mir ein Bier, der Sufi versucht den einzig erhältlichen Veltliner. “Wollt’s nicht reingehen?” (in die Freiluft-Konzert-Arena) lockt der Manager höchstpersönlich, und das tun wir dann auch. Ganz Bühnenprofi, verliert der Boris auch angesichts des lächerlich versprengten Häufchens feuchtfrierender Zuschauer weder Lust noch Stimme und schafft es sogar, die anfangs eher lustlose Band zu Stadion-Leistungen zu animieren. Sehr feines Setting übrigens, die Bühne vor dem Schloss. Das Publikum bemüht sich zwischen den Songs genau so sehr wie die Musiker währenddessen, und das ist alles in allem mehr als man an so einem Tag erwarten konnte. Wobei mir die alten Songs lieber sind als die neuen, aber ich ich bin nicht sicher, ob das nicht ausschließlich an mir liegt. Und die neuen Psychedelic-Anklänge sind irgendwie auch ganz interessant. Und vor allem genieße ich, nach viel zu langer Zeit endlich wieder Mal volle Rock-Lautstärke in die Ohren geblasen zu bekommen. Kleine Soundunsicherheiten schreiben wir wohlwollend dem Wetter zu.

Zur Pause flüchten wir dann trotzdem. Die Aussicht auf 1/2 Stunde jovial-peinlichen Arabella-DJ ist mir mehr als zuviel, und der arme Sufi friert ganz fürchterlich. Da es, gleich angezogen und gefüttert, deutliche Unterschiede zwischen unserem Frierverhalten gibt (ich habe am Flugplatz deutlich mehr gefroren, er dagegen am Konzert) entwickle ich die Theorie, dass ich die ungewöhnliche Fähigkeit habe, Schallwellen direkt in Wärme umzusetzen. Der Sufi wiegt zweifelnd den Kopf.

Und dann, die Tankstelle hat schon zu, zwischen Kammern und Straß, blinzle ich so aus dem Autofenster, “wie schaut denn der Mond aus?” – der Sufi: “Wie denn?” – Ich: “Na so… halb irgendwie… eh!, das ist eine Mondfinsternis!” – Der Sufi, gelangweilt: “Ja, haben sie eh im Radio gesagt.” Na dann. Kann man sie ja vom Balkon aus auch noch schnell laienhaft fotografieren. Und nebenbei ein paar Langzeitbelichtungen machen.

Sonntag
Manchmal mag ich meine morgendliche Anlaufzeit ja selber nicht so gern – zum Beispiel dann, wenn der Sufi das Frühstück aufs Zimmer holen geht. Ich mein, es ist ja unglaublich perfekt, einen Sufi zu haben, der das Frühstück aufs Zimmer holt, aber noch besser wäre so ein Frühstück, wenn ich rechtzeitig fähig wäre, zu artikulieren, dass mir eigentlich nach Joghurt und Ei ist, nicht nach Semmerl und Wurst und Marmelade. Da kann natürlich der Sufi gar nichts dafür, und der Kaffee schmeckt am Balkon definitiv besser als im Keller-Frühstücksraum. Am Nachbar-Balkon zeigt sich die Oma des Hauses, und so erfahren wir zwischen zwei Tassen Kaffee ganz nebenbei alles, was wir in den letzten 7 Jahren hier verpasst haben. Derweil gluckern unten die Hühner und weit drüben in der Wiese stolzieren Fasane und/oder Raben, das ist nicht ganz klar, und ab und zu läuten irgendwo leise Kirchenglocken, und wie schon beim letzten Mal schlage ich vor, hier doch ein paar Monate zu bleiben, so bis zum Wintereinbruch, und wie schon beim letzten Mal neigt der Sufi vernünftig verneinend den Kopf.

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Es ist wieder sonnig heute und halbwegs warm, halbwegs: so irgendwo zwischen kurz- und langarm, schon ein bisschen seltsam für Mitte August. Wir haben nur einen Fixpunkt an diesem Sonntag, und der eilt nicht, deshalb rollen wir erstmal durchs Kamptal und dessen Nebentäler, niederösterreichische Fotosafari, Modellflugplatz inbegriffen. Dann ein Abstecher nach Mollands, dort hat der Weinbauer, bei dessen Eltern des Sufis Vater schon vor vielen Jahrezehnten…, naja, irgendwo steht diese Geschichte schon, der Weinbauer jedenfalls hat eine Weinbeisserei aufgemacht, ein wunderbar luftiges Architektur-Ding mit Blick über den schönsten Teil des Kamptals. Wir freuen uns über Gegenwart und Vergangenheiten, und die Mücken üben sich in Extreme-Wineglass-Diving. Mir macht ein fruchtig-spritziger Welschriesling namens “Hias” den Mittag sonnig, während der Sufi sich vernünftig kleinschluckweise durch die Veltliner ackert.

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Ungewöhnlich frühnachmittagsbeschwipstschwingt drehe ich eine kleine Weinberg-Fotorunde, während der Sufi Familiengeschichte(n) aufarbeitet. Dann weiter kamptalaufwärts und irgendwann rechts ab im Zickzack Richtung Großwetzdorf, nur eben immer haarscharf an allen Hauptstraßen vorbei. So kann ich mich entspannen und angesichts der abgeernteten Felder an den Gedanken gewöhnen, dass es doch schon wieder irgendwie Herbst wird. Obwohl ich keine Ahnung hab, wo der Sommer geblieben ist.

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In Großwetzdorf packt der Sufi ein paar Weinflaschen ein, das der Fixpunkt; danach südwärts, heimwärts. Fast.

Denn so vorbei an Stockerau bietet es sich doch an, noch den dortigen Flugplatz anzusteuern und ein paar Cessnas und ein paar Katanas starten und landen zu sehen, bei jetzt lauem Wetter und leichtem und immer noch abflauendem Wind. Dann noch ein Hubschrauber, den ich gerne mitheimnehmen würd’. Und anderes fliegendes Ge-Zeugs.

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Und zum Schluss, farbenfroh, ein Sonntagabendessen auf der beinahe verlassenen Summerstage, mit vorherigem Graffitispaziergang.

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Schön wars.

Weg isser

Der gute Herbie. Viele tausend Kilometer treues Schneckenhaus zwischen Rumänien, Italien und Schweden. Im hohen Alter zur Flugplatz-Villa umgewidmet, unabdingbare Voraussetzung für rauschende rauschige Feste. In seinem letzten Winter noch trockene Heimstatt mehrerer Mäusefamilien.

[Stimme aus dem Off] Ach, war doch nur ein Auto, Chroni!

