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Könnte bitte irgendjemand den Zigarettenautomaten reparieren?

Denn die nächtliche Beschaffung des Nikotin-Nachschubs führt mir, im Lokal ums Eck (richtig, in der Klapsmühle), doch etwas zu weit…

Ich (betrete die “Klapsmühle” eh schon sehr vorsichtig; erstmal beachtet mich keiner; weder die 5 am Tisch noch der einsame Säufer an der Theke… nach zwei tiefen Atemzügen, als ich endlich ich ein halbwegs vertrautes Gesicht am Tisch erblickt habe): Hallo!
Der Wirt (er ist’s also doch!): Hallo! I kum glei.
Der einsame Säufer an der Theke (betrachtet mich, soweit es sein offenbar nicht sehr stabiler Standpunkt zulässt, von oben bis unten und wieder zurück und bemerkt schließlich (während ich mich verzweifelt bemühe, woanders hinzuschauen): Waast, Mariazell liegt auf 2600 Meter.
Ich (weiterhin verzweifelt bemüht, woanders hinzuschauen): Aha.
Der einsame Säufer (verliert fast das Gleichgewicht, hält sich mit der rechten am Barhocker fest, während die linke in der Luft herumrudert): Aber auf 8000 håb I dei Knia gsegn.
Ich (schaue ihm aus lauter Verblüffung erstmals direkt in die Augen. Hätte ich den heute völlig bedienten jemals auf einem Sprungplatz gesehen, ich bin sehr sicher, ich würde mich daran erinnern. Außerdem war mein höchster Exit auf 4800m. Andererseits, was in aller Welt könnte er sonst meinen? Insbesondere, da er mein Knie anspricht…)
Der Wirt (steht auf und kommt, noch mit der Tischrunde scherzend, auf die Theke zu): [Name nicht verstanden], gib a Ruah jetz!
Der einsame Säufer (hat sein Gleichgewicht wiedergefunden) Jo eh. Aber auf 8000 hab i ihr Knia gsegn.
Der Wirt: (kennt mich schon) Gauloises håb I kane mehr, aber Malboro hätt’i.
Der einsame Säufer: 8000 is ka Schaas.
Ich: Malboro passt scho.
Der einsame Säufer: Des Knia håb i g’segn.
Der Wirt holt eine Schachtel Malboro aus der Lade
Ich lege das Geld auf die Theke
Der einsame Säufer: Auf 8000 Meter.
Ich während der Wirt nach dem Wechselgeld kramt: I bin zwar auf 5000 aus an Flugzeug g’hupft, aber auf 8000 hast du mein Knie nicht gesehen.
Der Wirt hält inne und grinst
Der einsame Säufer: Mariazell liegt auf 2600. Und auf 8000 hab i dei Knia gsegn.
Ich stecke Zigaretten und Wechselgeld ein und überlege den ganzen Heinweg lang, wovon um alles in der Welt die Rede war.

[Vielleicht sollte ich einfach langsam zu rauchen aufhören…]
[Tatsächlich liegt Mariazell auf 858-1266m Seehöhe. Was immer das jetzt bedeuten mag.]

Aus dem Beisl gegenüber dem Zigarettenautomat…

…kommen zögerlich 2 Typen.

Der Eine: Gemma no zum Rudi auf a Seidl zum Vollmond?
Der Andere: A geh – du gehst nach’m Vollmond?
Der Eine: I ned, aber mei Duascht.

[Das Beisl heißt übrigens “Klapsmühle”. Anm.v. Sufi]

Wie Männer sich das Frauenleben vorstellen (Mitternachts-Edition)

Ach, hätte ich doch rechtzeitig Tabak eingekauft, oder vielleicht gar zum Rauchen aufgehört, dann… ja dann müsste ich nicht noch um Mitternacht runter zur Cigarette Machine from Hell. Ich muss aber. Mit in langen Jahren erarbeiteter Geduld versuche ich die launische Maschine dazu zu überreden, mein Geld zu schlucken, da nähern sich zwei Paar Schritte in der ansonsten stillen Gasse.

