… und dann wollte ich noch über diesen Himmel schreiben

Über diesen Himmel auf der Fahrt von Wien nach Graz. Es war ein rauschendes Fest der Wolken, und auch die Sonne war eingeladen, und ganz unerwartet kamen noch weitere Gäste wie dieser Regenbogen, der kein Bogen war, sondern ein tiefer Kelch von Farben, und die durchsichtigen Nebelwesen in den Tälern zwischen den Hügeln.

Aber die Wolken: Vor allem die Wolken. Nach Osten zu eine dichte Decke, in allen Schattierungen von hellgrau bis tiefdunkelblau, manchmal am Horizont eine Ahnung von Regen: Dieser Schleier, der aus dem Dunklen oben bis auf die Erde weht wie der winterkalte Atemzug eines unsichtbaren Riesen.

Dann aber wendet sich die Straße und mit ihr der Blick nach Süden. Ungebrochen herrscht auch hier die himmelverhüllende Dichtheit des Wasserdampfs, aber darunter, davor, tauchen kleine Wolkenschäfchen auf, die lichtschnell dahintreiben unter der unbewegten Regenschwere. Und diese kleinen, unsteten Wolkenkinder spielen dahin und kriegen manchmal eine Ahnung, einen kurzen Lichtstrahl ab, aus dem Westen, wo die Sonne versucht, sich zwischen den dorthin ausdünnenden Wolken bemerkbar zu machen.

Im Westen das Chaos. Hier hat die Party ihren Höhepunkt erreicht. Hier ist die schwere Wolkendecke müde geworden, sie legt sich wie eine schwere alte Daunenfedertuchent auf die Hügel, die wir jetzt erreichen, und die Sonne, die sich gerade verabschieden wollte, dreht noch einmal um, um uns zuzulächeln. Hier rotten sich auch die kleinen, schnellen Fratzen zusammen und laufen um die Wette, während etwas, das wohl ein Gewitter werden wollte, vergeblich versucht, sich gegen die Auflösung zu wehren.

Die Sonne macht einen Abgang, nicht ohne von Ferne der schweren Decke noch einen goldenen Kranz zu zaubern, und dann beginnt es zu regnen, die majestätisch schwere Regenwolke hat gewonnen.

Aber ein paar Kilometer weiter bekommt die himmlische Gesellschaft neuen Schwung. Die Party geht dem Ende zu, und zum Abschluss zeigt hier jeder noch einmal, was er kann. Die Sonne hat einen großen, roten Farbtopf zurückgelassen, und alle Beteiligten springen hinein. Von feuerrot bis lila spielt der feuchte Himmel alle Farben, und wie sie tanzen: jeder Blick ein neues Gemälde, schöner und stärker als das zuvor. Und da, schon wieder, ein, nein zwei Regenbögen, sie stehen da und sonnen sich in ihrer Schönheit.

Jetzt wird es langsam dunkler. Die Gäste müde, die Party ist vorbei. Nur ganz da drüben glimmt noch, wie die letzte Ahnung von Wärme im Kamin, ein rotes Licht, das langsam, ganz langsam, verblasst.

So etwas habe ich hier noch nie gesehen. Das war ein skandinavischer Himmel, von ganz da oben kenn ich das.

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