Krems – LET 410/3950m – Solo
Öffnung: 0800 | Freifall: 57s
avg: 216km/h | max: 290km/h

Da steig ich doch gleich wieder ein. Ooops, schlecht getimed mit der Kaffeepause, die Load geht ohne mich. Na gut, dann eben die nächste.

Wo jetzt feststeht, dass mein Bauch noch nach unten findet, muss doch getestet werden, ob meine ohnehin dürftigen Freefly-Künste auch noch vorhanden sind. Geistig entwerfe ich einen Sprung mit allen Schikanen, bin gespannt, wie wenig ich davon auch umsetzen kann.

Auch der gemütlichste Flieger wird eng, wenn der letzte Tandemmaster ewig auf sich warten läß, stellen wir kollektiv leidend fest, doch dann ist alles an Bord und die Maschine bewegt sich.

Konzentriert auf mein Vorhaben und abgelenkt von den Exitgruppen-Diskussionen rund um mich vergesse ich, dass ich vorhatte, sowohl Aufstiegszeit als auch Steiggeschwindigkeit zu stoppen. Schade eigentlich; aber schnell geht es allemal.

Beim Aufstehen und Fertigmachen schwanke ich in den letzten Kurskorrekturen etwas hilflos herum, bis ich feststelle, dass meine Schulter ganz ausgezeichnet in die Seitenrundung passt. Noch zwei enge Kurven; die Springergemeinde heult begeistert auf, während Tandempassagiere teilweise erblassen. Schon blinkt es weiß auf, der Türöffner tut seinen Job, die erste Gruppe läßt sich Zeit. Die zweite auch. Dann endlich: Freie Bahn für mich!

Obwohl ich’s ja schon weiß, überrascht mich die Wucht des Exits wieder. Egal. Ich nehm gleich aus dem letzten Überwirbler die Beine nach unten; sieh da! Ich sitze!

Aber nicht lang. Immer das Bedürfnis, nochmal zu schauen, wer da nach mir aussteigt. Wer da vor mir ausgestiegen ist. Also träge rumgerollt und in die Gegend geschaut, und dann: Gesessen bin ich, wie war das mit dem Headdown?

Schnell. Schnell war das. Viel zu schnell für so einen schönen Tag. Wieder auf den Bauch eingebremst, und dann ungeplant aus reinem Spass einen Salto und einen gestreckten Überschlag, dann nochmal kurz in Sitzposition, alles fühlt sich so leicht und locker an, fast besser als vor der langen Pause, aber langsam wird’s Zeit…

Der erste Warnpiepser genau in dem Moment, als ich wieder flach auf dem Bauch liege; auch ein Wahnsinns-Glücksgefühl an diesem Sprung: Dass mein innerer Höhenmesser noch immer perfekt funktioniert. Noch ein schneller Rundblick; dann ist Schirmzeit; ich fliege etwas vorsichtiger an und finde näher zum Landepunkt, dafür aber nicht ganz so elegant wie zuletzt sondern mit leichtem Hintern-Bodenkontakt.

Zu schade, dass ich heute mit dem Zug da bin; der wartet nicht auf mich. Daher gibt’s keine Sunset-Load, und die zwei Sprünge müssen als Saisoneröffnung genügen.