Er (leichter slawischer Akzent): Ich weiß gar nicht, was du immer Probleme hast mit deinem Chef, musst du nur die Bluse zwei Knöpfe aufmachen.

Sie (sehr wienerisch): Geh, heast!

Er: Na echt, zeig ich dir!

Sie: (spitzer Quietscher): Finger weg!

(Ich dreh mich um, um zu schauen ob ein Eingreifen nötig ist)

Er (empört): Was, glaubst du ich will dich anfassen? Bin ich dein Bruder! Ich zeige dir was du machst mit dein Chef! Machst du so!

(Er macht sein eigenes Hemd weiter auf und wackelt wenig sexy mit Hüfte und Brustkorb. Ungefähr da sind sie an mir vorbei.)

Sie (resigniert): Geh bitte, heast.

Er (leicht beleidigt): Wenn du nicht leicht haben willst, musst du schwer haben.

Frauen-Power?

Am Zigarettenautomaten hinter mir ein Pärchen, Altersklasse „vielleicht-gerade volljährig-geworden“.

Er (leichter, nicht näher zuordenbarer Süd-Akzent): „…denkt der, er könnt meine Freundin anmachen, oida, doch ned mit mir!“
Sie (sehr wienerisch, sehr laut): „Oida! Hoits Maul!“
Er: *verblüfftes Schweigen*
Sie: „Wenn des nächste Mal ana ane in di Goschn kriagt, dann von mir, is des klor?“

(Ich sah zu, dass ich weg kam.)

(Aus den Alleebäumen jubilierte eine Amsel, mitten in der ersten Februarnacht, unter dem fast vollen Mond.)

Grätzl-News, Ausgabe 1 2014

Zigaretten holen gewesen. Beim Öffnen der Haustür fast über einen Betrunkenen gestolpert, der inbrünstig gegen den nächstgelegenen Autoreifen kotzte. Als ich die Ecke errreicht hatte, explodierte unweit etwas mit etwa dreifacher Schweizerkracher-Lautstärke. Zwei Auto-Alarmanlagen in der Gasse begannen klagend zu singen. Der Zigarettenautomat wollte keine Luckies ausspucken, lieferte aber stattdessen freiwillig Malboros. Zurück im Haus suchte ein ebenfalls betrunkener Nachbar etwas im Papiercontainer. Was es war, das er suchte, konnte ich den betrunkenen Flüchen nicht entnehmen, doch die Haltung, die den ganzen Oberkörper im Mistkübel verschwinden ließ, während ein Bein am Boden stand und das andere an der Treppe Halt suchte, war bewundernswert. In meiner sicheren Wohnhöhle klingelte der Posteingang. Es war der Hofer Newsletter. 2014 findet statt.

Addictions

“Nikotin!” verlangt der darbende Körper, beinahe hörbar, und folgsam (keinerlei wie auch immer geartete Vorsätze sprechen dagegen) bewege ich ihn vier Stockwerke tiefer und um die nächste Ecke, hinter der ein Zigarettenautomat köstliche Abhilfe verspricht. Und damit wäre diese Geschichte auch schon zu Ende, bzw. wäre gar nicht schreibenswert gewesen – hätte nicht der Rettung Suchtbefriedigung verheißende Automat mal wieder den Dienst verweigert.

Genauer gesagt verweigert der Apparat nicht seinen eigentlichen Dienst, sondern die Anerkennung der Karte, die nicht nur mein ins negative tendierende Vermögen verwaltet, sondern auch den Nachweis meiner Volljährigkeit erbringen soll – “Authent nicht erfolgr”. Für’s “ifizierung” reicht die Größe des Displays offenbar genauso wenig wie für’s “eich”. Ein Blick ins spiegelnde Automatenäußere zeigt allerdings, dass meine Fältchen nicht geglättet, mein Alter also nicht reduziert worden ist. Schade.

Seisdrum. Nächster Halt: Beisltour.