Na gut dann

Dann zieh ich mir halt wieder den Pullover an. Und Socken noch dazu. Und nach dem Duschen ist jetzt wieder Fön angesagt. Fön? Ja wo ist er denn? Naja, dann halt ein Tuch stattdessen.

Dass es am Samstag beim Sufi-Fest (Bilder folgen) unbedingt regnen musste, war klar. Dass die Temperaturen dabei recht übergangslos um 20 Grad gefallen sind, habe ich auch noch nicht persönlich genommen. Aber dass es jetzt tagelang so bleibt? Dazu im wilden Westen der Erste Schnee.

Jedesmal im Herbst, wenn ich zum ersten Mal friere, muss ich an meine alte Schulkollegin A. denken, die damals gemeint hat, ihr Ziel wäre es, irgendwohin zu ziehen, wo das Wetter immer gleich ist – dort würde man nämlich nicht merken, wie man altert. Ein Satz, den ich heute viel besser verstehe als damals: Denn die Sommer sind immer noch gleich schön, die Winter aber werden mir immer schlimmer.

Das Fest übrigens, das war trotz Freiluft-Wetterwidrigkeiten ein voller Erfolg, das fand nicht nur der vergoldete Sufi und unser auf die nasse Wiese beorderter Freundeskreis, dass fanden auch die ebenfalls eingeladenen 20-jährigen Fallschirmspringer – und das will schon was heißen.

Dass die nächtliche Dunkelheit bis weit in den nächsten Tag anhielt, war nicht nur meteorologisch bedingt. Der Sufi bekam außer hübschen Gaben auch noch ein neues Wort geschenkt: nämlich das “Reparaturseidl” – von dem er, um es sich für die Zukunft besser zu merken, gleich mehrere konsumierte. Trotzdem fand die geborgte Infrastruktur ihren Weg zurück zu den Verborgern, und das Partyzelt war deutlich schneller ab- als aufgebaut.

Im übrigen wäre noch anzumerken, dass ich es überhaupt nicht schätze, jetzt Halskratzen zu kriegen (wo ich doch am Donnerstag singen soll). Und damit Ruhe, derweil ich versuche, mich langsam an die Kälte zu gewöhnen.

Ausflug aufs Land

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Schöne Tage. Egal. Oder auch nicht.

Donnerstag

Endlich wieder springen wollte ich, aber der Himmel hat kein Einsehen und regnet und windet. Das Handy ist kaputt. Dann noch diese Kreuzschmerzen. Ist doch egal, sage ich, fahren wir trotzdem hinaus, sage ich, und der Sufi, lieb wie er ist, trägt mein Gear ins Auto. Das hat ein neues Radio, dessen Erkundung bis zur Mitte der Reise dauert. Ungelöst das Rätsel, wieso normale CDs springen, MP3-Cds aber problemlos abgespielt werden. Ist doch egal sage ich, habe ohnehin eine randvolle MP3-Cd gebrannt. Reicht für 3 Tage.

Ankommen und aufatmen am fast verlassenen Drittwohnsitz-Flugplatz.

grabenEin bisschen beschämt als die anderen der Wasserleitung ihr Bett graben, während ich auf der Campingliege mein Kreuz pflege, aber egal. Ist doch egal. Schließlich ziehen da Wolken so schnell und vielschichtig dahin, dass ich sehr schnell die c’t zur Seite lege; schließlich sind die Weinberge so grün und auf der Wiese laufen die Hörnchen und später sogar ein Hase, und der Rest: Ziemlich egal. Dann noch essen, nach Dross, weil der Sufi so gerne will, und wir schleppen noch ein paar müde Freunde mit, komm, ist doch egal.

Danach will der Sufi heim, ich aber nicht, dazu brauch ich keinen Sekundenbruchteil Überlegungszeit, Stadtmauergrau gegen Wiesengrün, gut, dann bleib ich hier – ist doch egal. Der Sufi aber plötzlich auch, somit doch eine zweisame Herbie-Nacht, eine kurze: Um 8 Uhr ist Tagwache, für den Sufi, weil er ins Büro nach Wien muss, für mich, weil ich gedenke, in Krems Ersatz für mein Handy zu beschaffen. Mehr Auswahl gäb’s in der Großstadt? Ach komm, ist doch egal.

Freitag

Also Freitagachtuhr an der Kremsperipherie abgesetzt, wollte eigentlich ein Taxi nehmen, ist aber keins da. Egal. Tapfer an allen Tankstellen vorbei zum Steinertor gewandert, ziemlichen Umweg dabei gemacht, weil ich nur den Autoweg kenne, aber was soll’s. Fühlt sich an wie Urlaub, so warm und so bunt und so fremdvertraut, die Leute sprechen einheimisch und doch ganz anders, eine italienische Familie vor einer “fahrradfreundlichen Pension” im Ostblock-Hotel-Look, fahrradlos, starrt mich an, mit langem Ohr im Vorübergehen erfahre ich, dass mein T-Shirt gemeint sein muss: “Bob Dylan” identifiziere ich als einzig bekannte Lautfolge im fremdländischen Redestrom und gehe gleich aufrechter, damit sie Tourdaten auf der Rückseite auch noch gut lesen können.

Selbiges T-Shirt macht im Einkaufszentrum leider hautnah Bekanntschaft mit dem Zeitüberbrückungs-Cappuccino, sodass ich es im nächsten Geschäft gegen ein orange-gebatiktes austausche; orange wird immer mehr zu meiner Lieblingsfarbe, stelle ich fest und kaufe zum Ausgleich und aus Fadesse, weil der Handyladen erst um 1/2 10 aufmacht, gleich noch eine schwarze Sommerjean und dann noch ein Buch über’s Waldviertel und Die vierte Hand, die ich dann bei einem zweiten Cappuccino, dessen bestimmungsgemäße Verwendung diesmal gelingt, gleich aufschlage.

Werde aber schnell abgelenkt vom Geplauder rund um mich, unter dem Dach des Einkaufszentrum-Cafes treffen sich VerkäuferInnen, die demnächst an ihrem Arbeitsplatz erwartet werden, mit den Arbeitslosen (ausschließlich männlich), die in naher Zukunft nirgends erwartet werden –  hier scheint jeder jeden zu kennen, und vermutlich liegt es daran, dass es keine Vorurteilsbarriere gibt zwischen den Erwerbstätigen und den Erwerbslosen; möglicherweise hat es auch damit zu tun, dass die letzteren mit einer einzigen Ausnahme noch beim Kaffee sitzen und nicht beim Bier (und fragt mich jetzt nicht, was die Ursache ist und was die Wirkung).

