Schlagworton stage

Glücksgefühle in Blues

Es war der Herr Sufi, der entdeckte, dass die Jane Lee Hooker-Band ein Gastspiel in Wien geben würde. Er fragte, ob ich mitgehen würde, und ich warf einen Blick in den Kalender, hörte mir einen Viertelsong auf Youtube an (für mehr war grad nicht Zeit) und dachte: Warum nicht?

Daher war ich, als ich gestern Abend etwas ausgepowert in den Reigen pilgerte, denkbar unvorbereitet auf das Naturereignis, das uns überrollen sollte.

Fünf Frauen. Eine Stimme, zwei Gitarren, ein Bass, ein Schlagzeug. Verstärkerpower wie im Stadion. Würde man intellektuell überlegen, warum eine rein weibliche Band mit „I’m a Man“ loslegt, müsste man sich weit in die Tiefen von Feminismus, Ironie und Musikgeschichte begeben. Das kann man aber auch gut bleiben lassen, denn: Wie immer es gemeint ist, es funktioniert. Nichts gekünsteltes, nichts girliges, nur reiner Blues.

Vielleicht hab ich ja irgendwann irgendwo irgendwas verpasst, aber ich habe tatsächlich noch nie eine reine Frauenband gesehen, die mit solcher Musik-Lust auf der Bühne war, dass man sich vollständig in Gitarren-Solos und Duos und im grandiosen Schlagzeugfeuerwerk verlieren konnte. Und in Bass und Stimme natürlich auch.

Zwar machte der Reigen seinem Ruf als mies gemixte Bude zumindest anfangs alle Ehre, aber das machte fast gar nix, zumal sich die Band ja hybrid als Blues- und Punkband bezeichnet. Und Punk darf nunmal scheppern. Fast nix, weil meine Videos sind soundmäßig nicht zum anhören. Aber es gibt ein Video aus dem Rockpalast. Ist nur leider sehr leise geraten. Aufdrehen!

Jane Lee Hooker live | Rockpalast | 2017

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The Stones – No Filter – 16.9.2017 in Spielberg (mehr persönlicher als Konzertbericht)

Ich geb zu, ich hab sie zum ersten Mal live gesehen, die Stones, am Samstag, in Spielberg. Die Stones waren nämlich, schon als ich noch jung war, eh immer irgendwie cool, aber irgendwie auch immer schon alt. Und mit Großkonzerten habe ich es ja ohnehin nicht so, ich mag lieber die vergrößerten Wohnzimmer, die verkannten Gitarrenvirtuosen, die kleinen finnischen Clubs halt, auch wenn sie in Ottakring liegen.

Und dann sagt einer, er geht zu den Stones. Und schlagartig bin ich neidisch. Weil diesmal, ey, könnte es ja wirklich sein, dass sie zum letzten Mal da sind. Dass diese Band, die zwar immer ein bisschen am Rande meines Bewusstseins existiert hat, deren Songs ich aus unerfindlichen Gründen trotzdem auswendig kann; die mir aber auch sehr einzigartige Momente im Leben beschert hat,  und die ganz früh in meiner Schreiberei doch recht wesentlich zu einem (aus heutiger Sicht zugegebenermaßen etwas frühreif abgeklärten) Gedicht

beigetragen hat, in Pension gehen könnte, ohne dass ich sie jemals live gesehen hätte… das fühlte sich doch etwas seltsam an. Und da mein unmittelbares Umfeld meine zurückhaltenden Äußerungen doch etwas besser versteht, als ich normalerweise zu hoffen wage, war da plötzlich ein als Geburtstagsgeschenk ganz wunderbar getarntes Ticket in meiner Tasche.

Also auf nach Spielberg

Über gewisse Probleme bei der Organisation muss ich jetzt keine überflüssigen Worte verlieren – das steht zum einen eh überall, zum anderen gab’s bei jedem, auch noch so gut organisierten, Großereignis in meinem Leben immer noch das eine oder andere zu meckern. Das ist halt so, wenn fast 100.000 gleichzeitig irgendwo sein wollen, wo sonst fast niemand ist – und auch, wenn es sicher besser gegangen wäre, es hätt auch noch  viel schlimmer kommen können. Die Umwelt war kühl und etwas feucht vom vormittäglichen Regen, aber durchaus sonnig-freundlich. Dass der Shuttle-Bus-Fahrer 3 Kilometer vor dem Ziel sagte „Wahrscheinlich sind sie schneller, wenn sie zu Fuß gehen“ empfand ich als durchaus freundliche Geste. Und der Fußweg war dann, freundschaftlich durchplaudert und cloudscape-durchwachsen, trotz kleinerer Fußgänger-Staus eine durchaus angenehme Zeit. Und irgendwann ist man dann drin, wenn auch ohne die größenbedingt konfiszierte Tasche, aber die hatte ihre besten Zeiten ohnehin schon hinter sich, und ihr Inhalt hatte in meinen Jackentaschen gut Platz. No Worries. Härter fand ich da schon, einem als sozial imginierten Event plötzlich allein gegenüberzustehen. Aber, Missverständnis halt. Was solls.

