Was ich noch sagen wollte

Zum Beispiel wie völlig unbegreiflich & absurd es erscheint, wenn entliebte Elternteile sich die lieben Kleinen einfach unter den Arm klemmen und abhauen. I mean, can you imagine that?

Dann endet der Themenabend, und die müde Channelhopperin stolpert über einen Bericht zum Kennedymord unter besonderer Berücksichtigung von Jackie, und spätestens als der Name Onassis fällt, steigt das altgriechische Mondgesicht von Angelo hinter dem Fernseher auf & strahlt: “Oh yes, my good friend Onassis. One day he asked if I would trade my Villa for his Yacht, but I said no. So he said he has to build another Villa beside mine, you know? But we could never find out who the land belonged to. So he built a villa on [Name vergesen] instead.”

“But I can tell you, those Parties, on his Yacht. Fantastic. Fantastico. The girls. and the sun. And the drinks.” [langes sinnendes Lächeln.] “And he could dance, you know, that man could dance…” [Noch ein langes sinnendes Lächeln.]

Irgendwann die Frage, wieso er, Angelo, denn so gesund und so frisch sein kann, wo er doch angeblich im gleichen Jahr geboren ist wie der alte Aristotle S., der ja nun (damals) schon bald zwanzig Jahre tot ist.

Wieder dieses sinnende Lächeln (wie lang er wohl gebraucht hat um das zu perfektionieren vor dem Spiegel?), und dann, sehr intim und nahezu heimlich, eine Hand auf einer Schulter, die den Zuhörer – ich sass ja nur daneben – beinah unmerklich und doch sehr bestimmtend zum ewigen Rauschen des Meeres dreht – als könnte es nur hier, genau hier, diese Nacht, dieses Gespräch, dieses Meer mit diesen Erkenntnissen geben –  und die Stimme, meeresgeschwängert, sehnsuchtsschwer:

“You know, back then in Athens” [pause] “I was a broker, and there were not many brokers in my time. Not like today.” [pause] “Ah, the parties we had, these days, fantastico!” [pause] “back then in Athens, i knew a doctor. He was a costumer of my agency. And he said to me” [pause] “Angelo, he said, fish is good for you. And Retsina is good for you.” [Pause] “So, when I retired & built my Villa here, I remembered his words, and every day I eat fish, and every day I drink white wine. And I feel good. Fantastico!” [Pause]

“So, if want to get old & healthy, you eat fish & you drink white wine. Every day. My friend Onassis did not believe me. He didn’t do it. And he died. And I live. And I feel good. Fantastico!”

[Pause.] Und da sitzt Angelo, angeblich über 80 Jahre alt, aber rein optisch gibt man ihm keinen Tag mehr als 65, und strahlt wohlwollend und winkt den Kellner herbei und bestellt noch ein Glas “White Wine”. Und niemals etwas anderes. Für seine Gäste, für die Handvoll interessanter Gesichter aus dem Touristenstrom, zahlt er Ouzo und Metaxa, aber selbst trinkt er nie davon. Nur “White Wine”.

Und ob und wieviel von den Geschichten wahr war, habe ich nie hinterfragt, ist auch ganz egal. Aber jedesmal, wenn der Name Onassis fällt sehe ich Angelos strahlendes Gesicht vor mir und höre seine Stimme, die sagt: “But he is dead and I am alive. And you know why? Because every day i eat fish. And every day, I drink white wine. Fantastic. I feel fantastico.”

Und auch wenn’s unrealistisch ist (weil über 10 Jahre her) wünsch ich mir, dass er heute noch dort sitzt auf seiner Insel und ungefragt seinen Fisch und seinen Retsina serviert kriegt, jeden Abend knapp vor Sonnenuntergang, und andere nichtsahnend anreisende Touristen so unter seine Obhut nimmt wie uns damals, und seinen eigenen Heidenspass hat dabei.

Und wenn ich in meiner Altlastenaufarbeitung jemals so weit fortschreiten sollte, reich ich das Foto nach, von Angelos Mondgesicht, kurz nach der Aussprache des Wortes “Fantastico”.

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