Der Wirt jedenfalls, er wirkt wie ein Wirt, obwohl es sich um ein Kaffeehaus handelt; der Wirt hat haargenau die gleiche Stimme wie ein anderer Kremser Wirt, den ich kenne, obwohl sie sich optisch überhaupt nicht ähneln, der Wirt pfeffert die Kronen-Zeitung auf den nächstgelegenen Tisch und nennt deren Inhalt “blödsinnig”, worauf die Kellnerin vom Tischewischen aufschaut und meint, der Standard sei eben leider noch nicht da gewesen.

Wie spannend die kleinen Mikrokosmen sind, sonald man sich von zu Hause entfernt. Der Handyladen hat jetzt offen, und ich lass mir sämtliche Modelle erklären und gehe dann mit dem kreuzbraven 6310i nach Hause anstatt mit irgendeinem Dingens, das alle Stückeln spielt – weil es als einzig verfügbares eine Schnittstelle für mein serielles Laptopkabel hat, zum einen; zum anderen weil es mich bei meinem Vertrag keinen einzigen Cent kostet.

Na gut. Nun interessiert mich doch, was Krems noch so zu bieten hat. Ich finde eine sehr sympathische Fussgängerzone zum Schlendern, ein Cafe mit unsäglichem Kaffee – und noch mehr Urlaubsgefühl. Dazu ein bisschen wiederkehrendes Kreuzweh. Der Wind treibt mich zum Bahnhof, wo Taxis und Busse zu finden sind, nur 10 Minuten zum nächsten Bus, den nehmen wir doch…

Ich teile ihn mit einer kreuzfidelen Rentnerinnengruppe auf dem Weg zu ihrem wöchentlichen Heurigen-Stammtisch (wir schreiben mittlerweile immerhin 11 Uhr), die mich, kaum dass ich mein Ziel (Gneixendorf Flugplatz) bekanntgegeben habe, ins Kreuzverhör nimmt, und schon nach 2 Haltestellen beschlossen hat, das mit dem Tandemspringen einmal auszuprobieren.

Meine Anwesenheit ist also nicht weiter von Nöten, daher darf ich mich setzen. Der Wind ist womöglich noch stärker geworden, die Sonne scheint unbeirrt, das Licht ist Skandinavienlicht: Grade recht zur Sommersonnenwende.

Die paar Schritte von der Haltestelle zum Fliegerstüberl fühlen sich an wie Heimweg, wie erleichterter Heimweg; hier kenne ich die Leut’ und die Leut’ kennen mich, und ich darf mein Handy aufladen und brauche nur einen Kaffee zu bestellen, weil was ich für einen Kafee will, das wissen die hier schon.

Das ist sehr angenehm, und ich blättere erst in der Krone, für die sich hier keiner entschuldigt, und nehme dann wieder die “vierte Hand” zur Hand; nach 70 Seiten ist das Frühstück gegessen und das Handy geladen, und ich ziehe mich in die Abgeschiedenheit des Herbie zurück, um coole Klingeltöne auszusuchen.

Dann irgendwann kommen die anderen, soweit sie müssen, denn das das mit dem Springen heute nichts wird, ist windbedingt längst klar. Mir aber egal; ich habe meinen Sessel in die Sonne gestellt und lese in meinem Buch (das bei weitem nicht an die Irving-Highlights heranreicht, aber doch ein deutlicher Fortschritt ist gegenüber der Witwe und dem Zirkuskind), und ich erkunde die Funktionen im Handy oder schaue einfach über die Wiese, wo ab und zu ein Erdhörnchen auftaucht, oder in den Himmel, wo die Wolken tanzen; dazwischen mal kurz bei einer Tandemmaster-Schulung zugehört und das eine oder andere gelernt.

Aber je später es wird, desto weniger lese oder lerne ich, umso mehr schaue ich über die Wiese und in die Wolken: sehr zufrieden mit dieser Daseinsform und ohne das kleinste bisschen Sehnsucht nach Bits oder Bytes.

Ein kleiner Regenguss treibt mich zurück ins Fliegerstüberl, woraus ein netter Abend wird, und das war der Tag und er war mehr als schön. (Und dann zum ersten Mal in 12 ganzen Jahren den Herbie ganz allein beschlafen)

Samstag

Morgendlich frischer Wind läßt bald sprungfreundlich nach: Daher ein Sprung und, nach einer ganzen langen lesenden schauenden rumhängenden Weile, noch einer. Der Sufi läßt sich zu einem Besuch überreden, das freut natürlich mich, aber auch andere, die der Meinung sind, ohne den Sufi in der Hängematte würde am Platz keine rechte Stimmung aufkommen.
drossNach der langerwarteten Ankunft ein kurzer Abstecher nach Dross, und nach der Rückkehr ist das Sonnwend-Grillfest in vollem Gange. Wer zählt die Geschichten, wer die Biere? Aus Lengenfeld leuchtet ein Feuerwerk, und aufmerksame Beobachter, soweit sie noch wach sind, erleben das ungewohnte Ereignis, die Chronistin bereits vor Mitternacht ins Bett schleichen zu sehen (wobei böse Stimmen auch etwas von “schwanken” gemurmelt haben).

Sonntag

Nachts wird es seeehr kühl: Da hat jemand die Bustür offengelassen. Später, als die Sonne aufgeht, wird es ziemlich warm: Der untreue Sufi trollt sich in die Hängematte; aber ich bin entspannt genug, um nicht zu grummeln. Das nächste, was ich wahrnehme, ist Jürgens fröhliche Morgenstimme; die Maschine ist aber noch nicht da. Eine heimliche Dusche und einen Kaffee später fühle ich mich kräftig genug, um in die Hängematte zu wechseln, und kaum 2 Stunden darauf bin ich sprungbereit.

2 sollten es mindestens werden, aber die Zeit drängt, und die Maschine ist voll: Also machen wir uns auf den Weg, der Sufi und ich. Auf der B37 beschließen wir allerdings einmütig, uns von der Zeit nicht drängen zu lassen, und fahren stattdessen ein bisschen herum. Ob es wirklich die Kälte ist, die mich aus dem Ottensteiner Stausee wieder ans Ufer und dort in eine Sitzposition mit verschränkten Armen treibt, weiß ich nicht; es könnte auch die überdeutlich menschelnde Fremdheit (fremdelnde Menschheit?) gewesen sein.