Ich stapfte beherzt durch den Schlamm, der, wäre es nach den Informationen auf der Webseite gegangen, gar nicht hätte da sein dürfen. „Es sind durchgehend Holzspäne ausgestreut“, stand da, man müsse sich keine Sorgen machen, auszurutschen. Stattdessen hatte man die Wahl zwischen schlittern und einsinken. Und außerdem war es, sobald die Sonne ums Eck war, einfach ungut saukoid.

Ich hatte übergangslos überhaupt keine Lust mehr, dachte darüber nach, stattdessen einfach wieder heim zu schlittern, beschloss aber, erst einmal ein Bier zu trinken. Weil, ein Bier habe ich zum einen immer noch getrunken, und zum anderen wollte ich doch zumindest so einen Becher mitheimnehmen, wie auch immer der Abend sonst ausgehen würde. Das Gelände war durchaus ausreichend mit Gastronomie durchsetzt, sodass sich die Wartezeiten in Grenzen hielten. Während ich bezahlte, fing die Vorgruppe an, die sich zu so ungefähr jedem anderen Zeitpunkt ein „Wow“ von mir eingefangen hätte, aufgrund des in mir vorherrschenden Grundgrants allerdings nur ein „Jo eh“ erhielt. Was aber egal war, der Rest des Publikums „wow“‚te durchaus gitarrensolo-adäquat.

Ich faxte ein bisschen auf Facebook herum (mitten in der Gegend! Mitten in einem Großevent!) und fühlte mich noch deplazierter davon. Steckte das Handy weg und mäanderte mit offenem Blick über das Gelände, zum einen, weil ich das noch bei jedem Großkonzert gemacht habe, zum anderen, weil Stillstand unweigerlich bedeutet hätte, langsam im weichen Schlamm zu versinken. Ich fand, wie noch meistens und diesmal doch irgendwie unerwartet, eine Ecke seitlich der Bühne vielleicht 30 Meter vor der Barriere, wo erstmal kein und später immer noch kaum Gedränge herrschte. Langsam wurde es dunkel. Kaleo hatte fertig gespielt, der Vor-Konzert-DJ spielte den Klassik-Rock meiner Jugend. Mein Bier war leer, und obwohl ich durchaus noch eines vertragen hätte, verzichtete ich auf die Dienste der mobilen Bierträger mit ihrem Fässchen auf dem Rücken: Gut geschüttelt und vermutlich lauwarm  hätte diese flüssgie Dienstleistung wohl auch nicht zu meinem Wohlbefinden beigetragen.

Plötzlich mischte sich ein alter, wohlbekannter Duft in die Herbstluft, und ziemlich zugleich erklang aus der Konserve „Black Betty“. Ebenso übergangslos, wie mich der Grant erfasst hatte, war er auch wieder weg. It’s alright now, ich bleibe, genau dort wo ich bin, und rings um mich gehen erste Begeisterungskundgebungen aus dem Publikum ins Leere. Links von mir zwei enthusiastische Tschechinnen, rechts von mir ein Pärchen, dessen weiblicher Teil überhaupt noch nie auf so einem Event war, wie sie mehrfach  selbst ungläubig betonte.

Die mobilen Bierträger stauten sich, ich überlegte, ob ich nicht doch, überlegte aber zu langsam, schräg rechts von mir tauchte einer in den Schlamm ab und wurde von helfenden Händen gerade noch so befreit, bevor der Sumpf „schlurp“ machte; die großkonzert-unerfahrene Dame shakte vorsichtig bemüht, und selber versuchte ich mich vergeblich an einem coolen Selfie mit Zunge im Hintergrund. Ist aber auch nicht ganz einfach, zum einen die Coolness an sich mit 50+, zum anderen die Lichtverhältnisse mit der Handy-Cam, aber, naja, eigentlich habe ich keine Entschuldigung für das Scheißphoto. Hier stattdessen die Zunge, die man eigentlich auf dem Selfie hinter mir hätte sehen sollen.

 

 

Die großkonzert-unerfahrene Dame beklagte mehrfach, dass sie mittlerweile entsetzlich fror, der Schlammtaucher rang einem mobilen Bierträger die letzten Tropfen ab, ich bewunderte die sich im Dunkelwerden immer wieder verändernde Kulisse, begann aber gleichzeitig selbst zu frieren, und aber überhaupt; jetzt könnten sie doch langsam… ?

Yeah. Uh-u-uh!

Es dauerte, wenn überhaupt, 10 Minuten. Eineinhalb Songs vielleicht.  Von der bemüht wohlwollenden Haltung: „Hey, die alten Recken geben uns tatsächlich noch einmal die Ehre!“ bis zum verblüfften „Die. Rocken. Jetzt. Hier.“, wo Alter, Vorgeschichte und Legende gar keine Rolle mehr spielen. Wo einfach alles stimmt, und zwar nicht obwohl, sondern besonders dann, wenn einmal ein einzelnes Riff nicht stimmt.

Mick Jagger bewies, dass er auch in seinem Alter nicht nur eine überdimensionale Bühne flächendeckend bespielen kann, sondern bewies auch Orts- und Situationsbewusstsein. (der Satz ist schräg, egal, nehmt das Video:)

Rolling Stones : She's A Rainbow – Live at Spielberg, Austria – 2017.09.16.

