(Promi-Tag)

Krems – Cessna 206/3350m – Solo
Öffnung: 0900 | Freifall: 52s
avg: 182km/h | max: 209km/h

Schon am Donnerstag bin ich auf dem Weg nach Krems: Jetzt endlich wieder einmal ordentlich springen! Dummerweise fällt der Donnerstag ins Wasser, der Freitag schießt in den Wind, und erst samstags hat der Himmel endlich ein Einsehen. Dann aber…

Pünktlich zur vereinbarten Zeit schweben die Jungs vom Wiener Neustädter Team Matrix vom Himmel, während die Gast-Absetzmaschine OE-KPC zur Landung ansetzt. Nostalgie kommt auf: Aus dieser Maschine habe ich 1999 meinen allerersten (Tandem)Sprung gemacht.

Der Andrang ist groß, und ich habe Kreuzschmerzen, und so halte ich mich vormittags vornehm zurück. Gegen Mittag aber ist es so weit, und ich lasse mich für meine erste Load eintragen. Für diese herrscht besonderer Andrang, denn es hat sich ein besonderer Tandempassagier eingefunden: Finanzminister Karl-Heinz Grasser will auch einmal frische Höhenluft schnuppern.

Nach kurzer Verzögerung – ein Krone-Fotograf hat Wind von der Sache bekommen und will unbedingt eine Fotosession – boarden wir die Maschine und schlichten uns perfekt sardinenmaessig. Die “Kilo Papa Charlie” ächzt und quietscht beim Abheben, ein Blick ins Gesicht des Piloten bestätigt allerdings, dass kein Grund zur Besorgnis besteht.

Während mich neben der Tür hauptsächlich die Frage beschäftigt, wie ich dieselbige denn oben aufkriegen soll (es handelt sich um eine Stoff-Falttür, auf deren unterem Rand ich immerhin sitze, und die Bewegungsfreiheit beschränkt sich auf halbe Zentimeter) steigen wir langsam aber stetig. Herr Grasser hat viele Fragen zum Sport, was den Steigflug recht kurzweilig werden läßt.

Ganz Mann der Tat, will er schließlich noch wissen, ob der Release-Handle auch tatsächlich funktioniert. Funktioniert! Und Tandemmaster Claus Fellner verdient sich noch mehr Respekt, indem er völlig unbeirrt auf dem engen Platz das Gear abnimmt und es wieder scharf macht, während wir uns alle noch ein Stückchen enger an die Wände quetschen.

Das Gear wieder korrekt angezogen, der Tandempassagier festgeschnallt, und wir nähern uns der Exithöhe. Während der Umschichtungen ist es mir gelungen, auf die Knie zu kommen, und so ist es schließlich doch kein Problem, dem Pilotenbefehl “TÜRE!!!” umgehend Folge zu leisten.

Sekunden später heißt es “EXIT!!!”, und während Ernst als erster verschwindet, fällt mir auf, dass ich mir überhaupt keinen Exit überlegt habe. Also mache ich das erste, was mir in den Sinn kommt, lasse, wie beim allerersten Sprung überhaupt (nur dass diesmal keiner von hinten schiebt), die Beine hinausbaumeln und mich, als Ernst weit genug entfernt scheint, einfach nach vorne kippen. Leichter Überschlag, und irgendetwas in mir meint, es sei Zeit für einen Jubelschrei – dem ich mich nicht widersetze.

Mitten im Überschlag einen wunderbaren Blick auf die Maschine, dann auf den Rücken gedreht und den Exit des Nachfolgenden bewundert, der, ohne die geringsten Schwankungen, sofort auf dem Bauch liegt. Dann noch erst ein und dann ein zweites Tandembein erscheinen sehen, bevor ich mich umdrehe und die Landschaft bewundere – zuerst eigentlich die Himmel-schaft, denn auf den hübsch verteilten Wolkenfetzen strahlt die Mittagssonne und macht ein pittoreskes Bild aus Licht und Schatten, auf dem man am liebsten gleich landen würde.

Aber wir wissen ja, dass das nicht geht. Stattdessen ganz nahe an einem Wölkchen vorbei – Geschwindigkeit genießen – und dann den Blick auf weiter unten konzentriert, Felder und Weinberge und Flugplatzwiesen, und eigentlich wollte ich ja sitzen, bin aber vor lauter schauen schon unter 2000m, da zahlt sich das auch nicht mehr aus – ich schaue lieber weiter, ist ja genug Gegend da.

Dann Schirmzeit; eine selten perfekte Öffnung (hab ich den etwa selbst gepackt? ;)) aber dann, so zwischen 800 und 400m, ziemlich ruppige Luft. So möchte ich ungern landen, denke ich, und brav hört der Wind auf zu boxen. Die Segelfliegerwiese ist für unsere Landungen freigegeben, und ich visiere sie als Dritte an, wunderbar, und mithilfe des Windes zehenspitzengelandet.

Und dann schnell aus der Video-Linie, damit Kameraman Mattie auch die Tandem-Landung dokumentieren kann, und lauter strahlende Gesichter: Das Leben ist schön.