Jedenfalls finden wir dann noch einen Waldviertler Whisky (den ich mehr wegen der Flaschenform als wegen des Geschmacks kaufe) und ein Blockhausferiendorf, gegenüber ein Weizen- und ein Roggenfeld, von dem ich je eine Ähre mopse und die einzelnen Körner freilege & kaue. Dass ein in solchen Ähren möglicherweise vorhandener Pilz in meinem eigenen Magen Fuss fassen und weiterwachsen könnte, habe ich meiner Grossmutter schon als Kind nicht geglaubt; gefährlicher könnten da schon die Spritzmittel werden – aber das halte ich aus.

Auf der Weiterfahrt will der Sufi in keins der von mir vorgeschlagenen Schlösser essen gehen, und ich versuche zu schmollen, was mir allerdings nicht so recht gelingt. Viel zu schön liegt die Sonne über dem Land, und während der Sufi sinniert (“Mit der Landschaft ist es wie mit den Frauen: Nicht jede, die schön ist, muss man auch haben”) würde ich hier sofort Wurzeln schlagen: Und wenn ich es dereinst bereuen sollte (wie ich bislang jedes Wurzelschlagen bereut habe), dann wüßte ich wenigstens, warum. Nur erklären kann ich es nicht.

Was ist das für ein Teich, fragt der Sufi: Das ist der Teich, wo mich damals fast ein Schwan gebissen hätte, als das mitgebrachte Brot alle war, sage ich.

Und dieses Damals war damals, als der jetzt in Krems stationierte Herbie noch quietschlebendig war; auf der Rückfahrt nach der Reparatur der Gangschaltung (die auf der Wiese des Dobra-Campingplatzes einem heftigen Hügel zum Opfer gefallen war), wo auf der Hinfahrt jeder Tritt auf die Bremse ein Herausspringen des Schaltungszahnrads hervorgerufen hat mit dem Ergebnis, dass man langsam an den Straßenrand rollen und den Gang (den zweiten, die anderen waren unmöglich reinzukriegen) rücklings auf der Erde liegend händisch einlegen musste, aber das sage ich nicht mehr sondern denke es nur (deshalb ist auch der Satz so verworren).

Stattdessen versuche ich, den Sufi zum nächsten ausgeschilderten Schlossrestaurant zu lotsen; das will er wieder nicht. Ich habe aber Hunger, sage ich. Ich will aber am Wasser essen, sagt er.

Die Antwort liegt auf der Hand – oder besser, auf der Landkarte. Etwas besorgt und leicht nervös – zu oft habe ich altgeliebte Plätze nach etlichen Jahren der Abwesenheit verfälscht und verdorben wiedergefunden – lotse ich uns zum schönsten Campingplatz des Landes, der – Erleichterung – noch fast wie damals daliegt. Nur Strom haben sie hergeleitet; nicht gerade ein Fortschritt, zumal im Restaurant Ö3 läuft – aber das halten wir aus.

PICT0066Das Essen ist nicht berühmt, aber durchaus genießbar, die Aussicht unverändert schön. Hinter den Bäumen geht die Sonne unter, und während wir mit dem Fernglas dem Fischreiher folgen, erzählen sie im Radio vom Donauinselfest: Und ich bin unglaublich dankbar, dass ich hier bin und nicht dort.

Obwohl wir anschließend ebengenau dorthin fahren durch dieses unglaubliche Licht, durch das skandinavische Kühlsommerlicht: So schön war das Licht noch nie, glaube ich, sagt der Sufi. Ich glaub auch, sage ich.

Die ganze werdende Autobahn dämmert es, und auf der viel zu neuen gläsernen Skyline rund um die UNO-City liegen letzte rote Sonnenstrahlen, wunderschön, aber mein Fotospeicher ist schon voll. Wir verirren uns ein bisschen zwischen Reichsbrücke und… Reichsbrücke, finden dann aber doch den Weg auf den Parkplatz. Dermassen strahlend neue architektonische Leistungen erwecken in mir immer das Bedürfnis, SimCity zu spielen, sage ich, ganz egal ob sie schön sind oder nicht – aber der Sufi kann das nicht nachvollziehen.

Wir gehen, handinhand zufrieden damit, uns nicht ins direkte Inselgewühl stürzen zu müssen, in Richtung Country- und Westerninsel, nicht wegen der Musik (die sich trotzdem gut als Langwochenendsabschluss eignet) und auch nicht wegen der Gestalten in Fransenhemden und Cowboyhüten (die durchaus eine Fotosession oder eine soziologische Studie wert wären) sondern auf der Suche nach einem Stand mit Halbedelsteinen, den wir vor zwei Jahren ebendort bewundert haben, der heuer aber (natürlich!) nicht mehr da ist.

Macht nichts, sagt der Sufi, ich hätt’ eigentlich trotzdem gern ein Hendl! (Die duften ja auch ums Eck) Gut, sag ich, dann nehm ich eine Folienkartoffel. Vorher allerdings nehmen wir noch ein paar Hosen vom hierarchisch organisierten Kleiderstand der Inder (Das wäre auch eine Untersuchung wert, sagt der Sufi, dessen in Österreich ungewöhnliches Verhandlungsgeschick dem Verkäufer Schweissperlen auf die Stirn getrieben hat) – und dann nehmen wir noch einen Schluck aus der Waldviertler Whiskyflasche, einfach nur weil es so gut zur Musik passt.

Dann sitzen wir da und genießen die Kulinarik, während eine mittelmäßige Band mit erstklassiger Frauenstimme Songs wie “Stand by your man” oder “Sometimes it’s hard to be a woman” zum besten gibt. Am besten sind sie a capella, stellen wir bei “Thank god I’m a country boy” fest.

Ein japanisch aussehendes Pärchen (gelächelt haben sie auch) kommt mit einem Tretboot in die Bucht und strandet prompt am Ufer. Wir beobachten interessiert die Rettungsaktion, während ich nochmals vom Waldviertler Whiskey einschenke und dem Sufi erzähle, dass der soeben angestimmte Song “Blue Bayou” lange Zeit der Lieblingssong meiner Mutter war. Der Sufi drückt meine Hand und fragt gleichzeitig ungläubig, ob das wirklich stimmt. Es stimmt: aber spätestens als ich in den Refrain einstimme, weiß ich, dass es allerhöchste Zeit ist zu gehen.

Wenn das nicht so schwer wäre. Dieses Wochenende, Inbegriff des Sommergefühls, enden zu lassen. Den Wiesen, den Stauseen, dem Flugplatz, dem Blauhimmel und dem Lagerfeuergeruch – ja selbst der Grindmusik! –  den Rücken zu kehren. Heimzukehren in den 1/0-Alltag. Ins eigene Leben. Als wäre es ein Abschied für immer und nicht nur für 5 Tage.

