Addictions

“Nikotin!” verlangt der darbende Körper, beinahe hörbar, und folgsam (keinerlei wie auch immer geartete Vorsätze sprechen dagegen) bewege ich ihn vier Stockwerke tiefer und um die nächste Ecke, hinter der ein Zigarettenautomat köstliche Abhilfe verspricht. Und damit wäre diese Geschichte auch schon zu Ende, bzw. wäre gar nicht schreibenswert gewesen – hätte nicht der Rettung Suchtbefriedigung verheißende Automat mal wieder den Dienst verweigert.

Genauer gesagt verweigert der Apparat nicht seinen eigentlichen Dienst, sondern die Anerkennung der Karte, die nicht nur mein ins negative tendierende Vermögen verwaltet, sondern auch den Nachweis meiner Volljährigkeit erbringen soll – “Authent nicht erfolgr”. Für’s “ifizierung” reicht die Größe des Displays offenbar genauso wenig wie für’s “eich”. Ein Blick ins spiegelnde Automatenäußere zeigt allerdings, dass meine Fältchen nicht geglättet, mein Alter also nicht reduziert worden ist. Schade.

Seisdrum. Nächster Halt: Beisltour.

Gleich gegenüber ist offen, also nixwie. Oder so. Mein beherzter Anlauf auf die Tür wird unterbrochen durch drei recht jugendliche Gestalten, die den Zugang blockieren, indem sie davor stehen. “Iss ja voll uncool!” meint die linke (Gestalt), eine Einschätzung, die man angesichts der tristen Thekenhänger hinter der Glastür durchaus teilen kann. “Scheißegal, I wü ma heut des Hirn wegblosn” – die rechte (Gestalt). “Verzeihung, darf ich mal durch?” (ich) war milieupolitisch wohl die falsche Anrede; nichtsdestotrotz wenden sich 3 Augenpaare – mir zu.

“Ey, Oide – stimmt des?”, mit unbestimmter Handbewegung Richtung handbeschrifteter Tafel, werte ich als milde Reaktion. Ich lese “Dopel-Willemsbirn: 1,80”  auf der Tafel. “Na, wenn’s da steht, muss es auch so stimmen” kleide ich mein handelstheoretisches Halbwissen in Zuversicht, ohne weiters auf die Rechtschreibung einzugehen. Das bringt freien Zugang zum tristen Beisl. Als ich eineinhalb Minuten später mit unkompliziert ergatterten Zigaretten herauskomme, stehen sie immer noch da, alle 3. “Wie is des, do drin?” fragt der linke. “Düster”, antworte ich wahrheitsgemäß. 3-faches Schweigen folgt mir um die Ecke.