Gleich gegenüber ist offen, also nixwie. Oder so. Mein beherzter Anlauf auf die Tür wird unterbrochen durch drei recht jugendliche Gestalten, die den Zugang blockieren, indem sie davor stehen. “Iss ja voll uncool!” meint die linke (Gestalt), eine Einschätzung, die man angesichts der tristen Thekenhänger hinter der Glastür durchaus teilen kann. “Scheißegal, I wü ma heut des Hirn wegblosn” – die rechte (Gestalt). “Verzeihung, darf ich mal durch?” (ich) war milieupolitisch wohl die falsche Anrede; nichtsdestotrotz wenden sich 3 Augenpaare – mir zu.

“Ey, Oide – stimmt des?”, mit unbestimmter Handbewegung Richtung handbeschrifteter Tafel, werte ich als milde Reaktion. Ich lese “Dopel-Willemsbirn: 1,80”  auf der Tafel. “Na, wenn’s da steht, muss es auch so stimmen” kleide ich mein handelstheoretisches Halbwissen in Zuversicht, ohne weiters auf die Rechtschreibung einzugehen. Das bringt freien Zugang zum tristen Beisl. Als ich eineinhalb Minuten später mit unkompliziert ergatterten Zigaretten herauskomme, stehen sie immer noch da, alle 3. “Wie is des, do drin?” fragt der linke. “Düster”, antworte ich wahrheitsgemäß. 3-faches Schweigen folgt mir um die Ecke.

Die seltsamen Zufälle des Lebens

Wie aufmerksame Leser und sonstige Freunde wissen, verbringe ich zurzeit freie Minute damit, alte Videos zu digitalisieren und zu verwerten. Und in den letzten paar Tagen waren das hauptsächlich die Videos aus Krk dran – spannend. Die digitale Kamera ganz neu in meinen, unseren Händen, die Kassetten endlos, die Experimente… nunja.

Das Video, das zum heutigen Tagesabschluss gecaptured wurde, enthielt vor allem einen netten Abend. In einem Strandcafe spielte, April, Vorsaison, einer der Gäste oder möglicherweise auch der Wirt, auf einer Gitarre mediterrane Volkslieder, der Grossteil des Lokals sang mit, und die Kamera, die stand auf dem Tisch und lief. Das Motto des Abends war “laut, falsch und mit Begeisterung”, und…

Naja, hier sind zwei kleinere Einwürfe angebracht. Zum einen: Mediterrane Volkslieder, sowas gibt’s ja eigentlich nicht. Das ist nämlich mein selbstkreierter Begriff für die Songs, die man in den 60er und 70er-Jahren in jeder Strandkneipe zwischen Lissabon und Izmir hören konnte. La Paloma, ade. Marina, Marina, Marina. Ave Maria. Tatsächlich: Sogar Ave Maria. Im vorliegenden Fall gewürzt durch kroatische Volksweisen. Um ehrlich zu sein, die waren eigentlich das beste daran. Und zum anderen: Laut, falsch und mit Begeisterung ist gemein. Gesungen haben nämlich fast alle richtig. Nur die Gitarre war schmerzhaft verstimmt.

Zurück zum Thema. Im Normalfall bin ich die erste, die man in solchen Momenten flüchten sieht. Dass das an jenem Abend nicht geschah, ja, dass ich nicht nur sitzen blieb, sondern dass sich zum Gesang des Nebentisches nicht nur wieder und wieder des Sufis sonorer Bariton im rechten Kanal, sondern zuweilen auch mein etwas unsicherer Alt im linken gesellt, erklärt sich binnen weniger Videominuten – es ist des Sufis Zeigefinger, der sich etwas ziellos in den Blickbereich der (zwischen uns am Tisch stehenden und quasi heimlich aufnehmenden) Videokamera schiebt, während die sufische Stimme bei einem für die Kamera unsichtbaren Kellner “dva slivovica und mineralna voda, bitte” bestellt. Und das, ja, nicht nur einmal, sondern so etwa nach jedem zweiten Song.

Ein Dokument also, für das man sehr viel Geld zahlen würde, um zu verhindern, dass es veröffentlicht wird. Ehrlich.

Kein Wunder, dass mir nach etwa der Hälfte dieser imagetechnischen Katastrophe die Zigaretten ausgingen. Vier Stockwerke runter, und der Automat hat kein Wechselgeld. Was nun? Richtig, die Klapsmühle gegenüber.