Die Wasserleitung muss unter die Erde

Schneegestöber, Wildleben und Kunstmeile

Rohrbach – Aspersdorf – (über Ziersdorf – Neudegg – Großriedenthal – Hohenwarth – Straß – Hadersdorf nach) Krems Flugplatz – (über Gneixendorf – Krems) – Stein [Kremser Kunstmeile] – Dürnstein – Weißenkirchen – (über Weinzierl – Nökirchen – Reichau – Senftenberg nach) Dross – Krems – (über S3 nach) Wien

“Auf auf!” ruft der Sufi nach der Nacht mit den Kirchenglocken und den seltsamen Träumen, “die Sonne scheint!” – Tatsächlich. Als ich allerdings aus der Dusche komme, scheint sie nicht mehr. Als wir schließlich das reichhaltige Frühstück erreichen, tobt draußen ein Schneesturm. Nach dem weichen Ei blitzt wieder kurz die Sonne auf. Als wir unsere Sachen im Wagen verstauen, schneit es wieder. Als wir den Bulli boarden, reißt die Wolkendecke auf.

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Richtiges Aprilwetter also, wegen der durchgehend starken Windböen aber keinesfalls fallschirmsprunggeeignet. Wir ziehen trotzdem Richtung Aspersdorf und damit Richtung Pink Skyvan, denn wenn man nicht springen kann, kann man immer noch plaudern.
Unterwegs wird es allerdings immer dunkler. Die Wolken stehen der Landschaft gut, deren hügeliges Wesen mir zusagt und die wegen der wellenartigen Landstrukturen kurzerhand als “rollig” in mein persönliches Sprachuniversum eingeht.

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Der Sufi dagegen kann mit so etwas weniger anfangen, er bemüht den schon auf früheren Fahrten geprägten Spruch, hier müsse man noch froh sein, wenn man einen Baum findet, um sich daran aufzuhängen. Der eine oder andere Baum findet sich allerdings immer; trotz einsetzenden Schneegestöbers. Der Bulli zeigt sich unbeeindruckt vom weißen Überfluss.

Wir sichten Rehe (ein paar), Hasen (eine ganze Menge), wir sichten jede Menge Schilder, die neben der Straße den Weg zum Fallschirm-Event weisen – aber was wir nicht sichten, ist ein Flugzeug. Erst als am Rückweg der Schneesturm nachläßt, wird klar, dass die kaum 80 Meter neben der Strasse geparkte Pink, ebenso wie das Zelt daneben, ganz einfach im Gestöber verschwunden war.

Wir steigen aus und gehen eine Runde spazieren, obwohl gleich klar ist, dass die Mannschaft schon längst woanders ist. Schade eigentlich, andererseits aber auch nicht: Hier herrscht jetzt eine ganz eigene Stimmung. Seltsamstimmung. Fotostimmung.

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Es ist zu kalt, um lange zu spazieren. Der Bulli röhrt freudig auf, als er die neue Destination erfährt: Krems. Dort waren wir schon sehr lange nicht. Wichtiger als das Ziel ist hier jedenfalls der Weg: Nebenstrassen sollen es sein.

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Mit der Landkarte auf den Knien mache ich meinem hier nicht verratenen Kosenamen alle Ehre und navigiere uns in leichtem streckenführungsbedingtem Zickzack auf bislang unbefahrenen Landesstraßen bis nach Straß im Strassertale. Dort übernimmt der Sufi, den von dort an kennt er sich aus. Die Landschaft wird erst flacher, dann wieder rolliger, schliesslich nahezu bergig. Dann haben wir unser Sommerquartier erreicht. Aber nicht nur das rollende Sommerhaus, auch das Fliegerstübchen liegt verlassen: ungewohnter Anblick, denn hier tanzt für gewöhnlich auch bei gröbstem Nichtfliegerwetter der Mops. Das hindert uns nicht daran, ein wie üblich ausgezeichnetes Gulasch zu nehmen; im Gegenteil: Angenehm unverraucht findet der Sufi die Atmosphäre. Draußen scheppert der Wind mit den Fahnenmasten, immer noch wechselt in kurzer Folge Schneegestöber mit Sonnenschein. Die Zeitungen erzählen von verschollenen Wüstentouristen und vom Krieg im Irak, alles seltsam fern und beschämend unwirklich. Dann ist es zwei Uhr.
karikaturmuseumWas wird denn nun noch mit diesem Tag? Wir könnten doch… Und schon ist der Bulli wieder geboardet, Kusshändchen noch zum Herbie, und wir sind auf dem Weg durch neue Flockendunkelheit in Richtung Krems, zur Kunstmeile. Langsam und gemütlich über Gneixendorf nach Krems und weiter nach Stein, wo nicht nur die staatliche Gerechtigkeit sondern auch die Kunst beheimatet ist.
Einträchtig finden der Sufi und ich die angeblich spitze Feder des Ironimus erstaunlich zahm und macht-zärtlich, die Deix-Exponate dagegen gewohnt schmerzgrenzig.

Auch wenn man den Großteil der Karikaturen schon aus ihrer Entstehungs-Zeit kennt, sieht man sie gerne wieder – und hat den Zusatzgenuss der riesigen Original-Gesichter, die so erst ihre ganze deprimierende Tiefe entfalten.

Beeindruckend auch die Sonderausstellung Heartfield, nach deren Besuch ist es allerdings höchste Zeit für einen Kaffee.

kunstDie anschließend noch angesteuerte Kunsthalle ist gerade in einer Umbauphase und zeigt für einen Euro gerade mal drei Riesenexponate von Helmut Ditsch; Acryl und Öl auf Leinwand, 3 Jahre braucht er für so ein Bild, erläutert die Dame an der Kassa. Ein Jammer, meint der Sufi, wo man doch das Gleiche auch mit ein paar Fotos und einer leichten Photoshop-Verfremdung erreichen könnte; die Dame hebt die Brauen und weiß nicht recht, ob das ein Scherz sein soll oder eine beabsichtigte Frechheit, ich weiß es übrigens auch nicht.

krems-steinDraußen scheint wieder eine Sonne, als wäre sie nie weggewesen, nur kalt ist es wie schon den ganzen Tag. Auf dem Weg aus der Stadt teste ich die Gegenlichteignung meiner Kamera. Geht so. Nach Hause jetzt schon? Ist zwar schon 5, aber noch viel zu früh.