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Das einzige, was vielleicht ein bisschen störte, waren die vielen in die Höhe gereckten Handies, aber hej, wenn mein All-Time-Lieblingssong kommt, dann streck ich verdammtnochmal auch das Handy in die Höhe. „You can’t always get what you want…“ .

…but if you try sometime you find
You get what you need

Yeah, that’s the spirit! Danach einer der besten Songs des Abends, „Paint it Black“. Einen Moment lang bereute ich, die Kamera schon abgeschalten zu haben, aber dann versank ich völlig in der Musik. Gut so! Aufgenommen haben zum Glück andere.

The Rolling Stones – Paint It Black @ Red Bull Ring, Spielberg 16.09.2017

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(Ungefähr zu diesem Zeitpunkt habe ich übrigens den 3. Heiratsantrag meines Lebens bekommen – ein entzückend junger Italiener, der meinte, er müsste unbedingt die erste Frau heiraten, die den Text zu ‚Paint it Black‘ auswendig kann – ich hab auch diesen  Antrag abgelehnt, no bad feelings, High5!)

Leider wurde mein Spirit kurz nach diesem Zeitpunkt kräftig von berauschten Stage-Runnern beeinträchtigt. Sich an den Händen nehmen und Richtung Bühne ziehen, OK, aber sich mit guten 25 Zentimetern Körpergröße mehr als ich direkt vor mir einzuparken? …nicht so charmant. Aber egal, ich musste ohnehin mal. Wohin. Schlitterte also, deutlich gegen den Strom, in Richtung Toilettenhäuschen, während die Urgesteine nach wie vor das Äußerste gaben, und schaffte es, trotz Dunkelheit nicht ganz in den Schlamm zu fallen, auch wenn ich im Gegenlicht ein Loch übersah und mit einem Bein fast bis zum Knie im Schlamm stand, aber… was solls.

Auf dem Rückweg begegneten mir zwei Sanitäter, die, heroisch auf dem tiefen Gelände, eine deutlich  beeinträchtigte Gestalt auf der fahrenden Trage durch den Schlamm zu manövirieren versuchten. Die Gestalt hatte die Augen geschlossen, aber beide Arme am Ellbogen gebeugt, die Finger zur Faust geballt, die Mittelfinger gestreckt. Na dann… auf der Bühne vocalte Keith Richards (bei aller Liebe für seine Art, live funkt das nicht so ganz), und ich kam auf meinem Weg zurück in  Richtung Bühne am Südamerika-Stand vorbei. Der Cuba Libre kostete 8 Euro, der Mojioto 9,50, und ich hatte eine Idee, wie ich die langsam doch lästig näherkriechende Kälte aus meinen Knochen kriegen könnte. „Was kostet denn ein Rum ohne alles?“ – Damit hatten die Grazien hinter der Theke sichtlich nicht gerechnet, es brauchte einiges an Diskussion, bevor sie zu dem Schluss kommen: „2 Euro!“. Danke, ich nehme einen dreifachen!

Mit dem wärmenden Drink in der Hand glitt ich durch den Schlamm vorsichtig wieder in Richtung Bühne. Von dieser Seite her war eigentlich erstaunlich wenig los. Der „Midnight Rambler“, ein Song, den ich so nicht auf dem Radar hatte, brachte mich dazu, meinen Rum ex zu trinken, weil, ich brauch die Hände frei, DAS MUSS MAN DOCH AUFNEHMEN!  (Wobei, als ich Record drückte, war der geilste Teil leider schon vorbei).

Danach war mir immerhin gar nicht mehr kalt, weder innerlich noch äußerlich. Ich war am Rande der Masse gestrandet, weit weg aber doch guter Blick auf die Bühne. She’s a Honky Tonk Woman, und ich, ich war unerwartet mehr als zufrieden mit diesem Abend. Daran konnte nichtmal ein Bier was ändern, das sich anstatt in den Mund des Besitzers über meine Jacke ergoss. Dass der allerdings meint, mir deshalb seine Lebensgeschichte erzählen zu müssen, während vorne „Brown Sugar“ erklang, war nicht so ganz in meinem Sinn. Ich suchte mir im Windschatten eines mobilen Bierträgers ein ruhigeres Plätzchen.

The Rolling Stones – Brown Sugar – Spielberg Austria 16.09.2017.

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Aber, ich weiß auch nicht, die Magie war irgendwie dahin, Satisfaction hin oder her.

Jetzt noch die Zugaben, dachte ich, und zog ganz gegen meine Gewohnheit schon während der letzten Nummer Richtung Ausgang. Ein Bierchen noch in der Schlange Richtung Shuttlebus. In Knittelfeld City dann Verschwesterung mit ähnlich verlorenen Seelen, die rechtzeitig abgezogen waren, während die BegleiterInnen noch stundenlang auf die spärlichen Busse warteten.


