Wien – Palma – Ibiza – Formentera

 

Die Wahl des diesjährigen Reiseziels war mir, um ganz ehrlich zu sein, etwas suspekt. Formentera? Formentera liegt doch gleich neben Ibiza, und Ibiza ist bekanntlich… inakzeptabel. Der Herr Sufi wollte aber unbedingt, nicht zuletzt wegen der Erzählungen seines ethnologischen Lieblingskollegen, der dort schon seit 30 Jahren immer wieder Mal hinfährt. Oder waren es 35 Jahre? Egal. Ich ließ mich also überzeugen, nicht zuletzt weil “Meer” und “Süden” immer recht gute Argumente sind, besonders in einem Frostseptember wie diesem.

Wir sprangen daher beherzt in den Flyniki-Airbus (im Hintergrund die Baustelle vom neuen Wiener Terminal), was dank vorherigem Web-Checkin tatsächlich beinahe so schnell ging, wie es hier klingt. 2 Stunden, ein Gourmetmenü und eine außergewöhnlich sanfte Landung später stiegen wir in Palma de Mallorca aus, um umzusteigen. Der erste Schritt aus dem Flieger nach einem Flug von kalt nach warm ist ja ein Gefühl, das ich sehr mag. Die erste Rückmeldung des Körpers “hmmmm… hier ist irgendetwas seltsam!” – und die Rückmeldung des Gehirns, ein paar Sekunden später: “Warm, Meeresluft, alles bestens!”

Ein Gefühl, das wir allerdings nicht lange genießen konnten, denn der Flugplatz von Palma ist luftdicht, schlecht klimatisiert und auch sonst nicht besonders. In welcher seltsamen Welt waren wir gelandet?  Bild am Sonntag warb mit riesigen Ständern Abonnenten, eine deutsche Pensionsversicherung versuchte sich im Urlaubermarketing. Das gläserne Raucherghetto regte den nichtrauchenden Sufi deutlich mehr auf als mich; wir waren aber beide sehr froh, als sich die 2 Aufenthaltsstunden dem Ende zuneigten. Die Durchsagen kommen zwar in allen Sprachen, aber so leise, dass man sie nur hört, wenn man zufällig gerade unter einem Lautsprecher steht. Es war also nur der Weltgewandtheit des Sufi und meiner gewohnt schnellen Informationsverarbeitung zu verdanken, dass wir das heimlich geänderte Gate noch rechtzeitig erreichten. Was uns auch nichts half, denn die anderen Passagiere brauchten deutlich länger. Aber irgendwann war es soweit, und wir verließen den Flughafen des Grauens.

Der Flug nach Ibiza ist so kurz, dass der Flieger (Air Berlin diesmal) sofort nach dem Steigflug wieder in den Sinkflug übergeht. An Bord gab es dementsprechend nur Apfelzuckerln. Dem Sufi schmeckten sie. Bei der Landung gab der Pilot nochmal plötzlich ordentlich Schub – wir rechneten kurz mit einem Go-Around – es waren aber wohl doch nur die berüchtigten Ibiza-Crosswinds. Alles bestens, Gepäck auch da, kurz anstellen an der Taxi-Schleife und nichts wie ab in den Hafen. Die nächste Fähre in 10 Minuten. Es hätte schlimmer kommen können.

Auf der Fähre guter Seegang und erster Foto- und Film-Enthusiasmus, wie immer, wenn man endlich das Meer erreicht. Die Reling meersalzverkrustet. Ich leckte glücklich meine Finger ab, der Sufi war entsetzt. Bald darauf kamen wir an. Drüben warteten wie gehofft die Freunde. Ein Taxi war bald gefunden; mehr als die erst etwas vage erscheinenden Anweisungen brauchte es auch nicht. Und so saßen wir bald darauf in der Fußgängerzone von San Ferran de ses Roques (auf spanisch auch San Fernando genannt), hinter uns die Casa Pepe, über uns ein abendwerdender Himmel, und vor uns die Fonda Pepe, aus der “Born to Be Wild” herüberschallte. Ich blickte sinnend auf die (gut genährte) Katzenherde ringsum, auf das Bier, das wie hingezaubert in meiner Hand erschienen war, auf die aus Temperaturgründen ausgezogenen Schuhe – und kam zu dem Schluss, dass des Sufis Idee so schlecht doch nicht gewesen war.

Während Lucas mit Erwin und Andrea am Poolrand die erste Flasche Wein köpfte, sprang ich als erstes gleich in den Swimmingpool. Der war leicht salzig und gut erfrischend nach dem langen Tag. Etwas später ein Abendessen, das mit Aioli begann und satt und zufrieden endete.

Danach wurden wir mit der traditionellen Abendgestaltung vertraut gemacht, die darin besteht, sich in kleinen oder auch größeren Grüppchen in der Fußgängerzone zusammenzufinden und unter Vernichtung von mehr oder weniger (je nach Kondition und Vorliebe) alkoholischen Getränken einfach nur anwesend zu sein. Der Anblick von Menschen mit einem Plastikstuhl in einer und einem Getränk in der anderen Hand, die suchend umherblicken oder mehr oder weniger zielgerichtet den Platz überqueren, wirkte an diesem Abend noch seltsam. Wir wurden als neue Gäste zuerst mit dem Inselschnaps Hierbas vertraut gemacht. Der erste schmeckte ziemlich eigenartig.

Während rings um uns ein kleines “Köln-gegen-Düsseldorf”-Wortscharmützel stattfand, verspannten sich des Sufis bislang sehr zufriedene Gesichtszüge zunehmend. Irgendetwas stimmte ganz und gar nicht. “Hier wird viel zu viel Deutsch gesprochen!”, stellte er schließlich fest, “wenn ich auf Urlaub bin, dann will ich doch die Leute um mich herum nicht auch noch verstehen!”.

Ich schlug zur Entspannung einen Spaziergang vor, Erwin schloss sich an (nicht ohne für flüssigen Proviant zu sorgen), und so wanderten wir durch die Nacht bis hin zum Meer. Da wurde dann zwar auch deutsch gesprochen, aber unter Freunden geht das ja. Die Musik waren die Wellen an den Klippen, weit draußen blinkten ein Leuchtturm und ein Fischerboot, die Weinflasche leerte sich viel schneller als die Wasserflasche, und als wir gegen zwei Uhr früh wieder in den Ort zurückkehrten, spielten am Kirchplatz ein paar einheimische Hippies Gitarre. Die Welt war wieder in Ordnung, und zwar sehr.

Google Earth File vom 13.9. (mit Bonusfotos!)

Teilen? Tweet about this on TwitterShare on Google+Share on FacebookEmail this to someone

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.