Also, aber nur weil wir grade in der Nähe sind, noch ein paar Reifenkilometer hinein in die Wachau. Links die Weinberge und rechts die Donau, vorbei an Dürnstein, dann den Bulli in den Wald gestellt und auf den Füßen über die Sandbank; “Versau dir deine Schuhe jeden Tag” motzt der Sufi, während ich mich weißbehost bäuchlings auf die Kiesel werfe, um ein Ausflugsschiff abzulichten – was wegen plötzlichem Akku-Ende leider nicht gelingt.

 

rechts
Macht nichts. Wir stapfen über Kiesel und durch Sand, lassen flache Steine hüpfen und zerklirren damit die Sonnenreflexionen auf dem Wasser. Noch ein Ausflugsdampfer, fast menschenleer, genau wie der erste.

fischDas Augebiet, dem man das Hochwasser vom Vorjahr noch deutlich ansieht, wirft uns dann einen toten Fisch vor die Füße – abgelichtet mit einem letzten Aufflackern der Kamerabatterie.

Die teils sehr abgeknickten Bäume knarren zu den Ausflugsdampferwellen.

Wenn wir jetzt eine Standheizung hätten, dann… sinniert der Sufi, aber wir haben keine. Daher dann doch irgendwann umgedreht, Ohren und Hände eiskalt, jetzt noch ein Süppchen? Genau. Über Weißenkirchen in die Donau-backbordseitigen Berge abgeschwenkt und über abenteuerlich eis- und schneebedeckte Nebenstraßen erst Senftenberg, dann Dross erreicht und ein erstklassiges Abendessen mit abstruser Politiklogik vom Nebentisch. (“Ich halte ja nichts von der Kirche, aber meinen Beitrag zahl ich trotzdem – weil, wenn die Kirchen nicht mehr renoviert werden, was sollen sich die Touristen denn dann anschauen?”) Noch eine Nachspeise – Ja wenn’s denn sein muss…

Schließlich aber den Bulli auf den Heimweg geschickt; B304 (aka B34 aka S3), die findet er schon ganz alleine. Die Autobahn ist noch nicht viel weiter gediehen als im Vorjahr, aber immerhin: Der Gegenverkehrsbereich ist keiner mehr. Danach genug evaluiert.

Der westliche Horizont hinter uns atmet silberblaue Dämmerung; die Großstadt vor uns atmet Kunstlicht. Wunderschön. Nur das Autoradio, das veweigert immer noch FM4.

Sprungtag

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3 Tage Novemberfrühling

Freitags kein Haus gekauft, stattdessen in trauter Dreisamkeit mit Sufi und Miez auf Kinderrutsche liegend in den Himmel gestarrt. Leicht beduselt vom Föhn und vom nahenden Vollmond, ich zumindest. Die Welt schaut mir fremd aus wie nach einer durchgemachten Nacht, immer am Rande des Kopfschmerzs vorbei, aber eben vorbei, und daher ist es ganz gut.

Die ewigen Jungs bringen einen Drachen in die Luft. Danach Bulli geboardet & ab durch die Landschaft. Vorbei an Altlengbach provinzmutig südwärts durch Berndorf und das hübsche Piestingtal, kurvauf kurvab vorbei an Schaf und Schäfer.

Dann einmal quer durch Wiener Neustadt und im Dunkelwerden das Burgenland erreicht. In Sankt Margareten Weinbauern heimgesucht, mit wechslendem Ergebnis. Der Staubige staubt gar nicht, und wir sind fast am Ziel.

 

Davor noch ein Spaziergang unter dem fast runden, komplett mit halber Fußballmannschaft, ganz bestrahlt, lauem Wind in den Haaren (der anderswo ein Sturm ist, aber das hat uns noch keiner erzählt), mit Weinbergästen die sich dunkel gegen den dunklen Himmel abheben, mit viel Verwunderung ob der herrschenden Temperaturen, mit Wort und Lach und überhaupt.

 

Da ist auch eine Feuerstelle, ein oval mit brennenden Relikten, wer weiß welche dunkle Rituale hier stattgefunden haben, doch mit Ritualen kennt der Ethnolog keinen Spass und schon gar keine Vermutungen, da müssen Fakten her, und die Fakten sind alte Weinstöcke, nicht mehr gut genug fürs nächste Jahr.

 

Weiße Asche daunendeckenweich unter den Füßen, fotografieren wir Glut und Nester. Dann aber Zeit zum Essen. Unser halbheimliches Hideout serviert alles von der Gans im Viergängemenü, dazu ein Wein zum Schwärmen. Und das tun wir dann auch. Nicht nur vom Wein, auch vom Leben. Der arme Sufi muss im warmen Federbett noch eine literarische Vorlesung über sich ergehen lassen, weiß aber was sich gehört und wiederholt auch zwischen zwei ersten Schnarchern noch letzte Sätze.

Morgendlich frisch gebadet der Sufi, ich dagegen ungekämmt. Frühstück schmeckt trotzdem, danach spielt einer Ziegenboxen. Jetzt aber ein Spaziergang am See. Noch immer ist es lau und windig, sehr windig. Surfer am See, als wäre der Sommer grade um die Ecke gebogen. Dazu dieses Licht. Seltsamlicht, Traumlicht. Und der See schlägt Wellen fast wie ein Meer.

Auf Expedition im Hinterland, fast alle Vögel abgereist wie die Touristen auch, nur ein paar hübsche schwarzweiße Frackträger am herumschwirren (Vögel, nicht Touristen).

Dunkelheit fällt ein, und auf dem Weg zum Hungerstillen kommen wir in Parndorf vorbei, Konsumstadt aus dem Boden gestampft ohne Bewohner, Designeroutlet nennt sich das wohl. Wir marschieren tapfer einmal im Kreis, können uns aber kaum entschließen, irgendwo zu wühlen, geschweige denn zu kaufen. Nur eine frische Kameratasche läuft mir über den Weg. Ansonsten ist da einfach viel zu viel, um irgendwas zu wollen.

Recht erleichtert wieder den Bulli bestiegen, hungrig jetzt. In Purbach stehen große Schilder, “Heute Martiniloben”. Den Sufi lockt das Brauchtum, mich das neue Wort, und so finden wir uns wieder in kerzenbeleuchteter Kellergasse mit Jungweinverkostung.

 

Ob die darauf folgende Gans blöd war, kann wohl heute keiner mehr sagen, jedenfalls war sie äußerst sättigend. Mit Ziel Kino anschliessend wieder Richtung Wien, und wir sind nicht die einzigen.