 

…und was bleibt? Eine schlammige Hose, die auch nach dem 2. Waschdurchgang nicht zu früherer Unbeflecktheit zurückgefunden hat. Die überraschte Erkenntnis, dass man auch mit 50+ noch eine halbe Nacht lang unbeschwert in der Kälte herumsitzen kann, wenn nur das Ausgangsgefühl stimmt. Und die beglückende Hoffnung, dass nicht alles verloren ist, solange Ron Wood und Keith Richards auf der Bühne eine dermaßen vergnügte Kommunikation pflegen. Illusion vielleicht, aber, wenn dann, willkommen und erhaltenswert.

Mini-Urlaub

Hary Wetterstein im Mosquito

Tja...

Donausunset

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Andrea & Michi am Meidlinger Markt

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Ko-Do im Cafe Industrie

das letzte Konzert in diesem wunderbaren Kulturbeisl – mit erlesenen Gästen.

Weiterlesen

Sensation: Dorian in Wien gesichtet!

 

Bilder vom darauf folgenden Kulturmix gibt’s auf Facebook vom Herrn Daknipsi.

Bereit für die Hinterberger-Lesung

Alles bereit

Viel mehr schöne Fotos vom Event gibt’s hier.

30.9. 2015 – Live im Industrie!

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Hochsommer-Nachtrag

Der Wetterbericht wackelt. Am Samstag soll der Umschwung kommen, nein am Sonntag. Doch am Samstag. Nein, erst am Montag. Den Updates zuzusehen, ist wie ein Fussballspiel zu verfolgen. Ein Fussballspiel, das an der Kippe steht, und bei dem man beide Mannschaften irgendwie mag. Auf der einen Seite der Sommer. Der heiße, brütende, trockene Sommer, von dem die nackten Menschen in der Lobau sagen: Ich komme seit 30 Jahren hierher und hab das Gras im August noch nie so braun gesehen. Von Tag zu Tag wird mir die Hitze angenehmer, fast so wie in Griechenland in den 80ern, als ich bei 40 Grad (im Schatten) auf die Akropolis gewandert bin (in der Sonne). Fast so als hätte sich nichts verändert seither. Fast so als wäre ich noch… was? Jung? War ich jemals jung?

My Back Pages (Bob Dylan, Roger McGuinn, Tom Petty, Neil Young, Eric Clapton & George Harrison)

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Auf der anderen Seite die Aussicht auf Regen, auf sanftes Sommerfrösteln, auf neugeboren grünes Gras. Ach, was wär das für ein Stress, wenn man sichs aussuchen müsste. Ein Glück, dass man das nicht kann.

Wie sehr ich diese Pause brauche, merk ich daran, wie zielsicher ich Tag für Tag meinen Stammbaum ansteuere. Dabei gäb’s doch so viel zu entdecken. Die Seestadt zum Beispiel, wo ich noch nie war. Feste, Open Airs, Fotowandern auf der Donauinsel. Doch nein, jeden Morgen, wenn ich meine Nase aus dem Fenster halte und mich frage, was ich machen möchte, gibt es nur eine Atwort: Baumschatten, Donauwasser, Buch. Das mir, die nie so richtig Strandurlauberin war. Aber – man muss das Leben genießen, so wie es sich gerade anfühlt. Vor allem im Urlaub.

Die Bücher

2015-08-08 10.42.47-1Suite française von Irène Némirovsky habe ich in Innsbruck gekauft, vielleicht mehr, weil mir die wertige Ausgabe gefiel und die Buchhandlung sympathisch war, als wegen echten Interesses. Es liest sich leicht und sommerlich, trotz schweren Inhalts. Richtig schmerzhaft wird die Sache, wenn man begreift, warum all diese Lebensgeschichten so unvermittelt im Nichts enden.

Nach so viel Krieg wollte ich eigentlich etwas  Leichtes lesen, aber dass mir die Zufallsfunktion meines Musikplayers meinen Lieblings-Theodorakis servierte, zehn Minuten bevor mir die Theodorakis-Autobiographie der frühen Jahre vom Stapel der ungelesenen Bücher buchstäblich in den Schoß fiel, konnte kein Zufall sein. Immens intensive Bilder. Dass Der Krieg in Griechenland noch ein bissl komplizierter war, als wir es kennen, weiß ich schon aus einer Seminararbeit, die ich geschrieben habe, als ich noch meinte, Geschichtsprofessorin werden zu wollen. Aber die alltägliche Realität der ständig wechselnden Fronten, die Grausamkeiten von allen Seiten, wiedergegeben in einer, wiesollmansagen, keineswegs kalten, aber sehr lapidaren Art, eingebunden in die ständige Suche nach dem künstlerischen Ausdruck. Das Eis unterm Stammbaum schmeckte mir trotzdem, vielleicht sogar besser, vor lauter Dankbarkeit, nicht in so eine Zeit geworfen worden zu sein. Und dafür, nach manchen Stellen das Buch einfach zuklappen zu können und eine halbe Stunde Licht und Strandleben zu atmen, jetzt und hier. Nach  Stellen wie diesen:

2015-08-09 14.02.26.

Danach wirklich Leichtes. 2 alte schwedische Krimis, einer als Hörbuch im Ohr, einer als Papierausgabe. Angenehm fiktiv und weitgehend happy-ended, außer für die storygebenden Leichen natürlich.