Nun hab ich ja in meinen Jahren hier im Grätzel bei meinen sporadischen Kurzbesuchen in der Klapsmühle schon einiges seltsames erlebt, vieles wechselt dabei auch, aber eines bleibt unerschütterlich gleich: Die Musikkulisse besteht entweder aus Radio Arabella – oder aus Krone Hit Radio. Was anderes gibt’s dort nicht. Gab’s noch nie.

Bis heute.

Denn da sass ein mir unbekannter mit verstimmter Gitarre und schmetterte ein Wienerlied, und der ansonsten unerschütterliche Koberer, der sang mit feuchten Augen mit.

…und jetzt muss mir nochmal einer die Sache mit dem Zufall erklären, den es nicht gibt.

Späte Karriere als Regisseuse?

Ich bin ja mittlerweile eine echte Expertin für die Beisln in meinem Grätzl. Versteht mich jetzt nicht falsch; ich bin weder anonyme noch bekennende Alkoholikerin – ich bin nur nikotinabhängig (und das in meinem Alter. Äh. Ja. Ich weiß.). Und dummerweise bin ich zur zivilisationsüblichen Vorratshaltung offenbar geistig nicht befähigt – lies: Dass die zuletzt gerauchte Zigarette auch die letzte in meinem letzten Päckchen war, fällt mir meist gegen oder nach Mitternacht auf, bevorzugt dann, wenn ich eben vor dem Schlafengehen noch eine allerletzte Rauchen will.

Nicht selten passiert das während des Gute-Nacht-Telefonats mit dem Sufi. Mit seinem Gekicher darüber könnte ich mittlerweile stundenlange Podcasts füllen. Ich dagegen finde es wenig lustig, mich zwischen einem nächtlichen 4-Stockwerke-Trip oder einem Morgenkaffee ohne Morgenzigarette zu entscheiden. Entscheiden? Verdammt. Ich zieh mir die Schuhe an.

Die gute Nachricht ist: Der nächste Zigarettenautomat liegt ungefähr 50 Schritte von meinem Haustor entfernt. Die schlechte: Dieser Automat fällt gerne aus. Besonders dann, wenn es kalt ist. Oder nass. Und ganz besonders dann, wenn es kalt und nass ist.

Und das ist genau der Punkt, wo es ganz praktisch ist, die Öffnungszeiten der umliegenden Lokale halbwegs auswendig zu kennen. Da gibt es also die “Klapsmühle”. Die hat am Sonntag zu. Und gleich daneben das namenlose Lokal der Rosi. Das hat am Sonntag an sich offen bis 2 – aber heute nicht. Warum auch immer: Es ist stockfinster. Dann gibt es noch das Beisl am Eck. Das hat zwar auch am Sonntag offen, aber nur bis Punkt Mitternacht. Um viertel vor eins nicht mal den Blick um die Ecke wert.

Weiters gibt es die “bunte Kuh”: die hat theoretisch täglich bis zwei Uhr offen. Praktisch meistens länger. Eine gute Option, um spontane Treffen zu vereinbaren – aber nicht für Zigaretten. Im besten Fall hat der entzugsgefährdete Raucher dort die Wahl zwischen Memphis, Milde Sorte und Hobby. Schauder. Dann doch lieber Entzug.

Beim Beisl gegenüber der bunten Kuh konnte ich eine Regelmäßigkeit der Öffnungszeiten noch nicht ausmachen. Es hat einfach manchmal offen – und manchmal nicht. Heute hat es nicht. Das erspart mir die bange Fragerei – dort wurde mir manchmal schon das Paradies jeden Rauchers – Malboro, Lucky Strike und rote Gauloises – offeriert, manchmal auch die diametral entgegengesetzte Hölle: Milde Sorte oder Memphis.