Ach, Wien. Wir stolpern ruheverwöhnt in die Eröffnung des Christkindlmarkts, dessen Ablichtung ich allerdings verweigere. Zuckerwatte dagegen hätte ich gern gehabt, aber nicht so gern, dass ich dafür das Gewühl in Kauf genommen hätte.

Nach kurzem Rundgang gelingt uns überraschend die Flucht. In dunklen Nebenstraßen bin ich besser aufgehoben, bis der Film beginnen soll. Ein “Blauer Mond”; “ganz nett” findet der Sufi den Film, ich dagegen hätte ihn lieber gedreht als angeschaut. Das wäre spannender gewesen.

Danach noch ein Bier im alten AKH, verloren stehen ein paar Punschstände herum, die Leute sitzen lieber jackenlos im Freien und trinken kaltes Bier. Erstaunlich, sehr erstaunlich. Recht still sitzen wir da und trinken auch kaltes Bier, und ich versuche, mich daran zu erinnern, dass eigentlich November ist, aber das fällt ziemlich schwer. Im August hab ich doch deutlich mehr gefroren. Schließlich todmüde heimgeschleppt, uns und einander.

Der Sonntagmorgenmittag, noch genauso warm aber dafür strahlend schön. Heute nach Krems. Alles was Flügel hat, fliegt, zum letzten Mal bevor der Flieger sich nach Spanien begibt. Ich steig auch nochmal ein, bin aber unglücklich mit meiner Brille. Die Linsen müssen wieder her! Egal. Stattdessen Bilder aufgenommen, und was für welche. Der Himmel ist kaum glaublich.

 

Nett geplaudert noch, und nach der Sunsetload dreht die D-FINA eine Extrarunde, nicht vor dem rotorangen Sunset, sondern vor dem aufgehenden Mond.

 

Jetzt wird es langsam wieder kühl. Dann halt ein Süppchen. Bullireitend sinniert, wieso die Straßen immer anders heißen. Jetzt hab ich mich kaum dran gewöhnt, S5 zur alten 3 zu sagen, und bald heißt sie A22. Muss denn das sein? Wir nehmen die Abzweigung Tulln & gehn in Klosterneuburg wochenendabschließend saunieren. Und schließlich heim. Wien steht noch, wie man sieht.


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Inkohärent

Dank Bruce Willis und Inspektor Columbo ist der Schal heute fertig geworden.

Davor lange Autofahrten, grau und feucht, triste nassschwarze Baumfinger stechen aus den längst abgeernteten Feldern, nicht einmal die gelben Weinbergblätter haben genug Farbe für diesen Tag. Vorzeltbefreite Sommervilla ist kaltfingrig und dampfaustamend endlich winterfest gemacht. Zu einem abschließenden Ausderluftsprung kann ich mich nicht durchringen, ist viel zu kalt. Stattdessen labbriger “Häferlkaffee”.

Immer noch diese Verwunderung jedesmal beim Schritt ins Freie: Es ist ja kalt! Als könnte ich mich heuer noch schwerer daran gewöhnen als bisher schon.

Danach nochmal über Land mit dem Auto, Weinvorräte ergänzt & es ist erst 5 aber doch schon finster, dann die Stadt, auch nass und kalt aber dafür bunt.

Es ist ein Abend für ein schönes Glas Rotwein und eine Handvoll Lebkuchenherzen, zartbitter.

No, i don’t wanna talk about it now…

Das Reden, das Schreiben, ist eine zwiespältige Sache: Es kann Dinge festhalten und zerstören, kann Erinnerungen festschreiben und verfälschen. Nicht einfach: Schreiben oder nicht? Aber vielleicht doch. Ein bisschen.

Es ist eine bange Frage, ob das Wetter hält für diese Spätsommerparty unter den Sternen, aber es hält. Auch wenn die Gäste spärlicher sind als versprochen (oder grade deshalb?). Es wird spät und später, Gelsenplagen mehr oder weniger chemisch abgewehrt. Wie schön. Unser Geburtstagskind kippt irgendwann aus den schwankenden Latschen, das tut der allgemeinen Fröhlichkeit aber keinen Abbruch.

Der nächste Morgen graut, und nicht nur der Sufi pflegt seinen dicken Kopf in der Hängematte; auch ich verzichte ob des mindestens doppelten Umfangs meines Kopfes auf inspirierende Höhenflüge.

Aber auch der Samstag vergeht, räumend, haubenlokalbesuchend, tratschend; wird besser: Viel besser. Da dachte ich tagsüber, ich könnte gut darauf verzichten, jetzt noch zu “arbeiten”: Auf eine Bühne zu gehen. Aber dann. Gewinnt die Weite doch. Unter einer Dämmerung fahren wir dahin, die die Donau zur myteriengeborenen Schlange macht, Abendstern und Halbmond grüßen, aus der halben Dunkelheit wispern fremde Leben. Und.

Angekommen in der Verlassenheit wächst eine vielleicht schwer nachvollziehbare Lust, jetzt hier zu sein, zu bleiben und zu tun. Die Sitar singt den Abend ein und ich weiß: nicht für das Publikum. Nicht für Geld. Nicht für etwaigen zukünftigen Ruhm. Bin ich jetzt. Hier. Sondern für den Moment. Nichts weiter.

So sehr schwingt die D.-Band auf einer gemeinsamen Ebene, dass es ein Schweben ist, vielleicht, wahrscheinlich, der beste Bühnenauftritt überhaupt bis jetzt. Und das bis kurz vor eins.

Draußen hat es zu regnen begonnen, das hat keiner erwartet. Der Heimweg eine Sinfonie asphaltgespiegelter Lichter. Und ein Heimweg ist es, der Weg in die Villa, still und frei.

Dafür der Sonntag wieder: Strahlend. Die letzten Tage haben Substanz gekostet, ganz deutlich. Still, Träumerisch, Sonnenstrahlen auftankend: Ja, jetzt sitzt es sich wieder lange und gut in der Sonne, mit einem Buch, das ist nicht mehr zu heiß, der Wind kühlt & der Schatten verlangt nach langen Hosen. Der Sommer bald vorbei. Wie schade! Sonne im Nacken und das Gefühl ganz dringend viel, ganz viel davon tanken zu müssen. Für den langen Winter. Der bald kommt.

Dann doch noch einmal in die Luft.

