Krems – Cessna Grand Caravan – Solo

Ganz überraschend erfahre ich, dass am Flughafen Krems (Gneixendorf) eine neue Dropzone ihre Tore öffnet. Das muss man sich doch anschauen! Diana borgt mir ihren Schirm, einen Sabre 150, weil ich vor dem Kauf meines neuen Gears möglichst viele Modelle probespringen will.

Es ist der zweite Tag, an dem hier gesprungen wird. Dafür ist der Betrieb beachtlich. Als wir ankommen, rollt die Cessna Caravan gerade malerisch-majestätisch zum Start. Noch ist sie weiß, nächste Woche aber soll die D-FINA bunt werden.

Das Manifest läuft einstweilen provisorisch mit Jumptickets auf Klebetiketten, soll aber demnächst computerisiert werden. Zum österreichweit ungeschlagenen Preis von ATS 199,- pro Sprung nehme ich einen 5er Block. Rolf macht den Loadorganizer und erklärt den Neuankömmlingen das Landeareal und was man sonst noch wissen sollte. Die Loads sind recht ausgeglichen, 2-3 Tandems pro Aufstieg, der Rest Selbstspringer.

Na dann: Gleich eingetragen, und bald darauf der 15-Minuten-Aufruf. Heiss ist es, und der Gedanke, ins Sprunggewand zu steigen, ist nur mit der Aussicht auf Kühlung weiter oben zu ertragen.

Dicht an dicht sitzen die Springer, aber die Schiebetür links hinten bleibt einen Spalt weit offen und der Luftstrom bringt bald Kühlung.

Etwa 20 Minuten braucht der junge Vogel (BJ 1995) auf die von Betreiber Alfred Kotzegger garantierten 4200m. Durch die zahlreichen Fenster hat man einen guten Blick auf die schöne Landschaft: die Donau, weinbebaute Hügel, Fischteiche ringsrum.

Souverän und ohne heftige Wackler bringt Pilot Arnfried, der auch die Grazer Caravan fliegt, seine unruhige Fracht auf die Absetzhöhe. Rechtzeitig zum Helmaufsetzen kommt hier das rote Licht, und der hinter mir aufstehende Tandempassagier nimmt endlich seinen Fuß von meinem Gurt.

Dann geht der Rolladen hoch, und die erste Gruppe verschwindet aus der relativ breiten Öffnung. Ich habe mich beim Einsteigen schon direkt vor den Tandems eimgereiht, weil unbekannter Schirm = höher ziehen. Als ich an der Reihe bin und mich gewohnt locker aus der Tür kippen lassen will, reißt mich der ungewohnte Luftstrom weg und ich merke, dass es ein Unterschied ist, theoretisch von der höheren Strömung einer großen Maschine mit Seitenausstieg zu wissen oder dieselbige zu erleben. Etliche Überkugler später finde ich Ruhe auf dem Rücken und sehe gerade noch das letzte Tandem aus der entschwindenden Maschine aussteigen. War eigentlich recht lustig.

Da ich aber zum ersten Mal hier bin, drehe ich mich gleich auf den Bauch, um mir die Gegend genauer zu betrachten. Der Flughafen ist leicht zu sehen, eine Drehung bietet einen schönen Blick auf die Donau einerseits und die weinbewachsenen Hügel auf der anderen Seite. Reichlich Platz in alle Richtungen.

Hoch genug für eventuelle Schirmprobleme werfe ich den Hilfsschirm in den Wind, und rauschend entfaltet sich über mir ungewohntes rosa. Der Sabre fliegt sich schön, ruhig und doch reaktionsfreudig, das gefällt mir, und ich ziehe meine Kreise und genieße den Ausblick, aber vor der Landung habe ich ein bisschen Federn. Daher wähle ich nicht die Wiese, wo alle landen, sondern eine weiter, und bereite mich geistig auf eine Landerolle vor. Aufs schlimmste gefasst, warte ich mit dem Flare bis zum letzten Augenblick…

…und mein in diesem Moment bester rosaroter Freund bremst auf Befehl recht gemütlich, und ich lande auf den Zehenspitzen und brauche nicht einmal einen Schritt zu tun. Das sind die Momente, wo sich meinereins wie eine Göttin fühlt. Zumindest eine Zeitlang.

Das Packen macht mir doch zu schaffen: Leichter Wind und das ZeroP Gewebe sprechen irgendwie gegen den Flatpack, und ohne Markus‘ Hilfe hätte ich es wohl nicht geschafft. Danach braucht der hitzegebeutelte Körper dringend etwas zu trinken, und wir lassen eine Load aus, um Wasser zu tanken.