Die Livemusik

Zu einem richtigen Urlaub gehört natürlich richtige Livemusik, da bot sich das Alberner Hafenfestival an. Freier Eintritt, wenig wirkliche Highlights, also zumindest als nicht-unbedingt Austropop-Fan. Am ersten Tagwollte ich eigentlich Hary Wetterstein sehen, konnte mich aber nicht überwinden, nachmittags bei 36 Grad anderswohin als zum Wasser zu pilgern. Auf meinem Handtuch unterm Baum wuchs aber die Neugierde, ob man nicht aus der Lobau irgendwie über die Donau zu Fuss hinüberwandern könnte. So gegen sieben war ich bereit, es zu probieren.

Sechs Kilometer, meinte Mr. Google, und als es sieben Uhr wurde und die Hitze etwas nachließ, machte ich mich auf den Weg. Über den Waluliso-Steg und quer über die Donauinsel, die dort am unteren Ende etwas breiter ist, als ich sie kenne, und sogar ein Flüsschen mit Brücke darüber zu bieten hat. Erstaunlich! Dann am Kraftwerk Lobau vorbei, in eine Industriegegend mit Grünanklängen, die mir bislang völlig unbekannt war. Die letzten 2 Kilometer waren dann weniger lustig, die Straße ohne Gehsteig, Lastwägen zischten vorbei, aber auch das ging vorbei.

Schließlich den Alberner Hafen erreicht, der neben Schiffen, Hallen und in dem Fall Musik auch einen richtigen Leuchtturm zu bieten hat.  Die Veranstaltung selbst ist ursympathisch, nicht zu groß, viel Kulinarik, Securitys vom Motorradclub. Ich kam gerade recht zu Ulli Bäer, gönnte mir nach der langen Wanderung ein Bierchen, traf erstaunlich viele Bekannte und flüchtete dann gleich wieder, weil Stefanie Werger wollte ich mir doch nicht antun.

Am nächsten Tag spielte Erwin Bros, den wollt ich mir ansehen. Er ließ sich Zeit, was mir zu einer Ofenkartoffel und einem ausführlichen Rundgang reichte. Entspanntes Rumhängen prägte die Szene, ganz wie in alten Zeiten.

Der alte Rocker geigte erst gewöhnungsbedürftig, nach drei Songs aber in alter Frische, und ich freute mich.

Eigentlich wollte ich an dem Tag etwas länger bleiben, aber die Mainstreamklänge von Lichtwärts vertrieben mich dann auch gleich wieder.

 

 

Bob Dylan 2014. So was Ähnliches wie ein Konzertbericht.

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Wir stehen, dicht an dicht. Ich kann Abstände so schlecht schätzen, aber ich habe mich näher an die Bühne gepirscht als seit vielen Jahren. Die gute alte Anhängetaktik: Einfach im Kielwasser der Traktortypen und Typinnen mitschwimmen, so weit es in die erwünschte Richtung geht. Dazu eine Prise links-und-rechtsschaukeln, um den Sichtbereich zu checken. Das eine oder andere freundliche Lächeln, “Du bist einen Kopf größer als ich, darf ich vielleicht vor?” Im doppelt dichten Regenschutz und mit den Jahren deutlich ins Gesicht geschrieben bin ich mittlerweile ziemlich sicher, dass das kein unzulässiger Mädchenvorteil ist. Schön, dass es trotzdem funktioniert.

Der perfekte Platz ist soundtechnisch in der Mitte, vor mir eine recht kleinwüchsige Familie (nur dem Vater muss ich kurz auf die Schulter klopfen, “könntest du vielleicht einen halben Schritt nach rechts…?” Er kann, und tut es freundlich.) Ich sehe, und hören müsste ich auch perfekt. Wenn es denn etwas zu hören gäbe. Der angeblich heuer so pünktlich anfangende Meister lässt sich nämlich Zeit. Ganze 20 Minuten insgesamt. Zeit, um die Bühne ausführlich in Augenschein zu nehmen. Es wirkt ein bisschen wie ein Highschool-Ballsaal, denke ich. Irgendwo rechts steht eine Frauenbüste, ich vermute zuerst, das wäre am berühmten Klavier, aber das steht dann doch weiter mittig. Die dramatisch angeordneten Lichter an der hinteren Wand sind ansonsten die einzige Deko. Sie sind es, die das Ballsaal-Feeling geben, verstehe ich.

Hinter mir reden sie über Social-Media-Kampagnen, vor mir über Schulzeugnisse. Direkt vor der Bühne bläst jemand Seifenblasen, das ist hübsch. Es könnte jetzt langsam anfangen, finde ich. Stattdessen fängt es wieder an zu regnen. Hinter mir stranden (ungefähr) fünf Mädels auf dem Weg Richtung Bühne. Was erst sympathisch wirkt, fängt bald zu kreischen an. Es ist wie bei den Beatles anno 1964. Nur halt ziemlich Scheiße, wenn man es direkt ins Ohr gebrüllt kriegt. Sie werden schon aufhören, denke ich, wir sind doch alle wegen der Musik hier. Oder? ODER?

