Im Idealfall die technisch verfeinerte Version des goldenen Notizbuchs. Habe ich mir gedacht, als ich die bunte Schachtel wieder einmal aufgemacht habe. Die bunte Schachtel, die ich seit Jahren mit “meine Memoiren” beschriften will, enthält eine Mischung aus handbeschriebenen Heften, Zeitungsausschnitten, Fotos, Vogelfedern, Steinen; Ansichtskarten, beschriftet wie unbeschriftet, erhalten oder nie abgeschickt; fremdländischen Zigarettenschachteln, abgelösten Weinetiketten; schwer leserlich eng beschriebenen Servietten, Bierdeckeln und Streichholzschachteln mit Sätzen, die ich nicht verlieren will, mit Buch- und CD-Tipps, denen ich immer noch nicht nachgegangen bin. Eine Sammlung von Augenblicken, durcheinandergewürfelt, ungeordnet, was gleichzeitig ein Vorteil und ein Nachteil ist. Alle paar Jahre, jedesmal, wenn sie am überquellen ist, wird aussortiert. So verdichtet sich, je weiter man in die Vergangenheit greift, der Inhalt auf das Wesentlichste – natürlich streng subjektiv. Und mein Blog ist, aus der Ferne betrachtet, nichts weiter als die digitale Version dieser Schachtel.

Was mich drauf bringt, dass die ideale Blog-Software eine Möglichkeit vorsehen müßte, die Einträge mit einer Lebenszeit zu versehen. Oft weiß man ja schon vorher, dass ein Eintrag, sei es Link oder Text, zwar heute interessant und spannend, aber schon in einer Woche / einem Monat / einem Jahr völlig überflüssig ist. Und der verschwindet dann einfach, klammheimlich, wenn seine Lebensdauer erreicht ist.