Heimwärts, abendrotgetrieben, staugebremst & wildwochengefüttert. Dann noch die Platte. Du musst entschuldigen, sage ich zu einem, der nicht gerne Balladen hört, ich liebe diese Platte, aber allein kann ich sie nicht hören. Das bringt mich um. Aber mit dieser Stimme sonntagabends langsam die Westeinfahrt reinzukommen, das ist doch was besondres? Oder? Oder nicht?

no, i don’t wanna talk about it now.

Geburtstagskinder & neugierige Nase

Wolkenkino

A face in the Sky (Krems Flugplatz)

Wochenend-Worte

Ist es etwa warm? Es ist tatsächlich warm! Schon früh am Freitagabend stellen wir das fest, der Sufi und ich, als wir zwischen hunderten (wenn nicht tausenden) anderen Stadtflüchtlingen Stoßstange an Stoßstange, Glas an Glas und Ehestreit an Ehestreit stehen.

Aber wir lassen uns nicht aufhalten, nicht lange, ab durch die Prärie! Oder doch fast, auf Schleichwegen geht’s nach ab nach Wiesen, wo eine Rocklegende aufs “Auchgesehenhaben” wartet. Genauer gesagt, wir warten, aber das macht nichts, schließlich ist genug zu schauen, zu essen und zu trinken auf dem Festivalgelände, und Freunde, ja Freunde trifft man auch.

Das Konzert, wiesollmansagen, erfüllte alle Erwartungen, im Guten wie im weniger Guten. Nachdem Pink Floyd im ersten Teil kräftig und ausführlich abgehandelt wurde, griff Herr Waters im zweiten Teil in die Solokiste, und daswar sehr von Vorteil.

Danach, spät, eine riesige Mondsichel am Himmel und eine erstaunlich leere Autobahn.

Der Samstag, der erfüllte die Erwartungen eher weniger, wir wollen hier nicht auf die Details eingehen: Es soll genügen, wenn wir sagen, dass unser Bulli plötzlich erstaunt eine ihm bislang unbekannte Flüssigkeit in seinen stählernen Innereien bemerken musste. Die Geistesgegenwart seines Herrls, das den Zündschlüssel nicht umdrehte, verhinderte Schlimmeres als die nicht zu umgehende 4-Stunden-Flüssigkeitsentfernungsodyssee.

 

 

Danach war immerhin noch Zeit zum Baden, das erste Mal Schotterteich heuer, Zeichen eines kühlen Frühlings & einer Menge verschlampter Zeit. Nach Krems schaffen wir’s nicht mehr, aber nach Brunn, dort warten ernüchternde Zahlen und ein sättigendes Grillfest. Und dieser Himmel mit all seinen Sternen! Wahrscheinlich bin ich ein bisschen seltsam, dem Gespräch rund um mich mit viel Schweigen zu begegnen und mit einem in den Nacken gelegten Kopf, weil ich die Sterne zähle, ganz sicher seltsam: Seltsam glücklich.

Sehr eigen beginnt der Sonntag, im Traum schwemmt eine Sintflut über Wien hinweg, steht das Wasser bis zu meinem Fenster im vierten Stock, paddle ich mit dem Sufi und anderen Lieben durch die überfluteten Straßen auf der Suche nach trockenem Land. Im Traum niest der Sufi, nein: Er hat wirklich geniest! Und dann spielt auch schon Schweden gegen Senegal: Ein unglücklicher Morgen.

Dazu hat es auch noch wirklich geregnet, und ob man diesen Tag nicht im Bett verbringen sollte? Aber nein, wir rollen schon wieder über Land.

Das war auch gut so, in Krems wartet nicht nur unser „Wochenendhaus“ und Trurls Loft, sondern auch eine startbereite Maschine. Ach ist das heiß. Zwei Sprünge später und die Lustlosigkeiten der letzten Tage sind überwunden, die Welt ist schön und klar und danach ein Bier und Nettmenschenworte, wunderbar.

Der Sufi hat derweil versäumten Schlaf nachgeholt & wir suchen & finden ein erstklassiges Restaurant, eine lustige Geschichte, wie wir dahingekommen sind: aber die muss – wenn, dann – der Sufi erzählen.

Wir nehmen Platz und lassen uns erst einmal eine Zwiebelsuppe mit Forellennockerln, dann Kartoffelteigtäschchen mit Pilzfüllung servieren, auch das Wildschweingulasch, ganz toll, aber erst die Bitterschokoladenterrine im Fruchtmark läßt uns vollends schwebend zurück.

Zwischen zwei Gängen seufzt der Sufi sinnig: “Das Leben ist so anstrengend. Dauernd schleppt man sich von einem Genuss zum anderen!” – Dann geht ein Regenguss nieder, das läßt einen die Nussbaumblätter so richtig riechen.

Draußen, danach, der schönste Regenbogen meiner Regenbogengeschichte, breit wie eine Autobahn mitten hinein in den vielschichtigen Wolkenhimmel, vielleicht ein Foto, morgen, wenn der Sufi gut gelaunt ist. Und als wär das noch nicht Geschenk genug, ein geradezu afrikanisch anmutender Sonnenuntergang; “Afrikanisch? Nicht ganz.” sagt der Experte.

Und der Himmel wird immer schöner, Schicht um Schicht färben sich die verirrten Wolkenfetzen rot und golden, und während der Bulli uns unvermeidlich wieder in die große Stadt trägt, schaue und staune ich Sonne und Himmel und Wolken an und denke, dass der Himmel für mich mittlerweile das geworden ist, was früher das Meer war: Das Schönste überhaupt!

Und das ist gut so, denn ans Meer muss man fahren, aber der Himmel, der ist überall.

 

Springen in Krems und schlafen in Straß

Ein Wochenende wie es sein soll: Fallschirmspringen, hier, neuer Platz, neue Cessna Caravan, einige altbekannte nette Menschen. Baden, im Kamp und in diversen Fischteichen. Hängematten im Schatten. Warm ist es, endlich warm! Muskelkater vom Schirmpacken und vom Schwimmen. Einquartiert in einem absolut idyllischen (Ex)Bauernhof, mit Bernhardiner, Glückskatzen und Hühnerstall. Wein und Essen vom Feinsten.

“Nacht über Straß, und irgendwo bellt kontinuierlich ein Hund. Jetzt hat er aufgehört. Grillen zirpen, und von der nahen Kirche schlägts dreiviertelelf.” So hatte ich gestern angefangen zu schreiben, aber dann kam des Sufis Melonenbowle aus der Kühlbox und da oben, wo ich vorher war, waren Millionen von Sternen und das Leuchten des Bildschirms hat da einfach nicht reingepaßt. Deshalb musste ich aufhören. Zu schreiben. Die Wörter bleiben ja im Kopf.

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