Falsch. Der Gitarrist kommt auf die Bühne, sie kreischen. Der Gitarrist fängt zu spielen an, sie kreischen. Bobby kommt auf die Bühne, sie kreischen noch mehr. Bobby fängt zu singen an, und ich hör nix, weil die dämlichen Scheißweiber (aber echt jetzt!) immer noch lauter kreischen.

Erst in der Mitte der Strophe legt sich das Gebrüll (“Things have changed”), und ich kann feststellen, dass wir einen wunderbar stimmlastingen Mix serviert kriegen, bassig und weich, dass Meister Bob gut bei Stimme ist und – woah – so gut wie gar nicht nuschelt. Mein erstes Dylan-Konzert, wo jedes Wort zu verstehen war. Außer halt die überkreischten. Das sind gute Voraussetzungen; spüren kann ich es erstmal nicht, zu lange gewartet, zu plötzlich eingesetzt, zu sehr niedergekreischt. Aber, aber… es ist wirklich. Und die helle Bühne, und die dunkle Burg und die Stimme und das viele viele Publikum… und noch ein einzelnes Seifenbläschen, das im Bühnenlicht aufglänzt. Doch, da ist, vielleicht?, ein Haucherl von Magie! Der Meister, untadelig in dunklem Anzug mit hellem Hut, bewegt sich spärlich. Aber er bewegt sich!

“She Belongs To Me”, zartbitter angelegt. Das erste Mundharmonikasolo. Überkreischt. Und als wär das nicht rücksichtslos genug, unterhalten sich die musik-destruktiven Furien zwischen dem Gekreische lauthals darüber, wie cool sie selber ihr Gekreische finden. Ich gebe die Hoffnung auf, dass sie wie angekündigt noch weiter nach vorn wollen, und flüchte von meinem so perfekt angelegten Platz. Natürlich erst beim nächsten Applaus; man will ja nicht mehr Leute stören als unbedingt nötig.

“Beyond here lies nothing” begleitet mich auf dem langen Weg durch die Masse, die Band spielt pure Standards, die Stimme macht den Rest, ich höre erstmals ein Klavier, glaube ich, sehen kann ich nix von dort wo ich grade bin. Eine Ahnung von Fremdeln beschleicht mich, wär ich jetzt nicht doch lieber in meinem trockenen, wärmeren Elfenbeinturm? Ohne Masse? Mit kreischfreier Stereoanlage? Aber ich bin hier. Pfeif der Hund drauf, ich hol mir ein zweites Bier.

Und dann. Passierts. Am Rande des dichten Kerns, ohnehin eher mein Stammplatz bei solchen Konzerten, das Bier noch unberührt in meiner Hand.

Eine dunkelweiche leicht angezerrte Gitarre, das, was man sich unter Analogsound vorstellt. Eine einzelne (Base?)-Drum. “What good am I?”. Die Stimme stark und trotzdem fragend, nachdenklich, unsicher auf philosophische Art, aber ganz und gar sicher in ihrer Musik. Es ist schwer zu beschreiben, was da passiert. Es ist ein bisschen, als wäre ich ganz allein hier, trotz all dieser Menschen, als wäre diese Song, dieser Sound, nur für mich da, in diesem einzigartigen Moment. Als würde der Song genau mein Leben in Frage stellen.  Und das, denke ich, das ist es, was die Magie ausmacht: Dass die vielen anderen, die ja doch da sind, wahrscheinlich auch genau dasselbe Gefühl haben, in genau demselben einzigartigen Moment. Als wären wir alle geboren und durch unser mehr oder weniger hartes Leben gegangen, um genau hier und jetzt zu sein. Mit Mister Bob D. Danke, Universum!

Danach einer der wenigen Bandmomente, die ich aus der Entfernung mitkriege – ein schneller Check ob die Gitarre noch mit dem Klavier stimmt in der Kühle & Feuchte. Allseitiges Kopfnicken, alle Töne stimmen. “Waiting For You” präsentiert sich als beinahe Wiener Walzer in einem Western-Saloon um beinahe vier Uhr früh. Ein leicht beschwipster Lover, der seiner Angebeteten Dinge erzählt, während sie vermutlich längst nicht mehr zuhört. Oder vielleicht gar schon schläft. Ganz wunderbar, und hier beginnt dieses Gefühl, dass diese Musik in ihrer heutigen Ausführung für viel kleinere Konzerte geschrieben ist, und das große Wunder, dass sie trotzdem auch im großen Setting funktioniert.

“Duquesne Whistle”, nja. Was den Song trägt, ist das Vergnügen, was man von der Bühne her spürt. Und das wunderbar schräge Klaviersolo natürlich, das ist schon was. “Pay In Blood”, wieder ein Highlight. Der Song war mir auf der Platte nie so recht aufgefallen, daher kann ich ihn auch schlecht mit dem Original vergleichen, aber vor Ort – intensiv. Rockig. Glaubwürdig. Irgendwie hoffe ich, dass irgendjemand dieses Konzert aufgenommen hat, legal oder illegal, scheißegal – will haben!