Bleibt noch der Bingo-Club der Ex-jugoslawischen Heimatlosen. Der wäre eigentlich erste Adresse: Fast jeden Tag Betrieb bis 3 Uhr früh, russische Malboros zu unerhofften Niedrigpreisen – würde man dort nicht meistens nach einer “Clubkarte” gefragt, die auch nach intensiven Gesprächen mit einer dortigen Thekenkraft ein papierenes Phantom darstellt. Fazit: Man braucht eine Clubkarte, um dort Zigaretten kaufen zu können (oder um sich zu setzen oder um etwas zu trinken), aber niemand weiß genau, wie man an so eine Clubkarte kommt. Ich habe die dunkle Vermutung, dass die richtige Muttersprache (eventuell mit passendem politischen Bekenntnis) die unsichtbare Clubkarte ersetzt – aber das genauer zu erforschen, habe ich bislang nicht gewagt. Doch auch der Bingo-Club ist heute finster.

Da steh ich nun – enttäuscht – mit kalten Füßen – und weiß: Es ist wieder Mal so weit. Die letzte Hoffnung. Das einzige Dings in der Gegend, das eigentlich immer offen hat. Und immer eine ganze große Lade voll mit allen denkbaren Rauchwaren bereithält. Genau. Es ist die Billardhalle.

Wer immer die Leiden einer unbelehrbaren Raucherin bis hierhin verfolgt hat, wird sich fragen: Und warum geht sie denn dann nicht gleich dorthin? In diese Billardhalle? Wenn die so gut wie immer offen hat? Und die größte Auswahl in der nächtlichen Gegend noch dazu?

Nun, das ist einfach erklärt. Die Billardhalle ist, zumindest zwischen Mitternacht und fünf Uhr früh, zutiefst unheimlich. Es fängt mit dem Eingang an, der in einem Fabrikshof liegt, der wiederum von einem 3 Meter hohen Zaun mit furchterregenden Spitzen obendrauf umgeben ist. Die kleine Tür im großen Zaun, die nächtlichen Aus- und Eingang ermöglicht, scheint zu flüstern: “wenn ich zufalle, dann kommst du hier nie wieder raus!”. Ignoriert man diese Drohung und wagt sich auf den halbdunklen Hof (wobei “halbdunkel” hier nicht als seltsamer Dämmer zu verstehen ist, sondern so, dass etwa die Hälfte des Hofes von einem strahlenden Gefangenenlager-Scheinwerfer geblendet wird, während die andere Hälfte in undurchdringlichem Dunkel liegt), kommt man irgendwann zu einer schummrig beleuchteten Metalltür. Die sich, wie sollte es anders sein, nur mit einem markerschütterndem Quietschen öffnen lässt (falls sie nicht ohnehin offen ist. In diesem Fall verbreitet sie – also die Tür – das Gefühl, dass sie sich sofort schließen würde (natürlich ebenfalls mit einem markerschütternden Quietschen) , wenn man sich hineinwagt).  Dahinter wird es erst recht unheimlich: Graffitiüberzogene Betongänge locken in drei verschiedene Richtungen, aus denen sich mehr oder weniger unheimliche Geräusche hören lassen. Dass die Geräusche (soweit bestimmbar) von Klima- bzw. Heizungsanlage herrühren, erfährt der zufällige Besucher dann, wenn er Gang für Gang erforscht – in der allmählich schwindenden Hoffnung, irgendwo auf menschliches Leben zu treffen.

Nunja. Ich bin ja nicht das erste Mal hier. Ich weiß also, dass keiner der drei Gänge zum Ziel führt, sondern vielmehr die schäbige Metalltreppe – und dass das schauderhaft stöhnende Geräusch nicht von gefolterten Zechprellern stammt, sondern aus einer archaiisch anmutenden Maschine, deren Zweck ich trotz ausführlichen Kellerexpeditionen im seinerzeit ebenfalls nicht gerade modernen Internatskeller bestenfalls erahnen kann. Eine Art Klimaanlage. Hoffe ich.

