Sillian – Skyvan/3925m – Solo
Öffnung: 1175 | Freifall: 56s
avg: 198km/h | max: 221km/h

Ein bisschen packen, ein bisschen in der Sonne rumsitzen, und schon ist es Zeit für die nächste Load. Der Flieger füllt sich wie gewohnt, und ich bin froh, wieder als letzte aussteigen zu dürfen. Bei dieser Kulisse ist das ganz besonders schön…

Und jetzt, habe ich beschlossen, gilt es, zwei Dinge zu tun. Erstens das Sitzen zu üben und zweitens die Grenzen des Schirms auszuloten.

Der Aufstieg ist ruhig und problemlos, viel weniger spektakulär als es vom Boden aus den Anschein hat. Alles hängt an den Fenstern, und auf den Passagierplätzen sitzen ein paar Kids, die aus dem Fenster schielend versuchen, die Heimathäuser zu identifizieren. Selber bleibe ich ruhig sitzen und versuche, meinen perfekten Sitfly zu bildern. Das hat noch immer recht gut funktioniert, sich beim Aufstieg so vorzubereiten.

Mit halbgeschlossenen Augen bin ich erstaunt, als wir schon fast da sind. Anziehen und aufstehen, und dann die Rituale des Händeschüttlens, ThumbsUp und das in Verbindung mit den fast 4000 Metern freier Luft unter mir macht mich so froh, bringt ein Grinsen in mein Gesicht, das nicht mehr weggeht, und ich sehe sie verschwinden, zuerst die große Gruppe mit dem damit einhergehenden Schwanken der Skyvan und dem Aufkreischen der Kids, dann einer nach dem anderen, und dann gehört die Luft mir, mit Anlauf wieder einmal und ein fauler halbgestreckter Salto, bleibe auf dem Rücken liegen und die Skyvan kippt weg, furchterregend sieht das aus und fast glaube ich, die Kids drinnen kreischen zu hören, kalt muss denen sein auf dem Weg nach unten mit der offenen Tür, denke ich, aber dann ist der Vogel aus dem Blickfeld und ich bin ganz allein in weiter Luft, so soll es sein.

Ach so, sitzen war gefragt. Dann bringen wir doch mal die Füße nach unten, geht ganz gut, nur eine leichte langsame Drehung drin, als ich die ausgleichen will wird ein unfreiwilliger Salto draus, gut, nochmal.

Und ich sitze perfekt, muss ziemlich viel ausgleichen mit den Armen aber die Füße bleiben, wo sie hingehören, unten, und dann schleicht sich wieder eine Drehung ein, und in der Drehung sehe ich zwischen den Gipfeln weit weg die Wolken liegen, unfaßbar schön, und ich lasse es bleiben und falle ganz von selbst auf den Bauch, erstaunt und erfüllt von diesem Anblick , die sonnenbestrahlten Wolken von oben, aus denen die Berggipfel hervorstechen wie Eiswaffeln aus dem Schlagobers, und ich drehe mich einmal im Kreis. Unter mir sonnige Wiesen und erste Schirme die aufpoppen, und über mir (einmal noch kurz auf dem Rücken liegen) fast nur blau, und drüben, am Horizont, diese Wolken, die so unfaßbar weiß und sonnenbeschienen sind auf der Oberseite und so erschreckend dunkel und einschränkend auf der Unterseite, das beschäftigt mich bis zur Öffnungshöhe.

Eine schöne, sanfte, geradlinige Öffnung, ziemlich hoch, weil ich mit meinem Schirm spielen will, und das tue ich auch, Kurve von Abhang links zu Abhang rechts in dem engen Tal, eine steilere und eine sanftere Kurve, Freund, was machst du? Alles bestens. Dann fangen wir doch einmal an, die Landung vorzubereiten.

Aber der Wind, ansonsten mein Freund, spielt ein bösartiges Spiel, hat zwischen 600 und dreihundert Metern um 90 Grad gedreht, und als ich mich auf die neue Richtung eingestellt habe, dreht er nochmal. Jetzt bleibt mir keine Wahl mehr zwischen Autos und Hütten und ich lande mit dem Wind schräg von der Seite, auf den Füßen! Mit drei sehr schrägen gedrehten Schritten, aber auf den Füßen. Zweifellos ein Fortschritt.