“Tangled Up In Blue”, fängt leicht zögerlich an, als würd er sich fragen, ob er das jetzt wirklich singen will. Zarte Akustikgitarre, und die Band lässt sich erst langsam drauf ein, als wären sie schon draußen gewesen und erst langsam wieder hereingetröpfelt. Bob erzählt mehr, als er singt. Bis auf das “…ue” natürlich. Vom Feinsten. Ich bin viel zu weit weg, um das im Detail zu sehen, aber ich stelle mir vor, das “…ue” kam mit Augenzwinkern. Trademark. Ist einfach so.

Dann das unverkennbare Riff. “Love Sick”. Das ist nicht der melancholisch-abgeklärte Lover von Time out of mind, das ist ein trauriger, wütender, verunsicherter Lover, dem man die Liebeskrankheit sowas von glaubt. Und der Gitarrist darf ein bisschen was unstandardmäßiges spielen, samt Solo, das gerne lauter hätte sein dürfen. Wie überhaupt das ganze Konzert, so als Einwurf vor der Pause, relativ leise ankam. Ein Aufruf zum Zuhören? Oder doch eher Beschränkungen von der Location? Man weiß es nicht. “Thankyou” ruft Bob, fast ein bisschen enthusiastisch, und verabschiedet sich dann in die Pause.

Auf dem Weg zum Häusl höre ich von fern wieder die narrischen Gören kreischen. Auch fast ein kleines Wunder, dass die noch niemand mundtot gemacht hat. Danach, die Bühne schon wieder halbhell aber noch leer. Habe mein heutiges Lieblingsplätzchen wieder erreicht und notiere ein paar Sachen am Fon. Eine schwere Pranke auf meiner Schulter, “Aufnehmen ist hier aber verboten.” – “Schreiben aber hoffentlich nicht?” – Der Breitschultrige liest aufmerksam meine Stichwort-Konzertnotizen am Display (Basis dessen, was ich jetzt hier poste, ich bin ja kein Gedächtnisakrobat) und fragt dann verständnisvoll: “Selber Musiker?” – “Manchmal.” – Die schwere Pranke verlässt meine Schulter, der Security nickt freundlich. Ein herzlicher Gruß an alle Verständnisvollen!

Ich könnt’ ja vielleicht noch ein Bier… ach nein, es geht schon weiter. “High Water”. Fast möchte man der Band übelnehmen, dass sie sich so unzeremoniell aus dem Nichts in die zweite Hälfte stürzt, aber verdammt, alles andere ist einfach zu perfekt. Hier wird besonders deutlich, was Dylan so gern macht: Der happy-go-lucky-sound zu einem düsteren Text. Die Musik lässt einen über die Schulter schauen, wo denn nun auf diesem Jahrmarkt Karrussell und Riesenrad stehen, Stimme und Worte erzählen eine ganz andere Geschichte. Darüber würd ich ja gern noch länger schwadronieren, aber hier kommt schon das zarte, slidegitarrige “Simple Twist of Fate”. Nachdenklich-gelassen, zart, ja geradezu zärtlich, erzählt der Barde die Story, die mit einem ebenso zarten Hauch von Mundharmonika endet, als würde ein Zug langsam in den Sonnenuntergang entschwinden, nach Westen also. Immer weiter nach Westen. So könnt es meinetwegen ewig weitergehen. Oder zumindest noch ein ganzes Weilchen.

Aber nur nicht sentimental werden, obwohl es doch so schön wär. Die “Early Roman Kings” waren nicht zimperlich, und die Band ist es auch nicht, mit dem Song. Bob selber am Klavier, und hier wird an diesem Abend erstmals die oft beschworene Song-Dekonstruktion geübt. Auch die: Gelungen!

Und sofort wieder eine Wende. “Forgetful Heart” ist der dunkelste, hoffnungsloseste Song des Abends. Auch so einer, den ich von Platte nie recht mochte. Aber heute! Die Stimme wendet sich zum Hauchzarten, die Mundharmonika begleitet das letzte Aufflackern des imaginierten Lagerfeuers, die Geige, die ich im Live-Kontext ansonsten besonders gerne hasse, bringt das Gefühl unbeirrbar sicher heim. Jetzt hätt ich gerne eine Pause, um dem Gefühl ein bisschen nachzuhängen, aber… Live is live.

“Spirit on the Water”, auf den Song hatte ich mich gefreut, den wollte ich hören, war ganz beglückt ihn auf den aktuellen Setlists zu sehen. War aber nix, für mich also. Irgendwie standardmäßig jazzclubbig runtergenudelt. Meh. Aber, was wär schon ein Dylan-Konzert ohne die eine Standard-Enttäuschung? – Und es blieb bei der einen.

In “Scarlet Town” geht das Licht aus. Also gefühlsmäßig, denn auf der Bühne gaben die Scheinwerfer ihr Bestes. Auf Platte ein sympathischer Dylan-Dylan Song (wie Dylan klingt, wenn er spielt und singt, wie alle glauben, dass Dylan immer schon gesungen und gespielt hat) wird zum dichten Geisterepos auf dem Weg durch die Hoffnungslosigkeit. (Ich muss mir unbedingt mal wieder Masked & Anonymous anschauen. Daran hat es mich erinnert.) (Stimm-schauspielerisch absolut perfekt. Die Band zurückgenommen, aber setzt wunderbare Akzente. Künstlerisch eines der Highlights des Abends.)

