Trari, Trara, die Post ist… wo?

Da warte ich gestern brav zu Hause auf eine Lieferung, die vom Versender wirklich und nachvollziehbar montags express aufgegeben wurde. Und was ist gekommen? Nix. Dafür fand ich, als ich gegen acht Uhr abends, mangels Einkaufs am Tage, ein Schnitzelsemmelchen von nebenan holen wollte, im Briefkasten nicht einen, sondern zwei gelbe Zettel. Na fein. Nicht nur, dass ich eine nette Einladung zum Kaffee ausgeschlagen, den Einkauf auf heute verschoben und meinen Fotospaziergang ausfallen habe lassen – ich kann nicht Mal sagen, ob es sich tatsächlich um das erwartete Paket handelt, weil der Postler es nicht für nötig gehalten hat, irgendwas außer meinem halben Namen und einer zu zwei Dritteln unleserlichen Nummer auf die Zettel zu kritzeln. Auch warum es sich um zwei Zettel handelt, kann ich mir nicht vorstellen. Die kryptischen Zeichen auf dem Zettel unterscheiden sich zwar voneinander, bleiben aber kryptisch.

Ich bin ja nachsichtig und freundlich, was die Briefträger anbelangt. Sicher ist es nicht lustig, Pakete in Altbauten ohne Lift zu verteilen. Ich hol mir also normalerweise meine benachrichtigten Sendungen ab, ohne mich zu beschweren. Aber bittschön, wenn das Ding um einen horrenden Express-Betrag aufgegeben wurde und außerdem noch (lt. Versender) den handschriftlichen Vermerk “Dringend” trägt, dann könnte doch vielleicht auch ein abgebrühter Postler einmal eine Ausnahme machen?

Macht er aber nicht. Ich also heute brav zur Post. Das angegraute Fräulein von der Post tippt die Nummer vom ersten Zettel ein. Darauf entwickelt sich folgender Dialog von streckenweise beinah surrealer Qualität:

P: Des hob I ned do.
I: Wieso?
P: Des kriagns erst morgen.
I: Warum?
P: Des woa a Nochmittagszustellung. Die geht zerst in die Zentrale zruck.
I: Das war gar keine Zustellung. Ich war zu Hause.
P: No, werns hoit einkaufen gwesen sein.
I: Nein, war ich nicht.
P: Jeder geht amol einkaufen.
I: Gestern nicht.
P, sichtlich genervt: Jojo.
I: Ich brauch das aber heute.
P: Do kann ma nix mochn.
I: Das ist express weggegangen, am Montag. Und ich krieg’s erst am Freitag?
P: Najo.
I: 5 Tage für ein express-Packl?
P: Woa jo a Feiertag.
I: Ja, Einer!
P: schaut wortlos an mir vorbei auf den nächsten Kunden.
I: Und was ist mit dem anderen?
P: Wos?
I: Das andere Paket. Da sind 2 Zettel.
P: Jojo, des a.
I (demonstrativ freundlich): Könnten Sie bitte nachschauen?
P: Warum? Des is moagn a do.
I: Könnten’s mir bitte die Absender sagen und das Gewicht? Damit ich Bescheid weiß?
P (bewegungslos): I was ned ob des geht.
I: ziehe, mittlerweile leicht ungeduldig, einen der Benachrichtigungs-Zettel wieder zu mir. Das sollte ja eigentlich schon da drauf stehen.
P: Jo, wenns ned zhaus san…
I: War ich doch.
P: zeigt auf die Zettel: Na.
I: sprachlos
P: Kummans hoid moagn wieder vorbei.
I: Äh…!?
P: greift an mir vorbei, um dem nächsten Kunden seine Erlagscheine abzunehmen

Ich wünschte, ich hätte hier ein knackiges Ende zu bieten. Stattdessen bin ich brav und wortlos gegangen. Vor so viel Wurschtigkeit war ich hilflos. Und dann ist da noch was: Wenn man übers Leben hin immer Mal wieder selber Dienstleister war, auf verschiedensten Gebieten, will man einfach auf keinen Fall der lästige, idiotische Kunde sein. Nicht einmal dann, wenn der Idiot auf der anderen Seite des Tresens sitzt.

Eine Angewohnheit, die ich mir eigentlich abgewöhnen möchte. Kennt vielleicht jemand einen Grundkurs “Plakative hysterische Anfälle für Anfänger?”

PS: Vielleicht sollt ich aber auch froh sein, dass ich meine Post nicht in der Steiermark erwarte.

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One thought on “Trari, Trara, die Post ist… wo?”

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