Ich lasse daher das anhaltende Stöhnen links liegen, erklimme die Treppe, die übrigens auch ein bisschen quietscht, und hole am oberen Ende – vor der nächsten potentiell quietschenden Metalltür – tief Luft. Zwar liegt dahinter der Gastraum, in dem sich unzählige Billardtische mit deren begeisterten Benutzern völlig harmlos und normal geben – aber eben auch die Theke, die ich ja nikotinnachschubfordernd ansteuere. Und was da hinter der Theke steht, das ist irgendwie unberechenbar. Jedesmal wieder. Dort habe ich schon feengleiche Wesen erlebt, die mir Zigaretten zu Trafikpreisen verkauft haben (“ich weiß ja, wie das ist…”) – aber auch hexenartige Besen, die erstmal 7€ für eine simple Qualmschachtel berechnen wollten (“Das sind eben die Clubpreise… müssen ja nicht kaufen”) (wir haben uns dann auf 4,50 geeinigt). Das Unberechenbare zu berechnen – das ist der Zweck des tiefen Atemzugs , den ich vor dieser allerletzten Metalltür nehme.

Was sich auch heute wieder als glückliches Manöver erweist. Schallt mir doch in der noch geöffneten Tür ein kräftiges “Ist schon geschlossen!” entgegen. Gegen den Wahrhgeitsgehalt diese Aussage sprechen, neben den vielen Billardspielern an den Tischen, auch der gesangsfreudige Schnurrbartträgertisch gleich links von der Tür und die, nunja, leicht geschürzten Mädels an der Theke.

Natürlich wäre jegliche Argumentation trotzdem zum Scheitern verurteilt. Brav bleibe ich auf Zuruf stehen und äußere vorgeblich schüchtern “Ich will nicht stören, ich brauch nur Zigaretten”.

Ein Schrankkoffer von einem Mann am dunklen Ende der Theke bellt etwas in einer mir unbekannten Sprache, worauf sich eine der falschblonden Minirockträgerinnen widerwillig vom Barhocker gleiten lässt und hinter der Theke die Lade mit dem begehrenswerten Inhalt öffnet. Eine Handbewegung zeigt mir, dass ich jetzt näher kommen darf. Nundann.

Ich wähle, nicht mit Worten, denn Worte könnten jetzt fatal sein, sondern mit dem Finger, die bevorzugte Marke. Geldbörse gezückt. Die Blicke alle nicht-Billardspielenden Anwesenden fokussieren in meinem Rücken. Ich habe das absurde Gefühl, in einer Party von Außerirdischen gelandet zu sein, die mich gleich triumphierend auf ihr Raumschiff beamen werden. Die nächstgelegene Dekolleteeprinzessin schmiegt sich verdächtig rund an meine Daunenjacke. Das Flüstern kann ich nicht entziffern. Ich hoffe immerhin, dass sie weiß, dass sie mit einer Frau flirtet. Mit meiner Jacke und meiner Wollhaube kann ich mir dessen nicht ganz sicher sein.

Egal. Ich atme ganz ruhig weiter. Bezahle. Und flüchte durch die quietschende Tür über die quietschende Treppe. Durch Strahlscheinwerfer und Dunkelheit. Beim nächsten Mal, so denke ich, beim nächsten Mal kaufe ich bei Tageslicht genug Zigaretten für das ganze Wochenende. Ganz bestimmt.

Wenn ich es nicht vergesse.

Und wenn nicht, dann nehme ich meine Kamera mit. Und drehe einen Gruselschocker. In diesem Fabrikshof.

Deubeldeubel,

die dritte Season der Enterprise lässt sich an, als hätte der Regisseur way too much Doom gespielt. Und wenn man dann um ein Uhr früh wegen eines defekten Zigarettenautomatens gezwungen ist, den Nikotinnachschub aus der schummrigen Billardhalle einer nahegelegenen Ex-Fabrik zu holen, dann wirkt sich das auf die Phantasie nicht unbedingt de-eskalierend aus. Wobei die Gestalten, die dort an der Bar hingen, genau so gut aus einer fremden Galaxie stammen könnten. Und die Bedienung wie ein dunkelhaariger Zwilling von Rajiin aussah. Wer weiß schon, was diesen Zeitpiraten einfällt.

Eigentlich wär’s höchste Zeit, schlafen zu gehen, aber ich glaube, eine Episode geb ich mir noch… oder vielleicht zwei…

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