“Soon After Midnight” ist heute nicht ganz so soon after midnight, es ist eher schon die Morgendämmerung, in der die letzten Barschwärmer kleinäugig an der Theke hängen. Bob zeigt, dass er auch ein zartes Klavier spielen kann, nicht nur ein funkiges. Und mit dem Gitarristen schäkern. Das Pärchen vor mir erkennt den L’amour-Hatscher als solchen und beginnt zu tanzen. Schöööne Nummer eigentlich, aber ganz so spät ist es ja dann auch noch nicht?

Voll konzertanter Einsatz von Geige, Slide und Rest der Band bei “Long And Wasted Years”. Großartiger Kontrast zur akzentuiert erzählenden Stimme von, jetzt kurz vor der Zugabe sage ich es mal so, His Bobness. Auch so ein Song, den ich bisher weit unterschätzt habe. All Hail to the Bob! Wenn die Vorhersagen stimmen, dürfen wir auf zwei Songs als Zugabe hoffen.

Genau.

“All along the watchtower” mit klassischem Intro, fangt ein bisserl gehetzt an, derfangt sich aber dann, indem er gesangstechnisch Geschwindigkeit in Dringlichkeit umsetzt. Klar kalkuliertes, aber dennoch wunderbar rockiges Chaos im Mittelteil. Ganz entspannt spielen Gitarre und Klavier ein bisschen Fangen miteinander, so dass man schon glaubt, es wäre vorbei, aber dann geht’s noch einmal richtig los. Standards so bringen, als wären sie ganz neu: Kann er auch!

Dann aber, ein neues Stückerl Melodie, das so klingt, als müsste man es kennen. Nochmals ganz intensiv lauschen. Und trotzdem machts erst die erste Textzeile klar: “Blowing in the Wind” hat ein ganz neues Outfit bekommen, eines, in dem ein ganz neues Riff die Hauptrolle spielt, das von Gitarre und Geige und überhaupt allen nach und nach aufgenommen wird. Bis hin zur Mundharmonika, mit der er sichtlich Spass hat.

Und dann würde man (ich!) gerne noch bleiben und hoffen, dass Bobby oder seine Band vielleicht noch ans Lagerfeuer kommen, das man dafür gerne anzünden möchte, Regeln hin oder her. Und selbst wenn sie nicht kommen – ein bisschen abhängen und den vielen Ideen und Gefühlen nachhängen vielleicht?

Aber es ist spät, und der Bus zurück in die Zivilisation wartet nicht, und… naja. See you next time, Bobby! Hoffentlich wieder in so schönem Rahmen und nicht in der grindigen Stadthalle.

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Electronic Art im Urhof 20 – Grünbach

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Dezembernacht

Schöne Buchpräsentation, sinnig, humorvoll.

Andrea + Harald Pesata / Cafe Industrie

Viel zu früh von dort weg, um alte Freunde zu treffen, die… nicht kommen. “Haben den Zug doch noch erwischt” per SMS. Aha, da geht er hin, der nette Abend. Das Bier in dem traurigen Beisl, das früher gar nicht traurig war, ist schon bestellt. Das Beisl als Treffpunkt gewählt, weil “es das einzige ist, wo wir hinfinden”. Kinder, hobt’s ka Navi? Und dann noch verspätet absagen. – Egal, trink ich mein Bier halt allein.

Das Bier, immerhin, war gut. Und ließ reichlich Zeit, sich die schönen Stunden an ebendiesem Ort durch den Kopf gehen zu lassen. Und stimmte versöhnlich, trotz mieser Radiomusik und fehlendem Flipper. Und war dann endlich leer.

Freundlicher Wind auf dem Heimweg. Es ist nicht sehr kalt, denn wäre es kälter, wäre der Wind mein Feind. Da ist ein Loch in der Erde, wo vor gar nicht allzu langer Zeit noch der wunderbar deplazierte Altwarentandler war. Aus dem Loch wächst ein Kran in die Höhe, er wird ein Haus bauen. Ein Haus, in das Leute einziehen, die nicht wissen werden, wie es früher hier war. Früher, als das traurige Beisl noch nicht traurig war. Dem Wind ist das egal.

Hinter mir fällt die Haustür ins Schloss. Satter Klang in der Stille. Ich werd’ früh schlafengehen, heute.

Drahdiwaberl am Karlsplatz

Wer hätte gedacht, dass man die alten Wüst-Rocker noch einmal auf der Bühne sehen können würde? Man konnte. Und sie rockten. Ein paar Videos als Playlist. Von mir nur Fotos – → Flickr-Album

Gerald Eschenauer – Miefke Saga – Cafe Industrie, Mathias Handwerk an der Gitarre

Wunderbarer Blues- und Folkabend

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Dank an Ripoff Raskolnikov & Gottfeid Gfrerer.

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